'Lieber leben wir als Außerirdische'

Salting-Tourist:innen

Ein Meilenstein in der Auseinandersetzung mit Basisorganisierung

‚Lieber leben wir als Außerirdische‘: Buchbesprechung

Gut, da ist die Konstruktion, aber wo ist der Sozialismus? (1/2)


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„Das Prinzip der Arbeitsteilung erzeugt Spezialitäten. Nicht mit Unrecht hat man deshalb die Notwendigkeit des Führertums mit der Notwendigkeit des Arztestandes oder der Existenz fachkundiger Chemiker verglichen. Spezialität aber heißt Autorität. Wie man dem Arzt gehorcht, weil er sich kraft seines Studiums auf den menschlichen Körper besser versteht als der Patient selbst, so muß sich der politische Patient seinem Parteiführer überlassen, der die jenem selbst abgehende politische Kompetenz besitzt. Dadurch würde im letzten Grunde die Demokratie in eine Herrschaftsform der Besten, in eine Aristokratie, umgewandelt. Die Führer sind die Besten, die sachlich wie moralisch Reifsten, ergo haben sie nicht nur das Recht, sondern geradezu die Pflicht, sich durchzusetzen, und zwar nicht nur als Exponenten einer Partei, sondern, im Vollgefühl ihres eigenen Wertes, als Individuen.“ – Robert Michels: Zur Soziologie des Parteiwesens, 1911

Syndikalistische Verdauungsprobleme

Der ehemalige FAU-Aktive Holger Marcks startete 2018 auf direkteaktion.org „eine zeitgemäße Skizze dessen, […] was Rudolf Rocker einst als ‚konstruktiven Sozialismus‘ bezeichnete“1. Die programmatische Komplettierung „einer aufbauenden Sozialtechnik, die strategisch zwischen Realität und Utopie vermitteln kann“, wurde von Marcks nach drei von angekündigt vier Teilen abgebrochen. Der Dreiteiler mit dem Titel ‚Skizze eines konstruktiven Sozialismus‘ beschäftigt sich mit der FAU als zentralem Fallbeispiel für Basisorganisierung. Nebenbei attestiert Marcks weiteren linken Versuchen des Organisationsaufbaus eine „vertuschte Syndikalisierung“.

Die ‚Skizze‘ kann als ein Grundlagentext des heutigen Syndikalismus in der BRD angesehen werden, allerdings als ein unverdauter, ein nicht bewusst durchgearbeiteter. Ihre Schlussfolgerungen wirken in grundlegende Entscheidungen auf polittheoretischer, organisatorischer und betrieblicher Ebene zumindest in der FAU weiter. Doch jene bleiben dabei in ihren Voraussetzungen, und diese wiederum in ihrer Plausibilität kollektiv unbefragt. Der einzige Ruf in der syndikalistischen Diskurswüste ist der Artikel ‚Revisionistischer Syndikalismus‘ von der Redaktion der anarchistischen Dissensschrift Tsveyfl von 2023. Diese konstatieren:

„Problematisch […] ist [in Marcks‘ ‚Skizze‘ und Bewernitz‘ ‚Syndikalismus und Neue Klassenpolitik‘] bereits die Trennung zwischen Syndikalismus und Anarchismus, wie auch die Verengung des Syndikalismus auf die ökonomische Ebene. In seine Extreme getrieben, ergibt sich daraus ein revisionistischer Syndikalismus, der sich, im falsch verstandenen Sinne des revolutionären Syndikalismus, von ‚jeder Politik und Ideologie‘, und damit auch vom Anarchismus, lossagt. Im nächsten Schritt fällt der revisionistische Syndikalismus noch weiter hinter den revolutionären Syndikalismus zurück, indem er sich a) von der Revolution und b) vom syndikalistischen Organisationsprinzip verabschiedet. Was bleibt ist Syndikalismus als Form der Haltung, die nur zum Ausdruck bringen soll, für ‚die da unten‘ zu sprechen. Dass man sich damit deutlich der Sozialdemokratie einerseits und dem Leninismus andererseits annähert, wird durch diese Haltung gekonnt kaschiert.“2

Die derart zwar trefflich angepikste ‚Skizze‘ schleppt sich jedoch in Strategiebildungen der FAU weiter. Ich finde, sie bedarf einer noch tieferen Durchdringung und weiteren kritischen Klärung. So möchte ich im Folgenden gegen die Programmatik des gewesenen Fauista Marcks verteidigen: 1. den Inhalt eines freiheitlichen Sozialismus gegen seinen entradikalisierten Liberalismus3; 2. eine antikapitalistische Perspektive und, wie ein Genosse anmerkte, Momente des revolutionären Sprungs beziehungsweise Bruchs; 3. die anarchosyndikalistische Form der marginalen Arbeiter:innen-Union und ihre emanzipatorische Beziehungsweise eines freiheitlichen Föderalismus; sowie 4. syndikalistische Organisations- und Kampfformen der direkten Aktion und gegenseitigen Hilfe.

Was ist nun die Programmatik der ‚Skizze‘ von Holger Marcks? Sie ist, ganz allgemein und in seinen Worten, eine der „strategischen Umwandlung der gesellschaftlichen Verhältnisse – das ist der Gegenstand von Transformationspolitik.“ Dabei gehe es nicht nur um „Vorschläge für horizontale Organisationspraxen, in denen man Potentiale für Mobilisierung und soziale Kämpfe sieht.“ Sondern auch um deren Einbettung „in Sozialtheorien, mit der sich ein Programm der Transformation entwickeln ließe. Immerhin erfordert diese nicht einfach Konzepte für erfolgreiche Basisorganisierung, sondern eben solche für eine erfolgreiche transformatorische Basisorganisierung.“ Letztere müsse also nicht nur „Menschen mobilisieren und Kämpfe gewinnen“, sondern auch „da heraus Strukturen und Institutionen entwickeln, die so etwas wie eine Gegengesellschaft ermöglichen.“ Eine solche Organisierung zur strategischen Umwandlung gesellschaftlicher Verhältnisse kann für Marcks nur eine „breiter Massen“ sein. Entsprechend müsse Basisorganisierung heute schon ausgerichtet und konstruiert werden.

Wo Marcks den Punkt der Organisierung „breiter Massen“ nicht explizit ausformuliert hat, ergibt sich dieser als Schluss, wie ich im Folgenden immer wieder aufzeigen werde, logisch aus seiner Programmatik selbst: Transformatorische Basisorgansierung müsse bereits hier und heute als stabile Mitgliedermassenorganisation angelegt werden. Sie muss mit Marcks als Massenorganisation im Sinne dauerhaft eingebundener Mitglieder konzipiert werden und vermittelt darüber zunehmend als Gegengesellschaft funktionieren können. Marcks‘ auf diese Grundprämisse aufbauenden Argumente sind in sich nicht unstimmig. Doch meine Schwierigkeiten mit der ‚Skizze‘ beginnen bereits hier, an ihrem Fundament: Sie bezieht ihre Plausibilität aus einer (anarchosyndikalistischen) Transformationshypothese, welche in bestimmten, bereits historisch gewordenen Gesellschaftsverhältnissen getestet wurde und deren Scheitern in der ‚Skizze‘ nicht reflektiert wird, womit die Hypothese lediglich in neuer Verpackung wiederzukehren scheint. Diese fundierende Hypothese wird Marcks zu Behauptungen wie der folgenden leiten, und mit einer Legitimierung von bezahltem Expertentum in der FAU enden:

„Wenn sich der Syndikalismus nicht durch klassistische Mechanismen ad absurdum führen will, muss er Repräsentation beinhalten. Nur wenn Mitglieder RepräsentantInnen wählen können, von denen sie ihre Interessen vertreten sehen, ist es möglich, die für Transformationspolitik nötigen Massen einzubinden.“

Im Buch ‚Lieber leben wir als Außerirdische‘, dessen Epilog dieser zweigeteilte Artikel hier ist, habe ich hingegen einen bescheideneren strategischen, einen marginalen und damit realistischeren Weg für Basisorganisierungen wie die FAU Hier und Heute vorgeschlagen:

„Wir können, wollen wir als Syndikalist:innen handeln, tagespolitisch für uns als Lohnabhängige Verbesserungen erstreiten und so Erfahrungen mit unseren prinzipienbasierten Organisations- und Kampfformen sammeln. Wir können Vor- und Nachteile syndikalistischer Methodik als Programm aufarbeiten, dieses als Werkzeug weiterreichen und so zu sichtbaren militanten Handlungsmöglichkeiten als Klasse beitragen. Unsere Aufbauorganisationen können wir zu unterstützenden Infrastrukturen und militanten Netzwerken, zu ‚Arbeiter:innen-Unionen‘ ausbauen. Wir können in den Betrieben solange es geht als FAU unter dem Radar des Managements und der Öffentlichkeit fliegen und eine inoffizielle Anerkennung als ‚Gewerkschaft‘ im Sinne widerständiger Kolleg:innengruppen erkämpfen. Das ist durchaus ein Eingeständnis unserer eigenen relativen Schwäche als Linksradikale sowie der Grenzen unserer Möglichkeiten, innerhalb des sozialdemokratischen Klassenkompromisses Wirk- und Handlungsmacht zu entfalten […]

Die auf solcher Ernüchterung aufbauende machtpolitische Bestimmung ist aber eben zugleich auch genau das – sie ist der Versuch, als politisch-ökonomische Kampforganisierung das zukünftige Mitmischen beim Kampf um gesellschaftliche Macht nicht einfach aufzugeben, sondern heute schon dafür vorbereitend tätig zu werden. Die solchen Vorschlägen zugrunde liegenden ‚Einsichten‘ über die Funktion des Arbeitsrechts und über die Fallstricke, welche die industriellen Beziehungen für eine eigenmächtige Arbeiter:innenbewegung bereithalten, ’sind eigentlich das, wofür insbesondere eine revolutionäre Organisation das wichtigste Zuhause ist.‘ Noch einmal anders formuliert: Es gilt, militantes Wissen, Praxen und Subjektivierungsformen durch den heraufziehenden gesellschaftlichen Winter hindurchzutragen und experimentell auszubauen. Machtpolitisch gilt es also, einen heute noch oft schlicht marginalen Beitrag zur Stärkung einer zukünftigen eigenmächtigen Arbeiter:innenbewegungzu leisten. Und zwar durch die Institutionalisierung militanter Kampf- und Organisationsformen im Hier und Jetzt.“ (LLWAA: E, 9)4

Diesen anderen Strategievorschlag habe ich zentral auch mit früheren Texten von Holger Marcks formuliert, beispielsweise dessen Artikel ‚Die marginale Gewerkschaft‘ von 2008. Welcher Wandel in den 10 Jahren, vom Genossen in der FAU bis zum politischen Arzt in der ‚Skizze‘, geschehen sein könnte, auch darüber erlaube ich mir, im Folgenden zu spekulieren. Mit dem im ‚Außerirdische‘-Buch formulierten Strategievorschlag jedenfalls, der selbst auch alles andere als neu ist, ließe sich Hier und Heute keine breite „soziale Basis in den unteren Klassen erarbeiten“, wie Marcks es fordert. Ich behaupte hingegen, dass es für die auch nur annähernde Erreichung dieses Ziel erst die Entstehung einer eigenmächtigen „Bewegung von ArbeiterInnen“ auf gesellschaftlicher Ebene bräuchte. In einem solchen Kontext würde sich obigen Arbeiter:innen-Unionen erst die Chance eröffnen, mit ihren Formen und Inhalten möglicherweise massenhaften, wenn auch keinen mitgliederstabilen Einfluss zu nehmen. Das heißt, insofern sie nicht schon vorher in sozialrevolutionäre Sackgassen geraten sind.

Bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag ließe sich jetzt sehr abstrakt revolutionstheoretisch – Verzeihung Holger, „transformationstheoretisch“ – streiten, ob die von Marcks vorgeschlagene Strategie der stabilen Mitgliedermassenorganisation für einen Syndikalismus im 21. Jahrhundert ein gangbarer Weg der Gesellschaftstransformation wäre. Ich mache im ‚Außerirdische‘-Buch, unter anderem mit Gabriel Kuhn, keinen Hehl daraus, dass ich das nicht denke und versuche das dort auch ausführlich zu begründen.

In der Vorabdiskussion dieses Epilogs nun gab es mit Genoss:innen aber gerade zur strategischen Forderung der ‚Massenorganisierung‘ vielfältigen Dissens, was eine eigene Debatte wert ist! Allerdings denke ich, dass sich dieser Dissens nicht unwesentlich daraus ergibt, dass der Begriff ‚Massenorganisierung‘ so viele schillernde Bedeutungsschichten hat. Er wird in verschiedenen linken Traditionen sehr unterschiedlich gehandhabt, selbst in den verschiedenen (Anarcho)Syndikalismen5, und auch wir FAU-Genoss:innen stellen uns glaube ich unter der praktischen Bedeutung des Begriffs verschiedenste Dinge vor. Nicht zuletzt vermute ich, dass die sture Zuversicht auf ‚Massenorgansierung‘ für manche wild entschlossene ‚Außerirdische‘ das ist, was sie in ihrem aufopferungsvollen Aktivismus nach Jahren noch bei der Stange hält …

Ich möchte aber wenigstens klarstellen, dass auch mir an einer Organisierung gelegen ist, die massenhaften Einfluss entwickeln kann oder könnte. Doch das lässt sich auf verschiedenen Ebenen völlig unterschiedlich konzipieren, sagt also für sich noch kaum etwas über eine konkrete strategische Programmatik. Schon was ‚massenhaft‘ eigentlich genau meint, ist unklar.

Wenn Holger Marcks wiederum auch nirgends völlig explizit wird: in der ‚Skizze‘ konzipiert er eben nicht nur das Gewinnen von kleinen und größeren Kämpfen, sondern die Veränderung von Gesellschaft auf grundlegender Ebene. Eine „interne Kritik“ an der ‚Skizze‘ darf diese also an den selbst angelegten Maßstäben messen.

In diesem Epilog ist für mich damit spannend nachzuvollziehen, worauf Parteigänger einer solchen spezifischen Massen- und Transformationsstrategie, welche „breite Massen für eine Organisation interessieren“ soll, schon in den kleinen Basisaufbauorganisationen hinauswollen. Ich möchte zeigen, was Marcks‘ Vorstellung von ‚Massenorganisierung‘ ist und wie sie sich logisch aus den vielen kleinen konstruktiven Schritte des Vorschlags zum Organisationsaufbau in der ‚Skizze‘ ergibt. Zugleich aber müssen wir uns anschauen, was im Schatten solcher abstrakten Programmatiken Hier und Jetzt in den Basisorganisationen an pragmatischen Umstellungen legitimiert und schmackhaft gemacht werden soll.

Wie wirkt also diese ganz bestimmte Vorstellung von ‚Massenorganisierung‘ selbst ins Kleine bereits heute zurück? Durch diese Wechselwirkung, so meine These, wird der Bürger6 letztlich das syndikalistische Programm in merkwürdigen Überschreibungen auf allen politischen Ebenen beschädigen. Ich denke, die Erkenntnisse, die sich auf diese Weise aus der ‚Skizze‘ ziehen lassen, sind für uns Sozialrevolutionär:innen und unsere konstruktiven Aufbauversuche einer Macht gegen Kapital und Staat äußerst fruchtbringend und zuweilen auch einfach ernüchternd.

Ein kleines Wörterbuch der ‚Skizze‘

„Metapolitik“ (politische Ebene der Prinzipien)

„Metapolitik ist hier nicht im spezifischen Sinne der ‚Neuen Rechten‘ gemeint, die darunter ein Agieren im ‚vorpolitischen‘ Raum versteht, um diskursive Macht über Begriffe und Leitvorstellungen zu gewinnen, sondern meint hier allgemein die übergeordnete Bestimmung politischer Prinzipien, aus denen konkrete Politiken überhaupt erst folgen […] Sie bilden die programmatische Silhouette ab, an der sich ein überhistorisches Prinzip abzeichnet. Wie sich jene Silhouette füllen und damit das Prinzip zu einem differenzierten Programm ausfächern lässt, ist hingegen mit Blick auf politische Ebenen zu beantworten, die Zweck, Ziel und Mittel der Transformation tangieren.“

„Makropolitik“ (politische Ebene der Zwecke)

Makroanalytische Fragen „identifizieren auf sozialtheoretische Weise Prozesse und Mechanismen der Transformation“. Ihr konkretes Ziel ist „das Erheben“ von Menschen durch „Strukturen und Institutionen […], die so etwas wie eine Gegengesellschaft ermöglichen“ und damit der Aufbau von „Gegenmacht“. Makropolitik behandelt „Organisationen als soziale Institutionen“:

„Ein moderner Syndikalismus sollte der Multiplität der Klassen durch multiple Gewerkschaften gerecht werden, also die Arbeiterorganisierung durch ‚gewerkschaftliche Sozialorganisationen‘ im Miet-, Konsum- und Ämterbereich ergänzen, die eine umfassende Transformationspolitik ermöglichen. Im Rahmen eines institutionellen Programms können sie die ersten Bausteine darstellen, auf denen Strukturen der Selbstverwaltung – wie Wirtschafts-, Wohn-, Konsum- und Verwaltungsföderationen – aufbauen. Denn erst durch sie, die eine Vermittlung zur Realität gewährleisten, können Ressourcen aus dem Bestehenden ins Werdende übertragen werden. Gewerkschaften sollten nämlich tatsächlich ein Transmissionsriemen sein. Aber eben nicht für die Partei, welche die Menschen wieder in die alte Form zurückführt – sondern für die Welt der Selbstverwaltung.“

„Mesopolitik“ (politische Ebene der Ziele)

„Mesoanalytische Fragen“ behandeln, „wie man Organisationen effizient und dynamisch konstituiert“. Sie widmen sich „Organisationen als kollektiven Akteuren“. Ziel ist das „Interessieren“ von Menschen durch „Leistungsfähigkeit“ und „Resonanzfähigkeit“ in konkreten Kämpfen. Zweck der Mesopolitik ist also durch „Versuche der Massenorganisierung“ „Handlungsmacht“ aufzubauen. Mesopolitik vermittelt zwischen utopischem Anspruch und Wirklichkeit und fragt danach, „durch welche Organisationen man strategischen Zugriff auf die Realität erhält“:

„Durch eine solche Mesopolitik, welche die Organisation strategisch zu erweitern und taktisch auf Konflikte zu reagieren versucht, werden in der Praxis ständig mikro- und makropolitische Probleme offenbar, anhand derer sich die Keimform elaborieren lässt: Funktioniert die Organisation horizontal und inklusiv genug, um den normativen Ansprüchen der Neuordnung gerecht zu werden; und ist sie effektiv und funktional differenziert genug, um mit den empirischen Problemen einer Neuordnung umgehen zu können? Diese Fragen markieren ein Spannungsfeld, das zum Maßhalten ebenso wie zur realistischen Anpassung der Utopie zwingt.“

„Mikropolitik“ (politische Ebene der Mittel)

„Mikroanalytische Fragen“ behandeln, „wie Organizing und Ideenvermittlung funktionieren“, sie betreffen „das konkrete Gefüge transformatorischer Organisationen“. Ziel ist das „Einbinden“ von Menschen durch „Anschlussfähigkeit“ und „Nachhaltigkeit“. Zweck der Mikropolitik ist die Konstruktion von „Beziehungsweisen“, welche „Wirkungsmacht“ auf potentielle neue Mitglieder entfalten. Sie befasst sich also mit „Organisationen als zwischenmenschlichem Kosmos“. Diese Beziehungsweisen müssen aber wiederum „daran gemessen werden, ob sie Handlungsmacht ermöglichen“, also ob die

„Strukturen […] anschluss-, aufnahme- und durchsetzungsfähig genug sind, um die Interessen einiger gegen den Willen mancher geltend zu machen. Und das zwingt wiederum dazu, solchem Wissen Geltung zu verleihen, das versteht, wie sich Menschen zur Organisierung bewegen lassen und wie sich deren individuellen Differenzen kollektiven Zielen unterordnen lassen – um dieses effektiv für eine möglichst selbstbestimmte Bearbeitung der Realität zu nutzen.“

Der Traum von reiner Handlungsmacht

Anhand dieser zentralen Begriffsmatrix der ‚Skizze‘ zeichnet sich bereits ab, dass Marcks syndikalistische Organisierung, zunächst nicht unrichtigerweise, von der „mesopolitischen“ Ebene aus denkt. Auf ihr geht es darum, Handlungsmacht zu erlangen und Menschen durch kollektive Kämpfe zu „interessieren“. Keine der Feststellungen der ‚Skizze‘ war einmal so wohltuend für mich anarchistischen ‚Außerirdischen‘ wie diese:

„Das sogenannte claim making, das Kämpfen für konkrete Forderungen, ist eben das entscheidende ‚Zugangsvehikel‘ zur Realität, mit dem sich kollektive Praxen überhaupt erst in Schwung bringen lassen – statt solche Praxen nur durch ‚anti-kapitalistische‘ Eventmobilisierungen und beziehungslose Militanz zu simulieren. Der Anarchismus kann ein Lied davon singen.“

Marcks spricht sich stattdessen aus für eine„‚Politik der Sache selbst‘. Darunter ist, in Anlehnung an Machiavelli, die Methode zu verstehen [bei der] man sich Problemen nicht auf eine prinzipielle Weise [nähert], sondern sich in der jeweiligen Gemengelage an den Widersprüchen [orientiert], um durch Versuch und Irrtum einen handlungsmächtigen Ansatz zu finden. Freilich kann so eine Heuristik aus emanzipatorischer Perspektive nicht im Sinne des Machiavellismus gedacht sein, dessen Zweck allein darin besteht, Herrschaft zu erlangen oder zu erhalten, und der keine Prinzipien kennt. Die am emanzipatorischen Zweck ausgerichteten Prinzipien haben ebenso als Orientierung zu dienen, sind aber zu den Erfordernissen für Handlungsmacht in Relation zu setzen. Das bedeutet keineswegs, die Prinzipien bloß für Erfolge zu opfern und den radikalen Kern der Utopie aufzugeben.“

Ich möchte gleich voll in die Kritik einsteigen, später werde ich dieses tpyisch marcksologische Manöver eines Pseudo-Einerseits-Andererseits noch weiter analytisch zerlegen: „Keineswegs“ also? Welche Prinzipien gilt es denn nicht für mesopolitische „Erfolge zu opfern“? Wie weit genau sollen denn welche Prinzipien auf welcher politischen Ebene „in Relation zu Handlungsmacht“ relativiert werden? Verfolgen wir Marcks‘ Argumentation von ihrem Fundament aus, bleibt uns zunächst nur die Prämisse der stabilen Mitgliedermassenorganisation als verschommene Messlatten-Silhouette. Das im Hinterkopf, werden wir an anderer Stelle in der ‚Skizze‘ ein bissle schlauer:

[E]ine Politik, die nicht kompatibel mit den Menschen ist, die es für eine Neuordnung der Verhältnisse nun mal bedarf, kann gar nicht radikal sein. Sie ist schlichtweg zwecklos. Wie der Rätekommunist Sam Moss bereits in den 1930ern feststellte, sind die Massen im fortgeschrittenen Kapitalismus vor allem an der Erhaltung oder Verbesserung ihrer Lebensbedingungen interessiert. Akteure, die ihre Prinzipien nicht relativieren wollen, um erfolgreich entlang dieser Interessen zu mobilisieren, sind zur Machtlosigkeit verdammt.“

Und zur Machtlosigkeit verdammt sein, das wollen wir ja nicht, nicht wahr? Wenn „die Massen“ Hier und Heute derart eingestellt sind, dann folgt daraus der Schluss, auch dementsprechende Kampfziele und Strategien in der Interessenorganisation zu setzen. Welchen Einfluss hätten aber solche mit Marcks spezifischen Setzungen, die sich nach dem Interesse „der Erhaltung oder Verbesserung der Lebensbedingungen“ richten, für die Relativierung der Prinzipien? Weder zu den Kampf- und Organisierungsmitteln noch -zielen wird Marcks an irgendeiner Stelle der ‚Skizze‘ konkret. Trotz allem Wortgeklingel über die Zentralität der „Mesopolitik“ werden wir genau über deren Beschaffenheit nichts mehr unumwunden aus des Bürgers eigener Feder erfahren. Nebenbei bemerkt ist es schon hier mehr als krude, ausgerechnet den Rätekommunisten Sam Moss als Gewährsmann für die Notwendigkeit des Relativierens von Prinzipien und mittelbar auch für die Begründung einer formalen Massenorganisierung herzunehmen. Das deutet aber wenigstens an, welche sozialistischen Traditionslinien Marcks noch zu überschreiben gedenkt.

Doch auch die Orientierung an der „Massenorganisierung“ selbst bleibt in der ‚Skizze‘ unterbestimmt, könnte man argumentieren. An welchen Zahlen „interessierter“ Mitglieder ließe sich messen, wann (welche) Prinzipien genug relativiert wurden? Reichen einige tausend? Oder müssen es ein paar Millionen sein, ein bestimmter Prozentsatz der Bevölkerung? Geht es um diese Frage nach dem Maßstab für die Relativierung der utopischen Prinzipien im Abgleich mit Handlungsmacht wird man, wie an nicht wenigen Stellen der ‚Skizze‘, schlauer, wenn man das zu lesen versucht, was nicht explizit aufgeschrieben wurde. Wie der ‚Anarchosyndikalismus‘ nirgends erwähnt wird, so auch nicht die ‚direkte Aktion‘ oder die ‚gegenseitige Hilfe‘. Überhaupt erfahren wir von Marcks nur noch wenig (Anarcho-)Syndikalistisches, gerade im Hinblick auf die Mesopolitik, also die (betriebliche) Ebene der Kämpfe, ihrer Organisierung und Beziehungsweise.

Wir erfahren nichts explizit darüber, 1. mit welchen spezifischen Organisations- und Kampfformen eine transformatorische Basisorganisierung in den Betrieben und weiteren Kampffeldern vorgehen sollte und wie das folglich 2. transformationstheoretisch (nicht) zu begründen wäre. Für einen, der so viel auf Handlungsmacht hält, kommt also diese selbst seltsam selbstverständlich daher. Es sind gerade die Formen jenes „claim making“, welche bei Marcks unterbestimmt bleiben – an derem bloß quantitativ gemessenen Erfolg sich dann aber wiederum alle anderen politischen Ebenen messen lassen sollen und die Relativierung der Prinzipen bestimmt werden soll. Innerhalb der Mesopolitik selbst klafft also die größte und nur auf den ersten Blick merkwürdige Leerstelle der ‚Skizze‘. Denn all dem wohnt, wie ich zeigen möchte, ein untergründiger und kritisch freizulegender Zynismus inne – und damit auch den strategischen Vorschläge seines Gefolges der ‚Märcks’chen‘ in der FAU. Auf unterbestimmte Weise wird also „Handlungsmacht“ als die zentrale Kategorie propagiert, nach der sich alle anderen Ebenen zu richten hätten:

„Der Syndikalismus nimmt […] die Mesoebene als Ausgangspunkt seiner holistischen Denkweise. Von da aus denkt er sich in die anderen Ebenen – und wieder zurück. Konkret bedeutet das, zunächst eine Organisationsform zu wählen, welche die materiellen Interessen der unteren Klassen unmittelbar adressiert und somit resonanzfähig ist.“

Mit solchen Bestimmungen kommen wir als Sozialrevolutionär:innen dann aber auch in „sozialtheoretische“ Schwierigkeiten, also auf Ebene der „Metapolitik“. Die „materiellen Interessen der unteren Klassen“ sind nicht einfach objektiv gegebene, die man so einfach auffinden, bestimmen und damit „adressieren“ könnte. Jene Interessen, wie die sogenannten „unteren Klassen“ selbst, sind von vielgestaltigen Widersprüchen durchzogen.

Der politische Anspruch der Wobblies, „Ein Angriff auf Eine:n ist ein Angriff auf Alle“ beispielsweise, dieses Prinzip umfassender Klassensolidarität und die ihr entsprechenden syndikalistischen Kampf- und Organisierungsformen sowie -ziele, sind nicht im befriedeten und atomisierten Alltag unter uns Kolleg:innen Hier und Heute einfach „resonanzfähig“. Ein gemeinsames Interesse muss, auch gegen Partikularinteressen in den „unteren Klassen“ selbst, in der Praxis der Kämpfe, mit einer damit konsistenten Methodik und dem Knüpfen von Beziehungen umfassender Solidarität, erst hergestellt werden. Und das ist Hier und Heute, nun wirklich mit Sam Moss geschlussfolgert, nur marginal möglich.

All jene mesopolitischen Aussparungen machen in des Bürgers gesamter Argumentation also schlicht Sinn: Mit der spezifischen Methodik syndikalistischer Widerständigkeit, der direkten Aktion, geschweige denn mit entsprechenden Kampfzielen, lassen sich eben nicht jederzeit und überall „Massen interessieren“. Relativiert man syndikalistische Mesopolitik – die gewerkschaftliche Assoziationsfunktion mit dem sozialrevolutionären Zweck, Staat und Kapital als Produzent:innen zu bekämpfen (LLWAA: E, 2) – nicht grundlegend, lassen sich auch nicht einmal hypothetisch „breite Massen“ als langfristige Mitglieder in die Organisation einbinden.

Es lassen sich dann „makropolitisch“, also auf der politischen Ebene der Zwecke von Marcks‘ Argumentation, auch keine neuen, gegenmächtigen Sozialinstitutionen mit diesem Massenfleisch „nähren“. Der Motor einer Gesellschaftstransformation, wie sie sich der Bürger fleischwolfmäßig vorstellt, würde stottern und abwürgen, bevor er angelaufen wäre. Kurz: Um konsistent mit seiner Grundprämisse zu bleiben, muss der Bürger die syndikalistischen Prinzipien auf Ebene der Mesopolitik entsorgen. Darüber wird die Transformationsprogrammatik der ‚Skizze‘, trotz aller Behauptungen der „Orientierung“ an „überhistorischen“ Prinzipien, zum Traum eines liberalen Sozialtechniker-Prinzen von reiner Handlungsmacht geraten.

Präfigurieren in sozialrevolutionären Sackgassen

Wie soll nun, im nächsten Schtitt, die derart als dominant gesetzte Mesoebene der Handlungsmacht, der Ziele und Strategie, mit den anderen Ebenen in Marcks‘ eigener Konzeption wechselwirken? Er schreibt:

„Die Mittel bzw. Taktiken vermitteln […] zwischen Mikro- und Mesopolitik, das Ziel bzw. die Strategie zwischen Meso- und Makropolitik und der Zweck bzw. der politische Anspruch zwischen Makro- und Metapolitik. Zugleich müssen sich die damit verbundenen Ziele und Mittel konsistent zum Zweck verhalten, wenn präfigurative Politik aufgehen soll. Grundsätzlich fragt Taktik nach der richtigen Mobilisierung für strategische Interaktionen und Strategie nach den richtigen Interaktionen für politische Ziele. Gerade präfigurative Politik muss über diese Linearität hinaus den politischen Anspruch immer in die Taktiken zurückspiegeln, also zirkular denken, wenn der Zweck nicht schon durch die Wahl der falschen Mittel unterlaufen werden soll.“

Die „Konsistenz“ der mesopolitischen „Ziele“ in Bezug auf den „politischen Anspruch“ soll also, so behauptet Marcks, beim transformatorischen Präfigurieren gewährleistet werden. Doch bedeutet das in seiner Programmatik wie gezeigt nicht, dass die politischen Prinzipien dabei als mehr oder weniger begrenzender Rahmen konzipiert wären: „Die […] Prinzipien haben ebenso als Orientierung zu dienen, sind aber zu den Erfordernissen für Handlungsmacht in Relation zu setzen.“ Sie sind, im praktischen Abgleich mit Handlungsmacht etwas, das relativiert werden kann. Weiter schreibt er:

„Es bedarf also eines gesamtheitlichen Programms, in dem Mikro-, Meso- und Makropolitik ineinandergreifen. Verfehlt das Programm nur eine der drei Aufgaben, geht es insgesamt nicht auf. Eine solch holistische Denkweise verläuft zirkulär, weil sie sich in Theorie und Praxis stets rückversichern muss, dass eine Ebene eine andere nicht falsch ausrichtet. Sie unterscheidet sich so im Anspruch von manchen anderen präfigurativen Transformationsansätzen, die lediglich erwägen, ob sich makropolitische Ziele in der Mikropolitik widerspiegeln. Genau damit fehlt diesen aber die strategische Schnittstelle zur Realität, über die Vermittelbarkeit hergestellt wird.“

Wie auch immer dieses Zirkeln genau mit den vorhergehenden Behauptungen über die Mittel-Ziel-Zweck-Achse zusammengebracht werden soll: Der Bürger hat uns in der FAU eine solche begriffreich ausformulierte Methode hinterlassen – die aber scheinbar außer ihm niemand so recht zu durchdringen vermag. In der Diskussion dieses Artikels mit Genoss:innen sind jedenfalls viele graue Haare über diese aufgeblasenen Begrifflichkeiten gerauft worden. Zufällige Mystifizierung bei einem, der soviel auf den Professionalismus gesellschaftlicher Veränderung hält? (LLWAA: F, 3)

Präfigurative Politik im freiheitlich sozialistischen Sinn sollte jedenfalls weder durch die Wahl der falschen Mittel und Taktiken, noch der falschen Ziele und Strategie unterlaufen werden. Ein für mich schlüssigeres, anarchosyndikalistisches Präfigurieren auf Grundlage der marcks’schen Matrix – vielleicht ist aber in dieser selbst schon der Hund begraben – würde deshalb zugleich in einem parallel gegenläufigen Zirkel vonstattengehen. Ausgehend dann nicht von der Mesoebene, sondern von politisch bestimmten Vermittlungsformen einer befreiten Gesellschaft: Makro – Meso – Mikro – Meta – Makro – und so weiter. Ausformuliert klingt das dann so:

Welche neuen Vermittlungsformen einer befreiten Gesellschaft antizipieren wir aufgrund unseres politischen Anspruchs? Mit welcher Methodik des Kämpfens und Organisierens lassen sich diese konsistent erkämpfen und vorgestalten, ohne – unter anderem durch unbeabsichtigte Nebeneffekte und Zweckverschiebungen (LLWAA: E, 4) – vom anarchistisch kommunistischen Weg abzukommen? Welche kurz- und mittelfristigen Ziele können mit Hinblick darauf realistisch ins Auge gefasst werden? Wie viele Leute mit welchen Kapazitäten, Interessen und Bedarfen genau lassen sich so für und in gemeinsamen Kämpfen interessieren? Und was brauchen diese, um „horizontal und inklusiv“ in die Interessenorganisationen kurz- oder langfristig eingebunden zu werden? Was lässt sich durch hier (nicht) gelingende „Wirkmacht“ folglich über die Konkretisierung des Rahmens, sprich des politischen Anspruchs generell, der Prinzipien von „Horizontalität“ und „Inklusivität“ aussagen? Und so, von der Metaebene, wieder zum Beginn des Zirkels auf der Makroebene etc.

Das klingt jetzt in der Abstraktheit vielleicht noch aufgeblasener als beim Bürger selbst. Was ich meine, ist aber hoffentlich anschaulich zu machen: Informiert vom politischen Anspruch des freiheitlichen Sozialismus bestimmen wir konzeptionell ein Gerüst der Institutionen der Gegenmacht und entsprechender utopisch-gesellschaftlicher Vermittlungsformen. Hier wäre beispielsweise zu nennen: die freie Planwirtschaft mit dem Zweck der Bedürfnisbefriedigung. Daraus folgt dann im nächsten Schritt eine Bestimmung der Ziele und der Strategie im Kämpfen und Organisieren; ebenso folgt eine Setzung von Organisations- und Kampfformen, also von Taktiken oder Mitteln, die es für den Übergang in eine solche Produktionsweise gegen den Widerstand des Bestehenden braucht: umfängliche Kontrolle über den Arbeitsprozess, Entwicklung von Fähigkeiten für die Selbstverwaltung und von Beziehungen, die diese tragen können unter dem Banner: „Ein Angriff auf eine:n ist ein Angriff auf alle!“

Unter dem prinzipiellen Banner der „Abschaffung der Lohnarbeit!“ geben wir uns auf „Mesoebene“ auch ein syndikalistisch widerständiges Organizingprogramm diesseits von Tarifvertrag und Betriebsrat. Wir bestimmen also eine Methodik struktureller Machtressourcen, die nicht die direkte Macht im Betrieb gegen Zugeständnisse über Lohn und Arbeitszeit eintauscht. Das ist eine Methodik, deren Ziel- und Strategiesetzung konsistent mit der obigen Zwecksetzung ist und damit die Möglichkeit offenhält, die makropolitisch angestrebte Produktionsweise auch durchsetzen zu können und nicht von der herrschenden vereinnahmt zu werden. Es müssten die Enteignung der Enteigner:innen durch den Generalstreik oder eine wilde Bewegung der Besetzungen als langfristige strategische Ziele anvisiert werden. In konkreten betrieblichen Auseinandersetzungen, geführt mit entsprechenden Organisations- und Kampfformen und entsprechender Langzeitstrategie, schauen wir dann einerseits, wie es um alltägliche Handlungsmacht einer derart konstruierten Interessenorganisation bestellt ist: Wie viele Kolleg:innen lassen sich „interessieren“, sind also bereit, mit uns als solidarische Kolleg:innen und externe Unterstützer:innen für ihre Interessen zu kämpfen?

Schauen wir dann „mikropolitisch“, wer genau sich der Basisorganisierung angenähert hat: Was brauchen diese, um basisdemokratisch eingebunden zu werden, was braucht es, um Ressourcen dafür freizusetzen? Welche Gestaltung der Beziehungen braucht es also in der FAU selbst, um auch auf der Mikroebene „wirkmächtig“ zu werden? Welche neuen Impulse bringen wiederum die neuen Genoss:innen für die Organisierung mit? Gestalten wir dementsprechend die Beziehungsweise der Organisation selbst um, erlaubt uns das wieder Rückschlüsse auf unsere freiheitlich sozialistischen Prinzipien. ‚Horizontalität‘ wird uns dann vielleicht als eine bisher von uns viel zu formalistisch verstandene Vorstellung erscheinen, die auch der substantiellen ‚Gleichheit‘ unter Genoss:innen bedarf. Und dann kommen wir möglicherweise darauf, dass wir bestimmte gesellschaftliche Bereiche in unserer Makropolitik noch gar nicht bedacht haben, beispielsweise die Institutionen der Sorgearbeit. Und so weiter.

Ein solches auch prinzipiengeleitetes Präfigurieren kommt bei Marcks, trotz beiläufiger Behauptungen, nicht vor. In der ‚Skizze‘ herrscht hingegen eine „Beziehung der Beziehungslosigkeit“ zwischen „politischem Anspruch“ und „Mesopolitik“. Die daraus zwangsläufig entstehenden, weitreichenden Folgen für das gesamte Projekt der Gesellschaftstransformation auf allen politischen Ebenen buchstabieren weder der Bürger explizit, noch seine Märcks’chen in der FAU überhaupt, offen aus.

Worin bestünde also mit der Präfigurationsprogrammatik der ‚Skizze‘ noch der „radikale Kern der Utopie“?

Die „transformatorische Basisorganisierung“ würde mit ihr letztlich alle syndikalistischen Prinzipien, bis auf eine geschrumpfte Basisdemokratie als wiedergängerische Farce eines freiheitlichen Föderalismus, entsorgen müssen. Sie muss das tun, um Hier und Heute auch nur theoretisch wenige tausend Menschen von einer langfristigen und stabilen Mitgliedschaft in ihr überzeugen zu können. Doch wie später noch zu zeigen sein wird, ist auch diese theoretische Möglichkeit ein Gedankenschloss, das aus dem „Flugsand der Geschichte“ gebaut ist. Und auch jener Basisdemokratiestumpf wird für Marcks letztlich ein, im Abgleich mit sozialdemokratischer Handlungsmacht, gänzlich zu amputierendes Prinzip auf „mikropolitischer Ebene“ sein.

Eine klare Haltung der Missverständnisse

An anderer Stelle der ‚Skizze‘ macht es aber noch den Anschein, als käme der Bürger „mesopolitisch“ auf die Methodik der ‚direkten Aktion‘ zu sprechen. Mich als unbelehrbaren Anarchosyndikalisten hatte er so zunächst in die Tasche gesteckt: „Wie Negri […] de facto syndikalistisch […] klarstellte, sind Kämpfe für konkrete Verbesserungen wie höhere Löhne ‚an sich nicht revolutionär‘; das Entscheidende sei, ‚welche Form die Kämpfe annehmen.‘ […] Grundgedanke des Syndikalismus war es schon immer, noch bevor Negri und Hardt dies als ihre Theorie verkauften, die alltägliche Rebellion, die in sozialen Konflikten aufscheint, in einer Weise zu institutionalisieren, mit der sie ausgeweitet statt eingehegt wird.“

Spricht der Bürger hier von der syndikalistischen Bestimmung der betrieblichen Organisations- und Kampfformen? Qualifiziert er also doch die Mesopolitik, wenn er schreibt, das Entscheidende sei im Syndikalismus, „welche Form die Kämpfe annehmen“? Schauen wir, was er weiter daraus macht: „Entscheidend sind […] weniger die Kämpfe an sich, sondern die Beziehungsweisen, die in ihrem Kontext geformt werden. Voraussetzung dafür ist, wie Schapiro einst darlegte, die Wechselwirkung zwischen alltäglichen Interessenkämpfen und der Entwicklung von Strukturen sozialer Reorganisation in den Mittelpunkt des Denkens zu stellen.“

Es dämmert, aber noch ist nicht Tag auf der konstruktiven Baustelle des Bürgers M. Richten wir den hoffnungsgrünen Schein unserer Taschenlampen zunächst zurück in die Dunkelheit, auf jenen Alexander Schapiro, „Sekretär Kropotkins, Weggefährte Rockers und politischer Mentor von IISG-Gründer Arthur Lehning“. Schapiro ist eine weitere für die gesamte Argumentationsweise der ‚Skizze‘ sprechende Bezugsfigur. Er ist der große syndikalistische Gewährsmann Marcks‘, die vergessene Autorität aus den Tagen der IAA, sein mythischer Vorfahre. In dessen Verwandschaftslinie lässt sich die Selbstinszenierung als syndikalistischer Kulturbringer in einer ins Chaos gefallenen, „neoanarchistischen“ FAU erzählen. Umso mehr, da „das leider vergessene Denken Schapiros“ selbst kaum außerhalb von Archiven zugänglich ist. Was war denn nun aber die Programmatik dieses von den politischen Zeitläuften heftig gebeutelten Herrn Schapiro? Ein Auszug aus seinem Artikel ‚Die Politik der Internationale‘ von 1932:

„Gerade die IAA ist die einzige Arbeiterorganisation, die sich auf [den] Ecksteinen eines freiheitlichen Sozialismus gegründet hat. Infolgedessen ist sie die einzige Organisation, die fähig ist, die Aufgabe des Wiederaufbaus zu übernehmen. Welches muß demnach die Politik der IAA in bezug auf die lebenswichtigen Probleme sein, die heute die Welt im allgemeinen und die Arbeiterklasse im besonderen beschäftigen? Sie muß zunächst bestehen im genauen Studium der heutigen Verhältnisse der landwirtschaftlichen und industriellen Produktion, des Austauschs und der Verteilung der Produkte, im Eingreifen der Arbeiterorganisationen in den Produktionsprozeß durch die Schaffung von Kontrollkomitees in den Fabriken, Werkstätten, Büros und landwirtschaftlichen Betrieben.

Weiter muß man, hierauf aufbauend, revolutionäre Kräfte zum Wiederaufbau heranbilden (wirtschaftliche Sturmabteilungen), die am Tage des kapitalistischen Zusammenbruchs praktisch fähig sind, ein System einzurichten, das auf den oben erwähnten Prinzipien beruht und die gesamte Arbeiterwelt zusammenfaßt, die nichts mehr wünschen wird, als zum Besten aller zu arbeiten, ohne die Vermehrung des eigenen Wohlergehens aus dem Auge zu verlieren […] [Die IAA] erklärt weiter, daß die Arbeiterklasse schon jetzt, unbeschadet ihrer Tagesforderungen in bezug auf die Verbesserung ihrer jetzigen Arbeitsbedingungen, ein politisches, wirtschaftliches und soziales System ausarbeiten sollte, das nach dem Sturz des alten Regimes tatsächlich Kapitalismus und Staat vertreten und die wirtschaftliche Ausbeutung sowie politische, religiöse und soziale Unterdrückung abschaffen kann.“7

„Im Hinblick auf diese klare Haltung“, fährt Schapiro fort, „die keinem Mißverständnis Raum gibt“ – erscheint die sich auf ihn als programmatischen Urahn beziehende ‚Skizze‘ tatsächlich als Überschreibung derselben! Marcks konzipiert durchaus „die Wechselwirkung zwischen alltäglichen Interessenkämpfen und der Entwicklung von Strukturen sozialer Reorganisation.“ Auf einer so allgemeinen Ebene geht das zwischen den beiden Theoretikers noch auf. Marcks selbst bezieht sich sogar noch lose und abstrakt auf den „klassischen Massenanarchismus“ als einen „Sozialismus von unten, der die Organismen sozialer Bewegungen zu einem wirtschaftlich-politischen System ausbaut“. Doch das Teufelsei steckt wie immer im Detail:

„Eine reflexive Praxistheorie arbeitet mit den Widersprüchen, auch wenn dies das Risiko beinhaltet, dass die Keimform in das Bestehende integriert wird. Man denke nur an die etablierten Gewerkschaften, die den Dominanzwechsel verfehlten und sich als Korrektiv in die Realität einfügten. Dies war aber auch bedingt durch das marxistische Konzept der Arbeitsteilung zwischen Partei und Gewerkschaft, das Letztere auf Ausgleichsprozedere reduzierte. Die syndikalistische Geschichte, die viele Aufstände und Revolutionen kennt, kann jedenfalls nicht bestätigen, dass Gewerkschaftsarbeit zu Integration führen muss.“

Mit dieser Stelle vollzieht der Bürger einen internen logischen Fehlschluss in seiner eigenen Argumentation: Was den historischen Syndikalismus vor der Integration ins Bestehende bewahrt habe, seien „Aufstände und Revolutionen“ gewesen. Also die politisch organisierten und zugleich spontan massenhaften Antworten auf jenen „Zusammenbruch des Kapitalismus“8, welche sein Säulenheiliger Schapiro noch als Mittel, Strategie beziehungsweise gesellschaftliche Möglichkeitsfenster im Blick hatte. In Marcks‘ Transformationsperspektive werden jedoch diese revolutionären „Brüche“, und eine erst durch und in ihnen möglich werdende syndikalistische Massenorganisierung, theoretisch abgewehrt. Exemplarisch macht er das unter dem Stichwort eines „Anti-Chaos-Reflexes“, aber auch immer wieder „metapolitisch“ implizit an anderen Stellen. Seine Ironie gegenüber Bini Adamczaks Revolutionstheorie spricht dahingehend Bände: „Revolutionen werden bei ihr nicht gemacht, sondern brechen aus – um just die Geschichte für allerlei Optionen zu öffnen.“ Seine bevorzugte Wortwahl ist eben nicht ‚Revolution‘, sondern „Funktions- und Dominanzwechsel“.

Es ist dabei nicht unrichtig, wenn Marcks zu Beginn der ‚Skizze‘ über aktuelle linke Basisorganisierung bemerkt, dass in ihren Vorschlägen „so getan [wird], als müssten bestehende Formen der Linken nur neu verpackt werden“ – eine übrigens etwas irreführende Analogie ohne ‚Inhalt‘ – „dass deren Isolation etwas mit genau jenen Formen zu tun haben könnte, bleibt missachtet.“ Was Marcks aber programmatisch ausbrütet, ist sich zu verabschieden: 1. vom prinzipiellen Gehalt des anarchosyndikalistischen Verständnisses der Methodik der direkten Aktion; 2. von zentralen revolutionstheoretischen Annahmen Schapiros; sowie 3. und in Folge der ersten beiden Punkte, vom konkreten Inhalt einer „freien, kommunistischen Gesellschaft, die sich auf der Basis des freiheitlichen Föderalismus organisiert“8, wie sie Schapiro noch als Zweck feststellte:

In Marcks‘ Programmatik reiner Handlungsmacht bleibt einerseits nur noch eine Gewerkschaftlichkeit des „Ausgleichsprozederes“ für „konkrete Verbesserungen wie höhere Löhne“. Doch soll diese andererseits noch als „Transmissionsriemen“ für „die Welt der Selbstverwaltung“, also die „Freiräume“ jenseits dieser sozialdemokratisch konstruierten Kampforganisationen dienen:

„Gewerkschaften sollten nämlich tatsächlich ein Transmissionsriemen sein. Aber eben nicht für die Partei, welche die Menschen wieder in die alte Form zurückführt – sondern für die Welt der Selbstverwaltung […] Dabei könnte gerade eine Kombination verschiedener Interessen- und Selbstverwaltungsstrukturen den Unterbau für eine Gegengesellschaft bieten, deren sozialen Beziehungen die staatlichen und kapitalistischen Strukturen überschreiben.“

Eben das meint Marcks mit den „Beziehungsweisen“, mit der „Form, welche die Kämpfe annehmen“. Gemeint sind die Makrostrukturen, über welche ‚die Leute‘ vermittelt über irgendwelche Interessenskämpfe transportiert werden sollen. Der Bürger schreibt dann diesen Strukturen der Selbstverwaltung dieselbe antagonistische Qualität wie interessenbasierten Kampforganisationen zu – und „überschreibt“ damit zumindest schon mal den Inhalt des Anarchosyndikalismus auf metapolitischer Ebene. Er muss das auch tun, will er überhaupt noch irgendeinen Anschein eines sozialrevolutionären Antagonismus in seiner Programmatik behaupten können: Jene genossenschaftlichen Strukturen der „Welt der Selbstverwaltung“, die „Beziehungsweisen“, die den eigentlichen Kern seines „Programms der Gegenmacht“ bilden, könnten „dauerhaft Interessenwidersprüche adressieren“ und „Integration vermeiden“:

„Mittelfristig besteht die Aufgabe des Gegenwartssyndikalismus darin, diese Organisierung nicht nur voranzutreiben, sondern in ein Programm der Gegenmacht einzufügen, das die Basis über einen institutionellen Unterbau in Kontrast zu den bestehenden Institutionen setzt. Dies ist das transformatorische Moment, über das sich die Widersprüche aufrechterhalten lassen, aus deren Dynamiken heraus Dominanzwechsel möglich und Integration vermieden wird. Darin unterscheidet sich der Syndikalismus von den etablierten Gewerkschaften, die ein symbiotisches Abbild der bestehenden Institutionen sind – und so kein Transformationspotential besitzen […] Die sozialen Kämpfe in einer transformatorischen Gewerkschaftsform einzubetten, die dauerhaft Interessenwidersprüche adressiert, bleibt […] unerlässlich.“

Das behauptet der Bürger ganz so, als hätte es nicht schon einmal eine millionenzählende sozialistische Genossenschaftsbewegung gegeben, die beim „Überschreiben kapitalistischer Strukturen“ durchaus gewisse Diffizilitäten antraf. Übrig bleibt dann der, auch gar nicht so explizit ausformulierte, Schluss der „Symbiose“: „[D]ie Arbeit mit der institutionellen Realität [ist] eine Voraussetzung für Weiteres.“ Was genau das nun meint, darüber schweigt sich der Bürger geflissentlich aus … Marcks ist ein Vertreter der symbiotischen Freiräume, wie ich im Folgenden ausführlich begründen werde. Er ist ein Parteigänger der freigeräumten Symbiose, durch welche die herrschende Gesellschaft irgendwie „überschrieben“ werden soll. Betrachtet man mit Brechts ‚Herrn Keuner‘ dieses marcksologische Sittengemälde, kommt man als Zwischenfazit nicht umhin zu bemerken, dass der Bürger „einigen Gegenständen eine sehr eigenwillige Form verlieh […] ‚Einigen Künstlern geht es, wenn sie die Welt betrachten, wie vielen Philosophen. Bei der Bemühung um die Form geht der Stoff verloren.“

Eine der größten Stärke der ‚Skizze‘ ist also bis hier hin, zunächst die Aufmerksamkeit wieder auf die mesopolitische Maxime von Basisorganisierung, auf Handlungsmacht gerichtet zu haben. Eine ihrer größten Schwächen ist, beginnend mit der spezifisch unartikulierten Auswahl der Kampf- und Organisierungsmittel, mit Blick auf den Horizont einer stabilen Mitgliedermassenorganisation, den freiheitlich sozialistischen Weg in Ziel- und Strategiebestimmung zu verlassen. Richtigerweise gilt es, mit Marcks auch von der Ebene der Handlungsmacht aus über Basisorganisierung nachzudenken. Doch schlägt man sich mit dem Bürger ins sozialdemokratische Unterholz des Bestehenden, muss man eher früher als später all jene politischen Bestimmungen „relativieren“, die den zu bewahrenden prinzipiellen Kernbestand des kommunistischen Anarchismus und Syndikalismus ausmachen.

Syndikalismus als unbefleckter Gesellschaftsparasit

Wie könnte nun die Beziehung zwischen den verschiedenen politischen Ebenen in einer Basisorganisierung sozialrevolutionär schlüssiger konzipiert werden? Weil Prinzipien und ein politischer Anspruch, anders als bei Marcks, nicht einfach „überhistorische“9 Wahrheiten aus dem Ideenhimmel sind, muss die herrschende Gesellschaft konsequenter Teil unserer anarchosyndikalistischen Präfigurationsformel werden. Aber okay Leute, was ich jetzt gleich schreibe, wird sicher einmal mehr allen Hegelianer:innen die Haare zu Berge stehen lassen machts gerne nach, machts gerne besser, echt, ich meins ernst. Lasst uns gemeinsam schlauer und stärker werden!

Wir formulieren politische Prinzipien 1. durch die Negation der bestehenden schlechten Verhältnisse und, speziell für die Mesoebene, ihrer Einbindungsmechanismen. Dass wir uns als Linksradikale letzterer nicht einfach so bedienen können, ohne die gesamte Reise Richtung befreiter Gesellschaft auf Abwege zu bringen, habe ich in ‚Lieber leben wir als Außerirdische‘ ausführlich versucht zu begründen. (LLWAA: D, 3) Zudem lassen sich Inspirationen ziehen aus den Formen, welche eine eigenmächtige Arbeiter:innenbewegung historisch im Kampf gegen Kapital und Unterdrückung hervorgebracht hat und in kleinen Zusammenschlüssen noch immer hervorbringt.

Jedoch müssten wir hier vorgelagert eine theoretische Debatte entfalten, wie genau jener Vorschein der Utopie beziehungsweise die bestimmten Negationen des Bestehenden mit den Erfahrungen, die wir in unserer Organisierung tatsächlich Hier und Heute machen, in Austausch gebracht werden könnten.

Im vorhergehenden Abschnitt habe ich konzeptionell versucht, dieses Moment dem vorläufigen Endpunkt eines zu Marcks‘ gegenläufigen Präfigurationszirkels zuzuordnen: von Makro- über Meso- und Mikro- zur Metabene des politischen Anspruchs und dessen Reformulierung. Damit das aufgehen kann, muss die herrschende Gesellschaft auf eine noch stärker vermittelte Weise Teil der Präfigurationsgleichung werden. Denn sie strukturiert unseren Alltag und uns selbst nach ihrem Bilde. Ihre gegenüber jedem Gegenentwurf dominanten Einbindungskräfte müssen wir genauso ernst nehmen wie die historisch gewordene Ohnmacht von uns Linksradikalen. Diese Ohnmacht, die uns bürgerlich dumm zu machen droht, steigt auf aus

„dem gesellschaftlichen Kontext des sozialdemokratischen Klassenkompromisses, einer Kultur der Passivität und des Verlust einer anderen alltäglichen Widerstandspraxis, der Angriffe des Neoliberalismus auf unsere Subjektivität, der vier Angriffswellen des Kapitals auf die Arbeiter:innenkontrolle über den Arbeitsprozess, sowie der Schwächen einer eigenmächtigen Arbeiter:innenbewegung und fehlender Legitimität als syndikalistische Interessenorganisation.“ (LLWAA: D, 4)

Um dem auch nur eine marginale Stärke entgegenzusetzen, dürfen „die am emanzipatorischen Zweck ausgerichteten Prinzipien“ keinesfalls nur, wie bei Marcks, als letztlich zu schwache „Orientierung“ in der Präfigurationsgleichung „dienen“. Sondern sie müssen auch 2. eine Schrankenfunktion auf allen politischen Ebenen der Basisorganisierung ausüben, also der Relativierung des prinzipiellen Gehalts jeweils spezifische Grenzen aufzeigen. Der Bürger wird hingegen mit seiner ‚Skizze‘ letztlich ausradiert haben, dass sich linke Basisorganisierung nicht nur an Handlungsmacht, sondern auch an konzeptionierten makropolitischen Beziehungsweisen messen und durch die (Un-)Möglichkeiten ihrer Vorgestaltung Hier und Jetzt begrenzen lassen sollte. Das sind dann nicht einfach „deduktiv aufgestellte Prinzipien“, wie Marcks behauptet, sondern Bestimmungen aus einer spezifischen Kritik und Analyse des Bestehenden. Diese Vermittlung des Präfigurierens mit Gesellschaft ließe sich versuchsweise wieder so ausbuchstabieren:

Wenn hier und heute keine „Massen“ ohne sozialdemokratische Widerständigkeit „interessiert“ werden können, muss in Marcks‘ Programmatik die Antwort lauten: weg mit der direkten Aktion in der Mesopolitik, um Handlungsmacht zu steigern! Marcks wird in Folge dessen, gepaart mit seiner Konzeption einer symbiotischen Freiraumstrategie, auch nicht mehr die Frage stellen, ob mit einer zukünftigen Veränderung gesellschaftlicher Verhältnisse – beispielsweise der schrittweisen Aufkündigung des Klassenkompromisses durch Unternehmer:innen und/oder Staat bei gleichzeitiger Verkrustung des DGB – eine syndikalistische Widerständigkeit wieder für mehr Kolleg:innen zu einer realistischen Option werden könnte. Es stimmt, Hier und Heute ist sie es nicht, also lassen sich mit ihr auch keine Massen „interessieren“ und „wirkmächtig“ in die Organisation einbinden. Doch dass das gerade nicht so ist, heißt nicht, dass es nicht einmal wieder dazu kommen könnte.

Im Weiteren der ‚Skizze‘ wird deutlich, wie in des Bürgers Zirkel der Präfiguration Gesellschaft (eben nicht) ins Spiel kommt: Gesellschaft, das ist bei Marcks etwas der Organisation Äußerliches, erscheint als Produkt der Summe von Einzelwillen und wird damit konsistent anarchistisch, sprich in diesem Zusammenhang liberal aufgefasst. Dieses Außen schillert in Marcks‘ Konzeption zwischen Gegner, symbiotischem Partner und Wirtskörper. Der Sozialtechniker-Prinz schreibt im Sinne der letzteren Auffassung:

„Die realutopische Sozialtechnik des Syndikalismus kann auch als eine der Wechselschritte begriffen werden. Man arbeitet einerseits mit der Realität, ja, zieht sie mit, und baut andererseits an der zu nährenden Utopie, ohne zu weit voranzupreschen. Dass das Resonanzfeld zwischen beiden Welten nicht zerrissen wird, die Utopie also mit der Realität in einer Weise interagiert, die einen zunehmenden Ressourcenfluss vom Bestehenden ins Werdende ermöglicht, das ist Sache der Praxistheorie.“

Hier tritt bei Marcks am deutlichsten die Strategie des „Freiraums“ zu Tage. Er stellt damit eine weitere, voluntaristische Dunkelseite des Anarchosyndikalismus aus, welcher „in der Schale der alten Gesellschaft die neue aufbauen“ wollte. Wie ein Parasit nährt sich diese von der alten, bleibt aber ansonsten in ihr ein- und vor allem abgekapselt. Historisch, beispielsweise mit Blick auf die millionenstarke und anarchistisch zusammengesetzte Arbeiter:innenbewegung, ihre Organisationen, ihre Alltagskultur und geteilte Lebenswelt in Spanien in den 1930ern, sowie mit Blick auf die damaligen Produktionsverhältnisse, mag es noch Sinn gemacht haben, mit Buenaventura Durruti auszurufen: „Wir haben keine Angst vor den Ruinen, denn wir tragen eine neue Welt in unseren Herzen und sie entsteht in diesem Augenblick!“

Bei Marcks, der ja durchaus Angst vor den Spukgespenstern jedweder gesellschaftlichen Ruine hat, taucht diese Idee in gewandelter Form wieder auf. Nun aber ohne Bezug zu(m Fehlen) einer eigenmächtigen Arbeiter:innenbewegung. Marcks erkennt zwar Grenzen der „Realisierungsmöglichkeiten“ von „Utopie“ an, ist sich jedoch sicher, dass jene durch „strategische Interaktion“ abgetragen werden können:

„Es gilt, mit der Wirklichkeit so zu arbeiten, dass sich am realistisch Machbaren eine breite Kollektivität entfaltet – um mit dieser Kollektivität die Situation ‚abzutragen‘, an denen die ‚praktischen Realisierungsmöglichkeiten‘ der Utopie ihre Grenzen finden. Diese Grenzen sind nicht einfach gesetzt durch objektive Bedingungen, sondern […] liegen auch in der Unzulänglichkeit der Emanzipationssubjekteselbst begründet.“

Es besteht also letztlich in Marcks Vorstellung keine entscheidende Wechselwirkung, die nicht sozialtechnisch gekonnt zu manövrieren und auszuhebeln wäre. So postuliert er eine „ständige Ausbaufähigkeit von Handlungsmöglichkeiten“ hinsichtlich des Zwecks der „Befreiung“ durch die Konstruktion von „Bausteinen der Gegenmacht“. Es findet sich keine schlüssige Theoretisierung einer komplexen Wechselwirkung, in der mit hoher Wahrscheinlichkeit auch „das Bestehende“ wieder „das Werdende“ mit sich zöge, sowie tatsächlich einen umgekehrten „Ressourcenfluss“ einleiten könnte, sobald dieser „Embryo“ auch nur annähernd einige hundert Zellteilungen durchlaufen hätte. Die auch vom Bürger benutzte ‚Embryo‘-Metapher ist irreführend, und zwar bereits im klassischen Anarchosyndikalismus selbst. Es gibt auch in der ‚Skizze‘, trotz allen „realutopischen“ Wortgeklingels, keine syndikalistische Plazentaschranke:

„[Radikale Linke] neigen dazu, die mangelnde Wirkungsmacht linker Prinzipien – und damit das Ausbleiben von Handlungsmacht – nur mit der Vorstellung rationalisieren zu können, dass die Bedingungen für sie nicht günstig seien oder nicht genug für ihre Vermittlung getan worden sei […] An dem, was in den eigenen Zusammenhängen nicht klappt, ist die Umwelt schuld, die keine Einsicht in die richtigen Normen haben will und dadurch Kontextbedingungen reproduziert, die eine freie Entfaltung jener Zusammenhänge behindern.“ Und: „Ein […] praktischer Materialismus fehlt der radikalen Linken weitestgehend […] [Deren] Formen [der Mikropolitik] missachten elementare Gesetze der sozialen Interaktion und sind der Realität entrückt […] Weder ist der Mensch beliebig formbar, noch sind die Möglichkeiten zwischenmenschlicher (interpersonaler) und institutioneller (transpersonaler) Beziehungen unendlich.“

Ein „praktischer Materialismus“, welcher im sinnigeren Sinne des Begriffs nicht allein die „menschlichen“ Limitierungen, sondern vor allem auch die Limitierungen der Gesellschaft in uns, um uns und um uns herum ernst nähme, findet in der Skizze lediglich als abgewatschter marxistischer Strohmann Platz. Kämen materialistische Überlegungen zu den Eigendynamiken von Gesellschaft in die Präfigurationsgleichung, würde der Relativierung der syndikalistischen Methodik eine Schranke aufgezeigt. Gerade dann, wenn sich ’nur‘ einige hundert oder tausend Leute Hier und Heute unserer Basisorganisation anschlössen, eine Massenorganisation also ausbliebe. Der original gangster des norwegischen Syndikalismus, Beyer-Arnesen, schrieb betreffs solcher Fragen im Jahr 1998:

„Um […] die historische Tür des Anarchosyndikalismus endgültig zuzuschlagen […] müsste man auch die Möglichkeit seines Wiederauflebens in Zeiten verneinen, in denen sich der Klassenkampf verschärft und immer mehr Arbeiter:innen beginnen, an eine Welt jenseits des Kapitalismus zu glauben. Die gegenwärtige Marginalität und das weitgehende Nichtvorhandensein einer revolutionären Gewerkschaftlichkeit lassen sich sehr wahrscheinlich als Spiegelbild des derzeitigen allgemeinen Mangels an Vertrauen unter den Arbeiter:innen in die bloße Möglichkeit des Aufbaus einer Welt ohne kapitalistische Gesellschaftsverhältnisse deuten. Es sollte auch die Frage gestellt werden: Würde der Aufbau selbst einer marginalen revolutionären gewerkschaftlichen Struktur zum gegenwärtigen Zeitpunkt als Mittel zur Stärkung des Vertrauens in Teilen der Arbeiterklasse dienen? Ich sehe Gründe zu der Annahme, dass die Antwort darauf ‚Ja‘ lautet.“10

Dass strukturelle Faktoren in Marcks‘ Programmatik nicht konsistent vorkommen – als Negation/Vorschein herrschender/emanzipatorischer Vermittlungsformen sowie als Schranke für die Relativierung von Prinzipien –, hat direkte Auswirkung auf deren sozialrevolutionäre Güte. Ich erlaube mir zu prognostizieren, dass „Akteure, die ihre Prinzipien“ tatsächlich auf des Bürgers Weise „relativieren wollen, um erfolgreich entlang“ von Brot-und-Butter-Themen „zu mobilisieren“, letztlich zwar nicht völlig „zur Machtlosigkeit verdammt sind“. Wobei sie im Land des DGB trotz allen „Realutopismus“ hart dran vorbeischrappen dürften vielleicht reicht es aber wenigstens, eine einzige hauptamtliche Stelle in der FAU zu schaffen? Doch haben jene spezifisch „realutopischen“ Akteur:innen gute Chancen wahrzumachen, dass um nahezu „jeden Preis zu gewinnen bedeutet, dass wir am Ende zwar gesiegt haben werden“ beziehungsweise bloß ein paar Hundert ‚außerirdische‘ Aktivist:innen mehr sein werden „aber selber wie unsere Gegner_innen geworden sind“11 und damit wirklich die Tür zum Anarchosyndikalismus zuschlagen.

Überraschungs-Ei Kritik der Mikropolitik

Um nicht schon innerhalb der FAU aus seinem machtpolitischen Traum aufzuschrecken, tut Marcks gut daran, sich nicht mit den dargelegten Leerstellen auf den verschiedenen politischen Ebenen seiner Präfigurationsgleichung zu verbinden. Im Fortgang seiner Argumentation kapriziert er sich hingegen, wie es im letzten Abschnitt schon anklang, auf das scheinbar für Handlungsmacht verhängnisvolle Verhältnis zwischen Prinzipien und Mikropolitik: „[E]s ist zwar primär die Funktion der Mesopolitik, breite Massen für eine Organisation zu interessieren, doch hängt deren Anschlussfähigkeit letztlich auch von den anderen Ebenen der Transformationspolitik ab.“

An dieser Stelle kommt nun der, zugegebenermaßen trickreich konstruierte, Übergang in des Bürgers Argumentation. Diesen interpretiere ich als Ausweichbewegung vor dem unter anderem auf Ebene der Ziele und Strategie gerissenen Vakuum. Marcks verwendet den Großteil seines Texts darauf, das, was er als in der FAU vorherrschende Mikropolitik wahrnimmt, an ihrem fehlenden leistungsfähigen Zugriff auf ihre Organisierungsobjekte zu blamieren. Im gleichen Zuge macht er diese Mikropolitik dann für die ausbleibende Handlungsmacht der Basisorganisierung verantwortlich:

Wenn etwa die makropolitische Vision keine realistische Korrektur erfährt, weil die Zwänge ignoriert werden, die sich in der Mikropolitik – dem Labor der Utopie – als Grenze der Möglichkeiten erweisen, bestimmte Beziehungsweisen zu realisieren, dann kann das realutopische Programm nicht glaubhaft vermitteln, eine praktikable Alternative zu sein, die der komplexen Aufgabe gesellschaftlicher Reorganisation gerecht wird. Und ebenso werden auch gute mesopolitische Ansätze ihr Potential an Handlungsmacht nicht entfalten können, wenn die Mikropolitik nicht mit den Realitäten der zu mobilisierenden Menschen resoniert, man diese also nicht mit wirkungsmächtigen Prinzipien einbinden kann.“

Nachdem auf Mesoebene also alle syndikalistischen Fragen ungestellt bleiben, aber alle transformationstheoretischen Antworten gegeben sind, verlagert der Bürger die Erklärung des Ausbleibens von Handlungsmacht und damit einer stabilen Mitgliedermassenorganisation FAU hin zur Mikroebene, also hin zu angeblich fehlender „Wirkmacht“, sowie der „Unzulänglichkeit der Emanzipationssubjekte“ selbst. Unter letzterem Stichwort analysiert er dann aber vor allem andere ‚Außerirdische‘. Dass die FAU nicht schon längst Massen organisiert, das wird für Marcks an ihren organisatorischen Einbindungsformen, fehlender Professionalisierung und Vertikalisierung sowie der Irrationalität anderer Aktivist:innen, ihrem „identitären Verschluss“ und so weiter liegen. Aber wie kommt er da hin und wie macht er uns die Argumente in seiner transformatorischen Ausweichbewegung plausibel?

„Zwangsläufig“, beginnt der Bürger bescheiden und differenziert, „muss […] eine Reflexion von Praxiserfahrungen [der bestehenden Basisorganisierungen und der FAU] zu einer Kritik an der vorherrschenden Mikropolitik der radikalen Linken geraten. Denn in dieser werden die gewünschten Beziehungsweisen eben nicht daran gemessen, ob sie Handlungsmacht ermöglichen. Vielmehr gelten jene Beziehungsweisen, die als Keime der Utopie identifiziert wurden, selbst als Maßstab, an dem sich linke Praxis messen muss. Handlungsmacht ist zwar – ebenso wie Gegenmacht – wünschenswert, aber nur, wenn sie aus genau den Beziehungsweisen erwächst, die den eigenen Normen sozialer Interaktion entsprechen.“

Und auf diesem Argumentationsterrain der Mikropolitik lassen sich dann diejenigen FAU-Aktiven, ‚die nicht so wollen, wie sie – nach des Bürgers Gutdünken – sollen‘, endlich auch so richtig schön runterputzen. Die Schuldigen für ausbleibende Massenorganisierung sind gefunden. Spannend ist im Zusammenhang dieser analytischen Ausweichbewegung – weg von Gesellschaft, hin zur Mikroebene – wie genau Marcks den Begriff der „Beziehungsweisen“ nun wiederum an dieser Stelle verwendet: Beziehungsweisen, das ist im obigen Zitat zunächst nicht unsinnvollerweise etwas, das dem Reich der Mikropolitik zugehörig ist. Also den Nah- und Mittelbeziehungen unter Mitgliedern in der transformatorischen Basisorganisation selbst. Marcks hat jedoch auf dieser Ebene nicht viel übrig für die Errungenschaften der ’68er:

„Da sich linke Mikropolitik bloß als Spiegelung der utopischen Prinzipien begreift – und vice versa –, gibt es keine leistungsorientierte Reflexionsinstanz (z.B. das mesopolitische Ziel einer Massenorganisierung), die ihre Untauglichkeit, Wirkungsmacht zu entfalten, als Problem von Gewicht qualifizieren würde. Und diese selbstgefälligen Prinzipien, in denen sich die vermeintliche Utopie widerspiegelt, äußern sich vor allem in Beziehungsweisen, die antiautoritär wirken sollen. An diesem Impuls ist erstmal nichts falsch“ – Aaaber! – “ in der Linken ab 1968 nahm er geradezu infantile Ausmaße an. Nun ging es nicht mehr nur darum, möglichst hierarchiearm zu arbeiten, sondern darum, jeglicher Autorität aus Prinzip zu trotzen. Damit jedoch erfuhren auch Kompetenz und Erfahrung eine Abwertung. Denn in dem Maße, wie nun den TrägerInnen solchen Wissens – der natürlichsten Quelle von Autorität – als potentiellen Machtsubjekten misstraut wurde, verlor auch deren Wissen selbst an Geltung.“

Uff, der Bürger macht meinen angemaßten Job als ‚kritischer Kritiker‘ eigentlich schon fast langweilig, so offensichtlich ist das, was er anbietet, ein Bluff. Mit diesem Bluff des infantilen Antiautoritarismus versucht er, uns die patriarchale Ideologie einer „professionellen und managerialen Klassenfraktion (PMF)“ (LLWAA: F) – Wissen, Autorität – schmackhaft zu machen: „Es bedarf einer Geltung sozialtechnisch relevanten Wissens, um Mikropolitik so zu gestalten, dass in ihr solches Wissen zur Geltung kommt.“ Die Märcks’chen der ’12 Thesen‘, ein FAU-internes Strategipapier von 2023, jedenfalls beißen direkt an und wenden jene Ideologie, dankbarerweise unverbrämt, auf die eigenen ‚Praxiserfahrungen‘ an:

„Gehen wir endlich nachhaltig mit unseren Aktiven um. Wissen und praktische Erfahrungen sind wertvoll und Grundvoraussetzungen zum Aufbau von Gegenmacht. In zahlreichen FAU-Syndikaten wird jedoch unter dem Vorwand, Hierarchien oder das Patriarchat zu bekämpfen, solches Erfahrungswissen in Frage gestellt. Dies führt dazu, dass Aktive, die oft sowohl die gewerkschaftliche Verwaltung als auch die betriebliche Kernarbeit gewährleisten, resignieren oder gar austreten und jede Generation von Neuem die gleichen Fehler begeht.“

Neben der Frage, wieso sie ihr „Erfahrungswissen“ nicht einfach in strukturierte Schulungen gießen und sich überflüssig machen – auch Marcks‘ Behauptungen über „‚implizites Wissen’“ können mich hier nicht überzeugen –, ist die Formulierung des „Vorwands von Hierarchien und Patriarchat“ sprechend. Wohl eher nicht bewusst, aber durchaus glücklich gewählt, erlaubt sie eine Vermittlung meines Anti-Marcks mit den Kränkungen, um welche es in der Folge von ’68 immer auch gehen muss: Den VerfasserInnen der ’12 Thesen‘ dämmert so wenig wie Marcks selbst das Wahnhafte der Behauptung, Linksradikale würden sich in der FAU aus dem schlichten Bedürfnis zusammentun, „natürliches“ Wissen zu bekämpfen. Es kann sich nicht wenigstens auch um das genannte Anliegen eines Abbaus von „Hierarchien und Patriarchat“ in der organisatorischen Beziehungsweise handeln. Nein, es muss finsterere und zerstörerischere Beweggründe dahinter geben, die sich gegen „Kompetenz und Erfahrung“ per se richten. Es ist eben keine Erklärung zu weit hergeholt, wenn man den anderen unumwunden und undifferenziert Irrationalität unterstellen kann. Ein Hohelied ’normaler‘ Beziehungsweisen, des Berufs und der Familie nämlich, wird dann als aufschlussreiche Kontrastfolie gleich mitgeliefert:

Damit sich ein paar wenige Menschen, denen es an sozialer Einbindung und Verantwortungserfahrung mangelt, ausprobieren können, muss die gesamte Organisation Defizite in Kauf nehmen, die eine effektive Organisierung und die Durchsetzung von subalternen Interessen verunmöglichen. Tatsächlich drängt sich der Eindruck auf, dass dieses Modell nur für einen sehr speziellen Sozialtypus einen Nutzen hat: sozial isolierte Menschen, die mangels beruflicher und familiärer Verpflichtungen, aber auch Qualifikationen ein Bedürfnis haben, sich in Aufgaben auszuprobieren. Gerade für ältere Menschen, die beruflich und familiär im Leben stehen und dabei natürlich stets Verantwortung nehmen, muss es als Hohn wirken, dass sie als Experimentiermasse in einer Art Sozialtherapie für postadoleszente Subjekte herhalten sollen.“

In unseren Diskussionen zeigten sich Genoss:innen jedoch schlicht erstaunt, da ihnen solche gemeinen ‚mikropolitischen Saboteur:innen‘ in ihrer FAU-Praxis auf Syndikatsebene nirgends begegnet seien. Das Ganze hat eben auch die Funktion eines astreinen Rationalisierungsmechanismus und einer professionellen Kränkungsbewältigung. Solche Rhetorik verschleiert, dass ständig feministisch aktive FLINTA* vergrault, sowie informelle Hierarchien, die auf behauptetem Erfahrungswissen aufbauen, gerade auch unter ’syndikalistischen‘ Brüdern gepflegt werden.12 Grotesk, und damit schön durchsichtig, werden solche patriarchalen Bluffs dann in folgendem Abschnitt über wiederum „natürliche Erfahrungs und Wissensvorsprünge“ bei Marcks:

„‚Infantil‘ ist diese Autoritätsfeindlichkeit, die über die Autoritätskritik hinausschießt, nicht nur deswegen, weil im Zentrum ihres trotzigen Überschwangs allein das unreife Motiv steht, dass niemand über etwas verfügen soll, über das man nicht selbst verfügt. Sie ist es auch deswegen, weil sich das zwangsläufig gegen ältere Menschen richtet. Denn deren natürlichen Erfahrungs- und Wissensvorsprünge werden aus dieser verkürzten Perspektive, die auf Personen anstelle von Inhalten und Strukturen schaut, als unzumutbare Machtasymmetrie wahrgenommen. Statt also derlei Vorsprünge hinzunehmen“, in einem Herr-Knecht-Verhältnis wahrscheinlich,„und aus ihnen einen kollektiven Nutzen zu ziehen, werden die TrägerInnen solchen Wissens zurechtgestutzt – und damit das Wissen selbst eingehegt. Der Kampf gegen Wissenshierarchien, der ja eine Anerkennung und Verbreitung von Wissen voraussetzen würde, ist daher im Endeffekt ein Kampf gegen Wissen.

Solcherlei argumentative Raffinessen müsste man gar nicht weiter kommentieren, sie könnten für sich stehen. Doch kann ich es mir nicht verkneifen, mit dem Comedian Till Reiners zu ergänzen: „Erfahrungen zu machen ist noch lange kein Garant dafür, dass man auch etwas lernt. Das ist der einzige Grund, warum es noch Musicals gibt“ – oder machtbeflissene Kader und ihre Duldung in den Basisorganisationen; selbsternannte Experten, die sich dort zu verewigen suchen und die als ‚Phantommanagement‘ doch nie so recht zu gelingender eigener Bedürfniserfüllung gelangen. (LLWAA: E, 5-7) Nirgends passt Michael Schneiders Analyse der Kader seiner K-Gruppe von 1971 so perfekt wie hier:

„Bei den Genossen, welche schweren Herzens auf ihre bürgerliche Karriere verzichtet haben, um sich desto brutaler dafür in der sozialistischen Bewegung zu entschädigen, ist es das […] infantile, aber für die Gruppenentwicklung viel gefährlichere Bedürfnis, die Gruppenmitglieder durch den manipulativen Einsatz von theoretischen, rhetorischen, organisatorischen und anderen Talenten zu beherrschen, d.h. sich zu einer repressiven statt emanzipatorischen Autorität aufzuwerfen. Diese (klein)bürgerlichen, infantilen Motive und Bedürfnisse sind aber hartnäckiger als alle politischen Rationalisierungen.“13

Beziehungsweise

Geht es um die politischen Rationalisierungen von solchen wenig emanzipatorischen Beziehungsdynamiken, sollten sich alle von uns aktivistischen ‚Außerirdischen‘ angesprochen fühlen. Sie begleiten erstmal zwangsläufig eine bestimmte Konstellation in unseren Basisorganisierungen der Allgemeinen Syndikate, welche ich mit Émile Pouget als „irreguläre Gewerkschaften“ und „politische Gruppen“ analysiert habe (LLWAA: C, 9): Diese bringen als ‚Raumschiffe‘ eine Beziehungsweise hervor, die funktional derjenigen der professionellen und managerialen Klassenfraktion zu anderen Fraktionen der Arbeiter:innenklasse nachempfunden ist. Die bisherige Rezeption des Buchs ‚Lieber leben wir als Außerirdische‘ hat aber intern in der FAU gezeigt, dass die Verwendung der Analysekategorie ‚PMF‘ darin vor allem als biographisches Schicksal und zugleich unterentwickelte soziologische Bestimmung aufgefasst wurde. Gemacht wurde bisher aus dem Buch, dass sich in der FAU und in dem darin beschriebenen Syndikat nur Leute aus dem Bildungsbürgertum, der Mittelschicht rumtreiben würden. Begrifflichkeiten, die wiederum auf ein andere Analyseebene abheben als ‚PMF‘.

Mein Punkt war: Wer längere Zeit in ‚Raumschiffen‘ aktiv ist, kann und will vielleicht kaum anders, als zum ‚Außerirdischen‘ zu werden. Aktivismus ist dabei heute selbst eine der sozialen Produktionsstätten von neuen Profis und Manager:innen gesellschaftlicher Veränderung. Es ist präzise diese ‚Beziehungsweise‘ der Aktivist:innen zu ‚den Anderen‘, die für meine Argumentation essentiell ist. Der damit einhergehende Genuß und, wenn auch nur als ‚Phantommanagement‘ simulierte, Aufstieg innerhalb kapitalistischer Arbeitsteilung steht vielen offen, ist vielen gleichermaßen verlockend. Das Profiwerden in den Basisorganisationen ist also grundlegend unabhängig vom individuellen Schichten- und Fraktionshintergrund. Oder kurz: bereits Feierabendaktivismus ist ein unentlohnter PMF-Job, Basisaktivismus unter Umständen ein unbezahltes Praktikum. (LLWAA: F, 8) Die Beziehungsweise der (Anwärter:innen der) PMF zu anderen Fraktionen der Arbeiter:innenklasse, ob entlohnt oder im ehrenamtlichen Feierabendaktivismus, so behaupte ich mit Genoss:innen, ist unvereinbar mit der sozialen Revolution.

Aktivismus wiederholt die Spaltungen der gesellschaftlichen Hierarchie in der Arbeitsteilung. Darüber täuschen auch nicht die politischen Rationalisierungen in internen FAU-Debatten hinweg, dass man ja biographisch nicht zur PMF gehöre und sich deswegen auch nicht von der ‚Außerirdischen‘-Kritik angesprochen fühlen müsse. Oder dass die ‚Raumschiff‘-Analyse ja gar nicht stimmen könne, weil auch ein paar Arbeiter:innenkinder zu ‚Außerirdischen‘ in der FAU geworden seien. Leute, wir machen es uns aber ganz schön einfach! Im nächsten Schritt wurde die Kategorie dann in internen ‚Debatten‘ gleich moralisch gewendet, um andere Kader und ihre, in der Tiefe ungeprüfte, Praxis identitätslogisch an den Pranger zu stellen. Solches Verhalten umgeht die eigentliche, beziehungstheoretische Herausforderung des Buchs an uns Aktivist:innen, egal was unser biographischer Hintergrund sein mag.

Der Bürger selbst, um den tonangebenden linksradikalen Diskurs in seinem Sinne zu verbiegen, kam zur Zeit der Veröffentlichung der ‚Skizze‘ wohl nicht drumherum, den von Bini Adamczak populärgemachten Begriff der ‚Beziehungsweisen‘ zu übernehmen. Nur um dann, zugegebenermaßen konsistent marcksologisch, deren feministische Pointe schlicht wieder wegzurationalisieren: „Beziehungsweisen“ bedeutet bei Marcks halt „Organisationsstrukturen“, ob nun im Kleinen oder im Großen. Viel eher müsste es mit diesem Begriff aber auch um eine feministische, qualitative Analyse der Beziehungsnetze sowohl in und um die FAU gehen, als auch konzeptuell in den Vermittlungsformen einer befreiten Gesellschaft. Solche Beziehungsnetze wechselwirken selbstverständlich mit Organisations- und Verwaltungsstrukturen und bringen so eine bestimmte Kultur und Persönlichkeitsentwicklung hervor, letztlich also bestimmte mikro- und makropolitische „Beziehungsweisen“. Doch die wiederum lassen sich eben nicht einfach auf technische Organisationsstrukturen reduzieren.

In seiner Präfigurationsprogrammatik leistet Marcks dem bereits Vorschub, wo er, klassisch syndikalistisch14, den Moment des Angreifens, die strategische Interaktion mit Gegner:innen, und den Moment des Aufbauens, das von Bedürfnissen geleitete Knüpfen emanzipatorischer Beziehungen, vermischt. Das passiert, wenn er die Mittel-Ziel-Zweck-Achse von Clausewitz mit seiner eigenen Matrix der politischen Transformationsebenen vermischt. Beim Bürger steht auch klar die Kampfstrategie über dem Beziehungsaufbau: So ist kaum einmal zu lesen, wie Organisationsbeziehungen oder gesellschaftliche Vermittlungsformen eigentlich genau „inklusiv und horizontal“ ausgestaltet werden sollen; utopische Ansprüche, die ohnehin bloß als „Orientierung dienen“ sollen, aber schon als Behauptungen am Wegrand zurückbleiben, sobald der Bürger sie aufschreibt:

Es findet nirgendwo eine Veränderung „der Menschen“, eine ‚politische Ebene des Subjekts‘ in Marcks‘ Programmatik statt. Eine anarchosyndikalistische Mesopolitik verstand sich jedenfalls immer, beispielsweise mit Rudolf Rocker, als „eine praktische Schule, eine Universität der Erfahrung, aus der [die Produzenten im Arbeitskampf] in reichem Maße Belehrung und Erleuchtung schöpfen.“15 Marcks selbst referiert dahingehend noch Émile Pouget: „Als autonome ‚Partei der Arbeit‘ sollten [die ökonomischen Kampforganisationen der Arbeiterklasse] zur Schule der Revolution gemacht werden. Das bedeutete, ‚an der Veränderung der Mentalitäten, der Gesellschaftsformen und der wirtschaftlichen Beziehungen‘ zu arbeiten.“

Doch, wie bereits gezeigt, überschreibt Marcks auch diesen Strang des historischen Syndikalismus ganz direkt. Nämlich dort, wo er die Prinzipien aus der Mesopolitk herausnimmt, also vom Inhalt der direkten Aktion und so auch von der sozialrevolutionären Beziehungs- und Persönlichkeitsentwicklung säubert. Mit einer mittlerweile gewohnten rhetorischen Figur der Überschreibung kommt er trotzdem staunenswerterweise zur Behauptung, „ein umfassendes Modell sozialer Reorganisation“ zu konzipieren:

„Dabei wäre es falsch, den Syndikalismus nur auf die Arbeitersphäre zu reduzieren. Entgegen des Vorurteils, er sei unzulänglich, weil er nur auf Betriebe fokussiere, schloss er in seiner Hochphase durchaus kommunalistische Strukturen ein, etwa Mieter- und Erwerbslosenhilfe, Konsumgenossenschaften sowie Bildungs- und Kulturvereine. Insofern deutete er ein umfassendes Modell sozialer Reorganisation an. Es wäre Aufgabe, dieses Modell nun deutlicher auszuprägen.“

Des Bürgers Programmatik bedient sich implizit eines banalen Hauptwiderspruchsdenkens. Parallel zu einer Säuberung der FAU von syndikalistischer Methodik der Organisierung der Kämpfe, geht eben noch etwas viel Grundlegenderes verloren: der wenn auch wirklich nur tendenzielle feministische Impuls des Anarchismus, das Prinzip ‚gegenseitiger Hilfe‘ und damit das Weben emanzipatorischer Beziehungsweisen.16 Es gibt in Marcks‘ strukturell männlicher Sicht auf Präfiguration keinen Platz für folgende Fragen: Welche Persönlichkeitsentwicklung wird in der Basisorganisierung angestoßen? Welche Menschen werden hier produziert? Werden wünschenswerte Beziehungen hervorgebracht? Welche Bedürfnisse werden hier wie (nicht) erfüllt? Und welche Beziehungsweise entsteht daraus? Ist sie eine gegenseitiger Anerkennung und umfassender Solidarität, eine emanzipatorische also? Oder eine hierarchische Herr-Knecht-Bezi?

In Marcks‘ Anspruch, Gesellschaft „konstruktiv sozialistisch“ und „umfassend“ zu „reorganisieren“, ist nirgends die konstruktiv-schöpferische Rede von den isolierten Produktionsstätten der Haushalte, der Familie als Ort der Produktion von Geschlecht und Arbeitskraft. Auch in seiner Aufzählung der verschiedenen Sozialgewerkschaftsformen sucht man danach vergeblich. Keine Rede folglich von der emanzipatorischen Organisation von Reproduktions- und Sorgetätigkeiten auf Makroebene. Er stellt damit eine weitere Dunkelseite bereits des historischen Syndikalismus und Anarchismus aus. Dieser theoretische Mangel lässt sich gerade auch über die klassische Konzeption der ‚direkten Aktion‘ schon bei Émile Pouget im Jahre 1907 zeigen, den die Solidarity Federation folgendermaßen zitiert:

„Direkte Aktion ist ein Konzept von solcher Klarheit, von solch offenkundiger Selbstverständlichkeit, dass die Erklärung und Definition in den Worten selbst liegt. Es bedeutet, dass die Arbeiterklasse in ihrem ständigen Aufbegehren gegen die bestehende Ordnung nichts von Außenstehenden, von ihr äußerlichen Mächten oder Kräften erwartet, sondern dass sie ihre eigenen Kampfbedingungen erzeugt, ihre Aktionsmittel aus sich selbst schöpft. Es bedeutet, dass sich gegen die heutige Gesellschaft, die nur den Bürger kennt, fortan der Produzent erhebt. Und dass dieser Produzent, in der Erkenntnis, dass sich jede Form des sozialen Zusammenlebens auf ihr jeweiliges Produktionssystem stützt, versucht, die kapitalistische Produktionsweise direkt zu attackieren, um sie zu verändern, den Unternehmer zu beseitigen und dadurch seine Souveränität am Arbeitsplatz zu erreichen – die wesentliche Voraussetzung für den Genuss realer Freiheit.

Wenn man bedenkt, dass diese Worte vor mehr als einem Jahrhundert verfasst wurden, kann man nur geringe Kritik üben. Die Betonung der Produzenten und nicht der Arbeiter:innenklasse im allgemeineren Sinne könnte dazu führen, dass die Arbeit als ausschließlicher Ort des Kampfes betrachtet wird und somit Arbeitslose, Hausfrauen und andere ausgeschlossen werden […] Pouget […] betonte, dass ‚die direkte Aktion bedeutet, dass die Arbeiterklasse sich den Begriffen der Freiheit und der Autonomie anschließt, anstatt vor dem Prinzip der Autorität niederzuknien‘.“17

Tatsächlich sollte diese syndikalistische Grundannahme über den Zusammenhang von „Produktionssystem“ und „realer Freiheit“ nicht nur „geringe Kritik“ nach sich ziehen. Dem Bürger ist all das aber nicht mal ein müdes Gähnen wert. So kommt es zwangsläufig im präfigurativen Zirkeln mit Marcks dazu, dass feministische Impulse auf Ebene der Meso- und Mikropolitik ausbleiben, beziehungsweise nur noch in zynischer Form Einzug halten werden. Geht es doch einmal um das Persönlich-Politische der Beziehungen und folglich Persönlichkeitsentwicklung in den Basisorganisierungen, dann negativ als „Sozialterror“ oder in Schmähungen anderer Aktivist:innen und ihrer „Ausblendung eigener Unzulänglichkeiten“. Im vierten inoffiziellen Teil der ‚Skizze‘, dem Buch ‚Soziale Republik‘ von Marcks und Zimmermann, geht es dann schlicht um ein woke-bashing und Lanzenbrechen für die Zweigeschlechtlichkeit. Themen, die dann in den Reaktionen auf Social Media ganz oben in der Beliebtheit standen.

„Gemessen daran ist doch …“

Geht es um die herrschende Mikropolitik linker Basisorganisierung, behält Marcks durchaus zunächst Recht, wenn er schreibt, dass die „Linke ein Problem hat, an der Substanz zu arbeiten.“ Ihre „praxistheoretischen Diskurse“ sind wirklich „zumeist meta- und makropolitisch fundiert, [räsonieren also] über ‚große‘ Probleme […] ‚Kleinen‘ Problemen begegnet man mit Verachtung […] In mikro- und mesoanalytischen Fragen […] verhält sich die Linke daher ignorant.“ Es ist aber alles andere als eine zutreffende Beschreibung der mir bekannten FAU-Praxis, wenn er parallel dazu angibt, dass in dieser und der Linken generell eine „Selbstbezüglichkeit der Mikropolitik“ vorherrsche,

„die durch ihre Verabsolutierung keine Reflexionsinstanz mehr hat. Zwar soll sich in ihr die Utopie widerspiegeln (und andersrum), womit vermeintlich ein reflexives Moment vorliegt, doch werden Keimform und Utopie zumeist synchron gedacht. Das heißt, sie ziehen ihre Prinzipien aus ein- und derselben Quelle: der Negation sozialer Asymmetrien, wie man sie in der Realität vorfindet (z.B. Hierarchien oder Ungleichheiten) und denen man horizontale bzw. ausgleichende Vermittlungsformen als »gelebte Utopien« entgegenstellt. In dieser Logik gilt es, sich von allen Zwängen fernzuhalten, weil radikale Subjekte sonst kooptiert oder gar korrumpiert würden und das Projekt schließlich die bestehenden Machtverhältnisse reproduzieren würde […] [D]urch die Unterordnung oder gar Ablehnung von mesopolitischen Zielstellungen gibt es kein pragmatisches Moment, welches das Selbstgefallen der utopischen Prinzipien irritieren könnte. Die Mikropolitik (als absolute Spiegelung dieser Prinzipien) verkommt so zum Selbstzweck.“

Schon das ist eine glatte Lüge: Es gibt durchaus in den Syndikaten der FAU „mesopolitische Zielstellungen“. Das ist nicht der Grund ausbleibender Handlungsmacht. Viel eher ist es gesellschaftlich so, dass eben keine „breiten Massen“ darauf warten, dass eine weitere, mehr oder weniger sozialpartnerschaftliche Gewerkschaft, mit unendlich weniger Organisationsmacht und bissle mehr Demokratismus als der DGB, in ihren Betrieben, geschweige denn in den Betrieben der ‚Außerirdischen‘ selbst auftaucht. Es warten keine breiten Massen darauf, sich endlich einer solchen Organisation langfristig anzuschließen und sich über diesen Transmissionsriemen in die „Welt der Selbstverwaltung“ zur „Befreiung“ und „Erhebung“ transportieren zu lassen. Auch für eine FAU, die auf betriebspolitischer Ebene den syndikalistischen Weg mit Marcks verließe selbst also mit seinen revisionistischen mesopolitischen Vorschlägen würde die fantasierte Handlungsmacht ausbleiben, die es bräuchte, um eine stabile Mitgliedermassenorganisation neben den bereits bestehenden „in Schwung zu bringen“.

Marcks baut mit seinen Behauptungen über die Mikropolitk bestehender Basisorganisierung, und wiederum deren Verantwortlichkeit für fehlende Handlungsmacht, schlicht einen Strohmann auf, welchen er mit tausenden Worten in der ‚Skizze‘ durchlöchert. Würde sich der Bürger mit dem hinter dieser Kritik liegenden Vakuum verbinden, risse es seine Programmatik und damit auch eben jene mikropolitischen Umstellungen, die er mit ihr noch zu rechtfertigen versuchen wird, in die Leere des bürgerlichen Weltraums hinaus. Wäre das einmal eingestanden, stünde auch unmittelbar die Forderung nach der Relativierung der Prinzipien auf dem Prüfstand, da sich damit eben auch kein, am gesetzten Maßstab der Organisierung „breiter Massen“, relevanter messbarer Erfolg ergäbe. Selbst mit dem Maßstab der reinen Handlungsmacht lässt sich die Relativierung anarchosyndikalistischer Prinzipien also nicht rechtfertigen! Und dann müsste man einen weiteren Schritt zurücktreten und die Analyse der gesellschaftlichen Verhältnisse, die zu Grunde liegenden Sozialtheorien und damit auch die Transformations-/Revolutionstheorie des Bürgers selbst auf den Prüfstand stellen. Das alles passiert nicht, stattdessen schließt Marcks schon im nächsten Satz nach dem obigen Zitat über eine linke Mikropolitik, die zum Selbstzweck verkomme, einen weiteren rhetorischen Bluff an:

„Gewiss, man könnte darin auch eine löbliche Haltung erkennen, eine nämlich, die Erfolg nicht um jeden Preis möchte und solcherlei Machtpolitik ablehnt, wo der Zweck die Mittel heiligt – und sich dadurch nur allzu oft korrumpiert. Dieser Impuls ist verständlich. Doch leider hat die Linke das Problem einfach invertiert, wenn sie nun die Mittel heiligspricht.“

Und wie ist man angehalten, diesen rhetorischen Bluff der Machtpolitik weiterzudenken? „Gemessen daran ist doch …“ Wem solche Gedanken nun doch zu arg den Erfahrungen einer „Sozialtherapie für postadoleszente Subjekte“ entsprungen klingen, einem „infantilen Antiautoritarismus“, gar einem „Ultrahorizontalismus“, der:die möge dem in linksradikaler Würde gealterten Thomas Ebermann das Ohr leihen. Er liefert eine Folie, mit der sich die ‚Skizze‘ als ein überschnappender Realismus entschlüsseln lässt. Ebermann ordnet bestimmte rhetorische Manöver in der Linken schlicht als „Standardphrasen der Anpassung“18 ein:

„Eine ist ‚Krötenschlucken‘: ‚Ja, mussten wir leider Krötenschlucken‘. Wenn ich das schon hör‘, möcht‘ ich ’ne Schlägerei anfangen […] Diese furchtbare Rhetorik der Angepassten geht ja meistens so, dass sie noch drei, vier Phrasen kennen. Also sagen wir mal, einer will jetzt seine Zuneigung zur bürgerlichen Demokratie und Verfasstheit dieser Gesellschaft ausdrücken, dann les‘ ich ’nen Artikel, da steht wahrscheinlich der Satz: ‚Man mag ja gegen die bürgerliche Demokratie durchaus berechtigte Einwände haben ABER!‚ Und dann kommt irgendwas über Putin oder Milosevic […]: ‚Gemessen daran ist doch …‘ […] Das Ganze kannst du auch so: ‚Man mag ja Zweifel haben, ob der Kapitalismus mit seinen Akkumulations- und Wachstumszwängen letztendlich die ökologische Krise wird meistern können – ABER! – da wir doch alle wissen, gereift wie wir sind, dass der Wechsel in eine antikapitalistische Gesellschaftsformation gegenwärtig nicht möglich ist, spezialisieren wir uns auf den Green New Deal.‘

Also es ist immer dasselbe: Man sagt noch einmal, ‚Ja eigentlich weiß ich das‘, dabei geht aber das Wissen, das man behauptet zu wissen, komplett verloren. Sondern das ist ein Bluff. Der Mensch der den Satz schreibt, weiß gar nicht, was Kritik der bürgerlichen Demokratie ist, im Regelfall. Und wenn du das dann auf den Prüfstand stellst und fragst: ‚Warum ist denn so eine Schrift wie ‚Transformation der Demokratie‘ von Johannes Agnoli so wichtig oder ‚Der Staat des Kapitals‘, was lernen wir denn daraus? Warum war Rosa Luxemburg so überzeugt, dass man kapitalistische Verhältnisse als Linke nicht regieren kann – dann sind meistens die Argumente längst verblasst und es regrediert zu einer Schutzfunktion bildenden Phrase: ‚Ja da ist wohl irgendetwas, die Demokratie, die den Menschen keine Entscheidung über die Investition und die Art des Produzierens gibt, ist wohl unzulänglich, hab ich mal gehört.‘ Dabei geht irgendwie die Erkenntnislust an der Kritik des Bestehenden verloren, zugunsten einer pseudorealistischen Positionierung.“19

Legen wir Ebermanns Folie über die Scharnierstellen in Marcks‘ Argumentation, mit denen er vollends um 180° aus der FAU hinausschwenkt. Den obigen ‚Bluff der Machtpolitk‘ mit Ebermann paraphrasiert: „Ja, eigentlich weiß ich, dass es da ein Problem gibt, wenn mit Blick auf Effizienz und Erfolg der Zweck die Mittel heiligt – ABER! – da wir doch alle wissen, wie korrumpiert bereits die bestehende Basisorganisierung durch die völlige Umkehrung des Problems ist“ – ja, was folgt aus dieser Schutzfunktion bildenden Phrase? Daraus folgt bei Marcks, hinter vorgehaltener Hand, die schon dargelegte Konzeption reiner Handlungsmacht. Diese hat gezeigt, dass die anarchosyndikalistischen Argumente über die Anwesenheit der Zwecke in den Mitteln – nicht deren Synchronisierung -, die prinzipiengeleitete Praxis rund um die ‚direkte Aktion‘ und ‚gegenseitige Hilfe‘, beim Bürger längst zu Randbehauptungen verblasst sind. Seine Konzeption der Mesopolitk ist im Kern – wo einmal im historischen Syndikalismus die Utopie keimte – genau jenes machtpolitische Gewächs, was er im obigen Zitat behauptet, gerade nicht großziehen zu wollen. Um diesen rhetorischen Bluff plausibel zu machen, muss Marcks die von ihm kritisierte Praxis der Basisorganisierung dann gewohnt spitz zuhauen:

In dieser Logik [‚gelebter Utopien‘, die Keimform und Utopie synchron denken] gilt es, sich von allen Zwängen fernzuhalten, weil radikale Subjekte sonst kooptiert oder gar korrumpiert würden und das Projekt schließlich die bestehenden Machtverhältnisse reproduzieren würde […] sollte es nicht verwundern, dass die radikale Linke kaum mehr in die gesellschaftlichen Entwicklungen eingreifen kann. Denn wo sie sich jeglicherRationalität verweigert, die sich auf die Zwänge der realen Machtverhältnisse einlässt, kann sie eben keine Handlungs- oder Gegenmacht entfalten. Schließlich stellt der Aufbau solcher Macht, auch wenn sie emanzipatorisch verfasst sein soll, eine Bewegung vor vielschichtige Leistungs- und Kompetenzanforderungen.“

Was hier und in der ‚Skizze‘ generell vor sich geht, ist der Versuch einer Verschiebung des Sag- und Machbaren: Was gerade in den Basisorganisationen und damit der FAU ablaufe, das sei so extrem in nur eine Richtung, dass Marcks‘ Vorschläge, die in die entgegengesetzte Richtung gehen, vernünftig und bloß mildernd daherkommen können. Doch gerade sie sind es, die in der FAU und unter Sozialrevolutionär:innen eine extreme Position darstellen. Sie gewinnen Plausibilität durch wenig aufklärerische Rhetorik und völlig frei behauptete Praxisbeschreibungen, oder besser Praxisbeschimpfungen, in anmaßenden Superlativen und unerträglichen Vereinseitigungen. Von welcher Organisation also, welchen gemachten Erfahrungen aus bitte spricht dieser gekränkte Leistungsträger und Kompetenzler, rechtfertigt er seine großen ‚Aber‘? Entgegen seiner eigenen Forderung, leistet er jedenfalls keine programmatische Bestimmung der politischen Ebenen „vor dem Hintergrund historischer Erfahrungen und aktueller Bedingungen.“

Marcks‘ Schlussfolgerungen stammen, wenn überhaupt, aus einer zunehmend stellvertreterischen Gewerkschaftspraxis des Unterstützens und externen Impulsgebens in einem Allgemeinen Syndikat der FAU. Auch des Bürgers Praxiserfahrungen haben sich also sehr wahrscheinlich in einer irregulären Gewerkschaft / politischen Gruppe, in einem dieser ‚Raumschiffe‘ der Basisorganisierung ergeben. Jene Kompromissform, die unguterweise in der FAU auf Dauer gestellt wurde, beruht in ihrem Fundament auf einer Beziehungsweise der Trennungen und den sich entfaltenden Keimen der Stellvertretungsfunktion. Weil das Allgemeine Syndikat das syndikalistische Pferd hier und heute gezwungenermaßen von hinten aufzäumen muss, bringt es aus seinen organisatorischen Grundvoraussetzungen eine vertikale Spaltung zwischen ‚politischem‘ Aktivist:innen-Apparat und ‚ökonomischem‘ Widerständigen-Außen hervor, die durchaus einer konstruktiven Bearbeitung und Eindämmung bedarf.

Denn ein entsprechend aktivistischer Aufbauprozess bietet einen guten Nährboden für die weitere Entfaltung der von Anfang an angelegten Stellvertretungsfunktion der Interessenorganisation, komplett mit schon informell vorhandenem Funktionär:innen-Apparat. Betrachtet man die Organisationsentwicklung und betriebliche Praxis dieser Gewerkschaft, lässt sich also nicht von einem sich erst nach und nach abzeichnenden Problemhorizont eines zukünftigen „Funktionswandels“20 derselben sprechen. Unter diesem Stichwort hatte Holger Marcks bereits im Jahr 2008 Problemlagen skizziert, welche sich „mit steigender Macht“21 von Gewerkschaften zwangsläufig entwickeln müssten: 1. die Herausbildung interner neuer Interessengruppen; 2. die fehlende Förderung umfassender Basisdynamiken von uns FAU-Mitgliedern als widerständige Lohnabhängige; 3. die gehemmte Entwicklung einer vitalen Kultur des syndikalistischen Kämpfens in den Betrieben; 4. der tendenzielle Ausbau zu einer Disziplinierungsmaschine gegenüber eigenmächtigen Kämpfen. (LLWAA: E, 3)

In der ‚Skizze‘ rückt das Anliegen, jene Effekte programmatisch einzudämmen an den Rand. Wollen wir herausfinden, wie genau Marcks theoretisch zu solchem Herausschwenken aus der FAU gekommen ist, müssen wir diese organisationstheoretische Grundvoraussetzung der Zwangsläufigkeit mitdenken und besser verstehen. Diese Annahme könnte am ehesten durch eine klassische soziologische These fundiert sein: Robert Michels‘ „Ehernes Gesetz der Oligarchie“ von 1911, welchen und welches Marcks jedoch an keiner Stelle erwähnt. Es sind vielleicht auch hier einmal mehr die Dinge, die der Bürger nicht aufgeschrieben hat, die uns zu mehr Klarheit über seine Programmatik verhelfen könnten.

Der zweite und letzte Teil erscheint mit Kurzversion am 06.09.2026


Endnoten

  1. Marcks 2018a.
    Wichtig: Im Folgenden werde ich keine Zitierangaben mehr machen, wenn ich aus der ‚Skizze‘ zitiere. Das Zitat ist dann einem der drei Teile, also Marcks 2018a, 2018b oder 2019 entnommen. Wenn kursiviert bzw. in Blockzitaten invertiert wurde, ist das immer meine Hervorhebung. ↩︎
  2. Tsveyfl 2023 ↩︎
  3. Vergleiche Loick 2017 zu seiner Analyse des Anarchismus u.a. als einen „radikalisierten Liberalismus“ ↩︎
  4. LLWAA: Abkürzung für ‚Lieber leben wir als Außerirdische‘, also hier Heuholz 2025: Kapitel E, Abschnitt 9 ↩︎
  5. Vergleiche Solidarity Federation 2024: Kapitel 3 ↩︎
  6. Marcks findet die Selbst- und gegenseitige Bezeichnung „Genosse!“ blöd, weil das so unpolitisch sei. Er feiert hingegen das „citoyen„, das „Bürger!“ der französischen Revolution. So möchte ich ihn also im Folgenden auch ansprechen. Und ach, wenn man nur Marx gelesen hätte, aus diesem liberalen Holz des Citoyen könnte man die schönste Ideologiekritik zimmermannen. ↩︎
  7. Schapiro 1932, meine Hervorhebung ↩︎
  8. ebd. ↩︎
  9. Siehe Abschnitt 1, Metapolitik ↩︎
  10. Beyer-Arnesen 1998 ↩︎
  11. Adamczak 2017 ↩︎
  12. Vergleiche dazu grundsätzlich, Thistle Collective: Every Rose has its Thorn ↩︎
  13. Schneider 1971: 77f., meine Hervorhebung ↩︎
  14. Hier scheint ein, von Marcks allerdings entkernter, Anarchosyndikalismus erneut durch: In dessen klassischer Konzeption sollten die Kampfstrukturen in einem revolutionären Moment auf Verwaltung umschalten. Ob das beziehungstheoretisch aufgehen kann, von einer Rationalität des Kämpfens einfach so in eine des Hegens und Pflegens zu wechseln, wurde bis heute meines Wissens nicht grundsätzlich in Frage gestellt. ↩︎
  15. Solidarity Federation 2024 ↩︎
  16. Der klassische Anarchismus selbst allerdings, und in der Folge auch der sogenannte „Neoanarchismus“, kennen materialistischen Feminismus lediglich als blinden Fleck. Dass jenen -Ismen scheinbar, mit ihrer Kritik an Herrschaft und Unterdrückung, eine feministische Tendenz innewohnt, hat von den Mujeres Libres der 1930er bis in den gegenwärtigen ‚Anarchafeminismus‘ zu einem in die männlichen Genossen gesetzten Vertrauen geführt, das kollektiv stets von ihnen enttäuscht wurde. Zu diesem Thema gäbe es noch so viel mehr zu sagen, den Anarchismus also, mit Judy Greenway, grundlegend feministisch zu rekonstruieren, wozu hier aber leider der Platz fehlt. ↩︎
  17. Solidarity Federation 2024 ↩︎
  18. Thomas Ebermann im Podcast ‚don’t read theory‘, Folge #19, ab 1:14:30 (2025) ↩︎
  19. ebd. ↩︎
  20. Marcks 2008 ↩︎
  21. ebd. ↩︎

Quellen

Adamczak, Bini. 2017. Beziehungsweise Revolution: 1917, 1968 und kommende. Berlin: Suhrkamp Verlag.
Beyer-Arnesen, Harald. 1998. https://theanarchistlibrary.org/library/harald-beyer-arnesen-anarcho-syndicalism-a-historical-closed-door-or-not#toc6
Diefenbach, Thomas. 2018. Why Michels’ ‘iron law of oligarchy’ is not an iron law – and how democratic organisations can stay ‘oligarchy-free’. Organization Studies 1-18.
Garneau, Marianne. 2020b. Big Strikes. https://organizing.work/2020/11/big-strikes-and-the-sabotage-of-the-labor-movement/
Heuholz, Franz. 2025. Lieber leben wir als Außerirdische. Syndikat A
Leach, Darcy K. 2005. The Iron Law of What Again? Conceptualizing Oligarchy across Organizational Forms. Sociological Theory, Vol. 23, No. 3 (Sep., 2005), Seiten 312-337
Loick, Daniel. 2017. Anarchismus: Zur Einführung. Hamburg: Junius Verlag.
Marcks, Holger. 2008. Die marginale Gewerkschaft. https://direkteaktion.org/2008/05/187-die-marginale-gewerkschaft/
Marcks, Holger. 2018a. Skizze eines konstruktiven Sozialismus (Teil 1). https://direkteaktion.org/2018/09/skizze-eines-konstruktiven-sozialismus-teil-1/
Marcks, Holger. 2018b. Skizze eines konstruktiven Sozialismus (Teil 2). https://direkteaktion.org/2018/10/skizze-eines-konstruktiven-sozialismus-teil-2/
Marcks, Holger. 2019. Skizze eines konstruktiven Sozialismus (Teil 3). https://direkteaktion.org/2019/09/skizze-eines-konstruktiven-sozialismus-teil-3/
Maruschke, Robert. 2014. Community Organizing. Edition Assemblage.
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Moss, Sam. 1939. On the Impotence of Revolutionary Groups. Living Marxism.
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Rocker, Rudolf. 1927. Allgemeine Betrachtungen zum konstruktiven Sozialismus. In: Die Internationale, Nr. 1, Jg. 1 (1927).
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Schapiro, Alexander. 1932. Die Politik der Internationale. https://direkteaktion.org/2026/04/die-politik-der-internationale/
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Thompson, Fred. 1938. Rank and File Rule. https://libcom.org/article/rank-and-file-rule-what-it-and-what-it-isnt-fred-thompson
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Des Titelbild isch aus einem Video von der CNT.