Editorial

In jedem Jahr, wenn die Lemminge auf den Klippen noch zögern, sich ins Meer zu stürzen, ruft ihnen einer ihrer Gewerkschaftssekretäre zu: „Wir haben nichts gegen das Meer!“ Und dann beginnt wieder ein kollektiver Selbstmord… Mit diesem Zitat begannen 1986 die Herausgeber des Klassikers „Maschinenstürmer“ von David F. Noble das Vorwort

Kapitalismus 4.0

Der Kapitalismus steht an der Schwelle zur vierten industriellen Revolution. Nach Mechanisierung, Industrialisierung und Automatisierung folgt nun die Digitalisierung. Durch das Internet wachsen reale und virtuelle Welt immer weiter zu einem Internet der Dinge zusammen. Während sich das Kapital von der Industrialisierung 4.0 neue Wachstumsschübe und mehr Profite verspricht, bedeutet

Digitaler Arbeitsdruck

Gerade im Bundestagswahlkampf ist es wieder zu hören: Die Digitalisierung bietet Chancen. Auch die DGB-Gewerkschaften betonen gerne Positives: „Die technischen Möglichkeiten, dezentrale Steuerungsprinzipien etwa, haben etwas potenziell Emanzipatorisches. Zum Beispiel beim altersgerechten Arbeiten, in der qualifizierten Gruppenarbeit in neuen – für den Beschäftigten positiven – Spielarten in der Mensch–Maschine-Kommunikation“, sagt

Die Unvereinbarkeit von Familie und Beruf

„Denn in der Familie stecken die Frauen. Sie sollen wirken für das öffentliche Leben, aber man soll ihrer dabei nicht ansichtig werden, denn sie sollen zu Hause bleiben“. Das ist eine eindeutige Ansage und sie stammt vom ersten Familiensoziologen – jedenfalls wird er so bezeichnet – Wilhelm Heinrich Riehl, aus

Tragödie und Farce der sich wiederholenden Geschichte

Rund um die türkischen Parlamentswahlen am 7. Juni wurde vor allem eine große Geschichte erzählt: Vom Aufstieg und nun womöglich Fall des Recep Tayyip Erdogan angesichts des Erfolges des kurdisch-linken Wahlbündnisses HDP. Er und seine AKP hätten, so die meisten Chronistinnen und Chronisten, 2003 eine Zeitenwende in der türkischen Politik

Zurück in die Zukunft

In diesem Jahr wird es wieder Zeit sein für Rückblicke: zahlreiche Jubiläen stehen vor der Tür, darunter der 20. Jahrestag der Maueröffnung, Vorbotin der Wiedervereinigung von 1990. Ebenso absehbar wie die Beiträge im Feuilleton wird der Ablauf der Feierlichkeiten sein: kommerztümlich.1 Das Ziel ist klar: Emotionen schüren, Mythen stricken, kurz

Keine Frage der Ehre

Es dürfte wohl kaum eine Region in Europa geben, wo verklärende Mythen über Räuber und Banditenwesen derart unpopulär sind wie in Sizilien. Dafür ist der Schrecken, den die organisierte Gewalt verbreitet, zu real, und die Erinnerung an Gräueltaten, die auf die Arbeiterbewegung verübt wurden, zu lebendig. Denn nicht nur Richter,

Wirtschaft und Demokratie gemeinsam denken

In ihrer Forderung nach mehr Demokratie scheint sich die Arbeiterbewegung kaum von anderen Emanzipationsbewegungen zu unterscheiden. Der entscheidende Punkt aber ist, diese nicht nur auf politischer Ebene zu verlangen, zu erkämpfen oder einfach zu machen, sondern auch auf einer wirtschaftlichen – bzw. diese Trennung zwischen politischer und wirtschaftlicher Ebene schlicht

Gegen die Zerstörung von Herz und Hirn

Mit diesen Sätzen beschreibt Wolfgang Hien sein langjähriges Engagement für den Gesundheitsschutz in der Arbeitswelt. Warum das Thema zu seiner Lebensaufgabe wurde, kann man in einem langen Gespräch erfahren, das Hien mit dem Historiker Peter Birke geführt hat. Im VSA-Verlag ist es unter dem Titel „Gegen die Zerstörung von Herz und

Mannheims „andere“ Arbeiterbewegung

Die FAU Mannheim hat ein Lesebuch zur Geschichte der lokalen Arbeiterbewegung herausgebracht. Ein Interview mit den HerausgeberInnen.   Wie seid ihr auf die Idee für das Buch gekommen? Was war der Ausgangspunkt? Die FAU Mannheim hat 2013 mit vielen anderen regionalen Gruppen eine alternative Veranstaltungsreihe zu der Baden-Württemberger Landesausstellung zur Geschichte der Arbeiterbewegung