'Lieber leben wir als Außerirdische'
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„Ich arbeitete einmal bei einem Gärtner. Er händigte mir eine Gartenschere aus und hieß mich einen Lorbeerbaum beschneiden. Der Baum stand in einem Topf und wurde zu Festlichkeiten ausgeliehen. Dazu mußte er die Form einer Kugel haben. Ich begann sogleich mit dem Abschneiden der wilden Triebe, aber wie sehr ich mich auch mühte, die Kugelform zu erreichen, es wollte mir lange nicht gelingen. Einmal hatte ich auf der einen, einmal auf der andern Seite zu viel weggestutzt. Als es endlich eine Kugel geworden war, war die Kugel sehr klein. Der Gärtner sagte enttäuscht: ‚Gut, das ist die Kugel, aber wo ist der Lorbeer?’“ – Bertl Brecht: Geschichten vom Herrn Keuner
„Junge wer mit 20 / kein Anarchist gewesen ist / aus dem wird nie ein kühler Demokra-haaaat / Yo-didel-lei-hiiii!“ – Freiwillige Selbstkontrolle: Blue Yodel for Herbert Wehner
Zur Soziologie des Basisorganiserungswesens?
Im Jahre 1911 fasste Robert Michels, der eine politische Karriere von Sozialdemokratie über revolutionären Syndikalismus zu italienischem Faschismus hinlegte, seine Analyse der damaligen SPD mit der heute bekannten Aussage zusammen: „Wer Organisation sagt, sagt Tendenz zur Oligarchie.“ Michels‘ zu einem Klassiker der Soziologie gewordene Argumentationsschritte kondensiert der Sozialwissenschaftler Thomas Diefenbach wie folgt:
„1. Organisation basiert auf Arbeitsteilung, und Arbeitsteilung führt zu Spezialisierung; 2. Spezialisierung macht Spezialisten unverzichtbar, weshalb die Führung von Spezialisten übernommen werden muss (‚Expertenführung‘); 3. Spezialisierung (Funktionsdifferenzierung) führt zu Hierarchisierung/Schichtung: zu einer Minderheit von Vorgesetzten und einer Mehrheit von Untergebenen; 4. Fachspezialisten werden zu professionellen Führungskräften, die ohne Rücksprache entscheiden und unkontrolliert sind; 5. Disziplin und strikte Einhaltung hierarchischer Regeln werden für Untergebene zur Notwendigkeit; 6. Führer isolieren sich, Führung verwandelt sich in ein Kartell oder eine ‚geschlossene Kaste‘, und Führer stellen ihre Dominanz und Herrschaft auf Dauer.
Der Hauptstrang der Logik ist klar: Oligarchisierung beginnt mit ‚funktionalen Notwendigkeiten‘ (Schritte 1 und 2); wie ein natürlicher Organismus ist eine Organisation ein sozialer Organismus, in dem jeder Teil spezialisierte Funktionen erfüllt, die für das Ganze nützlich sind. Wir können dies als die funktionalistischen Grundlagen der Entstehung von Oligarchie bezeichnen. Diese funktionalen Notwendigkeiten führen dann automatisch zu Hierarchisierung, Schichtung und hierarchiekonformem Verhalten von Vorgesetzten und Untergebenen (Schritte 3-5). Schließlich führen diese sozialen Muster und Dynamiken zur Bildung und Verstetigung einer Machtelite (Schritt 6).“1
Legt man diese Argumentationsfolie über Holger Marcks‘ ‚Skizze eines konstruktiven Sozialismus‘, lassen sich theoretische Verwandtschaftslinien ausmachen in dessen Analyse der und Programmatik für die FAU mehr als hundert Jahre später. Diese Verwandtschaft besteht vor allem zwischen Michels‘ Schlüssen und Marcks theoretischen Voraussetzungen; also den Annahmen, welche er seiner „realutopischen“ Programmatik voraussetzte und, wie bereits skizziert, zugleich schwarz-rot überpinselte. Eine in der FAU bisher nicht geleistete kritische Auseinandersetzung muss diese Programmatik ernstnehmen, alleine schon, weil sich zentrale syndikalistische Strateg:innen, meist implizit, auf diese hierzulande rechtfertigend bezogen haben. Der Versuch, die Argumente des entradikalisierten Liberalen Marcks in syndikalistischer Larve ernstzunehmen darf aber zugleich dessen Voraussetzungen nicht einfach annehmen und damit tendenziell reproduzieren.
Die theoretischen Annahmen müssen aus einer anarchosyndikalistischen Perspektive geprüft, der Anarchosyndikalismus im nächsten Schritt selbst aktualisiert werden. So endete der erste Teil dieses marcks-kritischen Epilogs zum sozialrevolutionären Beziehungsratgeber ‚Lieber leben wir als Außerirdische‘ mit folgender Feststellung: Neben einer Konzeption reiner Handlungsmacht und der Vernachlässigung von strukturell-gesellschaftlichen Faktoren, vor dem Visionshorizont einer stabilen Mitgliedermassenorganisation, läuft in Marcks‘ Transformationsprogrammatik eine weitere theoretische Voraussetzung mit. Diese benannte er an anderer Stelle als den „Funktionswandel“2 von Interessenorganisationen:
„Auch die Rationalität einer Organisation und ihres Apparates ist nicht zu unterschätzen. Sie ergibt sich aus ihren Strategien und Methoden sowie – mit steigender Macht – aus ihrem Funktionswandel, zumal sich mit letzterem intern neue Interessengruppen herausbilden. Unsere Fragen müssen deshalb lauten: Wie entstehen Basisdynamiken, wie eine vitale Kultur des Kampfes, und wie kann es vermieden werden, dass sich Gewerkschaften zu Disziplinierungsmaschinen entwickeln?“3
Hier, gut 10 Jahre vor der ‚Skizze‘, verband der Bürger mit der Voraussetzung des Funktionswandels noch zentral das Anliegen, „die Dominanz etablierter und grundlegend konservativer Organisationen zu brechen“3. 2018 hat sich hingegen etwas in der Organistionsstrategie bei Marcks verändert. Die entscheidenden Akteur:innen, welche nun in dessen, wie auch schon in Michels‘ Erzählung in den Mittelpunkt von selbsttätiger Organisierung rücken, sind nicht „die Massen“, nicht gesellschaftliche Bewegungen. Es sind nicht widerständige Lohnabhängige, schon gar nicht Zusammenschlüsse freiheitlich sozialistischer Basismilitanter. Es ist nicht die revolutionäre Arbeiter:innenklasse. Alles kollektive Subjekte, welche zumindest die theoretische Möglichkeit versprächen, der von Michels als unausweichlich begriffenen Tendenz zur „Oligarchisierung“ von Parteien, oder mit Marcks dem „Funktionswandel“ von Gewerkschaften entgegenzutreten. Nämlich „in der Beziehungsweise von Rat, Kommune, Commons oder Assoziation, […] im geteilten Grund einer gemeinsamen Praxis.“4
Nun rücken hingegen, unter der lange vorbereiteten theoretischen Annahme organischer Notwendigkeiten, in der ‚Skizze‘ die kompetenten und leistungsfähigen „SozialtechnikerInnen“ in den programmatischen Fokus. Die Bewertung der im obigen Marcks-Zitat beschriebenen Effekte zunehmender Organisationsmacht, mit denen es für den Bürger zu früherer FAU-Aktiven-Zeit noch syndikalistisch zu brechen galt, erfährt in der ‚Skizze‘ eine Kehrtwende. Auf den Punkt gebracht werden es die sich mit dem Funktionswandel herausbildenden Eliten der Organisation selbst sein, welche das Gehen auf ’syndikalistischem‘ Weg gewährleisten sollen. Sie sollen das rechte Transformieren und Utopisieren durch Erkennen des „echten Lebens“ – nicht des unechten, versteht sich – volziehen:
„Denn natürlich geht es zwar um einen sozio-ökonomischen Organismus, der mit dem echten Leben harmoniert, doch ein solcher muss mittelbar von fähigen AktivistInnen durchdacht und aufgebaut werden – samt Regeln und Verfahren, die eine komplexe soziale Ordnung erfordert. Auch die problematischen Seiten menschlichen Lebens müssen eben antizipiert und berücksichtigt werden.“5
Behalten wir die Grundannahmen von Michels im Hinterkopf, um die theoretische Herkunft und die Stoßrichtung von Marcks‘ weiterer Argumentation einzuordnen. Erinnern wir uns auch des Ausweichmanövers, mit dem uns Marcks auf diesen Weg des Lobpreises „fahiger AktivistInnen“, welcher hier noch recht allgemein-menschenverständlich daherkommt, gebracht hatte: Das eigentliche Problem linker Basisorganisierungen sei „eine Mikropolitik, die zu sehr utopieschwanger ist“ und so „keine Massen einzubinden [vermag], um die Mesopolitik hinreichend interessant zu machen“.6 Das Problem ausbleibender Handlungsmacht also, der ultimative Maßstab aller politischen Ebenen der Transformation für Marcks, liege in der internen Organisationspolitk.
In diesem Zusammenhang speist er, gewohnt über allgemein zunächst nicht falsche Behauptungen, einen weiteren rhetorischen Bluff ein. Es ist der Bluff des Funktionärsapparats, den er im Folgenden durch Behauptungen über ‚die Basis‘ schmackhaft zu machen versucht:
„Indem man KritikerInnen und Widersacher in bestimmte Strukturen einbindet, passen sich diese häufig deren Logik an, um die kognitive Dissonanz aufzulösen, die aus der Identifikation mit der neuen Position und den alten Vorbehalten gegenüber dieser resultiert. Insofern ist die antiautoritäre Sorge, Menschen würden z.B. in einem Funktionärsapparat befangen werden, durchaus nachvollziehbar. Andererseits bedeutet das aber auch, dass Organisationen, die das Problem zu umgehen versuchen, indem sie allein auf Basisaktivismus setzen, den Strukturkonservatismus noch verstärken. Während nämlich vertikal differenzierte Zusammenhänge zumindest eine Basis haben, die aufgrund ihres relativen Abstands als kritischer Stachel der befangenen Funktionäre wirken kann, ist in solchen horizontalen Gruppen quasi die gesamte Basis befangen und neigt dazu, sich ihr Engagement schönzureden.“
Paraphrasiert geht dieses für die ‚Skizze‘ typische Pseudo-Einerseits-Andererseits so: „Es mag ja stimmen, dass ein Funktionärsapparat bestimmte Probleme der Kooptierung und der Herausbildung eigener Interessen, aka ‚Funktionswandel‘, mit sich bringt – ABER! – da wir doch alle wissen, wie viel schlimmer es in basisdemokratischen Organisationen um den Strukturkonservatismus steht, ist jener doch gemessen daran das kleinere Übel“. Marcks bezeichnete zunächst Funktionäre selbst als notwendigerweise „befangen“. Diese müssten mit zunehmender Organisationsmacht „intern neue Interessengruppen herausbilden“7, sich also zunehmend von der Basis abkapseln. Doch nun kommt die geniale Wendung, die sich dem Verständnis Normalsterblicher entzieht: Es scheint, als könne sich eine aktive „Basis“ als „kritischer Stachel“ solcher „Funktionäre“ erst dadurch herausbilden, indem ein „relativer Abstand“, eine gewagte Verniedlichungsabstraktion, zwischen ihnen eingeführt wird.
Hier findet ein weiterer logischer Fehlschluss in Marcks‘ eigener Argumentation statt. Denn wie soll Willensbildung in dieser ‚Basis‘ ablaufen, um den neuen Funktionär:innen einen kritischen Stachel zu bieten? Wie soll in der, von Marcks als notwendig vorausgesetzten, horizontalen Spaltung zwischen Apparat und ‚Basis‘ die letztere zu Aktivität ermächtigt werden? Die Antwort auf diesen Widerspruch bereitet der Bürger folgendermaßen vor:
„Es sollte […] nicht verwundern, dass die alten syndikalistischen Organisationen, die noch Massen interessierten, weniger horizontal funktionierten und durchaus Verantwortung vertikal delegierten. An solchen Beziehungsweisen kann man sicherlich kritisieren, dass sie zu einer Entmächtigung der Basis führen können. Aber in der Basisdemokratie ist, so paradox das klingt, diese Entmächtigung schon von vornerein eingebaut.“
Also mir wird ehrlich gesagt schon ein bisschen schwindlig vom rhetorischen Hütchenspiel. Zuletzt nun vom Bluff der Entmächtigung. Diesen wieder paraphrasiert: „Ihr habt Angst, durch meine Vorschläge entmächtigt zu werden? Spoiler, ihr seid jetzt schon dreimal entmächtigter, schlimmer kann’s also nicht werden! Wählt mich!“ Oder mit den Worten des Wobblies Fred Thompson aus dem Jahre 1938 entschlüsselt:
„Wenn eine Gruppe selbsternannter Retter:innen versucht, offizielle Posten in einer Gewerkschaft an sich zu reißen, müssen sie auf die Lieblingstricks des:der erfolglosen Politiker:in zurückgreifen – also des:derjenigen, der:die nicht mehr im Amt ist. Sie müssen die gewählten Funktionär:innen“ – oder in Marcks‘ „Ultrahorizontalismus“ gleich die gesamte ‚Basis‘ –„beschuldigen, ‚ihr Mandat zu verraten‘, ‚ihre Versprechen nicht einzuhalten‘ und ‚die Wünsche der Basis zu ignorieren‘. Sie müssen versprechen, dass, wenn sie gewählt werden, die ‚Basis‘ durch sie regieren wird. Das Ergebnis ist das merkwürdige Schauspiel von ‚Basis’gruppen, die auf Anweisungen eines:einer Führer:in warten, bevor sie über ihre nächsten Schritte entscheiden können!“8
„Kompetenz-Kompetenz … Kompetenz“
Diese Pille geschluckt, sollen dann auch die inhaltlich-strategischen Kernaufgaben der Organisation am besten gleich Expert:innen überlassen werden. Es ginge hier ja eh um Entscheidungen, die die meisten Menschen dieser Schlafschaf-‚Basis‘ nicht treffen wollten – selbst wenn sie sich vielleicht zu den Höhen eines Verständnisses derselben aufschwingen könnten. So kommt unser Reiterhirte Marcks leichtfüßig mit Hilfe der Vertikalisierung in den bequemen Sattel der Professionalisierung. Er stellt fest,
„dass die überwiegende Mehrheit von Menschen nur ungern Entscheidungen für ein Kollektiv trifft, weil für sie ihre Konsequenzen nicht eindeutig zu erkennen sind […] Dadurch kommt nicht nur der Menschen eigene Strukturkonservatismus stärker zu tragen als in Organisationen, die bestimmte Entscheidungen qualifizierten Personen zuzuordnen versuchen, es führt auch zu einer Schwerfälligkeit in der strategischen Interaktion […] viele der Aufgaben, die sich einer Transformationsorganisation stellen, sind einfach zu komplex, als dass der Durchschnitt der zufälligen Versammlungskonstellationen kompetent bewerten könnte, wer kompetent für ihre Erledigung wäre. Um die Kompetenz anderer auf einem Gebiet bewerten zu können, ist eben die Voraussetzung, selbst eine gewisse Kompetenz auf dem Gebiet zu haben. Denn: ‚Die Fähigkeiten, die man braucht, um eine richtige Lösung zu finden, [sind] genau jene Fähigkeiten, die man braucht, um eine Lösung als richtig zu erkennen‘. Dass Modelle der repräsentativen Demokratie z.B. Parteien bei der Auswahl des genauen Personals zwischenschalten, ist daher gar nicht mal abwegig, während etwa Personalentscheidungen als Folge von Direktwahlen zuweilen besonders gruselig ausfallen (exemplarisch: Donald Trump).“
Hier findet sich schon wieder ein intern-logischer Fehlschluss: Die ‚Basis‘ soll bei Marcks innerhalb der Basisorganisierungen kompetente Repräsentanten wählen dürfen, weil auch das besonders inklusiv und irgendwie ermächtigend sei. Doch jene kann diese, laut Marcks selbst, gar nicht erkennen. Weiter weg von transformatorischer Basisorganisierung kann man fast nicht gehen. (LLWAA: ) Aber einmal hier angelangt, wird es für Marcks‘ Programmatik auch kein weiter Schritt mehr sein, gleich die parlamentarische Demokratie und die periodische Stimmabgabe im blinden Vertrauen auf Parteiprogramme und umfassende Repräsentation als „inklusiv“ zu preisen: „Nur wenn Mitglieder RepräsentantInnen wählen können, von denen sie ihre Interessen vertreten sehen, ist es möglich, die für Transformationspolitik nötigen Massen einzubinden.“
Oder Moment, war da nicht was mit Interessenvertretung durch vom Alltag abgelöste Politprofis? Ich komm grad nicht mehr drauf …Und wie kommen überhaupt die angehenden ExpertokratInnen, zum Wohle aller versteht sich, zur Machtausübung in der Organisation? Mit Eddi Stoibers Bierzeltrafinesse lässt sich die Frage auch demokratietheoretischer formulieren: „Wer hat die Kompetenz-Kompetenz … Kompetenz?“ Und konsistent mit Robert Michels lässt sich antworten:
„Die Demokratie liegt im Ziel, nicht in den Mitteln. Daß sie in letzteren nicht liegen kann, [ergibt sich] aus ihrem Charakter als einem auch finanzielle Züge tragenden Unternehmen, das zwar zu ideologischen Zwecken geschaffen ist, dessen Erfolg aber außer vom Spiel ökonomischer Kräfte von der Qualität der Personen, die ihre Leitung und Verwaltung übernommen haben, abhängt. Auch hier gilt das Wort, daß kein Unternehmen ohne Unternehmer, d. h. ohne Geschäftsleiter, bestehen kann. Parallel den entsprechenden Vorgängen im Geschäftsleben muß daher auch mit dem Wachstum der Arbeiterorganisationen Wert, Bedeutung und Schwergewicht der Führer wachsen.“
Indem man die Spannung zwischen zwei Aktivengruppierungen, Aktivist:innen und widerständigen Kolleg:innen, zu einer Spaltung wandelt, soll diese ‚Basis‘ bei Marcks zu ermächtigender Aktivität befähigt werden? Indem man also die Passivierung ‚der Anderen‘ endgültig zementiert? Klingt paradox, nicht wahr? Verrückt, ich weiß, wie das „problematische“, das „echte Leben“ selbst halt. Oder meint „echt“ hier nicht einfach ‚das, wie es gerade ist‘?
Wo repräsentiert wird, wird passiviert, entmächtigt, Souveränität abgegeben. Wer wie Marcks Organisationsdemokratie grundlegend mit einer Rationalität der Repräsentation konstruieren will, sieht sich sofort damit konfrontiert, dass ein Außen entstehen muss, das all jenes wieder zurückfordern kann, auf das es im ersten Schritt verzichtet hat. Dieses Außen sieht sich aber mit einer ermächtigten Zentrale konfrontiert, die sich genau dem disziplinierend entgegenstellen wird. Also zum Wohle aller, versteht sich.9 In der ‚Skizze‘ muss aus ihrer eigenen Logik heraus ein solcher äußerer Fixpunkt entstehen, um noch als basisdemokratisch, geschweige denn ’syndikalistisch‘ durchzugehen. Irgendetwas muss der von Marcks prognostizierten und von ihm letztlich programmatisch vorangetriebenen Degeneration der Basisorganisierung vorbauen. Was er oben skizziert hat, gibt eine solche
Garantenstellung auf Seiten der Basis überhaupt nicht her. ‚Die Basis‘ bildet nicht alleine schon durch ihren „relativen Abstand zu befangenen Funktionären“ ein Gegengewicht zu deren schädlichen Effekten. Viel eher würde sich eine für solche kritische Aktivität notwendige Selbstermächtigung im Zuge syndikalistischen Kämpfens und damit in Beziehungsnetzen der gegenseitigen Hilfe herausbilden können. Erst hier kann auch ein soziales Vertrauen ineinander sowie ein persönliches Verantwortungsgefühl genährt werden. Solche Haltung keimt erst in solidarischen Beziehungen der Gleichheit und Freiheit. Es braucht eine andere „alltägliche Praxis“ und zwar durchaus auf Ebene der Mesopolitik. Doch nicht ein rein quantitativer, sonder zugleich ein qualitativer Maßstab wäre an diese anzulegen. Der ergibt sich anhand einer gänzlich anderen Methodik und Strategiesetzung als der von Marcks vorgeschlagenen: Es braucht einen Kampf um die Kontrolle über den Arbeitsprozess und unsere Leben. Und dieser
„Kampf um Arbeitsbedingungen kann nicht alle drei oder vier Jahre zum Zeitpunkt der (Neu)Verhandlung des Tarifvertrags geführt werden. Es ist ein täglicher Kampf innerhalb des Betriebs, der neue Führungskräfte im Betrieb hervorbringt, welche zudem die hauptamtlichen Führungskräfte herausfordern können.Ob sich diese Gewerkschaftsführer:innen dadurch nun bedroht fühlen oder nicht – es ist eine einfache Tatsache, dass ein Kampf um Arbeitsbedingungen anders aussieht als ein Kampf um Löhne. Die beiden Kämpfe betreffen ein völlig unterschiedliches soziales Leben. Auf der einen Seite gibt es Gewerkschaftsfunktionär:innen, die sich intensiv mit Brot-und-Butter-Themen befassen und einen Verhandlungstisch, an dem Lohnfragen im Allgemeinen dominieren. Auf der anderen Seite gibt es einen Betrieb, in dem ein täglicher Machtkampf stattfindet, bei dem die Chef:innen versuchen, um des Profits willen schlechtere Bedingungen durchzusetzen. Dieser Kampf muss von den Arbeiter:innen selbst geführt werden – und zwar kontinuierlich.“10
Es bräuchte also für einen „kritischen Stachel“ das erneute Wachstum jener verwelkten schwarzen Rose, das Wiedererstarken einer militanten und umfassend solidarischen Praxis einer eigenmächtigen Arbeiter:innenbewegung. Dieses „soziale Leben“, einst getragen von proletarischen Lebenszusammenhängen, ist jedoch hier und heute weitestgehend verlorengegangen. Jene andere Welt des „verdeckten industriellen Konflikts“11, entsprechende Beziehungen und Kultur, entzünden in der BRD fast nur noch an den Rändern der Klassenkämpfe lebendige Flämmchen, aber immerhin dort. So fehlt auch die sengende Hitze desjenigen sozialen Lebens, welches in Marcks‘ spezifischer „transformatorischer Basisorganisierung“ etwaigen „Funktionären“ Dampf machen könnte.
Ironischer-, oder eigentlich viel mehr tragischerweise, ist es gerade jene andere alltägliche Praxis, welche der Bürger schon auf Ebene der Methodik und der strategischen Perspektive sowie des Knüpfens von Beziehungsweisen programmatisch ausgeixt hat, wie ich bereits gezeigt habe. Soll Basisaktivität gefördert werden, zumal kritische, welche die Machtkonzentration in ‚politischen‘ Führungsgruppen, ob formell oder heute noch informell, herausfordern kann, muss der Zusammenhang zwischen Meso- und Mikropolitik in der FAU also geradewegs andersherum gedacht werden als am Anfang der marcks’schen Ausweichbewegung: Eine bestimmte Art des Aufbaus von Handlungsmacht bringt erst eine emanzipatorische Beziehungsweise in der beigeordneten Infrastruktur FAU hervor.
Marcks obiger, auf einem mesopolitischen Vakuum aufbauender Lösungsversuch für die „Entmächtigung der Basis“ ist also kein „konstruktiver“ – sondern nur ein weiterer Riesenbluff: Ohne eine anarchosyndikalistische Wahl der Mittel und Taktiken, ohne jenes damit konsistente Setzen der Ziele und Strategie, keine „Herausforderung der hauptamtlichen Führungskräfte“ – und auch keine emanzipatorische Mikropolitik als „Labor der Utopie“ für potentielle „Massenorganisierungen“.
Eine gebrochene Elitentheorie
Mir geht es in diesem Epilog-Zweiteiler, recht abstrakt mit Marcks, um die „Implikationen einer Denk- und Organisationsweise, die autoritären Tendenzen besondere Möglichkeiten schafft.“ Marcks versucht auch in seiner ‚Skizze‘ irgendwie noch syndikalistisch zu differenzieren. Am Ziel seiner Reise und dem Durchbrechen der Verächtlichkeit gegenüber den Noch-Genoss:innen können aber seine zuweilen konstruktiv-sozialistischen Ausführungen wie die folgende wenig ändern:
„[Es] lässt sich nicht gerade sagen, dass die vertikalen und professionellen Elemente immer zu einer autoritären Degeneration oder reformistischen Korruption der Organisation geführt hätten. Vielmehr zeigt die Geschichte, dass in einem von Föderalismus und Autonomie geprägten Kontext vielfältige Mechanismen möglich sind, mit denen sich Probleme der Vertikalisierung und Professionalisierung einhegen oder gar vermeiden lassen. Im DGB-Kontext werden diese Mechanismen aber ebenso wenig praktiziert wie in gewöhnlichen Parteien. Und auch der Gegenwartssyndikalismus ist weit davon entfernt, sie für sich nutzbar zu machen, wenn er über die Feinheiten vertikaler oder professioneller Strukturen aufgrund von pauschalen, falschen und ahistorischen Urteilen gar nicht erst nachdenken will.“
Letzteres trifft jedoch in den Syndikaten der FAU nicht zu, im Gegenteil. Auch zu diesem Bluff kann ich mich nur wiederholen: Von welcher Organisation spricht der Bürger? Und – ist seine Behauptung einer Praxisanalyse für die Plausibilität der ‚Skizze‘ überhaupt so wichtig geschweige denn schlüssig? Wichtig ist, dass sie an einen realen Frust und Kränkungen andockt, den kernaktive ‚Außerirdische‘ wie ich in der FAU empfinden. Ob die Beschreibungen der Praxis aber stimmen? Die Analyse, die Schlussfolgerungen? Und die ‚konstruktiven‘ Gegenvorschläge? Einige der aufgeführten Probleme existieren – nur Marcks‘ Analysen, Erklärungen und Lösungen können vor allem machtbeflissene Kader überzeugen, und das zudem auf emotionaler Ebene. Mich haben jedenfalls vor Jahren und zu Beginn meines Aktivismus in der FAU seine bloß anekdotischen Behauptungen und hochtrabenden Schlüsse abgeholt. Warum? Weil er einen Frust ausgedrückt hat, den auch ich kenne – zudem in einer bombastisch sozialtheoretisch fundierten Weise, die mir als Anwärter der ‚professionellen und managerialen Klassenfraktion (PMF)‘ (LLWAA: F) zugesagt hat.
Aber, ich kenne diesen spezifischen Frust aus meiner Zeit vor der Organisierung in der FAU, aus anarchistischen Politgruppen und verwandten dysfunktionalen Netzwerken des radikalisiert liberalen Individualismuskults. Was die ‚Skizze‘ mir also negativ angeboten hat, war den Genuß der Selbsterhöhung gegenüber den unbelehrbaren und irren „Neoanarchisten“ – und damit gerade auch gegenüber meiner eigenen ‚vertanen‘ aktivistischen Vergangenheit im Bezugsgruppenanarchismus. In der FAU hat mich das in meinem Selbstwert als alternder Linksradikaler für den Moment stabilisiert. Aber wie es so ist mit abwertender Abgrenzung, hat diese nicht beim viel gescholtenen „Szene“-Außen Halt gemacht, sondern sich nach und nach – nach Innen gewandt. Und wo die irrationalen „Neoanarchist:innen“ nicht wirklich da sind, da muss man sie erfinden oder ihnen paranoid und mit schwellenden Adern ständig vorbauen.12 So entfaltet sich weiter Vertrauenslosigkeit, Konkurrenz und Verächtlichkeit in den Beziehungen zu den eigenen Genoss:innen – „ein paar wenige Menschen, denen es an sozialer Einbindung und Verantwortungserfahrung mangelt“.
Das positive, ideologische Angebot der ‚Skizze‘ war jedoch, letztlich einen Ausweg auch aus der FAU, aus dem Linksradikalismus und damit aus der eigenen objektiven Aufopferung im Feierabendaktivismus zu finden, endlich ‚erwachsen‘ und „realistisch“ zu werden, ohne unmittelbar einen völligen Bruch mit der eigenen Geschichte vollziehen zu müssen.13 Sie erlaubte mir sogar, durch die Hintertür die eigenen PMF-Illusionen vom sozialen Aufstieg, nämlich als Professioneller gesellschaftlicher Veränderung, politisch rationalisierend mit in die Gleichung zu holen. Die Ideen der ‚Skizze‘ sind damit emblematisch für das kollektive Bewusstsein der ‚professionellen und managerialen Klassenfraktion‘ innerhalb kapitalistischer Arbeitsteilung, zu der auch bereits Feierabendaktivist:innen, ihrer gesellschaftlichen Funktion und Beziehungsweise zu ‚den Anderen‘ nach, zu zählen sind. (LLWAA: F, 7)
Die Redaktion von Tsveyfl bringt die sozialen Illusionen dieser Fraktion der Arbeiter:innenklasse für einen anderen Argumentationsstrang von Marcks zielsicher auf den Punkt: „Wer sich in einer Republik durch Abgeordnete hinreichend repräsentiert sieht, kann natürlich nichts Schlechtes daran finden, sich selbst zum (gewählten) Arbeiterführer zu imaginieren.“11 Hier sind sie dann, ganz selbstsicher ausgestellt, die blinden Flecken der ‚Skizze‘, der PMF-bias des Bürgers Marcks: Entscheidend für ausbleibendes Massenwachstum der Basisorganisation seien letztlich nicht gesellschaftlich bedingte Beschränkungen in und um die FAU, sowie in uns „hingebungsvollen AktivistInnen“ selbst. Materialistische Erkenntnisse, die im krassen Gegensatz zur „Unzulänglichkeit der Emanzipationssubjekte“ und den „natürlichen Wissensvorsprüngen“ der ‚Außerirdischen‘ stünden und aktivistischer Zuversicht sowie dem eigenen genüsslichen Paternalismus die Bande kappen könnten. Der FAU-Genosse Gregor Lindenfels bringt es scharf auf den Punkt:
„Aktivismus ist gleichzeitig auch ein Symptom, das zur Schwäche des selbstorganisierten Widerstandes der Lohnabhängigen abseits der etablierten Institutionen gehört. Die Frage nach dieser Schwäche, nach ihrer Entwicklung und ihren objektiven gesellschaftlichen Hintergründen […] wurde […] von jüngeren Beiträgen für eine syndikalistische Strategie vernachlässigt. Das hat einen zweifachen Grund: sie schmeckt dem Optimismus nicht und sie ist nicht ohne Mühe anzugehen […] In der FAU selbst verschmilzt optimistisches, abblendendes Denken mit einer Überbetonung des Willens der Einzelnen.“
Mit solchen Fühl-, Denk- und Handlungsweisen liegt es auch einfach nahe, sich wie der Bürger zu weiten Teilen auf die interne Organisationspolitik bestehender Basisorganisierung einzuschießen. Und hier befindet man sich, nun nicht mehr nur nebenbei bemerkt, auf derjenigen politischen Ebene der Transformation, welche die Bedürfnisse des „Sozialtechnikers“ und seine potentiellen Interessen als Gewerkschaftsfunktionär in der FAU betreffen. In diesem Sinne lassen sich, mit Robert Michels‘ Analyse der SPD, Marcks‘ Bluffs auch als mehr oder weniger bewussten Versuch entschlüsseln, die Basisorganisierungen im Sinne der eigenen partikularen Fraktionsinteressen zu einer Klassenerhöhungsmaschine umzumodeln.
Schade dabei, dass Marcks sich überhaupt nicht mehr mit obigen „vielfältigen Mechanismen“ des „Föderalismus und der Autonomie, mit denen sich Probleme der Vertikalisierung und Professionalisierung einhegen oder gar vermeiden lassen“, in seiner ‚Skizze‘ im Detail beschäftigt hat. Oder besser: verständlich. Darum geht es ihm, schon rein auf die Textanteile geblickt, einfach nicht mehr. So bleiben auch diese Mechanismen als eine Behauptung am Wegrand zurück.14 Ihre Erwähnung, genauer, die Behauptung, die anderen Deppen in der FAU wüssten nichts mehr von ihnen, kann in den Zusammenhang einer mehr oder weniger absichtsvollen Legitimierung einer gebrochenen Elitentheorie im impliziten Gefolge von Michels‘ Thesen gestellt werden.
Abbilden oder Aufsuchen von Klassenrealitäten?
Die treibende Kraft der Transformation, um es zu wiederholen, sind in der ‚Skizze‘ die „hingebungsvollen Aktivisten“, die „den Kapitalismus“ durch das social engineering „gegenmächtiger“ Organisationen und das Koordinieren ihrer Organisationsobjekte „überschreiben“ sollen. Auf theoretischer Ebene ergänzen sich dabei zwei Phänomene bereits bei Michels perfekt: Die ‚Apathie der Massen‘ und ihr ‚Bedürfnis nach Führung‘ finden ihr Gegenstück in der ’natürlichen‘ Machtgier der Führer. „Michels’ Konzept der ‚Expertenherrschaft’“, und im stillen Anschluss daran auch Marcks‘ Konzept derselben, ist hierbei theoretisch rationalisierend
„eine Kombination aus allgemeiner Führungstheorie (‚generic leadership theory‘) und Eigenschaftstheorie der Führung (‚trait leadership theory‘). Erstere behauptet, dass Führungskompetenzen übertragbar und erlernbar sind; letztere argumentiert, dass Führungskompetenzen nicht übertragbar und nicht erlernbar sind. Folglich macht Michels’ ‚Expertenherrschaft‘ einerseits die erlernte Fachkompetenz und Professionalität von Führungskräften auf der Grundlage kodifizierten und übertragbaren Wissens stark, sowie gleichzeitig deren Einzigartigkeit und Außergewöhnlichkeit auf der Grundlage einiger mythischer Sondermerkmale. Ersteres erfordert Unterwürfigkeit aufgrund von Rationalität, letzteres aufgrund von ‚Ehrfurcht‘. Beide Ansätze verlangen nicht nur die Unterwürfigkeit der anderen, sondern gleichzeitig auch rationalen und irrationalen Gehorsam und Gefolgschaft. Obwohl dies rhetorisch eine clevere Kombination ist, die (in vielen historischen und kulturellen Kontexten) recht überzeugend und praktisch erfolgreich ist, ist sie aus logischer Sicht inkonsistent.“15
Im oben ausgestellten Bluff des Funktionärsapparats hat Marcks diesem eine demokratische Garantenstellung zugesprochen. Die Funktionäre sollen ‚über den Dingen stehen‘ und die PhilosophenkönigInnen sein, welche mittels einer Organisationsbürokratie
„die nötigen Kapazitäten freisetzen, um Probleme der Organisationspraxis zu evaluieren und Reformen zu implementieren. Ansonsten führen Wachstumsschübe, die eine Anpassung der Organisation verlangen, zu Reformstau und letztlich Krisen, die nicht lösbar sind. Denn deren Lösung setzt eben Strukturen voraus, in denen das relevante Wissen zielgerichtet allokalisiert wird. In Strukturen, wie sie etwa die FAU pflegt, sind aber erfahrene AktivistInnen – die potentiellen Träger solchen Wissens – ständig damit beschäftigt, Minimalstandards einer fluktuierenden Mitgliedschaft nahezubringen und Neumitglieder für Aufgaben anzulernen.“
Letzteres ist dann wieder schlicht frei erfunden – oder müsste durch Beschreibungen einer konkreten Praxis, nicht nur durch allgemein gehaltene Schmähungen, plausibel gemacht werden. In unserem Syndikat gab es und wird es jedenfalls immer wieder genug informelle Kader geben, die versuchen, ihr ‚Wissen‘ – man könnte es auch ‚organisationspolitische Präferenzen‘ nennen – „zielgerichtet zu allokalisieren“, sprich durchzusetzen; Kader, die mitsamt ihrem ‚Wissen‘ damit beschäftigt sind, sich unentbehrlich zu machen. Doch einige der von Marcks‘ angeführten Probleme, wie der „Reformstau“, existieren durchaus. Gerade weil Marcks Versatzstücke realer Organisationsprobleme in seine ‚Skizze‘ einfügt, wird sie eine eben gebrochene Elitentheorie – und so erst für einige von uns FAU-Genoss:innen politisch genießbar. Auch die „Exklusivität bestehender Basisdemokratie“ ist als Beobachtung nicht von der Hand zu weisen:
„Aufgrund des autoritätsfeindlichen bias werden nur die möglichen Probleme zwischen Basis und FunktionärInnen wahrgenommen. Positive Aspekte der Repräsentation werden ebenso ausgeblendet wie die Probleme des Horizontalismus. Dadurch wird nicht nur eine Mikropolitik aufrechterhalten, die inkompatibel mit den Klassenrealitäten ist; auch werden die Interessen der ressourcenschwachen Mitglieder, um die es ganz wesentlich bei syndikalistischer Klassenpolitik gehen sollte, wenig bis gar nicht in der Willensbildung und Organisationsentwicklung abgebildet.“
Der Modus dieses „Abbildens“, welchen der Bürger vorschlägt, kann dann aber sozialrevolutionär nicht überzeugen, um es diplomatisch auszudrücken. Noch einmal ein paar Schritte zurück und langsamer vorangegangen: Marcks nimmt eine spezifische Organisation, ein Allgemeines Syndikat der FAU, als empirische Grundlage seiner Argumentation – oder zumindest behauptet er das. Damit versucht er zu begründen, dass Basisdemokratie nicht funktioniert, weil ‚die Leute‘ naturgemäß zu passiv, die „ultrahorizontalen“ Strukturen zu exklusiv seien. Doch ein solches ‚Raumschiff‘ der Basisorganisierung muss zwangsläufig ‚bequeme‘ Passivierung einer großen Mehrheit von FAU-Mitgliedern, sowie stellvertreterische Aktivität einer Minderheit derselben hervorbringen. Solche Spaltungen bedeuten ganz praktisch, dass ‚die Leute‘ mehrheitlich unter de politischen Organisation versammelt werden und so passiv bleiben, wie die übergeschnappten Realist:innen, die dort dominant aktiv sind, meinen, dass sie von Natur aus sind – „unzulängliche Emanzipationssubjekte“ eben.
Es mag stimmen, „dass die überwiegende Mehrheit von Menschen nur ungern Entscheidungen für ein Kollektiv trifft, weil für sie ihre Konsequenzen nicht eindeutig zu erkennen sind“, wie Marcks schreibt. Und mit Jane McAlevey lässt sich auf dieses „weil“ erwidern: „Wir beteiligen uns in dem Maße, wie wir begreifen – und wir begreifen in dem Maße, wie wir uns beteiligen.“ Was aber, wie die Aktivität in den ‚Raumschiffen‘, fast nichts mit den eigenen Interessen als Lohnabhängige:r, nichts mit der eigenen alltäglichen Bedürfniserfüllung als Mensch zu tun hat, was zuweilen durch konkurrente Beziehungen, Arbeitsförmigkeit und wenig Wertschätzung geprägt ist, dafür macht es auch keinen Sinn, Verständnis und somit Beteiligung aufzubringen. Es lässt sich in solchen Verhältnissen der Organisierung für den Großteil der Dinge, die auf den Vollversammlungen der Allgemeinen Syndikate verhandelt werden, nicht auch nur irgendeine Form der „Hingabe“ aufbringen. Das heißt dann, wenn man sich selbst weder zum (informellen) Funktionär:innenapparat zählt, noch sich in die ‚Raumschiff-Atmosphäre‘, ihre Arbeitsteilung eingewöhnt und seine alltägliche Bedürfniserfüllung mit dem Feierabendaktivismus verstrickt hat. (LLWAA: E, 5-7)
Nimmt man den Anspruch der FAU ernst, eine „kämpferische Basisgewerkschaft“ zu sein, ist es sogar eher konsequent, sich kaum mit dem ‚außerirdischen‘ Verwaltungs- und Politgeplänkel auf den Vollversammlungen zu beschäftigen und sich nicht den sich darin verselbstständigenden Effekten des ‚über den Dingen Schwebens‘ der ‚Außerirdischen‘ auszusetzen. Es ist einfach nachvollziehbar, die FAU ‚bequem‘ als Dienstleistungsmaschine zu behandeln und sich nebenher auf das zu bescheiden, was praktisch Gewerkschaftliches und für den eigenen lohnabhängigen Alltag Relevantes passiert – also zumeist nicht viel. In dem derart eingerichteten mikropolitischen „Labor der Utopie“ können sich also nur ganz bestimmte Ergebnisse einstellen, die noch wenig aussagekräftig für die Chancen des Gelingens horizontaler und solidarischer Basisorganisierung im hier und jetzt sind. Marcks behält zwar zunächst Recht, wenn er feststellt:
„Präfigurative Politik in Konsequenz müsste Konstruktion aber auch als Organisationsformierung begreifen,da die Keimformen von Beginn an die Entwicklungspfade einer neuen Ordnung vorzeichnen – und damit auch die Realisierungsmöglichkeiten von Solidarität. Das heißt: Ein Vertrauen auf organische Bewegungsbildung unter Promotion der richtigen Prinzipien impliziert letztlich doch die Imagination, eine solidarische Neuordnung würde sich spontan vollziehen können
[…] In Konsequenz bedeutete das, auch die eigenen Organisationsformen reflexiv in die Betrachtung einzubeziehen. Denn Präfiguration findet in der politischen Praxis immer statt, im Guten wie im Schlechten. Das, was man präfigurative Politik nennt, ist bloß jene Politik, die sich das auch bewusst zu machen versucht.“
Es geht aber beispielsweise mir nicht schlicht um die „Promotion der richtigen Prinzipien“ und dann nur noch um ein Gottvertrauen in die „Spontaneität“. Es wurden in den FAU-Syndikaten noch nicht mal ansatzweise alle Möglichkeiten ausgeschöpft, einen guten Nährboden und die richtigen Umweltbedingungen im ‚Labor‘ für solidarische und gleichheitliche Beziehungskulturen zu schaffen. So gibt es in der mir bekannten Syndikatspraxis dann auch weder elaborierte Mechanismen der Einbindung und Beteiligung, noch des aufsuchenden internen Organizings oder der ermächtigenden Entwicklung von neuen Aktiven aus einer tatsächlichen Basis heraus. Reflektiert man diese Ausgangslagen defizitärer Basisorganisierung mit, so ist es mehr als nur billig – es ist eigentlich schon manipulativ – daraus mir nichts dir nichts die Heiligsprechung einer herausgehobenen Gruppe von Aktivist:innen und Organizer:innen, von „vertikalen und professionellen Elementen“ als Lösungsvorschlag für jene ‚außerirdisch‘-spezifische „Passivität“ abzuleiten.
Gerade für die Bearbeitung der Probleme „Exklusivität“ und „Passivität“ in Basisorganisierungen ist es aus sozialrevolutionärer Perspektive schlicht gefährlich, Funktionärsapparate, Organisationsbürokratie und Repräsentation als Lösungswege zu verfolgen. Denn schon ehrenamtliche Funktionär:innen und informelle Expert:innen – oder solche, die sich entsprechend ver- oder dafür halten – neigen bereits heute in den Syndikaten zu Kontrollzwang16, zu Selbstherrlichkeit, zur Ablehnung politischen Dialogs, zur Überschätzung und zugleich Mystifizierung ihres Wissens und ihrer ‚Expertise‘. Wie es so ist mit der professionalistischen Machtausübung, werden sie zunehmend blind sowohl für jene, über die sie Macht ausüben, deren Interessen und Kritik an ihrer Person und Funktion, wie sie zugleich durch äußere Akteur:innen korrumpierbar würden. Die natürlichen WissensträgerInnen sollen am Ende des Tages bei Marcks die Hände frei haben, in der Organisation zu regieren – und würden genau aus diesem Grund die sozialrevolutionär falschen Entscheidungen treffen.
Arbeiter:innen-Unionen ohne Regierung gegen Passivität
Konsistent mit solchen michels’schen Visionen über die interne Organisationspolitik verhält es sich dann bei Marcks auch auf „metapolitischer“ Ebene: Der Staat tritt in der ‚Skizze‘ nur als eine Verwaltungsform unter vielen auf:
„[D]er Anti-Etatismus der Föderalisten, aus dem der Massenanarchismus erwuchs, [bestand] v.a. darin, den Weg über den bestehenden Staat zu meiden, und weniger in der fundamentalen Ablehnung eines Überbaus, der als Staat bezeichnet werden könnte.“ Äh … „Gerade der Syndikalismus ging stets von einem geordneten Übergang zu einer dezentralen Planwirtschaft in einem föderalen Gemeinwesen aus. Je nach Staatsdefinition lässt sich das sogar als Form staatlicher Ordnung bezeichnen.“ Und ein neues Überraschungs-Ei … „Überhaupt ist die klassisch-anarchistische Staatskritik häufig als plumper Anti-Etatismus missverstanden. Wenn z.B. Michail Bakunin gegen Staatlichkeit ansprach, dann hatte er dabei vor allem den preußischen Zentralstaat militärischer Prägung vor Augen – und nicht jedweden administrativ-politischen Überbau, der öffentliche Angelegenheiten verwaltet und koordiniert.“
‚One Bluff after the Other‘, ein ’syndikalistischer‘ Schauerstreifen. Man kann also wohl auch einfach anders, irgendwie demokratischer Staat machen. Hier holt den sich entradikalisierenden Liberalen die durchaus vorhandene Lücke in der anarchistischen Staatskritik ein. Was vom Sozialtechinker-Prinzen Marcks ‚verwaltet‘, was wie genau und wozu produziert wird, das ist letztlich pillepalle; was die Staatsform mit dem Kapitalismus zu tun hat, geschenkt, das ist ja marxologischer Unsinn. Den Staatsbegriff einfach mal als „administrativ-politischen Überbau, der öffentliche Angelegenheiten verwaltet und koordiniert“ zu überschreiben, das ist ein gewagtes Unterfangen, das dann so ausgehen kann:
„Da Marcks Sozialismus nur als staatlichen Eingriff denken kann, sieht er in der liberalen Republik viele sozialistische Momente vorhanden, bzw. die Republik erscheint ihm als eine sozialistische Teilverwirklichung. Sozialismus ist für ihn gleichbedeutend mit technokratischen Eingriffen des Staates in die Wirtschaft, etwas das von oben durchgesetzt wird. Zurecht geht er mit seinen Ansichten auf Distanz zum Anarcho-Syndikalismus: ‚Die Anarchosyndikalisten sind der Überzeugung, dass eine sozialistische Wirtschaftsordnung nicht durch Dekrete und Gesetze irgendeiner Regierung geschaffen werden kann, sondern nur durch die uneingeschränkte Zusammenarbeit der Arbeiter, Techniker und Bauern.’“17
In dem hier angesprochenen Buch ‚Zurück nach vorn. Ein sozialrepublikanisches Panorama‘ von Marcks und Zimmermann machen diese den makropolitischen Vorschlag einer Wirtschaftsdemokratie BRD. In dieser lässt sich nur noch ein sozialistisches „Werden“ feststellen, wenn man einem magischen Transformationsdenken anhängt: Für die beiden Bürger sollen die republikanisierten Institutionen der Verwaltung der kapitalistischen Wertvergesellschaftung selbst eine Spannung zwischen erneuerter Form und herrschendem Inhalt erzeugen, welche zur Transformation des Kapitalismus selbst drängt. Das ist, gelinde gesagt, blauäugiges Transformationsvoodoo, welches aber organisch in der ‚Skizze‘ vorbereitet wurde, uns also nicht mehr überraschen sollte.18
Es ist Marcks‘ wohl eher unbeabsichtigter Verdienst, in diesem Zusammenhang eine weitere transformationstheoretisch Dunkelseite des Anarchosyndikalismus ausgestellt zu haben: Gesellschaftliche Veränderung scheint ein von vorne bis hinten durch fähige Sozialtechniker plan- und durchführbares, schrittweise abzuarbeitendes Unterfangen zu sein, geleitet von „strategischem Denken“. Bei Marcks kehrt damit die Bewusstseinsavantgarde der Partei wieder als Sozialtechnikavantgarde der Gewerkschaft. Soviel Marcks also den „politischen Marxismus“ geißelt, steht unser ‚Jakobiner‘, „selbst wenn er aufrichtig ist und kein Streben nach persönlicher Herrschaft im Spiel ist“, doch mit dieser von ihm ausgestopften Vogelscheuche wieder am Ende des Tages über demselben ‚Prokrustesbett‘.19
Da helfen nur noch Bannflüche: Bakunin, halt dir die verwesten Ohren zu! Herbert Wehners20 Geist, schrecke uns nicht aus unseren hoffnungsvollen Träumen auf! Gerade von einem der Kernbestände des von ihm einst heiliggesprochenen Massenanarchismus verabschiedet er sich: der politischen These, dass es kein sozialtechnisches Wissen gibt, welches allem anderen Wissen im Bezug auf die Gestaltung der befreiten Gesellschaft überlegen wäre. (LLWAA: E, 4) Was der Bürger aus der Behauptung des Scheiterns der FAU im „Labor der Utopie“ implizit macht, ist eine Legitimierung von Regierung . Das wird im erwähnten inoffiziellen vierten und letzten Teil der ‚Skizze‘ weiter ausbuchstabiert, wo die ursozialistische Vorstellung von der „Verwaltung der Dinge“ als zu wenig „politisch“ abgevespert wird. Rudolf Rocker resümierte diese Vorstellung in der Zeitschrift ‚Die Internationale‘ jedoch präzise und „konstruktiv sozialistisch“ als Ablösung nicht einer allgemeinen Verwaltung, nicht übergreifend politischer Aushandlungen, sondern eben des „Regierens“:
„Die Kunst des Regierens wird, wie Saint Simon voraussah, durch die Verwaltung der Dinge abgelöst werden. Auf diese Weise wird ein neuer politischer und sozialer Zustand geschaffen, der auf Grund der gleichen Verantwortung allen dieselben Rechte sichert. Verantwortung aber ist nur dort möglich, wo die Freiheit der Betätigung besteht und der Mensch nicht fortgesetzt mit der Fuchtel bedroht wird. Denn Freiheit und Verantwortlichkeit sind ethische Begriffe, die dem gleichen Empfinden entspringen und nicht von einander getrennt werden können.“21
Rocker stößt uns hier noch auf etwas anderes: Man kann die Wechselbeziehung zwischen „Freiheit und Verantwortlichkeit“ nicht zerreißen, ohne damit auch die Potenziale eines freiheitlichen Sozialismus stillzustellen. Marcks‘ Feststellung, dass wir Mitglieder unterschiedliche Ressourcen haben, legt eben nicht den zwingenden Schluss nahe, dass eine transformatorische Organisation sich gar nicht damit zu befassen braucht, diese sozialen Ausgangsbedingungen bereits unter FAU-Mitgliedern aktiv anzugleichen. Man kann nicht wie Marcks den politischen Anspruch einer substantiellen Gleichheit fallen lassen, ohne dabei das „Gefühl persönlicher Verantwortlichkeit“ und das „Bewusstsein der Solidarität“ von uns allen zu sabotieren, die uns erst zu wünschenswerten Beziehungen verhelfen könnten. (LLWAA: Endnote xxvii)22
Dass der paternalistische Sozialtechniker die prekäre alleinerziehende Proletarierin zur Gewerkschaftsfunktionärin machen und das noch als Feminismus verkaufen wollte, zeigt weniger, wie er in der FAU für Gleichheit sorgen wollte, sondern auf welchen rhetorischen Steigbügeln er sich in den Sattel der Organisation zu hieven versuchte. In Marcks‘ ideologischem Fantasma müssten solche prekären Kolleginnen scharenweise einfallen und aktiv werden, sobald sie endlich auch eine Ihresgleichen zur Funktionärin wählen und mit kritischen Stacheln pieksen dürften! Aua, auja! So könnte dann auch endlich, über die neu verpackte Mikropolitik, der Born der verschütteten Handlungsmacht der FAU freilgelegt werden. Auch hier ist Marcks‘ Konzeption etwas von Grund auf anderes als die – für eine gewisse Zeit von ihrer Lohnarbeit durch ihr Syndikat – ‚Freigestellen‘ im Syndikalismus: Nicht Arbeiter:innen sollen zu bezahlten Funktionär:innen, also zu PMFler:innen werden, und damit den sozialrevolutionären Kontakt zu derjenigen Arbeits- und Lebensrealität verlieren, um derentwillen sie ja scheinbar Macht verliehen bekommen sollen.23
In einem ‚offenen Anarchosyndikalismus‘ sollten hingegen die Führungsfunktionen zu uns Produzent:innen verlagert werden. Vermittelt über diese Zerstreuung von Macht und die Verortung der politischen Aushandlungen nicht mehr auf einer allgemein-abstrakten Profiebene, könnte auch eine zentralistische Korrumpierung und professionalistische Passivierung von uns Vielen unterlaufen werden. Doch PMF-Aktivist:innen wie Marcks denken bereits Inklusivität und Horizontalität nur noch so, dass ‚die Leute‘, vielleicht durch ‚Mitgliederaktivierung‘, als Aktivist:innen zum ‚Raumschiff‘ kommen oder sich mehrheitlich unter diesem versammeln. Sie sollen dabei entweder zu Stimmvieh und Organisationsobjekten, oder mehr und mehr selbst zu ‚Außerirdischen‘ werden. Tsveyfl haben Marcks‘ dahingehende Bluffs bereits ernüchternd anarchosyndikalistisch eingeordnet:
„Unterstrichen wird dieser Anspruch auf Herrschaft, der als Partizipation verkleidet wird, mit dem Hinweis, dass bezahltes Funktionärstum sozial integrativ wirken würde. Damit fällt [Marcks] (wie auch an anderen Stellen) weit hinter den revolutionären Syndikalismus zurück, dessen wichtigster Theoretiker, auf den er sich teils direkt, teils indirekt immer wieder bezieht, Émile Pouget, sich sehr klar zur repräsentativen Logik geäußert hat. Er setzte ihr die Selbstermächtigung der Arbeiter durch die direkte Aktion entgegen: ‚Die direkte Aktion befreit also den Menschen aus dem Würgegriff von Passivität und Willenlosigkeit, in dem der Demokratismus ihn zu halten versucht. Sie lehrt ihn, zu wollen, anstatt sich aufs Gehorchen zu beschränken, seine Souveränität auszuüben, anstatt seinen Teil davon an einen Delegierten abzutreten.‘ Des Weiteren sei das System von Repräsentanz nicht geeignet, sollen Menschen heute lernen, die Welt von morgen zu organisieren:
‚Doch um diese Liquidierung der alten Ausbeutungswelt zu bewerkstelligen, muss die Arbeiterklasse sich mit den Voraussetzungen für die Schaffung einer neuen Gesellschaftsordnung vertraut machen; sie muss die Fähigkeit und den Willen besitzen, dieses Werk aus eigenem Antrieb zu vollbringen; sie darf, um mit den auftretenden Schwierigkeiten fertig zu werden, nur auf die eigene, unmittelbare Leistung setzen, auf Kompetenzen, die sie aus sich selbst heraus entwickelt, und nicht auf die Gunst irgendwelcher ‚Mittelsmänner‘, vom Himmel gesandter Wohltäter, Bischöfe in neuem Gewand. In letzterem Fall wäre die Ausbeutung nicht beseitigt, sondern würde in gewandelter Form fortbestehen.‘ Nun spricht natürlich nichts dagegen, Menschen mit schon vorhandenen Fähigkeiten für bestimmte Aufgaben zu delegieren, nicht alle müssen alles können, Arbeitsteilung“ – oder besser: funktionale Spezialisierung auf Zeit – „ist gut und sinnvoll; aber zwischen Delegierten, die rechenschaftspflichtig sind und jederzeit abberufen werden können und einem repräsentativen Wahlsystem, wo die Menschen zyklisch ihre Stimme abgeben sollen, liegen Welten.“24
In Marcks‘ syndikalismusvergessener Programmatik geht soviel unter – oder taucht eben gar nicht erst auf – was schon einmal in unserer Bewegung vom „freiheitlichen Föderalismus“, nun wirklich mit Alexander Schapiro, gewusst wurde. Die ‚Skizze‘ bietet keine erfrischenden Re-Visionen politischer Prinzipien: Was bleibt von der Bedürfnisorientierung, dem Aufbau von unten nach oben? Marcks konzeptioniert Massenorganisierung so, dass Massen organisiert werden, nicht Massen sich organisieren. In diesem Satz steckt der Schlüssel zum Verständnis seiner zynischen Überschreibung eines wirklich „konstruktiven Sozialismus“. Legt man zum letzten Mal die Folie einer spezifisch syndikalistischen Methodik und das Prinzip der gegenseitigen Hilfe über die ‚Skizze‘, kann einem:einer endlich dämmern, warum beides nicht darin angeführt wird – weder als Begriffe noch in deren prinzipiellem Bedeutungsgehalt:
„Durch direkte Aktionen kann die Arbeiter:innenklasse die Fähigkeiten, das Selbstvertrauen und das Verständnis für die Natur der Gesellschaft entwickeln, die notwendig sind, um die zukünftige libertäre Gesellschaft zu verwalten […] Direkte Aktionen erfüllen nicht nur unsere unmittelbaren Forderungen, sondern befreien uns auch von der lähmenden Abhängigkeit von politischen Führer:innen und dem Staat.“25
Marcks‘ teilweise richtig beschriebenen Organisationsprobleme26 müssen, anders als in seiner michels’schen Sichtweise, keine quasinatürliche, unabänderliche Folge von Organisationswachstum, seine elitären Lösungsvorschläge nicht zwangsläufig oder gar alternativlos sein: „Trotz fast eines Jahrhunderts wissenschaftlicher Debatte über diese Frage gibt es nach wie vor keinen Konsens darüber, ob und unter welchen Bedingungen Michels’ Behauptung [der Zwangsläufigkeit von Oligarchisierung] zutrifft.“27 Es stimmt zwar tendenziell, wie uns der Bürger zum Ende seiner Aktivenzeit in der FAU selbst vorgemacht hat:
„In jedem sozialen System können informelle Führungskräfte und dominante Gruppen von Menschen hervortreten, allein aufgrund ihres stärkeren Engagements in Verwaltungsangelegenheiten, ihres Fachwissens, ihrer Expertise, ihrer Persönlichkeitsmerkmale, ihrer Einstellungen oder ihrer Art zu kommunizieren, zu interagieren und Dinge zu tun. Es kann vorkommen, dass viele Menschen innerhalb von Organisationen nicht bereit oder in der Lage sind, an Entscheidungsprozessen teilzunehmen und zur Festlegung der Entscheidungsergebnisse so weit beizutragen, wie es erforderlich ist, um soziale Kontrolle auszuüben und ausgewogenere Muster sozialer Macht und Einflussnahme zu erreichen.“28
Ein anarchosyndikalistischer Umgang mit solchen Schieflagen könnte sein, die Organisierung näher an unsere Lebens- und Arbeitsrealitäten zu rücken, die unter uns Fauistas als Lohnabhängige durchaus Widersprüche bergen. Wenn Genoss:innen in Betriebsgruppen kaum für Dinge über diese hinaus Zeit haben, wie Marcks richtig feststellt, so muss sich die ganze Organisation den betrieblichen Anliegen annähern, aber auf prinzipienbasierte und zugleich offene Weise. Sie muss Ressourcen freimachen, um den dortigen freiheitlich sozialistischen Basismilitanten den erfahrungsbasierten Einfluss auf die Strategiebildung der FAU insgesamt zu erleichtern. Wiederum aktivistische Sozialrevolutionär:innen mit frei verfügbarer Zeit und Fähigkeiten könnten durch „internes Organizing“ und „politische Basisarbeit“ versuchen, das ‚Raumschiff‘ und sich selbst auf die ‚Erde‘ zurückzuholen. Es braucht dafür ein aktives Zuhören sowie ein Verstehenwollen der Sichtweisen und Bedarfe unserer widerständigen Kolleg:innen. Von hier aus ist Strategiebildung, Methodik und Zielsetzung der Gesamtorganisation zu konzipieren. (LLWAA: G, 7 für konkrete Vorschläge)
Es ist aber schon auch etwas dran an Marcks‘ mikropolitischem Grant. Auch dann, wenn man nicht den Horizont einer stabilen Mitgliedermassenorganisation im Auge hat: In den minikleinen Syndikaten der FAU braucht es, um die schon heute anstehenden Aufgaben zu bewältigen, funktionale Differenzierung und Spezialisierung auf Zeit (und nicht mystifizierende und hierarchisierende „Professionalisierung“), sowie eine Delegierung von administrativen Entscheidungsbefugnissen und Koordinationsaufgaben als imperative Mandate (und nicht ein inhaltlich-repräsentativer Modus der Vertikalisierung). Was zumindest in unserem Syndikat fehlt, sind außerdem leistungsfähige vermittelnde Strukturen, die Führungsaufgaben im Sinne einer „verteilten Führung“29 möglich machen. Es braucht in dem Zuge strukturierte und ständige „Bemühungen, ehemals exklusives Wissen zu vereinfachen, zu erläutern und der gesamten Mitgliedschaft zugänglich zu machen“; es braucht also eine „Entmystifizierung von Führung“30:
„Demokratische Organisationen verfügen über eine ganze Reihe formaler und sozialer Mittel, um Führungskräfte zu kontrollieren: […] Formale Institutionen (Grundsätze und Mechanismen, Regeln und Vorschriften) der demokratischen Regierungsführung und Kontrolle; — Vollständige Beteiligung aller Mitglieder der Organisation – d. h. jedes Mitglied hat gleiche Möglichkeiten, an Entscheidungsprozessen teilzunehmen und zur Festlegung der Ergebnisse von Entscheidungen beizutragen; — Soziale Kontrolle – d. h. aufsteigende Kontrolle (Hinterfragung und demokratische Kontrolle von Führungskräften und Vertretern durch die von ihnen Vertretenen) und horizontale Kontrolle (gegenseitige Überwachung und soziale Kontrolle durch Gleichgestellte).“31
Das ist nun aber eine gerade entgegengesetzte Bewegung zu Marcks‘ ‚Skizze‘. Aus Perspektive einer „relationalen Revolutionstheorie“32 ist die Frage also nicht: Vertikalisierung und Spezialisierung, ja oder nein? Sondern es gilt zu fragen: Wie genau sollen Beziehungen der Vertikalität und der Spezialisierung zwischen Einzelnen und zwischen Gruppen geknüpft werden, damit diese gleiche, freie und solidarische werden können? „Die Revolution schafft nicht aus dem Nichts, sie verknüpft bisher Unverbundens in neuer Weise.“33
Ein offener Anarchosyndikalismus würde in diesem Sinne ‚die Organisation‘ zu uns allen kommen lassen, deren aktivistischer Apparat und welche selbst sich dabei verändern würde. Zugleich würde so uns allen das widerständige Aktivwerden prinzipiengeleitet in unserem Alltag und gegenüber dessen spezifischen Anforderungen erleichtert werden, auch die ‚Basis‘ sich also verändern. Es gilt also, nun wieder mit Robert Michels, auf eine ‚irdische Schatzsuche‘ zu gehen, welche den ‚Boden‘ erst wertvoll macht. In diesem Sinne können und müssen „günstige Bedingungen“ für eine „demokratische Mentalität„34 aktiv geschaffen werden. Wenn es heute in unseren Basisorganisierungen sein muss, dann eben unterstützt durch kontrollierte aktivistische Ressourcen. Das ist auch die spannungsgeladene Grundthese des ‚Außerirdischen‘-Buchs:
„Es gilt einerseits Ressourcen von externen Aktivist:innen planvoll, kontrolliert und rechenschaftspflichtig für Betriebsorganisierung zu nutzen. Andererseits bedeutet es zugleich, die für proletarische Selbstorganisierung und -verteidigung damit einhergehenden Probleme bewusst und kollektiv einzudämmen. Es gilt also aus sozialrevolutionärer Perspektive mit Aktivismus teilweise grundlegend zu brechen, manche seiner Momente qualitativ weiterzuentwickeln sowie einige in ihm aufgehobene Ressourcen in unseren Basisorganisierungen zu erden. Es gilt, Macht in einer syndikalistisch verstandenen Basis zu entfalten.“35
Denkender Hammer, bring uns in konstruktive Form
Die Quellen der Unzulänglichkeit von Marcks‘ Beschreibung, Analyse sowie Konzeptionierung von Organisationsproblemen und Lösungsvorschlägen lassen sich auch in der wissenstheoretischen Fundierung und selbst-reflexiven Blindheit seiner Programmatik ausmachen: Der Bürger macht beispielsweise unkenntlich, dass es nicht nur eine „Bewegungsforschung“, nicht nur direkt anwendbare, weil zweifelsfreie Erkenntnisse aus jener gibt, die er zur Königsdisziplin der Basisorganisierung erhebt. Dieser Bluff ist wiederum ganz im Sinne der Legitimierung seiner Elitentheorie. Es ist kein Zufall, dass der sich darin verratende Professionalismus haargenau zu den eigenen beruflichen Ambitionen als Lohnabhängiger, zum eigenen partikularen Fraktionsbewusstsein, den eigenen „Aufstiegswünschen“, zur eigenen „Erhebung“ aus der ‚Basis‘ heraus passen. (LLWAA: F, 8) Wie der Theoretiker Kai van Eikels scharf über Politprofessionalismus, wovon Aktivismus letztlich eine Spielart ist, bemerkt:
„Zwar engagiert der professionelle Politikbetrieb Expert*innen, um einen Teil der Verantwortung auszulagern, aber die treten gerade nicht als Menschen auf, die durch die Erfahrungen ihrer jeweiligen Arbeitstätigkeit etwas einbringen, was für das Zusammenleben aller relevant ist, sondern sie liefern Informationen, Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen als schon bestelltes Produkt, das seine Herkunft aus bestimmten Arbeitsprozessen umso effektiver unsichtbar macht, je mehr es als Expertise überzeugt.“36
Der Sozialtechniker-Prinz formerly known as anarchist hat uns Leser:innen nur wenige und wohl eher unabsichtliche Hinweise gegeben, um das von ihm produzierte Wissen hinsichtlich der Positionierung seines Produzenten oder auch seines Entstehungskontextes richtig einzuordnen: „Praxiserfahrungen sind das Herzstück jeder guten Theoriebildung“, wie uns Marcks in der ‚Skizze‘ mitteilt. Ein Ratschlag, den er, wie gezeigt, selbst nicht beherzigt. Was in Gesprächen mit langjährigen FAU-Aktiven vermutet werden kann ist dahingehend aber Folgendes: Der Praxishintergrund der ‚Skizze‘ war möglicherweise ein gescheiterter, umfassender Reformprozess im ehemaligen Syndikat des Bürgers selbst. Unter anderem seine „konstruktiven“ Vorschläge umfassender organisatorischer Neuordnung scheinen in der dort nicht auf die genügende Gegenliebe bei anderen Syndikatsaktiven gestoßen zu sein, eine Urabstimmung nicht genug Stimmen zusammenbekommen zu haben.
In einer solchen basisdemokratischen Organisationen hätte man, wollte man wirklich grundlegend etwas ändern, nun einiges an Diskussions- und Vermittlungsarbeit leisten müssen, um die eigenen Vorschläge plausibel zu machen, sie mit den Ideen und Bedarfen der anderen modifizieren etc. Das kann auch mal lange dauern und auch ich habe dazu oft aus Überforderung und Aktivismus Burn-Out keine Lust mehr. Und das mag auch dem Bürger, liest man seine ‚Skizze‘ gegen den Strich, wohl eher wie ein Ausbremsen und unnötiger Kraftaufwand erschienen sein. Oder für unter seiner sozialtechnischen Kopfarbeiterwürde. Aber es ist nun mal so, „jeder [echte] Fortschritt muss durch mühevolle und zähe Arbeit errungen werden, und wenn wir nicht selbst zugreifen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn uns die anderen sagen, dass sie unserer Weisheit entbehren können.“37
Du fragst, wie ich dazu käme, mir solche Spekulationen zu erlauben? Weil ich solche informellen Kader in der FAU und ihre Rationalität kenne – weil ich mich selbst mittlerweile in dieser Hinsicht ganz okay kenne. Es gibt hier einen „infantilen“ Frust darüber, dass die anderen ‚Außerirdischen‘ nicht ’so wollen, wie sie sollen‘. Von hier aus liegt dann auch die ‚Eingebung‘ einfach nahe, die interne politische Debatte über mikropolitische Reformprozesse und zu Gunsten von vertikalen Entscheidungskompetenzen abzuräumen. Wer selbsternannter Experte für gesellschaftliche Veränderung und Sozialtechniker mit Einsicht in „elementare Gesetze sozialer Interaktion“, in „allgemeine Gesetze der Vergesellschaftung“, in „überpolitische Regeln“ ist, der kann sich unter einem „selbstreflexiven“ Verhältnis von Praxis und Theorie natürlich folgende rein instrumentelle Vorstellungen machen; was Marcks unter dem Begriff einer „reflexiven Praxistheorie“ konzipiert, spricht Bände:
„[Eine reflexive Praxistheorie] meint im soziologischen Sinne eine Theorie, die Gesellschaft als Produkt sozialer Praktiken begreift. Im politischen Sinne kann darunter eine Theorie verstanden werden, die Wissen über jene konstitutive Funktion sozialer Praktiken in Handlungen zu übersetzen versucht, mit der sich das Produkt Gesellschaft verändern lässt.“
Na dann, auf geht’s!, sprach der tumbe Amboss zum denkenden Hammer. Derlei tatsächlich nicht-reflexive Wissensproduktion ergibt sich eben immer auch aus einem bestimmten Erfahrungshorizont des Wissensproduzenten selbst38, sowie aus seiner gesellschaftlichen Positionierung als Lohnabhängiger neben dem Feierabendaktivismus. Verdinglicht man Wissen derart, können einem auch schlicht Theoreme wie das ‚eiserne Gesetz der Oligarchie‘ als Naturgesetze, der „Funktionswandel“ von Interessenorganisierung als unausweichlich erscheinen. „Marxologen“ hingegen, „die keine reflexive Praxistheorie kannten“ und unter anderem derentwegen „die Linke [jenem] kritischen Niveau heute weit hinterher [hängt]“, erreichen solche Höhenflüge der Reflexivität natürlich niemals. Entsprechend liest man beispielsweise bei The Communist Group:
„[Wir können] uns die Einheit von Theorie und Praxis im Sinne einer praktischen Reflexivität vorstellen […] das Verhältnis von Theorie und Praxis [ist] ein internes und kein externes: Sie bedingen sich gegenseitig. Praktische Reflexivität meint ein Theoretisieren, das sich selbst und seine Kategorien als Teil jener widersprüchlichen sozialen Praxis erkennt, die es zu verstehen versucht […] praktisch-reflexives Theoretisieren lehnt die ‚Selbstverständlichkeit‘ [von] Kategorien ab, indem es fragt, wie diese Selbstverständlichkeit sozial konstruiert ist […] Somit beinhaltet die Kritik an den kapitalistischen sozialen Beziehungen zugleich eine Kritik an uns selbst und an den Kategorien, mit denen wir uns selbst verstehen, und umgekehrt – uns selbst und unsere Kategorien zu hinterfragen kommt der Kritik an den kapitalistischen sozialen Beziehungen gleich.“39
Solche Analyseebenen, beispielsweise gesellschaftliche Hierarchien der Arbeitsteilung, die sich über die eigene Positionierung des Bürgers wunderbar hätten erschließen lassen, kommen bei Marcks natürlich überhaupt nicht kritisch in den Blick. In der ‚Skizze‘ wird damit eine bestimmte patriarchal-kapitalistische Beziehungsweise heiliggesprochen und schlicht „vom Bestehenden ins Werdende“ mitgezogen. Der Bürger wollte zwar „die neue Gesellschaft in der Schale der alten aufbauen“, „etwas Neues konstruieren und im Bestehenden Anknüpfungspunkte finden, aus denen es Ressourcen schöpfen kann“. Doch sind es das vermeintlich überlegene Wissen und die vertikalisierte Autorität der SozialtechnikerInnen, an die er anknüpft. Womit Marcks also überhaupt nichts „Neues konstruiert“, sondern sich ohne sozialrevolutionäre Selbsterkenntnis einem klassisch anarchistischen Voluntarismus hingegeben hat.
Vielleicht wäre es fruchtbringender gewesen, doch eher „das Neue im Bestehenden zu suchen und auszubauen“? Marcks‘ Programmatik kann mit ihren „metapolitischen“ Volten vielleicht die Entradikalisierung des eigenen Liberalismus und die eigene Bewältigung des Übergangs von Idealismus zu akademischem Beruf in einem Kostümwechsel bemänteln. Sie kann aber kein prinzipienbasiert sozialistisches, heißt antikapitalistisches Programm hervorbringen. Insgesamt lässt sich die merkwürdige Abwendung vom Linksradikalismus / Anarchismus der ‚Skizze‘ als Lösungsversuch nicht für die existentiellen Nöte der alleinerziehenden Proletarierin mit „Hurensohn-Rhetorik“, sondern des persönlichen „Dilemmas zwischen Politik und Beruf“33 des Bürgers selbst verstehen.
Seit seinem Abgang aus der FAU darf der NGO-Mitarbeiter einer liberalen bis konservativen Öffentlichkeit dann noch erzählen, dass „die Linke“ zu „klassistisch“ sei, um „die unteren Klassen“ noch zu erreichen. Die Linke habe sich unter anderem durch ihren unverstandenen „bildungsbürgerlichen bias“ und ihre ach so entscheidend exklusiven „Szenenormen“ selbst beerdigt, sei mittlerweile sogar eine Gefahr für die Demokratie. Unschwer lässt sich in solchem Wortgeklingel über die Krise linker Basisorganisierung, mit dem kommunistischen Intellektuellen Felix Klopotek, auch ein persönlich motivierter „Anpassungswunsch“ vermuten:
„Das Krisengefühl scheint eine Art affektiver Dauerzustand der Linken zu sein – genauer: der Linksradikalen. Diese bescheinigen sich in Deutschland mindestens seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990, in der Krise zu stecken. Klagen über die Krise des revolutionären Denkens, der revolutionären Theorie und Haltung gehen aber bis in die 70er zurück […] Wenn die Linke seit Jahrzehnten in der Dauerkrise steckt, müsste man eher von einer chronischen Krankheit sprechen. Die ist nicht direkt tödlich, verkürzt die Lebenserwartung aber doch erheblich. Die radikale Linke gibt es mithin immer noch – und sei es als Quengel-, Nörgel- und Leidensgemeinschaft […]
Die Rede von der Krise hat sehr häufig einen ideologischen und taktischen Charakter, angeblich heilige Kühe sollen geschlachtet und der Rückzug aus einer uneinsichtigen Linken, zu verbohrt für Änderungen, muss legitimiert werden. Welche Funktion erfüllt denn hier die Rede von der Krise? Historisch-empirisch gesehen drückt sich darin ein Anpassungswunsch aus – und die Ankündigung des Ausstiegs. Diejenigen etwa, die Ende der 70er Jahre die »Krise des Marxismus« verkündeten – das war damals in der BRD eine unter linken Intellektuellen breit geführte Debatte – waren ganz überwiegend nicht an einer kritischen Sichtung revolutionärer Theorie interessiert, sondern stiegen alsbald aus und wurden etwa Realpolitiker*innen bei den Grünen.“
Freiheitlicher Sozialismus und Syndikalismus
In folgender abgrenzenden Bestimmung liegt der Rest dessen, was vom Anarchosyndikalismus mit Marcks übrig bliebe: Eine nur etwas demokratischere Verfasstheit einer stabil zu konstruierenden Mitgliedermassenorganisation: „[D]ass die etablierten Gewerkschaften mit ihren hierarchischen Zentralapparaten als Keimformen einer egalitär-sozialistischen Gesellschaft dienen könnten, würde wohl kaum jemand behaupten.“ Wenn es dafür ‚Syndikalismus‘ braucht – dann braucht es im Land des DGB keinen Syndikalismus mehr. ABER: „Hier soll nur festgehalten werden, dass Gewerkschaftsarbeit keineswegs im Reformismus versanden muss und ein probater Weg aus der Isolation ist.“ Marcks behauptet also, mit seiner Programmatik über sozialdemokratische Gewerkschaftlichkeit hinauszugehen, indem er sie zusätzlich als „Transmissionsriemen für die Welt der Selbstverwaltung“ konzipiert. Zunächst wieder allgemein richtig ist es, wenn Marcks feststellt:
„[Der Syndikalismus] unterscheidet sich von den mittlerweile vielen löblichen konkreten Organisierungskampagnen, mit denen die Linke wieder soziale Verankerung erreichen will. Diese funktionieren zwar nicht in der Logik der bestehenden Institutionen, haben aber selbst kein institutionelles Programm, das über jene Desiderate hinausgeht, die einen Wunsch nach Transformation ausdrücken. Dadurch steuern sie tatsächlich auf das von der Systemtheorie festgestellte Problem zu, dass sie nur als Korrektiv der Realität fungieren und sich im Falle von Erfolgen sogar überflüssig machen.“
Doch der Bürger verlagert das Problem des Reformismus (das für ihn tatsächlich, wie gezeigt, kein ernstzunehmendes Problem ist) nur auf eine andere politische Ebene: von Meso- zu Makropolitik. Denn auch seine „Welt der Selbstverwaltung“ stellt im Grunde nichts anderes als ein innerkapitalistisches Ausgleichsprozedere dar. Aus dieser Möglichkeit, die sich in seiner Konzeption bereits am Fundament mit Macht entfaltet, macht der Bürger auch gar keinen Hehl: „[A]uch wenn die Gesamtstrategie nicht aufgehen sollte, wären damit zumindest größere Stücke vom Kuchen abzuhaben.“ Dieses Geschacher innerhalb ‚der Bäckerei‘ soll dann bei Marcks und Zimmermann zudem gesellschaftlich vermittelt werden durch das Abgeben der eigenen Stimme nun an multiple Parlamente. In dieser „Welt der Selbstverwaltung“ – damit eine weitere unter den vielen merkwürdigen Überschreibungen – wird das Abgeben der eigenen Entscheidung und Verantwortung also lediglich vervielfacht. „Das politische Wesen“40, das Marcks so als übergeschnapptes bürgerliches Ideal für uns alle auf politischer Ebene des Subjekts im Sinne hat, ist hingegen
„für Marx ein ‚partikulär empirisches Wesen‘, ein ‚abstraktes Wesen‘, das seine eigenen Kräfte nicht als eben gesellschaftliche organisiert, sondern sie von sich entäußert. Allein durch das Absterben der Institutionen, die existieren, um Menschen zu verwalten – der politischen Institutionen –, ist der Aufbau des Sozialismus möglich. Als sozialistisch ist lediglich eine Theorie und Praxis zu bezeichnen, die bestimmte Bedingungen zur Überwindung politischer Formen gesellschaftlicher Verhältnisse liefert, der Verhältnisse einer ungleichen Verteilung gesellschaftlicher Macht, Verhältnisse, in denen eine besondere Schicht von Menschen existiert, die sich beruflich mit der Verwaltung anderer Menschen befassen.“41
Danke Miladin Životić, der in Jugoslawien genug Erfahrungen mit einem bürokratisch herrschenden ‚Sozialismus‘ gemacht hat. Um die Erhaltung und Verfestigung jener „Schicht“ ging es dem Bürger Marcks mit der ‚Skizze‘, und zwar schon in den pupskleinen Basisorganisierungen der FAU. Das versuchte er, im Schatten seines großen argumentativen Leuchtelichts, der Grundprämisse einer stabilen Mitgliedermassenorganisation und der Schokohülle der Verachtung linksradikaler Mikropolitik, zu seiner Zeit in der FAU durchzusetzen. „Anderen etwas vormachen und sich dabei selbst etwas vormachen, das ist die parlamentarische Weisheit im Kern“, wie der Namensverwandte mit dem ‚X‘ hinten dran einmal bemerkte. Mit solcher „Weisheit“ hat Holger Marcks sich in der ‚Skizze‘ aus der FAU und vom (Anarcho-)Syndikalismus verabschiedet. Er hat uns zugleich einige richtige und weiterhin herausfordernde Problemstellungen, doch für diese leider im Konkreten nur schlechte Lösungsansätze hinterlassen.
Abschließend paraphrasiert ließe sich dieser Riesenbluff eines überschriebenen „konstruktiven Sozialismus“ so umreißen: „Man mag ja Zweifel haben, ob der Kapitalismus mit seinen Akkumulations- und Wachstumszwängen“ – eine Analyseebene, die beim Bürger ohnehin nicht vorkommt – „letztendlich soziale Gleichheit verwirklichen kann – ABER! – da wir doch alle wissen, gereift wie wir sind, dass der Wechsel in eine antikapitalistische Gesellschaftsformation gegenwärtig nicht möglich ist, spezialisieren wir uns auf die symbiotische Utopie einer sozialen Republik.“ Mit den Bemerkungen von The Communist Group über die Situationistische Internationale (SI) lässt sich Marcks‘ Programmatik noch einmal von freiheitlich sozialistischen Programmatiken klar abgrenzen. Die SI
„argumentierte, dass die Räte einen neuen Inhalt annehmen müssten, der nicht auf der Verwaltung der Arbeit und der bestehenden Welt beruhe, sondern auf der Abschaffung der Arbeit – ‚im üblichen heutigen Sinne‘ – und der unaufhörlichen radikalen Umgestaltung derselben. Der Widerspruch innerhalb der SI zwischen ihren Parolen – ‚Alle Macht den Arbeiterräten!‘ und ‚arbeitet nie!‘ – ist kein absoluter Widerspruch, sondern ein Ort produktiver Spannung in ihrer Weltanschauung. Es ist daher falsch zu denken, die SI würde die begrenzte Sichtweise übernehmen, die Arbeiter-Selbstverwaltung sei mit dem Sozialismus gleichzusetzen. Die SI […] ‚verstand den Kommunismus nie als Verwaltung der Produktion durch die Arbeiter, als Pseudokontrolle der Arbeiter über ihre Entfremdung. Der Kommunismus wird von ihnen stets als Konstruktion des menschlichen Gemeinwesens begriffen: durch die Abschaffung des Tauschs, der Ware und der Klassenteilung der Gesellschaft; er wird gemäß seinem Inhalt bestimmt, nicht als eine bloße Form der Verwaltung.„42
Ich zumindest möchte jetzt endlich mit hoffentlich größerer Klarheit dem Bürger „Adieu!“ sagen und den merkwürdige ‚Skizze‘ gebliebenen Text-Leichnam zur letzten Ruhe betten. Es gibt so viel interessantere, kommunistische Gedanken über Gesellschaftstransformation: die sozialistische Planungsdebatte, die Diskussion um die Commons, anti-autoritär kommunistische Strategiebildung, die Arbeitszeitrechnung, Zapatistas und kurdische Freiheitsbewegung. So viele eigentlich, dass es für die aus tiefem Schlummer erwachende Transformationsdiskussion unter Anarchosyndikalist:innen zunächst schwer fallen dürfte, überhaupt einen Einstieg zu finden. Steff Brenner hat hier vor kurzem einen erneuten und spannenden Anfang gemacht. Er besinnt sich auf etwas, das schon Marcks, wenn auch nur noch abstrakt überzeugend, unter den Schlagworten einer „aktiven Konstruktion“ und eines „schöpferischen Aufbaus“ stark machte.
Doch auch bei Brenner werden die historischen Erfahrungen, hier der Arbeiterbörsen der FAUD, wie ich finde nicht schlüssig reflektiert. Die konstruktiven Vorschläge der FAUD blieben eben selbst in potentiell revolutionären Zeiten ohne Masseneinfluss und konnten sich in einer eigenmächtigen Arbeiter:innenbewegung nicht verständlich machen. Wie genau kann die FAU an diese also vor jenem Erfahrungshintergrund (nicht) anschließen? Und was lässt sich damit sagen über unsere heutigen Chancen eines „konstruktiven Sozialismus“ und der Konstruktion einer Massenorganisation, wie sie auch Brenner immer wieder postuliert? Es wird uns jedenfalls als Dialogangebot an andere linksradikale Basisaktivist:innen nicht weit bringen, ihnen lediglich die von uns geerbte, seit hundert Jahren tote und ökonomisch unausgereifte Transformationsstrategie in einer zwar nicht gekränkten und offeneren Variante von Marcks‘ „vertuschter Syndikalisierung“ unter die Nase zu halten.
Selbst die von mir so geschätzten, klugen Anarchosyndikalist:innen der Solidarity Federation können sich letztlich nicht auf den von ihnen behaupteten „Geist des Anarchosyndikalismus“ ein- und diese Transformationsdiskussion einer grundlegenden, experimentellen Offenheit überlassen. Auch sie landen bei einer anderen Facette der historisch gewordenen Strategie des Anarchosyndikalismus:
„Aber die Verallgemeinerung des Streiks würde, wenn sie erfolgreich wäre, den Hunger der Arbeiter:innen gegen die tiefen Taschen der Kapitalisten ausspielen. Sobald der Streik verallgemeinert und entwickelt wurde, würde die revolutionäre Gewerkschaft versuchen, Enteignungen zu organisieren, bei denen die Arbeiter:innen die Produktion von Waren und Dienstleistungen übernehmen und sie auf der Grundlage der Bedürfnisse selbst verwalten. Während die revolutionäre Gewerkschaft bis zu diesem Zeitpunkt eine organisierende Kraft war, die sich aus ‚einer aktiven Minderheit‘ zusammensetzte, würde sie nun ihre Reihen für alle öffnen und ihre föderale Struktur als Grundlage für die Verwaltung der neu enteigneten gesellschaftlichen Produktion nutzen. Während sie also ‚in der Vergangenheit eine Kampforganisation war (…), sollte sie [jetzt] in einen sozialen Organismus umgewandelt werden‘. Indem sie ihre Reihen öffnete, verwandelte sich die revolutionäre Gewerkschaft von einer revolutionären Minderheit klassenbewusster Arbeiter:innen, die gegen den Kapitalismus kämpften, in eine föderale Struktur für die Selbstverwaltung der neuen Gesellschaft.“43
Zeichen dafür, dass Denken in linken Traditionen und ideologischen Begrifflichkeiten, also auch meines, eher ein Hindernis für unsere kollektive Diskussion sein dürfte. Zugleich gilt es sich aber den Genoss:innen, mit denen man eine Praxis teilt, verständlich zu machen. Wir müssen also politisch dieselbe Sprache sprechen. Auf dieser Gratwanderung darf ein offener Anarchosyndikalismus, der sich nicht an Mitgliederzahlen berauscht sondern praktische Solidarität befördert, wie Beyer-Arnesen es forderte, auch die bisher von mir kritisierten transformationstheoretischen Prämissen des (Anarcho-)Syndikalismus einer sorgfältigen Kritik unterziehen. Wir dürfen also wieder zu einer ganz grundlegend ergebnisoffenen transformatorischen Suchbewegung übergehen und zugeben, dass wir bis auf ein paar Prinzipien, viele historische und einige heutige Praxiserfahrungen fast keine Ahnung haben.
Ein Beginn ist mit dem digitalen Ausräumen von Altlasten aus dem Verdauungssystem der FAU nun hoffentlich gemacht. Viel Denkarbeit und -abwege hätten uns Fauistas erspart bleiben können, wenn Marcks offener selbstreflexiv und -kritisch mit seiner eigenen Positionierungen, seinen Interessen und notwendigen blinden Flecken vorgegangen, sich mehr auf die Erfahrungen geteilter Praxis bezogen und diese nachvollziehbar gemacht hätte, sowie theoretische Über- und Umschreibungen nicht manipulativ, sondern transparent selbstbewusst ausgestellt und in einen guten Dialog gebracht hätte, in welchem sich der eigene Beitrag auch wirklich noch für die gemachten prinzipiellen Behauptungen interessiert.
Ein Weitermachen jenseits des fortschwärenden Rumpfvermächtnisses von Holger Marcks könnte sich in der FAU konstruktiv durchaus um Probleme drehen, die er in der ‚Skizze‘ aufgeworfen, aber leider nur auf schlechte Weise beantwortet hat. Außerdem lässt sich an das wertvolle Denken von Holger Marcks aus den Jahren vor diesem merkwürdigen Text anschließen, wie ich das auch in ‚Lieber leben wir als Außerirdische‘ getan habe. Wir könnten uns im Fortgang der Transformationsdiskussion beispielsweise um folgende Fragen drehen: 1. Archäologie des freiheitlichen Föderalismus und seiner Organisierungsformen; 2. Aufbereitung der abgerissenen Debatte über einen ‚konstruktiven Sozialismus‘ u.a. in ‚Die Internationale‘ und anderen Sektionen der IAA; 3. Herstellung von Anschlussfähigkeit an heutige verwandte Suchbewegungen rund um Commoning, Planungsdebatte und anti-autoritär kommunistische Strategiebestimmungen; 4. Kartierung eines zur stabilen Mitgliedermassenorganisation alternativen Wegs anarchosyndikalistischer Organisierung im 21. Jahrhundert: des Wegs militanter Kerne und Beziehungsgeflechte in Betrieben und Branchen, der experimentellen Verstetigung syndikalistischer Kampf- und Organisationsformen als Werkzeug für die Klasse, sowie der unterstützenden Infrastrukturen. 5. Der Weiterentwicklung von Branchenstrukturen und der Form der Arbeiter:innenbörsen.
Was noch, liebe Genoss:innen? Ich wünsche uns allen große Erkenntnislust an der Kritik des Bestehenden, auch an der FAU. Letzterer Impuls zumindest lässt sich auch aus Marcks‘ ‚Skizze‘ ziehen. Für einen offenen Anarchosyndikalismus der militanten Arbeiter:innen-Unionen und der Beziehungsnetze gegenseitiger Hilfe!44
Endnoten
- Diefenbach 2018: 5 ↩︎
- Marcks 2010 ↩︎
- ebd. ↩︎
- Adamczak 2017: 76 ↩︎
- Wichtig: Im Folgenden werde ich, wie in Teil 1 dieses Epilogs, keine Zitierangaben mehr machen, wenn ich aus der ‚Skizze‘ zitiere. Das Zitat ist dann einem der drei Teile, also Marcks 2018a, 2018b oder 2019 entnommen. Wenn kursiviert bzw. in Blockzitaten invertiert wurde, ist das immer meine Hervorhebung. ↩︎
- Wer nun schon von dem Begriffsreichtum der ‚Skizze‘ verwirrt ist, der:dem empfehle ich das ‚Kleine Wörterbuch…‘, Abschnitt 2 im ersten Teil dieses Epilogs. ↩︎
- Marcks 2010 ↩︎
- Thompson 1938 ↩︎
- Siehe zu dieser Logik auch Frederik Fuß am Beispiel der Betriebsräte.
Marcks selbst benennt das Problem schon richtig, geht dann aber mal wieder in die falsche Richtung: „[V]iele ArbeiterInnen [haben] gerade mal genug Ressourcen, um sich in ihre Betriebsgruppe einzubringen, wo die konkrete Gewerkschaftsarbeit stattfindet. Auf Vollversammlungen des Syndikats müssen sie häufig passen. Gerade dort werden aber die strategischen und politischen Rahmenentscheidungen getroffen, die auf die konkrete Gewerkschaftsarbeit zurückwirken. Dass es dann nicht gerade Entscheidungen sind, die nah an den Bedürfnissen der ArbeiterInnen sind, wenn jene Versammlungen eher von Mitgliedern frequentiert werden, die in Ermangelung von Betriebsarbeit sich die Teilnahme leisten können, sollte auf der Hand liegen […] Wenn sich der Syndikalismus also nicht durch solche klassistische Mechanismen ad absurdum führen will, muss er Repräsentation beinhalten. Nur wenn Mitglieder RepräsentantInnen wählen können, von denen sie ihre Interessen vertreten sehen, ist es möglich, die für Transformationspolitik nötigen Massen einzubinden.“
↩︎ - Garneau 2020b ↩︎
- Hoffmann 1981: 12 ↩︎
- ↩︎
- LLWAA: Abkürzung für ‚Lieber leben wir als Außerirdische‘, also hier Heuholz 2026: Kapitel F, Abschnitt 7 ↩︎
- Der Bürger unterstellt zwar aktueller linker Basisorganisierung „eine Wende zum Syndikalismus“, und darin eine „Entkopplung [ihrer] Themen“ von diesem, was zu „Problemen in der Strategieentwicklung“ führe: „[D]urch das Trugbild, es handele sich hierbei um einen neuen Ansatz oder gar ein marxistisches Update, wird der Blick auf jene Erfahrungen verstellt, die diesen Ansatz in verschiedenen Kontexten und Varianten bereits praktiziert hat.“ Doch genau diese Erfahrungen gibt Marcks in der ‚Skizze‘ auch nicht wieder. ↩︎
- Leach 2005 ↩︎
- Vergleiche auch zu dieser Rationalität der „Sozialtechniker“: „Wenn Sozialismus gleichbedeutend mit der Statik des Plans geworden war, dann bestand die einzige Möglichkeit, wirkliche Veränderung zu erfahren und zu bewirken, im Kampf gegen das, was noch nicht geplant war.“ (Adamczak 2017: 43) So meinte ein ehemaliger Aufbaukader unseres Syndikats schon fast aus dem Off über laufende inhaltliche Diskussionen paraphrasiert: „Am Anfang hatten wir einen Plan, solange wir uns an den hielten hatten wir Erfolg, aber jetzt wird davon abgewichen und alles kaputt gemacht!“ ↩︎
- Tsveyfl 2023.
Vergleiche zu einem entsprechend anderen ‚Politik‘-Verständnis beispielsweise Murray Bookchins Programmatik, in welcher sich
„Mittel und Zweck zu einer rationalen Einheit [vereinen]. Der Begriff ‚Politik‘ steht nun für die direkte Kontrolle der Gesellschaft durch ihre Bürger, indem in kommunalen Versammlungen eine echte Demokratie erreicht und aufrechterhalten wird – im Gegensatz zu republikanischen repräsentativen Systemen, die den Bürgern das Recht vorenthalten, kommunale und regionale Politik zu gestalten. Eine solche Politik unterscheidet sich radikal von der Staatsführung und dem Staat als einer professionellen Institution, die sich aus Bürokraten, Polizei, Militär, Gesetzgebern und dergleichen zusammensetzt und als Zwangsapparat existiert, der sich deutlich vom Volk abhebt und über diesem steht. Der libertäre kommunalistische Ansatz unterscheidet zwischen Staatsführung – die wir heute üblicherweise als „Politik“ bezeichnen – und Politik, wie sie einst in vorkapitalistischen demokratischen Gemeinschaften existierte.
Darüber hinaus beinhaltet der libertäre Kommunalismus auch eine klare Abgrenzung des sozialen Bereichs – ebenso wie des politischen Bereichs – im strengen Sinne des Begriffs ’sozial‘: insbesondere des Raums, in dem wir unser Privatleben führen und produktiv tätig sind. Als solcher ist der soziale Bereich sowohl vom politischen als auch vom staatlichen Bereich zu unterscheiden. Die austauschbare Verwendung dieser Begriffe – sozial, politisch und Staat – hat enormen Schaden angerichtet. Tatsächlich bestand die Tendenz, sie in unserem Denken und in der Realität des Alltags miteinander gleichzusetzen. Doch der Staat ist eine völlig fremde Formation, ein Stachel im Fleisch der menschlichen Entwicklung, eine exogene Einheit, die unaufhörlich in den sozialen und politischen Bereich eingedrungen ist. Oftmals war der Staat sogar ein Selbstzweck, wie der Aufstieg asiatischer Reiche, des antiken kaiserlichen Roms und des totalitären Staates der Neuzeit beweist. Darüber hinaus hat er stetig in den politischen Bereich eingedrungen, der trotz all seiner früheren Unzulänglichkeiten Gemeinschaften, soziale Gruppierungen und Individuen gestärkt hatte.“ (https://theanarchistlibrary.org/library/murray-bookchin-libertarian-municipalism-an-overview#toc2)
↩︎ - Heute, 2026, klingt das bei Holger Marcks beispielsweise so:„In Zeiten, in denen sich eine neue Öffentlichkeit herausbildet, die zwangsläufig den politischen Diskurs so emotionalisiert, dass es tatsächlich immer schwerer wird, stabil zu regieren, und Polarisierungsdynamiken entstehen, ist es durchaus sinnvoll, Institutionen oder auch Netzwerke zu schaffen, die versuchen, zivilisierend auf den Diskurs einzuwirken.“ Um solchen Platitüden überhaupt Publikationswert beizuordnen, braucht es schon einen gewesenen Anarchisten. Spicy!
↩︎ - Vergleiche zu Marcks‘ Ähnlichkeiten mit den gescholtenen „Marxologen“ und seine Abkehr vom Anarchismus: „‚Das Ziel der Jakobiner‘, so Malatesta, ‚und aller autoritären Parteien, die glauben, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein, besteht darin, den unwissenden Massen ihre Ideen aufzuzwingen. Daher müssen sie, selbst wenn sie aufrichtig sind und kein Streben nach persönlicher Herrschaft im Spiel ist, alles daran setzen, die Macht zu ergreifen, die Massen zu unterwerfen und die Menschheit auf das Prokrustesbett ihrer Konzepte zu zwängen‘. Für Malatesta beruhte der Einsatz autoritärer Mittel zur Erreichung emanzipatorischer Ziele auf dem Anspruch der Akteure, über überlegenes Wissen zu verfügen, wie es bei den Marxisten der Fall war, die politische Macht als ein Mittel befürworteten, das letztendlich aufgegeben werden sollte.
Für die Anarchisten war eine solche Anmaßung von Wissen unbegründet, und autoritäre Mittel konnten auch nicht aufgegeben werden. Dies war der Kern ihrer These über den sich selbst erhaltenden Charakter des Staates. Beide Argumente wurden von Bakunin in seiner Kritik an der marxistischen Staatstheorie ausführlich dargelegt und von Malatesta aufgegriffen und weiter ausgearbeitet. […] Zusammenfassend lehnten die Anarchisten die Idee des social engineering als Mittel zur Emanzipation als fehlgeleitet ab, da sie die Macht des wissenschaftlichen
Wissens überschätzt und eine privilegierte Elite schafft. Das Eigeninteresse dieser Elite, der hohe Stellenwert, den die Elite ihrer eigenen Führungsrolle für das
Gemeinwohl beimessen würde, sowie die unvorhergesehenen Nebenwirkungen ihres Handelns auf die Gesellschaft würden allesamt dazu beitragen, dass die Elite immer mehr Energie auf repressive Funktionen verwendet und sich durch die Schaffung einer privilegierten Klasse um sich herum selbst erhält […]
Weit davon entfernt, bloß ein abstraktes Dogma zu sein, das fernab von
empirischen Gegebenheiten steht, beruhte das Prinzip der Kohärenz zwischen Zielen und Mitteln auf stichhaltigen Gründen […] Das Prinzip der Kohärenz zwischen Zielen und Mitteln unterschied sich insbesondere in dreierlei Hinsicht vom marxistischen Ansatz. Erstens wies es den Anarchisten eine bescheidenere Rolle zu, als die Marxisten sich selbst zuschrieben. Wie Malatesta feststellte, glaubten die Anarchisten nicht, dass Freiheit und Glück den Menschen von einer Einzelperson oder einer Partei geschenkt werden könnten, sondern dass alle Menschen selbst die Bedingungen ihrer Freiheit und ihres Glücks entdecken und erringen müssten. Zweitens beinhaltete es eine konservativere und vorsichtigere Haltung gegenüber der Wissenschaft, wie das Misstrauen der Anarchisten gegenüber der Idee des Social Engineering durch intellektuelle Eliten verdeutlicht. Drittens zeigte es eine größere methodologische Raffinesse hinsichtlich der Auswirkungen zielgerichteten sozialen Handelns, im Gegensatz zur unkritischen marxistischen Sichtweise auf das positive Ergebnis eines Arbeiterstaates.“ (Turcato 2013: 22–25)
↩︎ - „Nach anfänglicher Mitgliedschaft in der sozialdemokratischen Jugendorganisation SAJ wechselte Herbert Wehner zunächst 1923 zu den jungen Anarchosyndikalisten der SAJD, die er 1926 verließ, um Mitglied einer anarchistischen Organisation zu werden. Nachdem er auch diese wieder verlassen hatte, trat er 1927 der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) bei […] 1946 wurde Wehner zu einem der führenden Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Wegen seiner Vergangenheit blieb er aber offiziell meist in der zweiten Reihe, etwa als stellvertretender Partei- und Fraktionsvorsitzender. Auch wenn er erst spät zu den Reformern stieß, unterstützte er als Parteiorganisator maßgeblich den Wechsel der Partei weg von einer Klientelpartei hin zu einer Volkspartei und das Bekenntnis zu Westintegration, Marktwirtschaft und Bundeswehr.“ (Wikipedia)
↩︎ - Quelle folgt, wenn der Rocker-Artikel auf der DA hochgeladen ist ↩︎
- Siehe auch: „Nun mag es berechtigte Kritik an den formalen Strukturen anarchosyndikalistischer Gewerkschaften geben, er führt hier Vollversammlungen an, aber auch Sekretariate mit geringen Entscheidungskompetenzen, doch Marcks ist nicht daran gelegen, auf eine konstruktive Weise Wege zu finden, um die Partizipation zu verbessern, damit Menschen in der Organisation eingebunden sind, sondern er will den Prozess des Ausschlusses aus der organisatorischen Arbeit vorantreiben und verstetigen. Nach Marcks soll nicht versucht werden, diejenigen mit wenig Zeit besser einzubinden, sondern sie sollen sich direkt damit begnügen, ihre Stimme abzugeben.“ (Tsveyfl 2023)
↩︎ - Siehe weiter: „Die seltsame Verwendung des Begriffs ‚Basis‘, auf die wir uns beziehen, machen am häufigsten die Kommunist:innen und andere Anhänger:innen des ‚Führungsprinzips‘. Nun ist das ‚Führungsprinzip‘ – die Idee, dass wir uns Führer:innen aussuchen und ihnen folgen sollten, und dass wir unsere Probleme durch den Wechsel von Führer:innen zu beheben suchen – das direkte Gegenteil der Basisidee. Es ist in der Tat merkwürdig, dass gerade diejenigen, die diesen ‚der fuehrer‘-Plan einer Organisierung befürworten, überhaupt jemals die ‚Machtausübung durch die Basis‘ einfordern […] Erstens gibt es in unseren Reihen keine Unterteilung in Funktionär:innen und Basismitglieder. Es gibt kein Beamtentum. Wir haben Sekretär:innen (‚officers‘), einige ehrenamtlich, andere auf der Gehaltsliste, einige widmen sich voll und ganz der Arbeit der I.W.W., andere nur in ihrer Freizeit nach der regulären Arbeitszeit. Keiner von ihnen ist über viele Jahre im Amt. Die verschiedenen Amtszeiten reichen von drei Monaten bis zu einem Jahr, und in keinem Fall kann ein Mitglied mehr als drei aufeinander folgende Amtszeiten ausüben.
Unsere Mitglieder werden also in ihr Amt gewählt und wieder abgewählt. Würden sie ein Leben lang im Amt bleiben, wie es in vielen Gewerkschaften der Fall ist, würden sie zweifellos ‚von der Verantwortung des Amtes ernüchtert werden und ihren revolutionären Drang der Notwendigkeit unterordnen, den Organisationshaushalt auszugleichen‘. Aber sie bleiben nicht, und während dieser Amtszeit betrachten sie die Probleme der Organisation auf die gleiche Weise wie der Rest der Mitglieder. Umgekehrt haben so viele unserer Mitglieder, die zu einem bestimmten Zeitpunkt kein offizielles Amt innehaben, solche Ämter bekleidet, dass der Standpunkt dieser Mitglieder weitgehend auf einer Erkenntnis der Probleme beruht, mit denen die Sekretär:innen einer Gewerkschaft konfrontiert sind.“ (Thompson 1938)
↩︎ - Tsveyfl 2023 ↩︎
- Solidarity Federation 2024 ↩︎
- Ein sehr richtiges und drängendes ist Folgendes: „Im neoanarchistischen Denken gilt es als hoher Wert, ja fast schon als Essenz von Emanzipation, dass Menschen Aufgaben übernehmen und persönlich daran reifen können. Damit wird letztlich sogar begründet, dass Aufgaben häufig rotieren sollen und Kompetenzanforderungen erstmal nicht so wichtig seien. Während dieser Fetisch individueller Selbstentfaltung in Kleinstgruppen ohne nennenswerte Praxis noch sozialverträglich funktionieren mag, haut das in Zusammenhängen mit gewachsener Verantwortung (z.B. hohes Finanzaufkommen, juristische Risiken, Arbeitskämpfe, wo es um Existenzen geht usw.) bei Weitem nicht hin. Vielmehr existieren hier notwendigerweise hohe Anforderungen an die Aufgaben als auch ein sozialer Druck, diese hinreichend zu erfüllen. Wo Leuten solche Aufgaben anvertraut werden, denen sie nicht gewachsen sind, reifen sie nicht, sondern werden verheizt. Und zugleich fördert es die Frustration bei denen, die etwa viel Lebenszeit in den Aufbau von etwas gesteckt haben, das durch eine schlechte Mandatsausführung zurückgeworfen oder gar zunichtegemacht wird, so wie auch Mitglieder, die für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen eine belastbare Organisation benötigen, die nicht ständig wie ein Kartenhaus zusammensackt, davon verprellt werden.“
↩︎ - Leach 2005 ↩︎
- ebd. ↩︎
- Voss, Sherman 2020 ↩︎
- ebd. ↩︎
- ebd. ↩︎
- Vgl.: Adamczak 2017 ↩︎
- ebd.: 226 ↩︎
- Vergleiche: „Die Äußerung von Meinungen, Widerspruch, Kritik und sogar Unzufriedenheit ist für die organisatorische Demokratie von entscheidender Bedeutung. Dass Mitglieder ihre Meinung äußern können und dies auch tun und dass sie sich nicht gefügig verhalten, setzt eine ganze Reihe günstiger Bedingungen voraus– die alternative und demokratische Organisationen bieten können. Man kann sich vorstellen, dass das Vorhandensein von Bedingungen wie demokratischen Institutionen, egalitären Führungs- und Leitungsstilen sowie einer selbstbewussten Organisationskultur die Denkweisen, Einstellungen und das Verhalten der Mitglieder in Richtung einer ‚demokratischen Mentalität‘ erheblich prägen kann. Darüber hinaus könnten Schulungen angeboten werden, um die Führungs-, demokratischen und politischen Kompetenzen der Menschen zu entwickeln und um die möglicherweise jahrzehntelange soziale Konditionierung zu gehorsamen Untergebenen zu überwinden.“ (Diefenbach 2018: 12f.)
↩︎ - Heuholz 2026 ↩︎
- Van Eikels 2020.
Wer in Deutschland wie Marcks respektabel den Rechtsradikalismus erforschen und zuweilen auch mit Vertretern des Verfassungsschutzes in der Arena eines bürgerlichen Politischen herumgaloppieren will, der muss sich dann wohl auch das passende ideologische Hufeisen annageln. „Allerdings sollte man nicht unterschätzen, dass Sozialwissenschafter geneigt sein könnten, die Ergebnisse zu liefern, die von ihnen erwartet werden oder die sie von sich selbst erwarten.“ (Marcks 2026) Hier kehrt sich für den ‚Außerirdischen‘, den Absprung geschafft und im akademischen PMF-Wachturm auf der ‚Erde‘ angekommen, das obige Verhältnis um: Gewesene Genoss:innen liefern als ehemalige Profis gesellschaftlicher Veränderung anderen Ordnungsproduzent:innen Informationen, Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen als bestelltes Produkt. Dieses braucht nun seine Herkunft aus bestimmten ‚Arbeitsprozessen‘ gerade nicht unsichtbar zu machen. ↩︎ - Rocker 1947
↩︎ - Besonders ulkig wurde der selbst-reflexive „NGO-Mitarbeiter“ letztens: „[D]ie Bedrohungserzählung einer ernsthaften Gefährdung der Demokratie [wird] vom linken Lager in die Öffentlichkeit getragen, und manche Nichtregierungsorganisationen malen diese Gefahr ständig aus […] Denn die Existenzberechtigung der NGO hängt ja davon ab, dass die Gefahr von rechts dauerhaft in der Öffentlichkeit präsent ist. Die Akteure rationalisieren sich die Welt so, dass es mit ihren eigenen Interessen zusammenfällt. Das sollten wir seit Max Weber wissen.“ (Marcks 2026)
Da mag irgendwas dran sein – nur gehörte doch auch der Bürger in der Vergangenheit genau zu jenen akademischen Blattläusen, die zu Rechtsextremismus forschten und dafür Staatsgelder absaugten. Aber darüber sind wir erhaben, über so irdische Dinge. Nun, 2026, dürfen wir dann erleben, wie Holger Marcks sich als Verfassungsschützer ganz offen wiederum gegen „Linksradikale“ wendet. Hat er sich am Rechtsextremismus geübt, wendet er sein politisches Handwerkszeug auf der anderen Hufeisenseite an und wiederholt dabei rechte Verschwörungserzählungen in seiner Argumentation. (Vgl. ebd.)
Hier meint er dann auch, in die andere Richtung mit seinem aktivistischen „Erfahrungswissen“ auftrumpfen zu können: „In den sozialen Netzwerken wird mir auch gelegentlich vorgeworfen, dass ich den Rechten in die Hände arbeite oder gar rechte Narrative verbreite. Allerdings schützt mich meine sehr eindeutige linke Biografie gegen allzu plumpe Versuche, mich zu diskreditieren.“ Keine Massenorganisierung ohne ‚die Mitte‘. Ach Holger, hoffentlich müssen wir nicht irgendwann davon lesen, dass du Robert Michels auch biographisch noch weiter nachgeifert hast. Die Chancen stehen, im Verbund mit der Normalisierung der Faschisierung der Gesellschaft, aber nicht schlecht für solche wendehalsigen Akademiker.
↩︎ - The Communist Group 2019: 59 ↩︎
- Životić 2020 ↩︎
- ebd. ↩︎
- The Communist Group 2019: 39 ↩︎
- Solidarity Federation 2024 ↩︎
- Tschüs Leute, das wars mit dem Franz-Heuholz-Pseudonym. Mir sehn uns auf den Barrikaden, auch bekannt als dröge Strukturdebatten in der FAU :-). ↩︎
Quellen
Adamczak, Bini. 2017. Beziehungsweise Revolution: 1917, 1968 und kommende. Berlin: Suhrkamp Verlag.
Beyer-Arnesen, Harald. 1998. https://theanarchistlibrary.org/library/harald-beyer-arnesen-anarcho-syndicalism-a-historical-closed-door-or-not#toc6
Diefenbach, Thomas. 2018. Why Michels’ ‘iron law of oligarchy’ is not an iron law – and how democratic organisations can stay ‘oligarchy-free’. Organization Studies 1-18.
Garneau, Marianne. 2020b. Big Strikes. https://organizing.work/2020/11/big-strikes-and-the-sabotage-of-the-labor-movement/
Hoffmann, Rainer-W. 1981. Arbeitskampf im Arbeitsalltag. Campus Verlag.
Kapfinger, Emanuel. 2017. Wir brauchen eine Diskussion über die Karriereplanung der linken Studis. https://lowerclassmag.com/2017/03/13/wir-brauchen-eine-diskussion-ueber-die-karriereplanung-der-linken-studis/
Leach, Darcy K. 2005. The Iron Law of What Again? Conceptualizing Oligarchy across Organizational Forms. Sociological Theory, Vol. 23, No. 3 (Sep., 2005), Seiten 312-337
Loick, Daniel. 2017. Anarchismus: Zur Einführung. Hamburg: Junius Verlag.
Michels, Robert. 1911. Zur Soziologie des Parteiwesens in der modernen Demokratie. Untersuchungen über die oligarchischen Tendenzen des Gruppenlebens. Leipzig
Marcks, Holger. 2010. Union Dynamite. https://direkteaktion.org/2010/04/198-union-dynamite/
Marcks, Holger. 2018a. Skizze eines konstruktiven Sozialismus (Teil 1). https://direkteaktion.org/2018/09/skizze-eines-konstruktiven-sozialismus-teil-1/
Marcks, Holger. 2018b. Skizze eines konstruktiven Sozialismus (Teil 2). https://direkteaktion.org/2018/10/skizze-eines-konstruktiven-sozialismus-teil-2/
Marcks, Holger. 2019. Skizze eines konstruktiven Sozialismus (Teil 3). https://direkteaktion.org/2019/09/skizze-eines-konstruktiven-sozialismus-teil-3/
Marcks, Holger. 2026. Wie der «Kampf gegen rechts» ausufert: Ein Mitarbeiter einer linken NGO erhebt schwere Vorwürfe. https://archive.is/B9N1f#selection-253.0-253.95
Rocker, Rudolf. 1947. Die Möglichkeit einer anarchistischen und syndikalistischen Bewegung. https://anarchistischebibliothek.org/library/rudolf-rocker-die-moglichkeit-einer-anarchistischen-und-syndikalistischen-bewegung
Schapiro, Alexander. 1932. Die Politik der Internationale. https://direkteaktion.org/2026/04/die-politik-der-internationale/
Solidarity Federation. 2024. Wir kämpfen für uns selbst. Anarcho-Syndikalismus & Klassenkampf. Syndikat-A.
The Communist Group. 2019. We unhappy few. https://endnotes.org.uk/articles/we-unhappy-few.pdf
Thompson, Fred. 1938. Rank and File Rule. https://libcom.org/article/rank-and-file-rule-what-it-and-what-it-isnt-fred-thompson
Tsveyfl. 2023. Revisionistischer Syndikalismus. https://www.tsveyfl.de/revisionistischer-syndikalismus
Turcato, Davide. 2013. Making Sense of Anarchism. AK Press.
Van Eikels, Kai. 2020. Das Archiv und Chancen auf eine nichtbürgerliche Öffentlichkeit. https://seminare-sose2020.ji’militante Dachorganisation’free.com/7-%C3%B6ffentlichkeiten-f%C3%BCr-das-archiv/
Voss, Sherman. 2000. Breaking the Iron Law of Oligarchy: Union Revitalization in the American Labor Movement. American Journal of Sociology, Vol. 106, No. 2, Seiten 303-349.
Životić, Miladin. 2020. Proletarischer Humanismus. Syndikat A.
Des Titelbild isch aus einem Video von der CNT.

