Gartenbau, Landwirtschaft, Forst und Umweltberufe

Im Herbst 2022 starteten einige Gewerkschaftsmitglieder innerhalb der FAU die Initiative zu einer neuen Branchensektion, der »Initiative Grüne Gewerke« – kurz IGG – für Beschäftigte aus den Bereichen Gartenbau, Landwirtschaft, Landschaftspflege, Forst und Umweltberufen.

Die meisten dieser Bereiche haben einen gewerkschaftlich sehr geringen Organisationsgrad und gerade die Landwirtschaft gehört zu den gefährlichsten und prekärsten Branchen Deutschlands. Die selbstgesteckte Aufgabe war also nicht gerade klein.

»Die Ergebnisse können sich sehen lassen!«

Heute, 3,5 Jahre später, hat die IGG an den ersten Orten die etablierten Gewerkschaftsstrukturen in Sachen Mitgliederzahlen und Verankerung in der Branche deutlich überholt. Aktuell sind Regionalgruppen und teilweise Ortsgruppen in allen Teilen Deutschlands im Aufbau. In einem ersten landwirtschaftlichen Betrieb wurde gemeinsam ein Arbeitkampf mit einem Streitwert von über 10.000€ gewonnen. Es folgten weitere erfolgreiche Individualkonflikte in Hamburg und Tübingen. Internationale Netzwerke bspw. zu Landarbeiter*innen in Südspanien oder Bangladesch befinden sich im Aufbau und die IGG ist ein gern gesehener Partner, bspw. unter den Organisationen der linken Agrarbewegung wie der »jungen Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft« (jAbL), dem »Emanzipatorischen Landwirtschaftsnetzwerk« (ELAN), dem Netzwerk Solidarischer Landwirtschaften (SoLaWi) oder den Kollektivbetrieben der Branche.

Die meisten Mitglieder sind wegen der Branchen-Arbeit frisch in die FAU eingetreten, werden oft aktiv und bilden sich intern in der FAU zu Organizing, Arbeitsschutz und Arbeitsrecht weiter. Aber auch gesellschaftspolitische Debatten um Agrarwende, Ernährungssouveränität und tatsächlichen Umweltschutz spielen eine große Rolle. 2025 Beschloss die IGG ihr »betriebspolitisches Programm« mit klaren Zielen für Mindeststandards im gemeinsamen Organisationsbereich – bspw. hinsichtlich Lohnhöhen, Arbeitszeit, Arbeitsschutz, Ausbildung, Antidiskriminierung. Diese Forderungen werden bereits aktiv in Betrieben und teilweise auch Verbänden diskutiert.

Daneben hat die IGG für ihre Mitglieder heute schon viel praktischen Mehrwert: Wir helfen uns bei der Suche von Ausbildungsbetrieben und Jobs und warnen uns vor schlechten Betrieben, wir treffen Absprachen über Konditionen mit denen wir uns bewerben, wir teilen Wissen und Weiterbildungen, wir unterstützen uns emotional und rechtlich.

Wie geht es weiter?

Im kommenden Jahr wird es darum gehen, unsere Strategie für die nächsten paar Jahre weiter zu entwickeln, Organizing und Verbesserungen in einzelnen Bereichen, bspw. landwirtschaftlichen Anbauverbänden voran zu bringen, Sozialorganisationen bspw. für Auszubildende aufzubauen und gemeinsame Strukturen mit der Kollektivbetriebebewegung zu fördern. Wir wollen außerdem das Gespräch über eine gemeinsame, gesamtgesellschaftliche Vision in unseren Branchenbereichen weiter entwickeln und mit den Arbeiter*innen aus anderen Branchen auch gezielt ins Gespräch über ihre Rolle als Konsument*innen und die Möglichkeiten gewerkschaftlicher Konsument:innen-Organisation gehen. Auch die Festigung der Beziehung mit anderen Organisationen bspw. von Landarbeiter*innen, Indigenenverbänden und Landlosenbewegung weltweit ist uns sehr wichtig, um einen internationalen Blick zu behalten und uns Stück für Stück auch entlang von Lieferketten zu organisieren.