Das Gespräch führte Steff Brenner für die DA-Redaktion
DA-Redaktion: Seit einigen Jahren sorgt in Dresden eine besondere FAU-Sektion für Aufsehen: Die Schüler:innensektion “Schwarze Rose”, die feministische Schulstreiks, gemeinsames Hausaufgaben-Machen, Kämpfe gegen rechtsradikale Lehrkräfte genauso organisierte wie Frust-Treffen nach der Zeugnisausgabe. Auch im Bereich Bau und der Sparte für Grüngewerke mischen junge AzuBis kräftig mit und hatten einen Anteil am Aufbau des AzuBi-Hilfe-Netzwerks. Eine bundesweite Organisation blieb bis dato aber aus. Das ändert sich nun zunächst mit der offiziellen Gründung der “Initiative FAJ”, welche die vollständige Formalisierung als “FAJ” zum nächsten Jahr zum Ziel hat. Wir sind heut im Gespräch mit Simon aus Dresden. Simon, kannst du dich und die FAJ kurz vorstellen?
Simon: Ich bin Simon, Schüler an einem beruflichen Gymnasium in Dresden und in der FAJ aktiv. Die FAJ, das heißt, die “Freie Arbeiter:innen Jugend”, ist die Organisation für Schüler:innen, AzuBis, Studierende und Freiwilligendienstleistende in der FAU. Als Gewerkschaft wollen wir gemeinsam unsere Lern- und Lebensbedingungen verbessern, langfristig aber auch eine andere, bessere Gesellschaft erreichen. Da das natürlich nicht von selbst passiert organisieren wir uns, um kollektiv Strukturen in unseren Betrieben, Unis, Schulen etc. aufbauen zu können die es uns ermöglichen unsere Ziele umzusetzen.

DA: Klingt super, wie lang gibt es euch, wo steht ihr, welche Schritte plant ihr gerade?
Simon: Die Initiative besteht seit ca. Mitte 2025. Auf dem diesjährigen FAU-Bundeskongress wurden wir auch offiziell formalisiert. Ein wichtiges Thema ist gerade unsere Bundesebene arbeitsfähig(er) zu bekommen, dazu wird gerade an einer vorläufigen Arbeitsrichtlinie geschrieben. Unser Fokus in der nächsten Zeit wird es besonders sein, unsere Verankerung vor Ort mit Lokalgruppen zu stärken. Bisher sind wir in Hannover und Dresden vertreten, Initiativen zur Gründung von Lokalgruppen gibt es auch in einigen weiteren Orten. Um bundesweite Handlungsfähigkeit zu gewährleisten soll bald auch ein regelmäßiges Online-Vernetzungstreffen der Lokalgruppen etabliert werden. Ein weiteres großes Projekt ist der FAJ-Kongress der im Oktober in Dresden stattfinden wird. Dort wollen wir unter anderem eine Strategie entwickeln und über unsere Satzung debattieren. Auch unsere Öffentlichkeitsarbeit läuft langsam an, auf Instagram haben wir innerhalb kurzer Zeit einige hundert Follower erreicht, unsere Lokalgruppen noch viel mehr. Konzernunabhängig sind wir auch im Fediverse und mit einer eigenen Webseite vertreten.

DA: Ihr fasst ja ein relativ weites Organisationsgebiet an, also ich meine bspw. Schüler:innen sind ja teilweise in einem deutlich anderen Alter und haben andere Themen als Studierende, FAU-AzuBis haben wie gesagt teilweise ja schon eigene Initiativen in den Branchenorganisationen. Gibt es schon Ideen wie ihr das austariert und wie Verschränkungen zwischen den einzelnen Mitgliedergruppen aussehen sollen?
Simon: Diese große Diversität ist uns natürlich klar. Langfristig haben wir vor, entsprechende Untergliederungen für die einzelnen Bereiche zu erstellen, die dann zu den spezifischen Problemen dieser Gruppe arbeiten. In Dresden gibt es diese Unterteilung in eine Azubi-AG und eine Schüli-AG zum Beispiel schon. Wir finden es trotzdem wichtig uns als Jugend gemeinsam zu organisieren, da es auch viele Themen gibt die alle jungen Menschen angehen, wie die Wehrpflicht, Unterfinanzierung in der Bildung oder die Klimakrise. Und auch als Interessenvertretung innerhalb der FAU, zum Beispiel um in möglichen Tarifkämpfen spezifisch AzuBi-Interessen zu vertreten oder verschiedenen Positionen zwischen in der FAU organisierten Lehrkräften und Schülis zu klären ist eine gemeinsame Organisation aller Jugendlichen sinnvoll. Dort wo es eine parallel zuständige Branchenorganisation gibt sollen außerdem mittelfristig Verbindungskomitees entstehen um eine gute Zusammenarbeit sicher zu stellen.

DA: In deiner Aufzählung fehlt mir noch ein offensichtliches Hierachiegefälle: Das schöne in der FAU ist ja, dass in ihr teilweise zwei oder gar drei Generationen einer Familie organisiert sind. Seht ihr euch hier auch zuständig? Erwarten uns Streiks für mehr Taschengeld in FAU-Familien?
Simon: Auch das meinte ich mit “Interessenvertretung innerhalb der FAU”, vor allem wenn die FAU weiter wächst und das Phänomen mehrerer hier organisierter Generationen in einer Familie verbreiteter wird, wird vermutlich auch die Aushandlung verschiedener Interessen zwischen FAU-Jugendlichen und Eltern eine Rolle bei uns spielen, ich hatte das so ähnlich mit Lehrkräften ja bereits angesprochen. In beiden Fällen hoffe ich persönlich aber das wir solche Konflikte innerhalb der FAU auch ohne größere Eskalation lösen können. Allgemein wird es sicher in Zukunft in unserer Arbeit auch eine große Rolle spielen auszuarbeiten wie Erziehung (schulisch wie zuhause) in einer fortschrittlichen Gesellschaft funktionieren kann. Ein Prozess der aber auch unter Einbeziehung von Lehrkräften, Eltern und Wissenschaft passieren muss.

DA: Ich kann mir da gut vorstellen, dass mensch sich hier sicher auch noch von einer ganzen Reihe Strukturen der historischen FAUD inspirieren lassen und an viele generelle Debatten überfaire Interessenaushandlung der Generationen anknüpfen kann. Gut gefiel mir bspw. die Idee, Jugendweihen selbst zu organisieren und darin emanzipatorische Kultur zu entwickeln. Und gerade in der Debatte um freie Bildung gibt es ja auch unglaublich viele Anknüpfungspunkte, bspw. freie Schulen, mit sehr spannenden Erfahrungen.
Wo ich gerade schon auf die historische FAUD kam: Dort gab es nicht nur Strukturen für Jugendliche sondern auch für Kinder, so auch die Zeitung “Kinderwille”. Wie geht ihr mit Altersspannen um? Gibt es eurer Meinung nach ein Mindestalter oder Höchstalter für die FAJ? Habt ihr Strukturen für sehr junge Menschen diskutiert?
Simon: Darüber haben wir noch nicht gesprochen, deshalb kann ich hier nur meine Einzelmeinung abgeben. Ich denke dass auch Strukturen für Kinder sinnvoll sind, allerdings ist bis zu einem gewissen Alter eine wirklich selbstorganisierte politisch-gesellschaftliche Arbeit sicher nur relativ begrenzt möglich. Ich würde die Kinder-Strukturen deshalb eher als Kulturorganisation begreifen, während die FAJ ja explizit Gewerkschaft sein will. Eine Kinderorganisation wäre also potenziell besser an einen syndikalistischen Kulturbund oder – vor allem bei sehr jungen Kindern – eine Elternstruktur angegliedert als an die FAJ. Zu allgemeinen Altersspannen kann ich sagen, dass wir einen informellen Richtwert von 25 als Höchstalter haben. Ein Mindestalter festzusetzen halte ich für schwierig, da sich Menschen ja in einer unterschiedlichen Geschwindigkeit entwickeln. Aus Erfahrung kann ich aber sagen das viele wie ich mit ca. 14 ihre ersten Erfahrungen mit politischer Arbeit gemacht haben.

DA: Stichwort Gewerkschaftscharakter: Sowohl Schüler:innen als auch Studierende haben ja das Problem, dass sie nicht unmittelbar an der Schaffung von Mehrwert beteiligt sind, ein Streik also keinen unmittelbaren wirtschaftlichen Druck erzeugt. Fridays for future hat das leider eindrucksvoll illustriert: Trotz zehntausender Schüler:innen im Schulstreik konnten die Forderungen von der Regierung entspannt ignoriert werden. Als Anarchosyndikalist:innen suchen wir aber immer nach den direkten Hebeln zur Durchsetzung unserer Forderungen, nach der Möglichkeit zur direkten Aktion. Seid ihr in diese Debatte schon eingestiegen? Welche Hebel für Gegenmacht seht ihr in eurer Situation?
Simon: Fridays for Future, wo ich auch einige Zeit aktiv war, hatte noch ganz andere Probleme als die fehlende Streikmacht. Allerdings ist das natürlich ein großer Faktor, den wir auch in der FAJ noch weiter besprechen müssen, wir stehen da noch sehr am Anfang. Allerdings müssen wir unsere Hebel auch in zwei Arten unterteilen, einmal die, die primär auf Ebene einer z.B. Schule funktionieren und die, die politisch Druck aufbauen. Für Forderungen, die nur Regelungen schulischer Natur betreffen, ist ökonomischer Druck unter Umständen weniger notwendig, da es dort vor allem darum ginge, den Schulbetrieb zu stören und dadurch Druck auf Schulleitung oder Kultusministerium auszuüben. Dazu ist auch ein Schulstreik gut geeignet. Bei größeren, politischeren Fragen ist das natürlich eine andere Sache, mit der wir uns perspektivisch auch noch stärker befassen müssen. Mir würde spontan nur einfallen, Streikdemos so zu legen, dass sie möglichst stark den Berufsverkehr stören.
DA: Ein besonderer Kampf der Jugend und der Menschen in Ausbildung ist meiner Meinung nach auch immer der Kampf darum, was eigentlich die Lehrinhalte sind. Du hattest das oben auch erwähnt. Die anarchistische Jugendorganisation “Freie Vereinbarung” (Dresden, 2009 bis 2012) nahm mit ihren Schulgruppen bspw. damals die Inhalte von Geschichts- und Gesellschaftskunde-Unterricht ins Visier und forderte unter anderem eine stärkere Thematisierung der Räterevolution 1918-19 und der Abwehr des Kapp-Putsches 1920. Die Schüler:innenorganisation Schwarze Rose (Dresden, 2018 bis jetzt) kritisierte und ergänzte mit Redebeiträgen bei Schulstreiks am 8. März schon die mangelnde Aufklärung über Sexualität, Gender-Vielfalt, mangelnde medizinische Forschung und Aufklärung für nichtmännliche Körper (Gebärmutterhalskrebs-Impfung, Auswirkungen der Pille, Gender Health Gap). In meiner Branchensektion, der Initiative Grüne Gewerke, thematisieren wir viel die unzureichenden Lehrinhalte, unter anderem in den staatlichen Ausbildungen zu Gartenbau und Landwirtschaft, bspw. hinsichtlich einer gesellschaftlich notwendigen Umstellung auf biologische Formen der Landwirtschaft. Hier verhandelt die Zentralgewerkschaft IG BAU die Lehrinhalte zusammen mit Kultusministerien und Unternehmensverbänden und entpolitisiert die Branche dabei weitgehend. Damit meine ich, dass die Gewerkschaft nicht in die Verantwortung geht, wenn es darum geht, dass die Lehrinhalte die Gesellschaft auch zukunftsfähig machen sollten. Magst du noch mehr zu deinem Blick auf Lehrinhalte und die Rolle der FAJ sagen?
Simon: Wie gesagt ist die Entwicklung von Bildungs- und Erziehungs-Ansätzen eine Aufgabe, die ich auch bei der FAJ sehe. Da wir bisher fast nur Strukturaufbau und Bürokratie betrieben haben gibt es da aber auch noch keine gemeinsame Position dazu, die ich hier verkünden könnte. Ich denke es ist auf jeden Fall wichtig, dass wir uns zum einen überlegen was für Inhalte wir bereits in der jetzigen Gesellschaft wollen und diese dann in unser noch zu schreibendes schulpolitisches Programm aufzunehmen. Zum anderen ist es wichtig, zu überlegen, welche Lehrinhalte in der Gesellschaft, auf die wir hinarbeiten, notwendig sind. In beiden Fällen ist meine persönliche Position, dass die Schule die Aufgabe hat, die Menschen zum kritischen und hinterfragenden Denken und zur Logik zu befähigen und ihnen ein Verständnis der Welt, mitsamt den Fähigkeiten, die es braucht, um sich in ihr zu bewegen, vermitteln soll. Die Rolle der FAJ liegt hier vor allem darin, den Teil mit dem kritischen und hinterfragenden Denken zu fordern, der bisher zu kurz kommt. Da fällt auch das mit Räterevolution und Kappputsch rein was du erwähnt hattest, ich finde aus eigener Erfahrung vor allem den Wirtschaftsunterricht ganz schlimm unkritisch. Außerdem sehe ich es als eine notwendige Forderung an, die Lehrinhalte näher an der Realität der Schülis auszurichten. Vieles ist ja in der Theorie sinnvoll zu lernen, allerdings so abstrahiert, dass viele Schüler:innen (berechtigterweise) nicht verstehen, wieso wir das eigentlich lernen. Beispielsweise könnte man Textanalyse (eine durchaus wichtige Fähigkeit) auch an einem aktuellen und relevanten Text lernen, nicht an einem von vor 200 Jahren. Eine weitere Sache, die die FAJ fordern sollte, wenn wir gerade bei Schulpolitik sind, ist die (Basis-)Demokratisierung der Schulen. Sowohl mit Hinblick auf die Lehrinhalte als auch auf Regelungen zum Schulablauf. In der Schwarzen Rose bereiten wir da gerade eine kleine Kampagne zur Stärkung kämpferischer Schüler:innen-Räte vor, die in die Richtung geht.

DA: Das klingt super, ich bin gespannt. Ein Sache, die mir bei linker und anarchistischer Schulpolitik immer wieder auffällt, ist, dass sie leider meistens auf bestimmte Milieus und Schulformen beschränkt bleib. Also ich selbst war auf einer sehr rechts geprägten, ländlichen Realschule. Dort kam ich nie in Kontakt mit linken Ideen oder gar Strukturen. Das begegnete mir dann erst außerhalb. Auch die anarchistischen Schul- und Jugendgruppen, die ich mitbekam, setzten sich meistens nur aus Leuten von Gymnasien oder Alternativschulen zusammen. Die linke Bewegung hat da meiner Meinung nach insgesamt ein Bias-Problem. Damit meine ich, dass die deutsche Linke stark von bildungsbürgerlichen Milieus geprägt ist und aus dieser Ecke nicht heraus kommt. Währenddessen nimmt die Beliebtheit der AfD oder von noch militanteren rechten Strukturen in Realschulen, insbesondere auf dem Land, immer weiter zu, gerade im Osten. Auch die AfD wird leider überdurchschnittlich oft von Arbeiter:innen gewählt. Flankiert wird das oft von rechten Fußballstrukturen und einem Heer rechter Youtube-Streamer und Tiktok-Accounts. Manche Forscher:innen prognostizieren, dass sich dieser Trend mit der Niederlage von Fridays for Future und den Prognosen global kollabierender Öko- und Klimasysteme durchaus auch auf die höheren Schulformen ausweiten könnte. Hast du oder habt ihr kollektiv Gedanken zu diesen Themen, also Rechtsruck, Social-Media-Hoheit, Schulformen und ländliche Gebiete?
Simon: Ich kenne das Problem, ich war selbst die meiste Zeit meines Schullebens auf einer Realschule im sächsischen Hinterland. In Dresden kommen die meisten Schüli-Mitglieder der FAJ auch von Gymnasien und beruflichen Gymnasien. Ich denke, wichtig, um dieses Problem zu lösen, sind vor allem zwei Dinge: Auftreten und Präsenz. Auftreten meint, dass wir möglichst anschlussfähig auch für Menschen außerhalb linker Studi-Viertel sein müssen, in dem wir verständlich sprechen (was im Übrigen nicht heißt, unterkomplexe Inhalte zu liefern, wie es gerade die Strategie kommunistischer Jugendgruppen zu sein scheint) und unsere Ästhetik möglichst massentauglich halten. Präsenz heißt zum einen auf Social Media stark vertreten zu sein, da hat die FAU im allgemeinen Nachholbedarf und die FAJ sollte mit gutem Beispiel voran gehen. Aber auch Präsenz in und vor den Schulen. In den Schulen zum Beispiel mit Schulgruppen – wobei mensch dafür auch erstmal ein paar Mitglieder in der Schule braucht – oder davor mit Infoständen, Flyern etc. Das macht z.B. die AfD-Jugend gerade leider relativ gut, in den letzen Wochen haben die systematisch viele sächsische Berufsschulen heimgesucht und hatten da auch nicht selten einigen Zulauf.

DA: Mit Social Media und der AfD-Jugend sprichst du was an. Aufsehen erregte ja besonders die Tiktok-Kampagne des selbst in der AfD rechts außen stehenden Maximilian Krah. Über diese Social Media Arbeit spricht der mittlerweile ausgestiegene Erik Ahrens im Internet recht ausführlich. Das Zentrum für Politische Schönheit hat dazu einen ganz guten Beitrag veröffentlicht (Zeitsturz: Wie besiegen wir die AfD? (Episode #1)) Für emanzipatorische Kräfte sehe ich hier ein großes Problem, gerade in der Jugendarbeit: Die großen Plattformen gehören allesamt den politischen Gegenspielern. Gerade Instagram ist dafür berüchtigt, externe Links, aber auch immer mehr politische Inhalte zu zensieren und die Reichweite missliebiger Accounts zu beschränken. Sie schränken die Möglichkeiten zu Postings also extrem ein und machen unsereins damit immer mehr Aufwand. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass die Technologie- und Konzernkritik gerade in den jüngeren Gesellschaftsschichten immer mehr abnimmt, Alternativen wie Mastodon und das Fediverse sind ohnehin marginal, in der Jugend aber völlig unpopulär. Mittelfristig ist zu befürchten, dass die Plattformen uns mit steigender Faschisierung einfach zensieren. Wie lässt sich damit umgehen? Wechsel auf Messenger? Massive Kampagnen für Mastodon und Co? Wieder stärker auf 1:1-Gespräche verlegen?
Simon: Das ist tatsächlich ein ziemliches Problem, eigentlich müsste viel mehr ins Fediverse verlegt werden, aber da ist halt fast niemand, weshalb es notwendig ist, stark auf den Konzern-Plattformen aktiv zu sein. Das ist ein Problem, was sich nur schwer lösen lässt, denn solange es im Fediverse nur wenig Content gibt, ist es unattraktiv, dahin zu wechseln, aber wenn da niemand ist, wird dort auch kein Content erstellt. Ich habe das selbst gemerkt, als ich mal versucht habe, privat von Instagram auf Mastodon zu wechseln. Für die meisten jungen Menschen sind die Gründe, auf welchen Plattformen sie sind, (para)soziale Interaktionen mit Freundinnen, Bekannten oder Influencerinnen und der Konsum von Unterhaltung. Beides gibt es im Fediverse leider bisher kaum. Daher ist es für uns notwendig weiterhin auf Instagram und co. aktiv zu sein. Parallel sollte aber die Alternative auch beworben werden. Ich denke, damit das Fediverse erfolgreich sein kann, müssen auch große Kanäle aus dem “Mainstream” rüber wechseln oder zumindest ihren Content spiegeln. Ein Ansatz, den Umstieg zu erleichtern, ist auch der Digital Indepandence Day, der gerade vor allem von Chaos Computer Club, Piraten und Digitalcourage getragen wird. Ich denke, es ist eine Überlegung wert, uns da als FAU auch mit einzuklinken. Ein wichtiges Thema bleibt es trotzdem, 1:1-Kommunikation auszubauen, schon um resilient auch auf Dinge wie Internetausfälle oder Deplatforming reagieren zu könnnen. Hierzu sehe ich auch den Aufbau von Stadtteil-, Schul- und Betriebsgruppen als notwendigen Schritt an.

DA: Danke für deine ganzen spannenden Perspektiven! Wie können euch ältere FAU-Genoss:innen jetzt gut unterstützen? Und wie können Jugendliche sich der FAJ anschließen?
Simon: Wir freuen uns immer über Erfahrungswerte von älteren Genossis, z.B. aus Branchenstrukturen. Wer sich der FAJ anschließen möchte, meldet sich am besten bei der zuständigen Lokalgruppe (wenn vorhanden), über “kontakt-faj@fau.org” oder “@faj.gewerkschaft” auf Instagram bzw. über “@faj_gewerkschaft@mastodon.social” auf Mastodon bei uns.
DA: Super, ist noch etwas wichtig was du hinzufügen möchtest?
Simon: Nicht wirklich, ich habe aber einige interessante Impulse aus dem Interview mitgenommen, die in unserem anstehenden Strategieprozess sicher nützlich sein werden.
DA: Das freut mich! Vielen Dank für deine Zeit und viel Erfolg beim Aufbau. Jugend voran!

