Bereits seit einigen Jahren haben wir von der FAU, bzw. der AG Asien der ICL (International Confederation of Labour), immer wieder gemeinsam mit der FGWM Kampagnen gestemmt.
Unter anderem zum 1. Mai oder zum feministischen Kampftag haben wir verschiedene Arbeitskämpfe in Fabriken erfolgreich unterstützt, in denen Marken wie H&M, Hunkemöller oder auch Zara produzieren lassen. Die Genoss:innen in Myanmar sind vielen verschiedenen Herausforderungen ausgesetzt: Nicht nur die Militärdiktatur bedroht ihr Leben jeden Tag, auch die Langzeitfolgen von Naturkatastrophen oder sogar noch der Coronapandemie machen ihnen ihren Alltag schwer. Auch der aktuelle Krieg im Mittleren Osten treibt zusätzlich die Preise nach oben.

Um so mehr freuen wir uns, dass nach den zahlreichen Aktionen, die wir in den vergangenen Jahren gemeinsam gemeistert haben, die FGWM nun ein gleichwertiges Mitglied unserer internationalen Konföderation werden soll. Ein entsprechendes Votum der anderen ICL Sektionen steht allerdings noch aus.

Um den Beitritt der FGWM zu unterstützen, sind wir als eine Delegation der ICL Ende März nach Thailand gereist. Dort haben wir einige Genoss*innen persönlich treffen können, in mehreren Plena ihren Beitritt vorbereitet und mögliche zukünftige gemeinsame Aktionen diskutiert.

Mit sechs Personen waren wir für zwei Wochen vor allem in Mae Sot und Chiang Mai unterwegs, wo viele Aktivist*innen aus Myanmar zur Zeit im Exil leben. Während unserer Reise haben wir nicht nur mit Mitgliedern der FGWM gesprochen, sondern auch versucht, möglichst viele andere Gruppen zu treffen, um unser Netzwerk auszubauen. Insgesamt hat sich die ICL Delegation mit 17 Initiativen und Organisationen austauschen können. Obwohl es den Rebell:innen an allem fehlt – Munition, Waffen, Essen und sogar Trinkwasser – geben sie nicht auf und erhalten ungebrochen Unterstützung aus der Zivilbevölkerung. Während die Junta Waffen und Geld aus Russland, China und dem Iran bekommt, sind die Rebellengruppen weitestgehend auf sich gestellt. Es gibt keine internationale Unterstützung, keine Abwehr- und nicht mal Alarmsysteme. Ein Radiosender (Federal FM) übernimmt zum Teil diese Aufgabe: Aus dem Dschungel heraus sendet dieser unter anderem Luftalarme. Federal FM ist nur ein Beispiel für die Kreativität und DIY-Kultur des Widerstands gegen das Regime in Myanmar. Sowohl in Mae Sot als auch in Chiang Mai gibt es viele Initiativen, die nicht nur die Widerstandsbewegung, sondern auch die Geflüchteten unterstützen.

Wegen vieler anderer internationaler Konflikte und Krisen, wird der Bürgerkrieg in Myanmar in anderen Ländern allerdings kaum wahrgenommen. Dass wir uns für ihre Geschichten und ihren Kampf interessieren, hat die Menschen sehr gefreut. Die Begegnungen waren für beide Seiten etwas besonderes: Die Menschen, die wir getroffen haben, sind an einer tatsächlich stattfindenden Revolution beteiligt. Sie unterstützen nicht nur den Kampf gegen eine Militärdiktatur und damit den Kampf gegen Faschismus – sie arbeiten gleichzeitig daran, parallel eine neue Gesellschaft aufzubauen. Für uns waren die Treffen und Geschichten der Genoss*innen sehr motivierend, unsere internationale Vernetzung fortzuführen und zu intensivieren: Seit unserer letzten gemeinsamen Kampagne zum 8. März 2025 für Menstruationsprodukte und bessere Sanitäranlagen in den Fabriken hat sich tatsächlich nachhaltig etwas verändert. In der Hang Kei Textilfabrik im Industriegebiet von Yangon mit einer Belegschaft von mehr als 1000 Personen fühlt sich das Management nach wie vor verpflichtet, Binden für die Arbeiterinnen bereitzustellen, die Toiletten regelmäßig reinigen zu lassen und auch Ruheräume für schwangere und stillende Frauen zu Verfügung zu stellen. Da wir in Europa und den USA von den günstigen Preisen für Kleidung profitieren, sind wir alle über die weltweite Produktionskette miteinander verbunden. Mit der internationalen Zusammenarbeit können wir unseren Teil der Verantwortung übernehmen und die Marken, die in den Fabriken in Myanmar (und anderen süd- und südostasiatischen Ländern) produzieren lassen und von der Ausbeutung profitieren, unter Druck setzen. Gemeinsam können wir etwas verändern, das haben wir bereits bewiesen. Es lohnt sich! Solidarität ist unsere Waffe!

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