Ein Hoch auf die FDGO!
Grundsätzlich begrüßen wir den Kampf gegen reaktionäre Kräfte wie die AfD. Dass am 04.07.2026 mehrere zehntausend Menschen an den Protesten gegen den Parteitag der AfD teilgenommen haben ist beachtlich und die dahinterstehenden Orgastrukturen haben bemerkenswertes geleistet. Wir als FAU Erfurt solidarisieren uns mit allen die jetzt Drohungen und Anfeindungen ausgesetzt sind, halten eine Kritik an den Aktivitäten aber dennoch für notwendig.
Unser Eindruck ist, dass dort ein strategisch gewünschtes Bild produziert worden ist: Parteien, Gewerkschaften und Verbände haben gemeinsam mit den Bürger:innen die freiheitlich demokratische Grundordnung (fdGO) ausgereizt und verteidigt. An sämtlichen Plätzen in der Stadt waren bürgerliche Organisationen omnipräsent.
Um das nochmal klarzustellen: Wir solidarisieren uns mir allen Leuten, die gegen die AfD protestiert haben. Dennoch haben wir den Eindruck, dass der Tag instrumentalisiert wurde, um Bilder für den Lobgesang auf die FDGO zu produzieren. Das all zu häufig skandierte “Alle zusammen gegen den Faschismus“ suggerierte: Im Grunde sei das Gesellschaftssystem in Ordnung. Es liefe nur etwas falsch, und zwar die Existenz der AfD. Damit sei ein Verbot der Partei die „Rettung der Demokratie” und Lösung des Problems.
Ein Blick in die Berichterstattung macht deutlich: Kritische Inhalte wurden nicht transportiert. Beispielsweise was „den Faschismus“ kennzeichnet, gegen den mensch sich wendet. Oder welche Hintergründe sich abzeichnen, die einen Rechtsruck befördern. Der Sozialkahlschlag wird in wenigen Artikeln zusammenhanglos kritisiert, maßgeblich aber wird über die Legitimität der Blockaden und ein AfD-Verbot diskutiert.
Eine Bekämpfung des Faschismus ist aber ohne Analyse der Hintergründe nicht möglich und ein Verbot der AfD ist nicht die Lösung des Problems. Was es beispielsweise bräuchte, wären Gewerkschaften, die sich deutlich und kämpferisch an die Seite der Arbeiter:innen stellen. Leider ist davon bei DGB-Gewerkschaften zu wenig zu sehen. Rechte Strukturen in Form des Zentrums (AfD-nahe “Gewerkschaft“) versuchen aktiv, diese Lücke zu füllen.
Dass die DGB-Gewerkschaften am Samstag in Erfurt eine Demo gegen rechts angemeldet haben ist zwar eine begrüßenswerte deutliche Positionierung, mit Blick auf Arbeitnehmer:innenrechte und soziale Sicherungssysteme aber bleibt eine riesige Unterstützungslücke. Diese Lücke wollen wir mit einer klassenkämpferischen und herrschaftskritischen Position schließen.
FAU Erfurt

