Das Darknet als emanzipatorische Vision

Das Darknet ist ein merkwürdiger Ort. Für die meisten Menschen ist es eine nie betretene Welt. Wer weiß schon genau, wo das Tor zu dieser Welt liegt. Für wenige Menschen ist es das bessere Internet, welches Fragen nach der Anonymität und der Verwertungslogik eines Ortes stellt, den wir gewöhnlich täglich

Rolltreppe abwärts

  Eines der meistdiskutierten soziologischen Bücher des Jahres 2016 ist Oliver Nachtweys „Die Abstiegsgesellschaft“. Der Soziologe Nachtwey nimmt mit dem Titel Bezug auf Ulrich Becks „Risikogesellschaft“. Gegen den Beck’schen „Fahrstuhleffekt“, nachdem eben auch für die Menschen „ganz unten“ der Fahrstuhl nach oben fährt, stellt Nachtwey das Bild der abwärts fahrenden Rolltreppe. Dieses

Everlast – Der Rebell mit dem Stein in der Hand

  So „Everlast“, alias Erik Francis Schrody, in einem Musikvideo auf You-Tube, das Kämpfe gegen Polizei und Militär zeigt. Kritische Worte gegen den Zeitgeist sind bei dem 1969 geborenen US-Amerikaner keine Seltenheit: Immer wieder nimmt er in seinen Liedern die Sicht von „unten“ ein, der „blue collar workers“, wie es in

Thorsten Mense „Kritik des Nationalismus“

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Schon der Buchtitel verspricht eine kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff des Nationalismus und im Klappentext wird betont, dass Nationalismus kein allein den rechten politischen Strömungen vorbehaltener Begriff sei. Neben einer kurzen Einführung zur Entstehung des Nationalismus stellt der Autor Thorsten Mense Befreiungskämpfe im Namen der Nation faschistoiden Nationalstaaten gegenüber. Es wird erklärt, dass Nationalismus sowohl zur Befreiung, zur

Aufbrüche

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Wie unbefangen manche Lieblosigkeiten sind, wenn sie durch den Raum schreiten, als wären sie Einsatzkommandos zur Sperrung der Innenstadt, mit einer blitzschnell aus dem Halfter gezogenen Großspurigkeit, die jedes Lächeln zum Erliegen bringt, auftrumpfende Belanglosigkeiten, die noch mit ihrer Unempfindlichkeit prahlen, sich nur mit aufsteigenden Härtegraden abgeben, den höchsten Scheinheiligtümern. Und danach? - Eine in aller Öffentlichkeit stattfindende

Killed by Death

Ich war selber etwas überrascht, als ich nach dem 28.12.2015 feststellte, dass meine ältesten Bravo-Ausschnitte über Motörhead etwa von 1983 datieren. Damals war ich acht, genau so alt wie die Band. Meine erste Motörhead-LP, die sträflich unterbewertete „Iron Fist“ (1982), stammt aus derselben Zeit – auch wenn ich sie mir zugegebenermaßen erst einige Jährchen später zugelegt

Gruppe Tresantis: „Die Anti-Atom-Bewegung – Geschichte und Perspektiven“

Das Tresantis-Kollektiv, laut eigener Beschreibung „Querköpfe die an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten eng mit dem Widerstand gegen Atomanlagen verbunden waren und sind“, hat ein solides Buch abgeliefert. Die Herausgeber*innen selbst vertreten den Anspruch einer Anti-Atom-Bewegung, die untrennbar mit anti-autoritärer, anti-staatlicher und anti-kapitalistischer Grundhaltung verbunden ist. Über mehrere Jahre

Back to the Past

In Zeiten von Web 2.0, einem immer weiter steigenden Leistungsdruck und dem weltweiten Siegeszug des Neoliberalismus ist das Bedürfnis vieler Menschen nach Entschleunigung verständlich und nachvollziehbar. Im Folgenden versuche ich am Beispiel der Ideologie des Anarcho-Primitivismus aufzuzeigen, warum die Rückkehr in die Steinzeit trotz allem keine emanzipatorische Perspektive darstellen kann. Anarcho-Primitivist*innen

Realexistierender Anarchismus

Nachdem ihr langjähriges Projekt nun abgeschlossen ist, kommt der Dokumentarfilm Projekt A der Regisseure Moritz Springer & Marcel Seehuber Anfang Februar in die Kinos. Vorab haben wir uns mit folgendem Interview schonmal einen Einblick verschafft.   Woher kam die Idee zu dem Film? Moritz: Ich habe Horst Stowasser 2008 auf einer Konferenz kennengelernt,

„Die Welt riss mich“

Feminist, Arzt, Zoologe, Antiimperialist, Schriftsteller, Journalist und Kriegsgegner – all dies lässt sich über Max Tobler sagen. Doch zu Max Tobler findet sich im deutschsprachigen Wikipedia kein Eintrag und auch innerhalb der Schweizer Linken war der seinerzeit sehr populäre Sozialist und Syndikalist in Vergessenheit geraten. Seit ihrer Entstehung 1925 blieb