Münchner Räterepublik und Gründung des Freistaats Bayern vor 100 Jahren

12. März 2019
19:00 - 21:00 Uhr
Ratssaal des Marstalls
Schlossplatz 5

Vortrag von Fritz Letsch, Veranstaltung des Wandervereins Bakuninhütte

München, nicht Berlin war Schauplatz der ersten deutschen Revolution 1918. Die Wittelsbacher Dynastie, welche Bayern über 700 Jahre beherrscht hatte, wurde über Nacht gestürzt. Sieben Monate lang regierten danach Linke gestützt durch revolutionäre Arbeiter- und Soldatenräte in Bayern. Der sozialistische Ministerpräsident Kurt Eisner machte das Land zu dem, was es heute noch ist: ein Freistaat. Nach Eisners Ermordung folgte eine anarchistische und später eine kommunistische Räterepublik. Erst mit dem Einmarsch von Reichswehr und Freikorps scheiterte das Experiment, fast 1000 Tote gab es am Ende. In den Folgejahren wurden hier die Weichen für den Aufstieg des Nationalsozialismus gestellt. Zahlreiche Schriftsteller wohnten zu jener Zeit in München. Ernst Toller, Erich Mühsam und Gustav Landauer beteiligten sich aktiv an der Räte-Regierung, Oskar Maria Graf, Heinrich Mann, B. Traven und Ricarda Huch zählten sich zu den Sympathisanten.

Der Gemeindepädagoge Fritz Letsch wird zunächst einen historischen Abriss geben. Anschließend geht es um die Aufarbeitung in der Stadt München hundert Jahre nach den Ereignissen. Letsch hat sich vor Ort aktiv ins Jubiläumsjahr mit der Revolutionswerkstatt eingebracht.

Die Veranstaltung wird gefördert durch das Bundesprogramm Demokratie leben! (BMFSFJ) sowie das Thüringer Landesprogramm „Denk bunt“ (TMBJS) und den Landkreis Schmalkalden-Meiningen und findet in Kooperation mit dem Meininger Bündnis für Demokratie und Toleranz statt.

bakuninhuette.de

Nachdem der Wanderverein Bakuninhütte mit der Kaffeefahrt „ 1918 – Demokratie Zweiter Versuch“ die lokale Geschichte in Bezug auf die Novemberrevolution und Folgejahre aufgearbeitet hat, geht es bei dieser Abendveranstaltung darum einen Vergleich zu einer anderen Region zu schaffen. Die Bayrische Räterepublik bietet sich hier gut an, nicht nur wegen der räumlichen Nähe, sondern ebenso als Prozess in einem damals stark ländlich geprägtem Raum. Auch in Sachsen-Meiningen gab es wie in Bayern das Phänomen der Bauernräte in der Novemberrevolution. Zugleich soll die Veranstaltung einen Überblick geben, wie lokale Geschichte aufgearbeitet werden kann. Ein Erfahrungsaustausch mit dem Referent bietet sich dabei an.

Relevant für die Entwicklung des Nationalsozialismus sind die Folgejahre nach der Gründung des Freistaats Bayern. Hier gibt es ebenfalls Parallelen mit dem Land Thüringen, in dem sich später frühzeitig rechtsextreme Kräfte etablieren konnten. Der Vortrag soll daher einen Blick zeigen auf die Gefahren für die Demokratie durch autoritäre Tendenzen. Ebenfalls das Scheitern der Räterepublik soll beleuchtet werden. Was bedeutete es für eine Gesellschaft, wenn die fortschrittlichen Kräfte geschwächt werden?

 

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