»Mein Name ist Christopher, ich komme gerade aus der Nachtschicht«. Mit dieser Ansprache wandte sich Christopher T. am 23. August 2025 an die Antimilitarist:innen, die sich mit einer Demonstration gegen die Militarisierung am Flughafen Leipzig wandten. Daran hatten sich insgesamt circa 700 Menschen beteiligt, die sich an dem warmen Sommertag auf einen 15 Kilometer langen Weg vom Leipzig Hauptbahnhof machten. An dem sechseinhalbstündigen Marsch beteiligten sich auch viele Arbeiter:innen, darunter Christopher T., der auch Verdi-Vertrauensmann bei DHL-Leipzig ist.

Der Gewerkschafter begründete in seinem kurzen Redebeitrag, warum er als DHL-Beschäftigter den Protestmarsch begrüße. »Es ist uns als Flughafenarbeiter ein großes Anliegen, dass unsere Arbeit nicht dem Krieg dient.«, betonte er.

Christopher T. äußerte in seinen Beitrag auch die Hoffnung, dass der Marsch ein starkes Zeichen setzt und mehr Kolleg:innen am Flughafen sich der Kritik an den Rüstungstransporten anschließen. »Wir können uns nicht darauf verlassen, dass sich DHL auf eigene Bestrebungen auf Rüstung verzichten wird«, betont der DHL-Beschäftigte. Schließlich seien für den Konzern Rüstungsaufträge ein Geschäft wie jedes andere. Der Kollege beendete seine Rede mit den beiden Slogans »Arbeiter:innen schießen nicht auf Arbeiter:innen« und »Kein Transport für Völkermord«. Von den Demonstrant:innen wurde der Beitrag mit viel Applaus aufgenommen und auf zahlreichen sozialen Netzwerken geteilt. Dadurch erfuhr auch die Personalabteilung von DHL davon. Das hatte für Christopher T. gravierende Folgen. Er durfte sofort den Betrieb nicht mehr betreten. Wenige Tage später wurde Christopher T. dann gekündigt. Sein antimilitaristisches Engagement in der Freizeit war Anlass für seinen Rausschmiss. Diese Repression soll in Zeiten der neuen deutschen Kriegsfähigkeit Kolleg:innen einschüchtern und abschrecken. Wie sich das auswirkt, konnten Aktivist:innen des Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion in der Praxis erleben. Dort haben sich Antimilitarist:innen zusammengeschlossen, die sich gegen die Umwandlung gegen ein Werk für Autozubehör in einen Rüstungsbetrieb wenden. Im Berliner Stadtteil Wedding soll ein Rheinmetall-Werk entstehen, das Komponenten für Artilleriemunition herstellen soll. Beim Verteilen von antimilitaristischen Informationen vor dem Werkstor erfuhren die Antimilitarist:innen, dass die Beschäftigten sich per Unterschrift verpflichten mussten, über die schon laufende Umrüstung des Werks mit niemanden zu reden. Auch die Frage, wann genau die Waffenproduktion beginnen soll und wie viele Beschäftigte dafür übernommen werden, gehört zu diesen vom Management zu Betriebsgeheimnissen erklärten Informationen, über die nicht gesprochen werden darf. Nun steht das Werk im Wedding nicht allein. In vielen deutschen Städten von Görlitz in Ostsachsen bis Osnabrück weit im Westen von NRW sind solche Umwandlungen von Zivil- in Rüstungsproduktion entweder schon im Gange, in Planung oder in Verhandlung.

In fast allen diesen Betrieben werden diese Maßnahmen von der Führung der der IG-Metall und mit ihr eng verbundenen Betriebsrät:innen unterstützt. So erklärte in der Berliner Zeitung der IG-Metall der Betriebsratsvorsitzende von Rheinmetall im Wedding Bernd Benninghaus:

»Die Umstellung unseres Werks auf die Produktion von Rüstungsgütern ist ein in die Zukunft gerichtetes positives Zeichen. Die Transformation läuft bei uns anders als gedacht, ist aber alternativlos. Durch den jetzt bevorstehenden Übergang erhalten wir alle Produktionsarbeitsplätze am Standort und werden perspektivisch noch Beschäftigung in der Produktion aufbauen.«

Ähnlich haben sich in den letzten Monaten auch Betriebsrät:innen und IG-Metall-Funktionär:innen in anderen Städten geäußert. Mag im Grundsatzprogramm der IG-Metall auch das Bekenntnis zu weltweiter Abrüstung stehen, in der Praxis wird die aktuelle Umwandlung von Zivil- in Rüstungsbetriebe propagandistisch unterstützt. Dabei geht es eben nicht nur um den Einsatz für den Erhalt der Arbeitsplätze, wie von Seiten der IG-Metall immer wieder betont wird. Es zeigt sich auch an vielen Äußerungen, dass die Führungsebene der Gewerkschaft die Ziele des Staates auch in der Außenpolitik vollständig verinnerlicht hat. So stellt sich die Frage nach Gewerkschaften, die in anarchosyndikalistischer Tradition die Parole »Arbeiter:innen schießen nicht auf Arbeiter:innen«, »Arbeiter*innen produzieren nicht für Rüstung und Krieg« wieder an die Arbeitsplätze tragen und Kolleg:innen wie Christopher T. unterstützen.

Peter Nowak
Der Autor ist freier Journalist.
Seine Texte finden sich hier:
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