Artikelserie: Kollaps – Gewerkschaften – Neuanfänge

Kollaps – Gewerkschaften – Neuanfänge

Kollaps – Was kommt da auf uns zu?

Zum Charakter und der Legitimation dieses Textes: Dieser Text wurde auf Basis verschiedener Debatten zusammen getragen. Eingegangen sind Diskussionen aus der Klimabewegung und verschiedenen syndikalistischen Gewerkschaftskreisen. In einem der größten Syndikate der FAU wurde er diskutiert, ebenso in Teilen der Kollektivbetriebebewegung. Die zu Grunde liegenden Fakten und Prognosen sind auch in meinen letzten Vortrag zum Thema eingeflossen. Es besteht Einigkeit, dass sich keine Einigkeit bis ins letzte Detail herstellen lässt, dass dieser Text aber trotzdem eine stabile, gemeinsame Grundlage bieten kann um über die zukünftige Strategie der FAU und ICL zu diskutieren. Große Änderungen zu internen, kollektiver abgestimmten Textversionen hakursiv markiert.

Die Welt ist im Umbruch: Unsere Ökosysteme, globale Machtkonstellation, scheinbare Sicherheit, unsere Lebensentwürfe – alles gerät zunehmend in den freien Fall. Vielleicht ist der Kapitalismus in seiner letzten Phase und es kündigt sich etwas neues an. Vielleicht stehen wir „nur“ vor einer ungekannten Brutalisierung des Systems. Fest steht, dass der globale Kapitalismus nicht weitermachen wird wie bisher, und das bedeutet, auch anarchosyndikalistische Organisationen können nicht weitermachen wie bisher. Mit diesem Text wollen wir zusammenfassen, was wir über die nächsten Jahre bereits heute abschätzen können. Mit dieser Zusammenfassung wollen wir eine Grundlage dafür schaffen, gemeinsam zu überlegen, welche Schritte wir als Syndikate, als FAU und als soziale Bewegungen miteinander gehen müssen. Dieser Text ist ein Downer, weil er sich darauf ganz wesentlich darauf fokussiert welche Probleme wir haben werden. Im nächsten Artikel wird es dann so langsam um unsere möglichen Gegenstrategien gehen, also wartet diesen ggf. noch ab.

Jetzt

Fakt ist, dass wir in einer globalen Situation leben, in der die meisten wissenschaftlichen Daten auf ein mögliches, baldiges Aussterben der Menschheit und einen Zusammenbruch aller bekannten Ökosysteme hinweisen und es keinerlei nennenswerte, politische Gegenreaktion gibt.¹

Nehmen wir allein die Klimapolitik: Der „westliche Machtblock“² wendet sich zunehmend von seinen Klimazielen, der Klimaforschung etc. ab. Die chinesische Regierung verfolgt ambitionierte Ziele³, jedoch sind diese, gemessen an dem was notwendig wäre, immer noch zu bescheiden. Das wird kaum besser werden um so mehr der großen Nationen ihre Klima- und Umweltprogramme herunter fahren. Indien mit seinen fast 18% Anteil an der Weltbevölkerung kippt in ein immer  stärker hindu-faschistisches, autokratisches System und lehnt jede verbindliche CO²-Reduktion ab. Es ist im Gegenteil noch um ein Aufholen westlicher Konsumstandards bemüht.⁴ Aktuell leben hier noch 44% der Bevölkerung ohne Zugang zur Stromversorgung, was deutlich macht, wie dramatisch die Emissionspotentiale allein in diesem Teil der Welt sind.

Doch nicht nur die Klimakatastrophe droht uns aktuell zu Fall zu bringen. Weniger beachtet aber mindestens ebenso dramatisch sind weitere, menschengemachte, planetare Katastrophen, die miteinander verwoben sind: Die Zerstörung von Biodiversität und Artenvielfalt, die mittlerweile schon ein erdhistorisches Niveau erreicht hat, die Versauerung der Ozeane, das Entstehen toter Zonen, die Zerstörung von Agrarflächen, die Krise der Phosphor- und Stickstoffkreisläufe, die unsere Nahrungsmittelproduktion fundamental bedrohen…⁵

Hierbei ist wichtig zu betonen, dass auch wenn in der medialen Berichterstattung und selbst von renomierten Institutionen wie dem Weltklimarat oft ein anderes, positiveres Bild vermittelt wird, es aktuell KEINE realistischen Konzepte gibt, den kompletten Zusammenbruch der menschlichen Zivilisation in den nächsten 50-100 Jahren zu verhindern.⁶

Wir müssen also zunächst zur Kenntnis nehmen, dass sich die uns gegenüberstehenden Herrschaftssysteme nicht langfristig rational verhalten, sondern selbst von Verdrängung, Affekt, kurzfristigem Denken und zunehmend auch gesellschaftspolitischer Suizidalität (also einem Todeswunsch) getrieben werden.⁷ So versuchen gerade die Herrschaftseliten des westlichen Machtblocks alle Ressourcen von sozialen Sicherungssystemen und ökologischen Maßnahmen weg, hin zu Militarisierung und Subvention der KI-Industrie zu verschieben. Kanzler Merz will beispielsweise satte 29-47% des deutschen Staatshaushalts zukünftig ins Militär stecken.⁸ Das verdeutlicht nicht nur die Gefahr eines neuen Weltkriegs, da die NATO-Staaten offensichtlich ihren wirtschaftlichen Bedeutungsverlust gegenüber China militärisch kontern wollen (denn wie wären die enormen Rüstungsausgaben sonst zu erklären, jedenfalls nicht mit der Stärke des russischen Militärs).⁹ Es macht auch deutlich, dass die ökologische Katastrophe von höchster Ebene noch immens beschleunigt werden soll – getrieben von Kräften die ein Ende der Menschheit – und der Menschlichkeit und Solidarität sowieso – offen forcieren.

Diese sich zuspitzenden Verhältnisse haben auch eine Reihe gesellschafts-psychologische Folgen: Aktuell ablaufende Veränderungen sind teils zu schleichend, teils so abrupt, teils zu abstrakt und teils zu monströs, damit sie gesellschaftlich angemessen verarbeitet werden können. Sie lösen Ohnmachtsgefühle, Depression, Verdrängung und Abwehr, Zynismus, Überforderung und schließlich Verwirrung aus. Diese Reaktionen befördern wahnhafte Ideologien und blockieren und lähmen andererseits linke und revolutionäre Akteur:innen auf die eine oder andere Art. Es lässt sich dahingehend also auch von sich selbst verstärkenden Dynamiken (Kaskaden) und gesellschaftlichen Kipppunkten sprechen. Davon bleiben Sexismus, Rassismus, Rollendenken und damit verbundene Gewalt nicht unberührt, vielerorts kündigt sich ein gewaltiger Backlash an oder er ist schon im Gange.¹⁰

Die globale Linke geht die kommenden Verwerfungen und Auseinandersetzungen dabei leider nicht sehr organisiert an. In den letzten Jahrzehnten sind die weltweiten Bündnisse der Antiglobalisierungsbewegung vielfach erodiert. Leuchtturmprojekte wie die zapatistischen Gebiete sind in schwerem Fahrwasser oder im Falle der kommunalistischen Bewegung des mittleren Ostens von der Auslöschung bedroht. Vielversprechende Revolutionsversuche wie in Syrien, Iran, dem Sudan oder Belarus wurden in Blut erstickt, viele Zehntausend der mutigsten und engagiertesten Menschen wurden ermordet. Die ICL ist immernoch ein loses Netzwerk in einigen, wenigen Ländern, weit davon entfernt eine geschlossene, gemeinsam handlungsfähige und globale Internationale zu sein (auch wenn zumindest Schritte in die richtige Richtung erkennbar sind). Massenbewegungen wie die US-amerikanische Linke sind unter schwerem Beschuss und habe keine gemeinsame Gesellschaftsvision. Die vielleicht wichtigsten und handlungsfähigsten Zusammenschlüsse wie La Via Campesina und das Nyéléni-Forum oder die Fraktionen der indischen Linken sind in Europa kaum bekannt oder vertreten. In riesigen Gebieten wie Russland oder China ist antikapitalistische Basisorganisierung quasi unmöglich. Desinformation, Militarismus und Nationalismus, Konzernmacht und Schwinden von Arbeiter:innenmacht an der Mehrwertproduktion (also der Anteil menschlicher Arbeitskraft an Produkten) prekarisieren die Ausgangsbedingungen für klassisch linke Bewegungs- und Gewerkschaftsansätze kontinuierlich. Trotzdem ist damit zu rechnen, dass die Verzweiflung und Dringlichkeit auch enorme linke Massenproteste und Organisierung, Radikalisierungssprünge und das Verlassen ausgetretener, ideologischer Pfade möglich machen. Auch das zeigen bspw. die neuen sozialen Bewegungen der USA.

Die nächsten 5-10 Jahre

Politische Verschiebungen in Deutschland

Die politische “Mitte” Deutschlands, die ideologisch einer sozialen Marktwirtschaft anhängt und sich für ein Mindestmaß an Multilateralismus und Menschenrechte ausspricht, verliert rasant an überzeugter Unterstützungsbasis. Die entsprechenden Milieus radikalisieren sich teils nach links, viel öfter aber nach rechts oder werden politisch zunehmend apathisch.¹¹ Die politische Linke in Deutschland läuft dabei Gefahr, diese Erosion der “Mitte” zu unterschätzen: Sie ist milieumäßig besonders stark dort verortet, wo auch die politische Mitte noch ihre größte und überzeugteste Anhänger:innenschaft hat, nämlich in der technischen und kulturellen Elite, besonders westdeutscher Großstädte. Damit läuft sie Gefahr, sowohl die Chancen für revolutionäre Narrative, als auch die Akutheit einer rechten Diktatur zu unterschätzen.

Die Partei die Linke (PdL) konnte von diesem Trend der Erosion zwar zuletzt profitieren, jedoch nur in geringem Maße. Außerdem gibt es wenig Anzeichen dafür, dass sich die PdL tatsächlich zu einer systemtransformatorischen Kraft entwickelt, die angemessene Antworten auf die globalen Zukunftsfragen liefern will und kann.

Die AfD ist unterdessen zu Deutschlands stärkster, wochenweise zweitstärkster politischer Kraft geworden, während sich die CDU in den meisten Punkten ihrem Programm angenähert hat. Daraus könnte sich bereits 2026 mit den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt eine weitere Beschleunigung des AfD-Aufstiegs ergeben.¹² Mit der AfD droht nicht nur ein massiver Shutdown sozialer Einrichtungen und eine Welle von Repression gegen die liberale und radikale Linke sondern v.a. immer mehr eine Themenverschiebung weg von Klima- und Umweltbedrohungen hin zum Kulturkampf. Auch eine 180°-Wendung bzgl. der Haltungen zu Militarismus und Aufrüstung – die die AfD heute noch ablehnt – darf von der Partei erwartet werden. Kritisch dabei sind auch die engen Verflechtungen der AfD zur Oligarchie der US-Techkonzerne, die eine massive Deregulierung in Sachen Datenschutz, Informationsfreiheit, Überwachung genauso erwarten lassen, wie eine Umverteilung von Steuergeldern und staatlicher Souveränität zu Gunsten dieser Konzerne. Das würde die Chancen für eine etwaige linke Kurskorrektur der deutschen Politik und Wirtschaft auf ungefähr allen Ebenen wirksam angreifen. Insgesamt besteht die Gefahr, als radikale Linke noch stärker als bisher maximal und wohl meist erfolglos Abwehrkämpfe auszutragen, während die individuellen und organisatorischen Ressourcen kontinuierlich schwinden.

Diese politischen Veränderungen sind natürlich eng verknüpft mit wirtschaftlichen Entwicklungen: Einerseits sind da die generellen, enormen wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Exportnation Deutschland durch die Entkopplung/Nationalisierung globaler Märkte. Andererseits sind da die Unsicherheiten und die erwartbaren Erdbeben durch die immer monströser anwachsende KI-Blase. Auch neue Pandemien und Kriege, die jeweils wahrscheinlich sind, könnten die Dynamik sprunghaft anheizen. Aktuell scheint für die Bundestagswahl 2029 noch eine Regierung ohne AfD-Beteiligung möglich, ob dies vor dem Hintergrund der sonstigen Aussichten so bleibt, ist sehr fraglich.

Politische Verschiebungen im westlichen Machtblock

Die zweite Amtszeit Donald Trumps hat die politischen Verschiebungen im westlichen Machtblock enorm beschleunigt. Was wir erleben ist eine Umformung der westlichen Selbsterzählung, eine zunehmend offene Distanzierung von der Wahrung grundsätzlicher Menschenrechte und des Völkerrechts (die beide selbst nicht unkritisch sind, aber besser als nichts), ein Regieren im Ausnahmezustand¹² und eine allgemeine Verrohung. Mit dem Krieg gegen die gesamte Zivilbevölkerung in Gaza,¹³ mit der Bombardierung in diversen Ländern ohne Kriegserklärung durch die Türkei, USA und Israel, mit der Aufstellung der ICE-Truppen und der militärischen Besetzung ganzer Großstädte in den USA sind in den letzten zwei Jahren im Westen viele rote Linien überschritten worden, und es wären noch viele weitere zu nennen. Zunehmend offen werden Grundsätze bürgerlicher Rechtsstaats-Ideologie verworfen, bspw. Gewaltenteilung, Trennung von Privatwirtschaft und Staat etc. pp.. Die USA als mächtigstes Land der westlichen Allianz haben dabei nicht nur eine Signalwirkung sondern nutzen teilweise auch Zwang verschiedenster Art um die Erosion bürgerlicher Rechtsstaatlichkeit auch in anderen westlichen Ländern zu beschleunigen, u.a. auch durch die Auslagerung von staatlichen Daten, Befugnissen, ja sogar Teilen der Kriegsführung an die Tech-Oligarchen¹⁴ oder durch Methoden wie „Debanking“.

Wie der neue Führungsstil im Westen nach Meinung der Führungsschicht der USA aussehen soll, daran lässt Donald Trump keinen Zweifel: Wer im Weg steht, soll eliminiert werden. Der Rückhalt der „Republikaner“ für ihn lässt keinen Zweifel daran, dass dies keine Einzelmeinung ist. Die Menschenfeinde von Palantir, Amazon, Google und Co rühmen sich, die technische Umsetzbarkeit dieses Politkstils zu gewährleisten und die Digitalisierungsbemühungen sichern ab, dass zunehmend niemand aus dem Netz von Überwachung – und damit dem potentiellen “targeting” ausbrechen kann.

Der Westen begegnet seinem Bedeutungsverlust, seinem wirtschaftlichen Abstieg und den vor uns liegenden humanitären Katastrophen also mit einem Systemumbau zu einem autoritären Staatskapitalismus. Da das Einverständnis der Bürger:innen zur globalen Ausbeutung und Weltvernichtung zukünftig nicht mehr durch einen hohen Lebensstandard und andere Privilegien der westlichen Welt erkauft werden kann, wird sich darauf vorbereitet, das Verhältnis mit kriegerischen und autoritären Maßnahmen nach außen und innen stabil zu halten.

Für die Zukunft müssen wir daher damit rechnen, dass wir immer weniger legale Freiheiten zur Organisierung haben, das politische Opposition zunehmend (lebens-)gefährlich wird und das weltweit der Anteil an repräsentativen Demokratien schwindet. Wenn die Folgen der Klimakatastrophe immer gravierender werden, werden sich wahrscheinlich vorrangig hochgerüstete, von unterschiedlichen Kapitalfraktionen bestimmte und diktatorisch verfasste Machtblöcke auf der Welt gegenüber stehen – und die Chance ist leider hoch, dass diese jede Opposition und alle Versuche, sich “blockfrei” zu halten, zwischen sich aufreiben.

Durch den massiven Staatsumbau, den Donald Trump in den USA aktuell betreibt, scheint es vielen Beobachter:innen mehr als fraglich, ob von Seiten seines Regierungsstabes überhaupt noch mit einer freien Präsidentschaftswahl 2028 oder auch nur freien Midterms 2026 geplant wird. In jedem Fall muss mensch sich darauf einstellen, dass es um diese Zeit in den USA noch mal verdammt turbulent wird.¹⁵

Weitere eskalierende Faktoren

Zu diesen allgemeinen, politischen Tendenzen kommen noch mögliche, bis sehr wahrscheinliche Ereignisse, die Dynamiken und Spielregeln massiv mit beeinflussen könnten.

Die KI-Blase

Die aktuelle Weltwirtschaft befindet sich in der mutmaßlich größten Spekulationsblase ihrer Geschichte.¹⁶ Selbst die meisten CEOs der profitierenden Tech-Unternehmen gehen von einem baldigen Platzen der Blase aus und bereiten sich scheinbar schon aktiv darauf vor.¹⁷ Zwar gibt es Stimmen, die sagen, das Platzen der Blase könnte – eben wegen ihrer erwartbar gravierenden Folgen für die Weltwirtschaft – noch eine Weile bspw. durch Staatsausgaben verzögert werden, andererseits könnte allein der enorme und nicht zu sättigende Energiehunger und die gegenseitige Konkurrenzstellung der Branche zu einem unkontrollierten Ende des Investitions-Hypes führen.¹⁸ Die Ergebnisse könnten massive wirtschaftliche Probleme, Machtverschiebungen, Kapitalverschiebungen, Teuerungswellen, Betriebsschließungen und Kapitalumverlagerungen in diversen Ländern sein. Das könnte, ähnlich wie im Krisen-Intervall 2008-2012 durchaus auch zu einer Reihe von Aufständen und neuen sozialen Bewegungen führen aber auch zu kriegerischen Handlungen und geopolitischen Machtverschiebungen.

Neben diesen v.a. volkswirtschaftlichen Erdbeben, hätte das Platzen der KI-Blase aber auch eine andere wahrscheinliche Folge: Während aktuell verschiedene Firmen um die Entwicklungen im Bereich KI um Rohstoffe, Fachkräfte, Energie etc. konkurrieren, könnte ein Platzen der Blase zu einer Monopolisierung führen. In diesem Fall wäre ein tatsächlicher Technologie-Sprung und eine enorme Machtkonzentration auf den „überlebenden“ Player nicht unwahrscheinlich. Das könnte evtl. dann doch noch die enorme Automatisierungswelle auslösen, mit der die KI-Branche überhaupt für Investitionen wirbt. Dies wiederum würde in diversen Bereichen Massenarbeitslosigkeit oder mindestens Deklassierung (wie im IT-Bereich schon jetzt zu beobachten) nach sich ziehen und die oben beschriebenen, totalitären Tendenzen des Westens potentiell extrem beschleunigen.

Überschreiten von Kipppunkten und neue Klimaprognosen

In den letzten Jahren wurde deutlich, dass auch Klimaforscher:innen nicht frei vom sogenannten “optimism-bias” sind, also auch unsere Wissenschaftler:innen dazu neigen, die Gesamtlage positiver zu bewerten als sie eigentlich ist. So wurden die Klimaprognosen der letzten Jahre eigentlich nur negativ nachkorrigiert und das in immer höheren Tempo. So halten deutsche Institutionen eine Erderwärmung um 3C° bis 2050, nicht 2100 für sehr wahrscheinlich.¹⁹ Außerdem werden aktuell diverse Kipppunkte des Weltklimasystems erreicht und überschritten.²⁰

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es ab einem gewissen Punkt zu diversen gesellschaftlichen Reaktionen auf diese Prognosen kommt, auch wenn bspw. die US-Regierung bemüht ist, jede Forschung zu dem Thema zu unterbinden. Reaktionen könnten bspw. gesellschaftliche Panik und Radikalisierung sein. Nicht unwahrscheinlich ist, dass irgendwann vermehrt terroristische Methoden von Menschen angewendet werden, die verzweifelt die Folgen des Klimawandels begrenzen wollen. Dafür spricht, dass bereits diverse literarische Publikationen diese Entwicklung vorweg nehmen und somit auch Inspiration bieten.²¹ Als Gegenreaktionen würden solche neuen, terroristischen Bewegungen als Vorwand zu mehr Repression und den Ausbau staatlicher Überwachung genutzt, ebenso zur Delegitimierung der ökologischen Opposition.

Zunahme der allgemeinen Desinformation

Schon jetzt zeichnet sich der Trend ab, dass unabhängige wissenschaftliche Forschung weltweit angegriffen, verfolgt und definanziert wird. Dasselbe gilt für kritischen und investigativen Journalismus, bei gleichzeitiger Monopolisierung der Medienlandschaft. Durch Blockkonflikte, Militarisierung, Politik des Ausnahmezustandes, Zensur, Algorythmen, Ausbau von Psy-Ops (Operationen psychologischer Kriegsführung)²² und Manipulationstechniken und schließlich auch Deepfakes wird es vermutlich äußerst schwierig bis unmöglich eine kritische, mediale Öffentlichkeit aufrecht zu erhalten. Es muss ernsthaft in Frage gestellt werden, welche Möglichkeiten für die kritische Meinungs- und Bewusstseinsbildung zukünftig in den westlichen Staaten noch bestehen werden und was Techniken sein könnten um gegen die Hegemonie (diskursive Vorherrschaft) aus Manipulation und Propaganda anzukommen.

Menschengemachte Katastrophen

Da alle politischen Kräfte (auch die meisten ökologischen, zumindest im „Westen“) weiter auf eine technologische Auflösung der weltweiten Probleme hoffen und wie dargestellt das Risiko bewaffneter Konflikte steigt, könnte auch eine Reihe weiterer Katastrophen bereits in den nächsten 5-10 Jahren soziale Realitäten und politische Handlungsspielräume prägen.

Wahrscheinlich ist beispielsweise das neuerliche Auftreten einer weltweiten Pandemie, bspw. einer Zoonose, aber auch durch einen Laborunfall. Drastische Einschränkungen im Gesundheitsschutz innerhalb der Massentierhaltung der USA beispielsweise haben dieses Risiko extrem gesteigert. Auch durch einen weltweiten Zusammenbruch von sozialen Sicherungssystemen und Verschärfungen der wirtschaftlichen Situation werden der Raubbau an den letzten verbliebenen Wildnisgebieten und damit auch neue Zoonosen (neben beschleunigterem Überschreiten der planetaren Grenzen) wesentlich wahrscheinlicher. Neben den Toten, den Spätfolgen und dem menschlichen Leid durch Pandemie-Maßnahmen könnten neue Pandemien wie schon bei Corona sowohl den Ausbau totalitärer, staatlicher Tendenzen als auch den Aufstieg rechter und populistischer Bewegungen befördern und soziale Bewegungen – wie im Fall der deutschen Klimabewegung oder der französischen Gelbwestenbewegung – effektiv stoppen.

Neue Katastrophen drohen auch durch immer neue Ewigkeitschemikalien, wenig kontrollierbare Technologien wie Nano-Technologie oder neue Gentechnik, die in unvorhergesehenem Maße die Zerstörung von Ökosystemen und der Nahrungsmittelproduktion beschleunigen könnten.

Bei all dieser Zuspitzung wird auch die Eskalation von Kriegen hin zu Atomschlägen wieder wahrscheinlicher und steht zumindest als ständige Bedrohung im Raum. Es braucht nur wenige abgefeuerte Atomraketen um die Welt in einen atomaren Winter zu schicken. Nur ein Bruchteil der bekannten Tier- und Pflanzenarten und eine geringe Population von Menschen könnte ein solches Szenario überleben. Ein ganz konkreter Risikofall ist bspw. die Situation zwischen den verfeindeten Atommächten Pakistan und Indien, die zeitnah extrem um schwindende Wasserressourcen im Indussystem konkurrieren werden.²³

Chancen

Bei all diesen Verwerfungen werden sehr sicher neue soziale Bewegungen, Aufstände, vielleicht auch Revolutionen entstehen. Es ist nicht auszuschließen, dass sogar eine neue weltweite Bewegung gegen den Gesamtwahnsinn der kapitalistischen Moderne auf den Plan tritt. Gleichzeitig sollte deutlich werden, dass diese Bewegungen mit gewaltigen Herausforderungen, Manipulationen und Repessionen rechnen können.

Auch in Deutschland werden linke Kämpfe also in Zukunft wieder eine andere Ernsthaftigkeit an den Tag legen müssen. Das muss für die Gesamtentwicklungen dieser Bewegungen nicht zwingend schlecht sein, nur eben für jene, die sich zunehmend organisieren, weil sie es eben müssen. Das Vertrauen in die Institutionen unserer kapitalistisch verfassten Gesellschaft nimmt in Deutschland bekanntermaßen seit Jahren ab. Diese ganz offensichtliche Desillusionierung hat sich aber bis jetzt nicht in einem nennenswerten Ausmaß in linker (Basis-)Organisierung niedergeschlagen – lediglich in rechter. Dafür brauchen Bewegungen wie die FAU besser gestern als heute Analysen und daraus abgeleitete Strategien, das zu ändern. Und wir brauchen als soziale Bewegungen tatsächlich skalierbare Konzepte, wie wir großflächig Menschen in spezifischen Strukturen in die Selbstwirksamkeit bringen. Das können Betriebsgruppen und Branchenstrukturen wie die recht erfolgreiche Initiative Grüne Gewerke sein. Das sollte in jedem Fall eine Neuauflage einer FAU-nahen Kollektivbetriebe-Organisation sein. Aber auch revolutionäre Ernährungs- oder insgesamt Versorgungsräte pro Landkreis und Gemeinde, Jugend-, AzuBi-, Rentner:innen-Organisationen wären denkbar. Oder eben eine Weiterentwicklung der aktuellen Stadtteilgewerkschaftsansätze zu Arbeiter:innenbörsen. In jedem Fall sollten wir mehr als bisher über die Anwendung solcher Konzepte und den Aufbau solcher Strukturen im Austausch stehen. Wir müssen viel schneller und stabiler werden, was das angeht. 

Die nächsten 10-25 Jahre

In 10 Jahren haben wir also vermutlich enorme wirtschaftliche und machtpolitische Verschiebungen erlebt. Das allgemeine Lebensniveau im westlichen Machtblock wird gesunken sein, in Europa vielleicht eher auf ein südamerikanischen Niveau. Wenn es nicht zu großen, linken Revolutionen gekommen ist, werden viele heute demokratisch verfasste Staaten absehbar autokratisch regiert. Die bestehenden Machtblöcke befinden sich mutmaßlich in einem Rüstungswettbewerb, haben ihre Ökonomien so weit als möglich entkoppelt und führen Stellungs- und Stellvertreter:innenkriege.

In den darauf folgenden 15 Jahren werden Folgen des Klimawandels vermutlich in einem immer schnelleren und dramatischeren Ausmaß sichtbar, auch wenn wir uns schon bis dahin auf jährliche Flut-, Dürre-, Waldbrand-, Hitze- und Kältekatastrophen mit zehntausenden Toten einstellen können. In spätestens 10 Jahren ist damit zu rechnen, dass dies auch in immer stärkerem Maße die Grundversorgung ins Stocken bringt. Der Anbau anspruchsvollerer Agrarprodukte wie Kaffee und Schokolade könnte schon vorher für Normalverbraucher zum Erliegen kommen.²⁴ Durch eine Kombination des Überschreitens der klimatischen Kipppunkte, der Fortführung nicht nachhaltiger Landwirtschaft, weiterem Einsatz von Umweltgiften, Zusammenbruch der Nährstoffkreisläufe, komplette Wechsel von Mikro- und Makroklima in ganzen Erdregionen, Kriege, Handelsblockaden und weitere Faktoren sind globale Hungersnöte 2035 in einem Ausmaß denkbar, dass sich unserer bisherigen Vorstellung entzieht. Bis jetzt gibt es keine bekannten Modelle, die diese Faktoren zusammen rechnen, doch schon Einzelmodellierungen sind dramatisch.²⁵ Laut dem Weltagrarbericht könnten bis 2050 90% der weltweiten Böden degradiert und bis 2100 10 Milliarden Menschen aufgrund knapper Landressourcen auf der Flucht sein.²⁶

Der weltweite Hunger aber auch die Akkumaltionskrise des Kapitals, Kriege, Wüstenbildung und Naturkatastrophen werden zu weltweiten Fluchtbewegungen in einem heute undenkbaren Ausmaß führen. Das erhöht das Risiko auf immer brutalere Grenzregime und auch eine Vernichtung “überflüssiger” Menschen durch Genozide. Allgemein ist zu erwarten, das Weltordnung und Privilegien nur durch immer heftigere Gewalt und komplette moralische Verrohung aufrecht erhalten werden können. Die schon jetzt stattfindende Militarisierung ist auch vor diesem Hintergrund zu verstehen.

Zusammenfassend

Das Überleben in Deutschland wird in den nächsten 25 Jahren in Deutschland wesentlich härter. In jedem Fall müssen wir uns mit einem massiven Einbruch bei Verdienstmöglichkeiten, Lebensstandard, sozialer und gesundheitlicher Absicherung und einer massiven Zunahme von organisierter Kriminalität und staatlicher Gewalt einstellen – sofern wir nicht sehr weitreichende, systemische Veränderungen durchsetzen. Dadurch wird es auch zu enormen Problemen kommen, Infrastruktur wie Häuser, Medien, ehrenamtliche und bezahlte politische Arbeit etc. zu halten.

Soziale, wissenschaftliche und politische Institutionen werden ideologisch, rechtlich und v.a. finanziell angegriffen und vernichtet werden. Es ist unwahrscheinlich, dass linke und alternative Strukturen auf Basis staatlicher Gelder erhalten bleiben. Es muss kalkuliert werden, dass Rechtsstaat und Verfassung in der Form wie wir sie heute kennen diese Periode nicht überstehen. Ebenfalls wahrscheinlich sind massive Angriffe auf jede Form linksradikaler Organisation und Infrastruktur, was in der USA bereits mit Anti-Antifa-Kongressen der Trump-Administration und der Einstufung antikapitalistischer Positionen als terroristisch beginnt.

Es wird sicherlich enorm schwierig, progressive Themen und Agenden zu setzen, da vermutlich Wirtschaftskrisen und militaristischer Diskurs, inklusive Feindbild-Setzung und immer stärkerem Nationalismus alle Grautöne und andersartigen Themen verdrängen. Desinformation, Polarisierung und Propaganda werden immer mehr auch vor linken Milieus keinen Halt mehr machen.

Mit vollem Einsetzen des Klimakollaps, spätestens mit den erwartbaren massiven globalen Ernteausfällen und Wetterkatastrophen wird der Diskurs verrohen und der Humanismus als Basis der gesellschaftlichen Handelns nicht mal mehr theoretisch aufrecht zu erhalten sein. Die massiven Verwerfungen werden keine Spielräume für liberale Problemlösungen oder besser Beschwichtigungen lassen, es wird zu einer Zuspitzung auf radikal linke und radikal rechte Problemlösungen kommen.

Erste strategische Schlüsse

Die bisherigen Konzepte der FAU fußten auf einer sehr langfristigen Strategie. Sie entwickelten sich nach dem zweiten Weltkrieg unter der Prämisse, dass gewisse bürgerliche Rechte, wie Arbeitsrecht, Koalitions- und Meinungsfreiheit halbwegs gesichert und einklagbar sind. Sie gingen von der Empfindlichkeit des Kapitals auf Arbeitsverweigerung aus und realistischen Möglichkeiten diese zu organisieren.

Der Zusammentrag erwartbarer Zukunftserwartungen ist deshalb so wichtig für die FAU und vergleichbare Basisbewegungen, weil deutlich wird, dass diverse dieser Faktoren zukünftig nicht sicher sind. Anarchosyndikalistische Organisationen brachten es zwar fertig, in Diktaturen und Ausnahmezuständen zu überwintern (bspw. Deutschland 1914-18, Spanien 1939-75), mussten dazu jedoch immer ihren Organisationsmodus umstellen und konnten in dieser Zeit kaum klassisch gewerkschaftlich arbeiten und nur sehr bedingt ihre organisatorische Basis vergrößern. Viel mehr waren die Organisationen in diesen Zeiten auf starke Beziehungen untereinander, kluge und repressionssichere Strukturen und starke ideologische Festigkeit ihrer Militanten angewiesen. Da die aktuellen Zukunftsaussichten in zunehmenden Maße das Überleben unserer Mitglieder (von einem guten Leben nicht zu reden), das Überleben unserer Bewegung und das Überleben unserer Spezies und Ökosysteme allgemein in Frage stellen, müssen wir beginnen, mit unseren Strategien teilweise in kürzeren Zeiträumen zu denken. In Kriegsökonomien, Krieg, Blockkonflikten, Automatisierungsschüben oder einem Rückfall in feudale Wirtschaftsformen, verändern sich unsere Potentiale und Werkzeuge zur Gegenmacht recht erheblich. Darauf müssen wir flexibel reagieren können. Da unsere (Produktions-)Technologien, auch wenn wir sie schon morgen global libertär-kommunistisch verwalten würden, rasent schnell in den planetaren Abgrund führen, werden wir auch konkrete, technologische Antworten auf die globalen Menschheitsprobleme liefern müssen, um als Bewegung plausibel zu sein und eine Chance zu haben.²⁷

Erfolgreiche Kämpfe um Bewegungsfreiheit und Souveränität, gegen Überwachung, technologische Abhängigkeiten und Monopole werden eine grundlegende Rolle dabei spielen, wie viele Handlungsmöglichkeiten für die sozialen Bewegungen der Welt noch bestehen. Sie sollten entsprechend zentral in die strategischen Betrachtungen einfließen.

Ein Zukunftsszenario, das ein Zeitalter von Krieg, Hunger und Diktatur in einer sterbenden Welt bestmöglich verhindert, ist heute kaum anders denkbar, als eine massive Welle globaler Bewegung, als ein kollektives Aufbäumen im Mut der Verzweiflung. In der Geschichte des Anarchosyndikalismus waren wir meist global zu wenig flächendeckend organisiert, um solche Wellen wie den arabischen Frühling wirklich zu unterstützen und zu schützen und auch in Ländern mit einer anarchosyndikalistischen Bewegung fiel es unseren Organisationen oft schwer, in unserer eigenen Trägheit auf solch dynamische Situationen einzugehen (beispielsweise den starken Mitgliederanstieg der FAUD Ende 1919 und die Ruhrrevolution). Daraus sollten wir unbedingt lernen.

Fußnoten

¹ Besonders im Fokus ist dabei das Szenario der “Treibhaus-Erde”. Der wissenschaftliche Kanon kann derzeit nicht ausschließen, dass wir uns bereits jetzt in einer Kettenreaktionen befinden, die eine Erderwärmung um 4-5C° unaufhaltbar macht. In diesem Szenario würden sich ALLE globalen Klimazonen und Wettersysteme verschieben, es käme zu einer völligen Zerstörung aller Ökosysteme, zu einem Meeresspiegelanstieg zwischen 10-60m und selbst eine Verdampfung der Atmosphäre steht im Raum.

² Hiermit meinen wir das angeschlagene aber immer noch wirkmächtige Bündnis EU/USA und seine engen Partner:innen.

³ Kurzüberblick: https://www.bpb.de/themen/asien/china/512519/chinas-klimapolitik/

Kurzüberblick: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/31204/indiens-internationale-klimapolitik/

Siehe planetare Grenzen: https://de.wikipedia.org/wiki/Planetare_Grenzen

Diese Aussage ist so ungeheuerlich, dass sie eine Begründung notwendig macht. Sie wird an mehreren Faktoren deutlich. Bspw. sind die Klimaprognosen immer noch geschönt. So unterliegen Militär-Etats in vielen Ländern der Geheimhaltung und werden nicht in die Klimabilanz eingerechnet, ebenso sind die Folgen zunehmender Kriege nicht eingepreist: https://www.imi-online.de/2024/03/06/kriege-verschaerfen-klimakrise/ Der Weltklimarat geht in seinen Positiv-Szenarien von Technologien zur Treibhausgasreduktion aus, die es aktuell noch nicht gibt und deren Machbarkeit und Sinnhaftigkeit hoch umstritten ist, siehe beispielsweise Beiträge von Anette Schlemm. Ein weiteres Problem ist, dass verschiedene ökologische Krisen oft einzeln und nicht in Wechselwirkung berechnet und durchdacht werden, also bspw. Klimamaßnahmen jenseits politischer Zukunftsszenarien oder ohne Rücksicht auf die Biodiversitätskatastrophe diskutiert werden. Sogenannte Kaskadeneffekte, wie dieser Text sie zu behandeln sucht, insbesondere politische, sind in Modellierungen unzureichend abgebildet, da ist sich wohl auch die Fachliteratur soweit einig. Da den „realpolitischen“ Diskursen wahlweise die Realität oder die Welt auf diesem Weg immer mehr entgleitet, ist die realistischste Roadmap der Welt heute wohl die Kandy Deklaration des Nyéléní-Forums, doch auch diese bleibt in der realen Umsetzung diffus.

Die Verquickung der westlichen Führungsmacht USA mit der Techkonzern-Oligarchie dürfte in den letzten Jahren mehr als deutlich geworden sein. Die Führungsschicht dieser Techkonzerne steht neben faschistischen und frauenfeindlichen Ideologie-Fragmenten dabei zunehmend auf dem ideologischen Boden des “Longtermismus”, der offen die Abschaffung der Menschheit anstrebt und auch oft als “spätkapitalistischer Todeskult” klassifiziert wird. Hier eine Einführung von einem Genossen: https://media.ccc.de/v/38c3-longtermismus-der-geist-des-digitalen-kapitalismus

Richtig gelesen? 29-47%??? Wird sonst nicht immer von 5% geschrieben? Ja, es wird von 5% des BIP, also des Bruttoinlandsproduktes gesprochen. In den Staatshaushalt übersetzt sind das logischerweise mehr % wenn Staatshaushalt < als Wirtschaftsleistung des Landes. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung sind das 150-200 Milliarden €/Jahr. https://www.bpb.de/themen/wirtschaft/zahlenbitte/560999/8-macht-ruestung-arm/ Bei 100 Milliarden Staatsverschuldung gönnt sich der Bund 2026 525 Milliarden Staatshaushalt. https://www.das-parlament.de/wirtschaft/haushalt/das-ist-der-bundeshaushalt-2026 Gemessen daran betrüge der geplante Militär-Etat 29-38% des Staatshaushaltes 2026, bzw. 35-47% eines Staatshaushaltes ohne Neuverschuldung.

Einen ersten Vergleich liefert bspw. diese Auflistung hier: https://www.augsburger-allgemeine.de/panorama/nato-armee-staerke-2024-laender-ranking-russland-vergleich-id66204566.html Mit diesen Zahlen lässt sich allerdings nur bedingt etwas anfangen, weil über die Einsatzfähigkeit nichts gesagt wird und bspw. die Marine garnicht enthalten ist. Trotzdem sind sich die meisten Militäranalyst:innen bspw. aus Österreich, Schweiz, Groß Britanien darin einig, dass ernsthafte Angriffe Russlands auf das Gebiet der EU nicht möglich sind und entsprechende Szenarien nur eine legitimiertere Begründung für Aufrüstung darstellen als eine Wappnung gegen die USA oder China. Siehe beispielweise die Einschätzung von Marcus Keupp anhand des Kriegsverlaufs in der Ukraine: https://www.youtube.com/watch?v=i6YPF8kIgwY

¹⁰ Siehe dazu exemplarisch bspw. eine neue Untersuchung zu den Rollenverständnissen der Gen Z: https://www.allgemeine-zeitung.de/panorama/wissenschaft/generationen-umfrage-gen-z-hat-rueckstaendigstes-rollendenken-5485929

¹¹ Mit empirischen Material gut unterlegt, wenn auch schon wieder fast veraltet, Steffen Mau, Thomas Lux, Linus Westheuser – Triggerpunkte, 2023

¹² Aktuelle Wahlumfragen und mögliche Konstellationen hier zu finden: https://dawum.de/

¹³ Siehe dazu unter anderem Fabian Scheidler – Friedenstüchtig, 2025

¹¹ Exemplarisch hier vielleicht der CCC-Congress-Talk zu Zielbestimmung der IDF-Bombardements in Gaza https://media.ccc.de/v/39c3-programmierte-kriegsverbrechen-uber-ki-systeme-im-kriegseinsatz-in-gaza-und-warum-it-fachleute-sich-dazu-auern-mussen#t=2839

¹⁴ Hier am Beispiel von Palantir: https://monde-diplomatique.de/artikel/!6113232 Quelle ¹¹ geht bspw. näher auf die Rolle von Google und Amazon im Gaza-Krieg ein.

¹⁵ Eine atmosphärische und dichte Chronik der Eskalation in den USA inklusive Analyse des Verhaltens der demokratischen Partei findet sich hier: https://illwill.com/lies auf Englisch. Die Gefahren eines Bürgerkriegs werden in den USA bereits länger diskutiert und auch ganz offiziell an Universitäten untersucht, wie dieses Beispiel zeigt (englisch): https://www.theguardian.com/commentisfree/2026/jan/21/ice-minnesota-trump Auch in deutschen Medien wird von der USA mittlerweile als Diktatur oder gar Faschismus gesprochen und angezweifelt, dass es noch annähernd freie Wahlen in 2026 geben wird, siehe dieses Interview in der deutschen Welle: https://www.youtube.com/watch?v=r9Ej4JJ3trs oder dieser Terra-X-Bericht: https://www.youtube.com/watch?v=f9CAQVGLv1s

¹⁶ Siehe dazu die Betrachtungen des Wertkritikers Tomasz Konicz: https://www.konicz.info/2025/11/09/die-kuenstliche-intelligenzblase/ Tomasz steht der FAU sehr positiv gegenüber und steht sicher gern für Rückfragen oder Einladungen bereit.

¹⁷ Auch dazu Tomasz: https://www.konicz.info/2026/01/05/auf-dem-altar-des-techno-gottes/

¹⁸ Siehe beispielsweise diese Analyse: https://www.wallstreet-online.de/nachricht/20348370-ki-falle-big-tech-eigene-blase-platzen

¹⁹ Siehe Interview im ARD-Format Quarks: https://www.youtube.com/watch?v=VmQSlIYOIQE

²⁰ Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Kippelemente_im_Erdklimasystem

²¹ Siehe dazu bspw. das Buch PPM (Parts per Milion) von Theresa Hannig oder Das Ministerium für die Zukunft von Kim Stanley Robinson. Ebenfalls relevant könnten allgemeine Todeskulte wie “No Lives Matter” werden: https://en.wikipedia.org/wiki/No_Lives_Matter

²² Eine gute Einführung dazu hier im CCC-Talk: https://media.ccc.de/v/37c3-12326-you_ve_just_been_fucked_by_psyops

²³ Siehe u.a. dieser Bericht aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen der USA: https://www.youtube.com/watch?v=wugkIxGKzx8

²⁴ Siehe https://www.tagesschau.de/wirtschaft/fairer-handel-kaffee-100.html

²⁵ Beispielsweise um 8% bis 2050, wobei scheinbar reine stringente Klimaerwärmung ohne Kipppunkte, Wasserknappheit, Bodendegenaration und politische Verwerfungen zu Grunde gelegt wurden: https://www.n-tv.de/wissen/Klimawandel-wird-Ernteertraege-deutlich-senken-aber-nicht-ueberall-article25847906.html

²⁶ Siehe https://www.weltagrarbericht.de/aktuelles/bodendegradation-2050-koennte-90-der-globalen-landflaeche-betroffen-sein/

²⁷ Was bedeutet, wir müssen eine Debatte darüber führen, wie sich die Gesellschaft und unsere einzelnen Branchen entwickeln können und sollten um zukunftsfähig zu sein. Themen sind u.a. Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft, CO², Flächennutzung, Lokalität der Wirtschaftskreisläufe. Diese Debatten dürften für eine Basisgewerkschaft die auf Massenbasis setzt angesichts der Fortschritts-Erwartungen und dem Maß an Entfremdung in den Industrienationen eine Gratwanderung darstellen. Auch hier sollte jedoch auf den evtl. Bias der eigenen Bewegung geachtet werden. So ist der Technologie-Enthausiasmus und die Skepsis gegenüber Lowtech und Handarbeit bspw. in einem linksliberal-städtischen Milieu groß, währenddessen ländliche, ostdeutsche Landkreise in Umfragen sehr viel fortschrittsskeptischer und offener für Lowtech-Lösungen sind.