Der rote Faden

1966:
Ein Gruppe von Transfrauen, darunter einige SexarbeiterInnen,
verursachen einen Aufruhr in einer Cafeteria in San Francisco, als
ein Polizeibeamter eine von ihnen verhaften möchte.

1967: 42
Bunnies aus dem New Yorker Playboy Club lancieren den „Bunny
Strike“, nachdem die Verhandlungen über einen Kollektivvertrag
gescheitert sind.

Stonewall Riots in der Christopher Street 1969:
Eine Polizeirazzia in der New Yorker Christopher Street, bekannt für
sein Klientel aus Drag Queens, Transmenschen und Schwulen,
einschließlich vieler SexarbeiterInnen, führt zu einer Serie
gewaltvoller Proteste.


1973: Die größte feministische Organisation in den USA, die
National Organization of Women (NOW), verabschiedet eine Resolution,
in der sie sich für die Entkriminalisierung der Prostitution
ausspricht. – In San Francisco wird die
SexarbeiterInnen-Organisation „Call Off Your Old Tired Ethics“
(COYOTE) von der Feministin Margo St. James gegründet.

Besetzung einer Kirche in Lyon1975: Im
Zuge einer internationalen Kampagne für die Entlohnung von
Hausarbeit bildet sich das English Collective of Prostitutes (ECP). –
Über 100 Frauen besetzen eine Woche lang im französischen Lyon
die Saint-Nizier-Kirche, um gegen die Kriminalisierung ihrer
Prostitutionstätigkeit, aber auch die mangelnde
Aufklärungsbereitschaft der Polizei bei Ermordungen von
Prostituierten zu protestieren.

1979: Mit
dem US Prostitutes Collective (US PROS) entsteht eine amerikanische
Schwesterorganisation des ECP.

1980: Auf
der UN-Weltfrauenkonferenz protestiert das US PROS gegen eine
Resolution über Menschenhandel aufgrund deren Auswirkungen auf die
Situation migrantischer Sexarbeiterinnen, während COYOTE die
Resolution unterstützt. Das US PROS distanziert sich daraufhin von
COYOTE aufgrund von Differenzen in der Rassismus- und
Kapitalismus-Analyse.Auf einer Frauenkonferenz in San
Francisco prägt Carol Leigh den Begriff „Sexarbeit“, der
sinnbildlich für das neue Selbstbewusstsein der
Prostituiertenbewegung wird.

1981: Die
Pornoindustrie stellt auf Videokassetten um. Dadurch erreichen
Pornofilme ein Massenpublikum und entstehen große Pornostudios.
Einher damit geht ein deutlicher Anstieg der Sexarbeit in der
Pornobranche. – In der medizinischen Fachliteratur wird zum ersten
Mal über eine Krankheit berichtet, die später den Namen AIDS tragen
soll.

1983:
Anhörungen im Stadtrat von Minneapolis über eine
antipornographische Verordnung unter Beratung der Feministinnen
Andrea Dworkin und Catharine MacKinnon, die Pornos als Verletzung der
Bürgerrechte von Frauen werten, haben zur Folge, dass Präsident
Reagan einen nationalen Ausschuss zu Obszönitätsfragen bilden
lässt.

1985/86:
Auf den zwei Welthurenkongressen in Amsterdam und Brüssel wird die
Weltcharta für Prostituiertenrechte verabschiedet. Mit der Charta
wird eine Unterscheidung von erzwungener und gewählter Sexarbeit in
die Debatte eingeführt.

Maggie´s – Sex Workers Organizing1986: Mit
Maggie´s wird das erste von Sexarbeiterinnen geführte
Bildungsprojekt in Kanada gegründet.

1991: Der
Serienmörder Jeffrey Dahmer wird in Milwaukee verhaftet und
angeklagt, 17 junge Stricher ermordet zu haben, die er als
vermeintlicher Freier geködert hatte.

The Lusty Lady in San Francisco1997:
Tänzerinnen des Lusty Lady in San Francisco bilden die erste
erfolgreiche Stripperinnen-Gewerkschaft in den USA und setzen bessere
Arbeitsbedingungen durch. – In Kalkutta findet der erste
landesweite Konvent von Sexarbeiterinnen in Indien statt.


1999: COYOTE und die Exotic Dancers Alliance (EDA) gründen
ein eigenes Spital als Reaktion auf Zwangsblutabnahmen bei
SexarbeiterInnen in einem San Franciscoer Bezirksgefängnis. – In
Schweden wird Prostitution offiziell als Gewalt gegen Frauen und
Kinder klassifiziert und die Klientel von SexarbeiterInnen
kriminalisiert.

2000: Die
Niederlande legalisieren Bordelle und verlangen von weiblichen und
männlichen SexarbeiterInnen zufriedenstellende Gesundheitstests zur
Erlangung von Arbeitslizenzen. – In London treten Prostituierte in
einen eintägigen Streik, um gegen die Räumung ihrer Wohnungen zu
protestieren.


2002: Die International Union of Sex Workers (IUSW) in
Großbritannien tritt der General Workers´ Union (GMB), der
viertgrößten britischen Gewerkschaft bei. – Deutschland
verabschiedet das Prostitutionsgesetz, mit dem Prostitution
legalisiert wird. Das Reformgesetz legalisiert ebenso Zuhälterei,
sofern diese durch schriftliche Verträge gedeckt wird, verbessert
den Zugang für SexarbeiterInnen zu Sozialleistungen und erlaubt den
ArbeiterInnen, gerichtlich gegen säumige Klienten vorzugehen.

2003:
Anlässlich der Verhaftung einer Sexarbeiterin in ihrer eigenen
Wohnung gründet sich in den USA das Sex Workers Outreach Project
(SWOP). – Der US-Kongress verabschiedet PEPFAR, ein 15 Mrd. Dollar
schweres HIV-Hilfsprogramm, das das erklärte Ziel beinhaltet,
„Prostitution auszurotten“. – Das neuseeländische Parlament
stimmt für die Entkriminalisierung von Prostitution und die
Regulierung von Bordellen.

2007:
35.000 NachtarbeiterInnen in Bolivien treten in den Streik und
weigern sich, die erniedrigenden Gesundheitschecks über sich ergehen
zu lassen.

2008:
Randall Tobias, unter George W. Bush Leiter der
US-Entwicklungsbehörde und bekannter Verfechter der „sexuellen
Abstinenz“, taucht auf der Klientenliste eines Escortservices auf.
Elena Reynaga vom Latin American and Caribbean Sex Workers Network
(RedTraSex) halt eine Grundsatzrede auf der Internationalen
AIDS-Konferenz in Mexiko City, die mit stehenden Ovationen bedacht
wird.

2009: Der
Gouverneur von Rhode Island unterzeichnet ein Gesetz, das den Kauf
und Verkauf von sexuellen Dienstleistungen kriminalisiert. –
Norwegen folgt Schweden und verabschiedet ein Gesetz, dass die
Klienten von SexarbeiterInnen kriminalisiert. Taiwan
entkriminalisiert landesweit die Prostitution, nachdem sich
SexarbeiterInnen organisiert hatten.

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