Die Arbeiterbörsen des Syndikalismus (1923)
I. Allgemeines
Nachdem die Richtlinien der Studienkommission der Berliner Arbeiterbörse nunmehr längere Zeit zur Diskussion und Kritik vorliegen, kann gesagt werden, daß Widersprüche gegen dieselben von keiner Seite erhoben worden sind. Nur einige Aeußerungen sind erschienen, die Ergänzungen und weitere Anregungen enthielten. Von einer Seite war bemängelt worden, daß die Richtlinien lediglich die wirtschaftliche Seite ins Auge gefaßt hätten, ohne genügend die geistige und kulturelle Entwicklung zu berücksichtigen. Dazu ist zu bemerken, daß der Syndikalismus doch in erster Linie eine Beseitigung der jetzigen privatkapitalistischen, wirtschaftlichen und staatlichen Verhältnisse und die Organisation des gesamten wirtschaftlichen Lebens durch die Gewerkschaften erstrebt, und daß daher die Richtlinien in erster Linie diese wirtschaftlichen Aufgaben skizzieren sollten. Nebenbei ist ja dann auch in den Richtlinien gesagt worden, daß die geistige Entwicklung sich nicht voraussehen und vorausbestimmen läßt, daß sich diese parallel mit der Aenderung der wirtschaftlichen Verhältnisse vollziehen wird. Weiter hatte dieser Kritiker Zweifel darüber ausgedrückt, ob denn auch alles so kommen wird, wie in den Richtlinien ausgeführt. Das ist natürlich nicht vorauszusehen, ist auch von der Studienkommission nicht angenommen worden. Mit solchen Richtlinien soll nur ein möglicher Weg zu einem erwünschten idealen Ziel vorgezeichnet werden. Die Entwicklung selbst vollzieht sich in so verschiedenartigen, nicht vorauszusehenden Formen, daß es unmöglich ist, bis ins kleinste die Möglichkeiten und Notwendigkeiten des späteren Handelns vorauszusehen. Aber solche Richtlinien, die Kenntnis und Diskussion derselben, können der Entwicklung wenigstens die Richtung zum Ziele geben, und kann durch dieselben schließlich mehr oder weniger von dem Ideal erreicht werden. Das bedeutet der Begriff „Studie“ und so können auch alle Ergebnisse von Studienkommissionen nur betrachtet werden.
Von anderer Seite ist angeregt worden, zunächst durch sorgfältig ausgearbeitete Fragebogen ein genaues Bild der geistigen Fähigkeiten und Kenntnisse unserer Mitglieder zu gewinnen, um daraus Schlüsse für die wichtigste Bildungsarbeit ziehen und eine bestmöglichste Auswahl unter den Genossen für die verschiedenen Aufgaben treffen zu können. So gut diese Absicht an sich ist, so unmöglich ist es, eine solche Statistik überhaupt zusammenzubringen. Denn geistiges Vermögen und Können läßt sich überhaupt nicht messen und statistisch erfassen. Ueberdies stände diese ungeheure Arbeit in gar keinem Verhältnis zu dem Effekt, welchen man erzielen könnte. Wer soll denn nach den statistischen Ergebnissen die Verteilung der Rollen vornehmen? Und es ist auch gar nicht gesagt, daß ein Mensch, der über keinerlei aufzählbares Wissen verfügt und bisher keine besonderen Fähigkeiten offenbart hat, nicht doch nach Beteiligung an bestimmten Arbeiten auch Fähigkeiten hierfür entwickelt. Die beste Aussicht für ein erfolgreiches Arbeiten auf den verschiedenen Gebieten bietet die Methode, die Mitglieder zu wählen, die sich freiwillig für die betreffende Aufgabe melden. Wer Lust und Liebe zu einer Sache hat, der ist auch meist befähigt für dieselbe. Und was die Art der Bildungsarbeiten betrifft, so gibt es in der Beziehung eigentlich nichts Unbekanntes. Wenn viel Bildungsmöglichkeiten für die Mitglieder geboten werden, dann gruppieren sich schon von selbst wiederum freiwillig diejenigen zu den Kursen und Veranstaltungen, die am meisten das Bedürfnis und die Befähigung dazu fühlen. Also es kann nach beiden Richtungen hin sofort mit der praktischen Arbeit begonnen werden, ohne daß diese statistische Vorarbeit notwendig ist.
Aus der Tatsache, daß prinzipielle Einwendungen gegen die Richtlinien nicht erhoben worden sind, kann geschlossen werden, daß mit denselben im allgemeinen das Richtige getroffen worden ist. Es ist nun an der Zeit, daß im Sinne der Richtlinien weiter gearbeitet wird. Dazu sollen die folgenden Skizzen Anregungen geben.
Bei allen Erwägungen in Studienkommissionen ist stets im Auge zu behalten, daß es sich um die Organisation der neuen, freien Gesellschaft nach dem siegreichen Generalstreik oder nach einer anderen siegreichen Aktion des Proletariats handelt. Daß also Arbeiten und Aufgaben, wie sie durch das Geld- und Lohnsystem des jetzigen kapitalistischen Staates bedingt sind, nicht in Frage kommen. Es hat also keinen Zweck, Preis- oder Lohnkalkulationen aufstellen zu wollen oder auch schon jetzt Inventuren aufzunehmen. Auch der Versuch, schon jetzt Materialaufnahmen zu machen, ist zwecklos. Alle Faktoren, Rohmaterial, Halb- und Fertigfabrikate, Arbeitskräfte, Maschinen, ändern sich nämlich immerwährend und unterliegen der kapitalistischen Verschleierung und Verfälschung, solange das Profitsystem existiert. Wir müssen es aus dem Grunde, weil wir eine ganz andere Verwaltungs- und Produktionsweise durchführen wollen, auch für völlig zwecklos halten, beispielsweise in die Arbeitsweise und Methoden der heutigen Produktion einzudringen. Verfehlt ist es also, sich mit Fragen der Buchführung, Betriebsverwaltung im heutigen Sinne, Rentabilität u. dgl. zu befassen, wie es von den Zentralgewerkschaften, der Betriebsrätezentrale und anderen sozialdemokratischen Organisationen geschieht. Bestandaufnahmen sind allerdings sofort nach der Ablösung der kapitalistischen Wirtschaft auf allen Gebieten notwendig, können aber auch erst dann einigermaßen richtig durchgeführt werden. Heute wäre es weiter nichts wie Spielerei. Man braucht bloß an die Lebensmittel- und Materialaufnahmen durch den Staat seit der Kriegszeit zu denken, um zu erkennen, daß alle heutigen Statistiken falsch und darum unbrauchbar sind. Außer den rationierten Mengen konnte jedermann das gleiche Quantum kaufen, sofern er in der Lage war, die Preise zu bezahlen.
Eine Ausnahme besteht in bezug auf das Wohnungswesen. Hier läßt sich nicht soviel fälschen. Die Anzahl der Wohn- und Geschäftshäuser in jedem Orte ist bekannt, nur in bezug auf die Angabe der Wohnungsgröße können Fälschungen vorgenommen werden. Das sind aber nur kleine Fehler, die später höchstens ein etwas besseres Resultat ergeben, also nichts schaden. Ebenso ist die Anzahl der Einwohner, und zwar Familien, Männer, Frauen und Kinder, bekannt. Da die Wohnungsfrage die brennendste ist, lassen sich Vorarbeiten hierfür auf Grund der heutigen Statistiken machen.
Die wichtigsten Fragen sind: die Regelung der Konsumtion ohne das Kaufwesen, also die Verteilung, dann die Umstellung der Industrie in Bedarfswirtschaft statt der heutigen Profitwirtschaft, die Beseitigung des Lohnsystems, schließlich die Versorgung der Landwirtschaft mit Bedarfsgegenständen und das Bekommen der Lebensmittel von der Landwirtschaft ohne Geldsystem.
Es ist also viel wichtiger, allgemeine Maßnahmen vorzusehen, die diesen Aufgaben gerecht werden, als genaue Einzelheiten über alles mögliche in bezug auf den Betrieb der Fabriken oder dergleichen auszuknobeln. Die kleinen Nebensächlichkeiten kann man überdies nicht voraussehen, und dann regeln sich dieselben auch leicht von selbst, wenn die großen Richtlinien richtig sind.
Es ist auch ganz verständlich, wenn in der ersten Zeit vielfach noch falsche Ansichten über die Aufgaben der Studienkommissionen vorherrschen und falsche Wege eingeschlagen werden. Das wird sich aber allmählich abschleifen.
Durch Studium zur Klarheit, Durch Klarheit zur Wahrheit, Durch Wahrheit zum Ziel.
Die Hauptsache ist, daß zu allen Studienkommissionen befähigte und mit der syndikalistischen Weltanschauung vertraute Genossen ausgewählt werden. Keine Neulinge in unserer Bewegung, die noch mit einem Fuße im reformistischen oder individual-anarchistischen Fahrwasser segeln. Solche Elemente stören und verhindern natürlich die Durchführung von syndikalistischen Plänen. Ganz von selbst sollten solche Personen an diesen Arbeiten nicht teilnehmen, da sie ja nicht an die Möglichkeit und an die Sieghaftigkeit unserer Ideen glauben oder sie wenigstens noch nicht genügend kennen. Jedes Mitglied einer Studienkommission muß mit unseren theoretischen Anschauungen vertraut sein, unsere Broschürenliteratur kennen und ebenso die drei Bücher: „Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt“, „Die Eroberung des Brotes“ und „Landwirtschaft, Industrie und Handwerk“ von Kropotkin gelesen haben.
Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, dann wird auch der Erfolg der Arbeit nicht ausbleiben.
II. Die ersten Vorarbeiten für die späteren Gliederungen
Die Richtlinien der Studienkommissionen der Berliner Arbeiterbörse (in Zukunft kurz Richtlinien genannt) haben in Uebereinstimmung mit unserem organisatorischen Aufbau die Weiterarbeit nach zwei Richtungen hin vorgeschlagen. Erstens die verwaltungstechnischen Aufgaben in der Kommune, also vornehmlich die örtliche Regelung der Konsumtion und der Verteilung und zweitens die Aufgaben der Föderationen, also vornehmlich die Regelung der Produktion. Es sind auch bereits Vorschläge darüber gemacht worden, wie sich diese beiden getrennten Arbeitsgebiete voraussichtlich wieder untergliedern müssen, um schließlich alle Aufgaben zu erfassen.
In den Richtlinien konnten zunächst nur ganz allgemeine Vorschläge für die verschiedenen Arbeiten gemacht werden, infolgedessen ist jeder einzelne Abschnitt kurz und anregend, aber nicht ausführlich. Da aber alle Kommissionen möglichst nach einheitlichen Grundsätzen aufbauen müssen, wenn ein brauchbares, miteinander in Einklang stehendes Resultat erreicht werden soll, so erscheint es notwendig, daß zunächst wieder zwei allgemeine Studienkommissionen eingesetzt werden, eine von der Börse für die erste Aufgabe und eine zweite von den Föderationen gemeinsam für die zweite Aufgabe, um wieder erst Vorschläge auszuarbeiten, in welcher Weise die verschiedenen Kommissionen der Börse und die verschiedenen Föderationen getrennt einheitliche Beratungen durchführen können. Dadurch erst, daß die verschiedenen Kommissionen bestimmte Aufgaben zugewiesen bekommen, werden sie wissen, wie und wo sie zu beginnen haben, in welcher Form ungefähr die Leitsätze aufzubauen und mit welchen Mitteln sie durchführbar sind. Diese beiden verschiedenen Vorarbeiten für die späteren Kommissionsberatungen können natürlich auch von einer größeren Studienkommission aufgestellt werden, oder es können die beiden Studienkommissionen für beide Zwecke auch gemeinsam arbeiten, aber beide Aufgaben müssen getrennt für sich erledigt und die Resultate jedes für sich zusammengefaßt werden, da ganz verschiedene Aufgaben zu lösen sind. Vielleicht wäre es sogar besser, wenn dieselbe Kommission beide Leitfäden hintereinander aufstellt, das kommt ganz darauf an, ob dies örtlich und zeitlich möglich ist.
Zunächst soll jetzt die Frage erörtert werden, mit welchen Studien sich die erste Kommission, für die örtlichen Aufgaben, zu befassen haben wird. Es wird sich dabei vornehmlich um die weitere Ausgestaltung der in den Abschnitten A, B und G der Richtlinien enthaltenen Ideen handeln. Nach mehrmaligem Studium dieser Kapitel ist eine ausführliche Generaldiskussion durchzuführen. Man darf bei solchen Studienarbeiten nicht von der Voraussetzung ausgehen, schnell fertig werden zu wollen, man muß sich umgekehrt soviel Zeit lassen, daß immer erst weitergegangen wird, wenn sich alle klar über das Besprochene geworden sind. In der Generaldebatte muß zunächst Klarheit darüber geschaffen werden, wie der abschnittweise Aufbau der Richtlinien gegliedert werden soll, um dann jeden einzelnen Abschnitt für sich diskutieren und beraten zu können. Es kann hier kein Vorschlag gemacht werden, in welche Kapitel der ganze Stoff einzuteilen ist, das kann erst die praktische Beratung ergeben. Wenn sich am Schlüsse oder im Laufe der Beratungen herausstellen sollte, daß eine andere Gliederung, als anfangs geplant, besser ist, dann muß natürlich die Anordnung geändert werden.
Zunächst wird man sich klar darüber werden müssen, wie die Gewerkschaftsmitglieder am Orte, also die Börsenmitglieder, in Bezirke untergeteilt werden können; damit der föderative Charakter gewahrt bleibt und trotzdem ein einheitliches Hand-in-Hand-Arbeiten aller Gruppen gewährleistet ist. Es müssen permanente Beratungen der Vertreter der einzelnen Bezirke vorgesehen werden, die Organisation muß sich von Wohnung zu Straße, von Straße zu Bezirk, von Bezirk zu Stadtteil, von Stadtteil zur Börse aufbauen. Wahrscheinlich wird man sich hierbei an die Erfahrungen mit der bisherigen Bezirkseinteilung halten können, nur systematisch ausgebaut muß dieses System werden.
Dann wird man beraten müssen, wie Punkt A der Richtlinien durchführbar ist. Dabei wird geprüft werden müssen, ob die Arbeiter während des Generalstreiks in den Fabriken bleiben oder später hineingehen, um die Produktion unter ihrer eigenen Verwaltung wieder aufzunehmen.
Dann muß das ganze Problem der praktischen Führung des Generalstreiks gründlich geprüft werden. Der Generalstreik bedeutet nach unserer Auffassung nicht bloß das Ruhenlassen der Arbeit, sondern gleichzeitig die Versorgung der streikenden Arbeiterschaft mit Lebensmitteln und vor allem die schnellste Wiederaufnahme der Arbeit oder auch die sofortige Weiterführung der Betriebe im sozialistischen Sinne. Nach der Richtung sind alle Möglichkeiten zu erwägen.
Ferner wäre zu prüfen, wie die Haussuchungen nach Waffen und deren Vernichtung durchführbar sind, und wie ferner eine Neueinteilung der Wohnungen am schnellsten und praktischsten in die Wege zu leiten ist. Nur durch das Auswechseln der Wohnungen läßt sich nämlich verhüten, daß gewisse Elemente Mittel und Wege zu Aktionen suchen und finden.
Schließlich wäre zu untersuchen, wie ein möglichst großer Teil des städtischen Proletariats auf das umliegende Land, in weitestem Umkreise, planmäßig zu verteilen ist, um dort die Landarbeiter mit Rat und Tat zu unterstützen. Da die Verhältnisse auf dem Lande einfacher sind, wie in der Stadt, erscheint ein Plan für das Land in der Beziehung nicht notwendig.
Eine weitere Frage von Bedeutung wird sein, wie die heute zentralistisch funktionierenden Betriebe, wie Schlachthöfe, Kühlhallen usw. unter Wahrung des föderalistischen Prinzips, in die Verwaltung der respektiven Föderation zu nehmen sind. Es gehen hierbei kommunale Angelegenheiten in solche der Föderationen über. Hier muß Genossenschaftsarbeit einsetzen. Die Hauptschwierigkeit wird aber das Problem sein, auf welche Weise schnellstens ein Nachschub von Lebensmitteln aus den ländlichen Distrikten in die Städte zu ermöglichen ist. Die Vorräte der Großstädte sind bekanntlich nur gering, die Aktion der Umgestaltung wird vielleicht Wochen dauern, während welcher alle Vorräte verbraucht werden. Hierbei ist Abschnitt E der Richtlinien zugrunde zu legen.
Auch über die Art und Weise der Verteilung der Lebensbedürfnisse müssen noch nähere Einzelheiten in Aussicht genommen werden, wenngleich in der Beziehung die Anregungen in den Richtlinien schon ziemlich ausführlich sind. Nach den Erfahrungen in Rußland erscheint es als das richtigste, von Anfang an allen Personen ohne Unterschied der bisherigen Klasse gleiche und volle Lebensunterhaltung zu gewährleisten. Erst wenn die Organisierung der Wirtschaft eingeleitet ist, kann eine Auslese solcher Elemente erfolgen, die eine gemeinschädliche Haltung einnehmen. Dann kann man ja erst erkennen, ob einzelne die Mitwirkung an dem so notwendigen Aufbau verweigern.
Für alle diese und die übrigen in den Richtlinien niedergelegten Aufgaben sind also Leitsätze aufzustellen, nach welchen dann vollkommen einheitlich die Unterkommissionen für 1. Ernährungswesen, 2. Bekleidung, 3. Wohn- und Bauwesen, 4. Bildung, Unterhaltung und Kunst, 5. Gesundheitswesen, 6. Oeffentlicher Verkehr, ihre besonderen Tätigkeiten studieren können.
III. Unterkommissionen der Börse
a) Ernährung
Die Kommission für das Ernährungswesen wird im Einvernehmen mit der Föderation für Lebens- und Genußmittel zu prüfen haben, wie Bäckerei und Fleischerei weiter zu betreiben sind. Wahrscheinlich wird hierbei die Umwandlung der kapitalistischen Großbäckereien und Großschlächtereien in Genossenschaftsbetrieb unter Anlehnung an die Konsumgenossenschaften das praktischste sein. Ferner wird die Gewinnung von Feldfrüchten, die Siedlungsfrage genauer zu studieren sein, daran anschließend die Regelung der Verteilungsstellen für Gemüse, Obst usw.
Es ist genau zu erwägen, ob die Verteilung besser örtlich, nach den Wohnungsbezirken oder nach den Arbeitsstellen, betriebsweise, erfolgt.
Weiter muß untersucht werden, in welcher Weise die Haushaltungen und öffentlichen Speiseanstalten unterstützt und zum Wohle der Allgemeinheit ausgebaut werden können. Für alleinstehende Personen sind Volksküchen in Aussicht zu nehmen, für Erleichterung der Küchenarbeiten in den Haushaltungen Zentralküchen mit halb- und ganzfertigen Gemüsen und Fleischspeisen, Gemeinschaftsküchen usw. Es empfiehlt sich, in diese Kommission sachkundige Frauen hinzuzuziehen.
Auch die Frage der Beschaffung gesunder Getränke ist zu studieren, wobei Vorschläge für die Umgestaltung der Restaurants, Cafes und Hotels im Sinne der freien Gesellschaft aufzustellen sind.
b) Bekleidung
In ähnlicher Weise hat die Kommission für Bekleidung zu arbeiten. Es ist zu prüfen, wie praktisch, schnell und zeitentsprechend die Versorgung der Bevölkerung mit Kleidern und Schuhzeug möglich ist. Da wahrscheinlich nicht genügend Anzugstoffe vorhanden sein werden, kann zu einer farbigen, halsfreien, kniefreien Bekleidung aus billigen Stoffen, wie ihn heute die Frauen tragen, gegriffen werden. Diese Kommission muß vor allem darauf bedacht sein, vorerst mit den vorhandenen Beständen, ohne Import, auszukommen. Es ist auch zu studieren, nach welchem Modus die Verteilung am besten ist.
Diese Kommission kann nur auf Grund der Studienergebnisse der Föderationen für die Bekleidungs- und Textilindustrie und die Schuh« und Lederindustrie die örtlichen Konsumtionsverhältnisse regeln. Auch in dieser Kommission werden die Frauen ein ausschlaggebendes Wort mitzureden haben. Besonderer Wert ist auf eine vernünftige, der Hygiene und naturgemäßen Lehensweise entsprechende Unter- und Oberkleidung zu legen.
c) Wohn- und Bauwesen
Die Kommission für das Wohn- und Bauwesen hat vor allem zunächst die vorhandenen Wohnmöglichkeiten zu prüfen. Sie hat einen Ausgleich der Behausungen für die ganze Bevölkerung anzustreben, wozu natürlich eine möglichst zutreffende Bevölkerungsstatistik für den Börsenbezirk notwendig ist. Wie schon erwähnt, sind für diese Vorarbeit schon heute die Unterlagen durch die Statistiken der Gemeinden vorhanden. Es muß schon heute Klarheit darüber geschaffen werden, wieviel Wohnräume auf eine Durchschnittsfamilie bei gerechter Verteilung kommt. Da alle Kasernen, kaufmännischen Büros und ein großer Teil der öffentlichen Gebäude frei werden, so können auch diese Räume dem Wohnzweck nutzbar gemacht werden. Solche Gebäude eignen sich am besten zur Einrichtung von Einzimmerheimen mit gemeinsamer Küche für Junggesellen und alleinstehende Mädchen, da sich Familien Wohnungen mit Küchen nur schwer daraus einrichten lassen und auch Heime für Alleinstehende geschaffen werden müssen. Das Schlafburschen- und Möblierte-Zimmer-Wesen fällt natürlich im allgemeinen fort. Nur in Ausnahmefällen, bei Familienzusammenschluß, ist dasselbe noch möglich. Im übrigen sind Mittel und Wege der schleunigsten Verteilung der Wohngelegenheiten zu suchen und der Kleinsiedlungsbau an der Peripherie der Großstadt zu studieren. Betreffs Neubau der Siedlungshäuser und anderer Wohnhäuser ist nach den Plänen der Studienkommission der Föderation für das Baugewerbe und der Steinindustrie zu verfahren.
Zur späteren Durchführung aller Aufgaben ist die Mitarbeit aller Bewohner nötig; wahrscheinlich werden hierzu die Mieterorganisationen berufen sein. Vielleicht ist es möglich, probeweise schon heute einen festen Arbeits- und Verteilungsplan mit Probestatistik in dieser Kommission aufzustellen, woraus sich ein Bild ergeben würde, wie die Verhältnisse sich in der Praxis gestalten können.
d) Bildung, Unterhaltung, Kunst
Weniger wichtig für den ersten Augenblick sind die beiden Unterkommissionen für Bildung, Unterhaltung und Kunst, und für das Gesundheitswesen. Nur die Schulfrage müßte von ersterer schon von vornherein planmäßig gelöst sein, diese Frage ist aber von geeigneten Fachleuten ohne Schwierigkeiten zu bewältigen. In der Beziehung liegt bereits eine feste Idee vor, und von allen Seiten wird neuerdings die Schulfrage von einem ähnlichen als unseren Standpunkt, nämlich dem der freien Arbeitsschulen, aus betrachtet. Die einzelnen örtlichen Gruppen hätten vor allem für Beseitigung des alten autoritären-kapitalistisch-egoistischen Unterrichtsmaterials zu sorgen und eine Ausmerzung der ungeeigneten reaktionären Lehrkräfte durchzuführen. Besser zunächst nur wenige, aber pädagogisch zuverlässige Lehrer und Lehrerinnen, als solche des alten Geistes. Aus unseren eigenen Reihen werden dann Hilfskräfte, vornehmlich pädagogisch befähigte Frauen, einspringen.
Die übrigen Aufgaben müßten zunächst bis zur planmäßigen Durchorganisierung von den Jugend- und Bildungskommissionen und den Volksbühnen usw. gelöst werden.
Die Gemeinschaftsschulen sind geeignete Vorstufen zur Gewinnung von festen Grundsätzen für unser Schulprogramm. Durch dieselben werden auch Lehrer herangebildet, die Interesse für unsere Ideen gewinnen und deshalb zur Mitarbeit herangezogen werden können.
Neben den Schulen für die Jugend müssen auch Unterrichtskurse für Erwachsene in Aussicht genommen werden. Die Frage geeigneter Räume ist zu prüfen.
Es erscheint wünschenswert, wenn die Arbeiten dieser Kommission von dem Bildungsausschuß mit erledigt werden, da ein solcher schon praktische Erfahrungen hat.
e) Gesundheitswesen
Das Gesundheitswesen muß vornehmlich von den Aerzten im Einvernehmen mit den Arbeitersamaritern und den lokalen Kommissionen nach und nach ausgebaut werden.
Der ganze Ort ist in Gesundheitsbezirke einzuteilen und die ganze Bevölkerung unter dauernde ärztliche Kontrolle zu bringen. Den Aerzten wird hierbei das heute beschäftigungslose Aerzteproletariat zur Seite stehen. Diese Kommission hat auch für ausreichende Einrichtung von Kranken- und Irrenhäusern, Badeanstalten, Alters- und Invalidenheimen zu sorgen. Die nötigen Räumlichkeiten werden durch Einrichtung von überflüssigen Kirchen, Kasernen, Gefängnissen usw. gewonnen.
Auch das Geburts- und Sterbewesen ist von dieser Kommission mitzuprüfen.
Diese Kommission wird nur unter Mitwirkung von Aerzten, die unseren Ideen sympathisch gegenüberstehen, Ersprießliches leisten können. Bei dem ganzen System der ärztlichen Kontrolle, Hilfe und Anstaltsbehandlung muß selbstredend der föderative Charakter gewahrt werden. Heute hebt das zentralistische System dieser Einrichtungen die guten Ansätze in denselben völlig auf.
f) Oeffentlicher Verkehr
Die letzte Unterkommission „Oeffentlicher Verkehr“ wird am besten von einer Gruppe der Föderation des Verkehrsgewerbes gebildet und muß nach den Leitsätzen der Börse und der Föderation ihren Plan, d. h. Vorschläge für die Regelung des ganzen Verkehrs am Orte machen. Welche Grundsätze hierbei in Frage kommen, wird sich aus den besonderen Aufgaben der Verkehrsindustrie ergeben.
Unter Verkehr ist hierbei nicht bloß der reine Personenverkehr und Gütertransport zu verstehen, sondern auch die Heranschaffung und Verteilung von Gebrauchsmitteln, wie Licht, Gas, Wasser, und die Beseitigung von Haus- und Straßenabfällen, Müll usw. Denn auch hierbei handelt es sich zur Hauptsache um Transport dieser Hilfsmittel.
Diese Kommission muß auch die Regelung der Ortsreinigung und Pflege der öffentlichen Gemeinplätze in ihr Programm aufnehmen. Straßenreinigung wird vielleicht am besten von den Anliegern direkt besorgt.
Schaffung von Versammlungsräumen fällt ebenfalls unter diese Rubrik, unter Umständen auch die Schaffung von Schlichtungsgerichten zur Regelung von Meinungsverschiedenheiten, die in der ersten Zeit unvermeidlich sein werden.
IV. Richtlinien für alle Föderationen
Wir kommen nun zu den Aufgaben der Kommission zur Aufstellung von Leitsätzen für die Arbeiten der Föderationen. Hierbei sind die Absätze C, D, E und F der Richtlinien zugrunde zu legen. Bei diesen allgemeinen Leitsätzen kann es sich naturgemäß nur um Verhältnisse handeln, die der Produktion in allen Wirtschaftszweigen eigentümlich sind, die besonderen Verhältnisse jeder Industrie sind selbstverständlich später von den eigenen Studienkommissionen jeder Föderation zu prüfen.
Da als erste Aufgabe nach dem Zusammenbruch der kapitalistischen Verhältnisse die Uebernahme der Verwaltung der Betriebe durch die Arbeiter und Angestellten selbst notwendig ist, müssen hierfür nähere Möglichkeiten ins Auge gefaßt werden. Unter D 1 bis 6 der Richtlinien sind hierfür bereits die Grundgedanken gegeben. Für Industrien, wo schwierige technische Probleme in Frage kommen, wird man wohl am besten die Möglichkeit offen lassen, sachverständige Techniker usw. auch von außen in diese Verwaltungskommissionen zu berufen.
Zweitens wäre die einfachste und schnellste Möglichkeit der Aufnahme von Inventuren zu studieren. Hierbei ist natürlich nicht daran zu denken, schon heute solche Inventuren aufzunehmen, das wäre zwecklos, weil sich ja die Verhältnisse, Bestände usw. in jedem Betrieb täglich ändern und wir die Inventurergebnisse erst brauchen, wenn wir anfangen wollen, sozialistisch zu produzieren. Wir können dann auch nur richtige Bestandesaufnahmen gebrauchen und nicht solche von früheren Verhältnissen. Es sind aber nach Möglichkeit schon heute die Methoden dieser Inventuraufnahmen zu suchen. Dabei sind wiederum nur wichtige Dinge aufzunehmen und alles Nebensächliche unberücksichtigt zu lassen.
Drittens wären alle Föderationen darauf hinzuweisen, wie sie gemäß Absatz C der Richtlinien Ermittlungen darüber anzustellen haben, welche Fabrikate in erster Linie zur schleunigen Hebung der Lebensmittelproduktion mit erhöhter Energie herzustellen sind, welche als Luxus- oder Schundware gänzlich einzustellen sind und welche schließlich in normaler Produktion angefertigt werden müssen. Alle Föderationen müssen zu diesem Zwecke alle Fachindustrien in diese drei Gruppen einteilen. Ferner sind alle Föderationen anzuweisen, mit dem Rohmaterial sparsam und in ergiebigster Weise zu wirtschaften, um eine rentable Produktion auch ohne Bezug aus dem Auslande zu ermöglichen, falls ein solcher nicht angängig ist.
Viertens wird man auch darüber Vorschläge ausarbeiten müssen, wie später bei der Produktion die Verwaltung der Betriebe durchführbar ist. Bei kleineren und mittleren Betrieben wird dies nicht allzu schwierig sein, erheblich schwieriger ist aber die Leitung der heutigen Großbetriebe. Es ist selbstverständlich, daß die ganze Organisation der Betriebe von Grund auf umgestaltet werden muß. An Stelle der Direktion tritt das Vertrauensmännerkollegium, das Meisterwesen kommt in Fortfall. Trotzdem muß für eine planmäßige Verteilung der Arbeitsplätze und Arbeitsmittel, für Ausgabe des Materials, Abnahme und Probe der fertigen Teile Sorge getragen werden. Alles ist natürlich so einfach wie möglich zu gestalten, alle kapitalistischen Methoden, wie Kontrolle der Betriebsleistungen, Zeit und Geldkalkulationen kommen nicht in Frage. Es muß aber ein großer Wert darauf gelegt werden, daß diese Verwaltungskommissionen nicht fortgesetzt wechseln, damit nicht etwa aus Mangel an Befähigung die ganze Produktion zusammenbricht, wie z. B. in Rußland.
Vielleicht empfiehlt es sich, daß immer nur ein Teil der Mitglieder dieser Verwaltungskommission ausscheiden darf, vielleicht höchstens ein Drittel, wenn nicht ungewöhnliche Vorkommnisse, Vertrauensbruch, unsolidarisches Verhalten u. dgl. den Rücktritt der ganzen Körperschaft notwendig machen. Auf jeden Fall aber muß vermieden werden, daß wegen jeder Kleinigkeit einzelne Querulanten die Möglichkeit haben, den Rücktritt der Vertrauensleute herbeizuführen.
Schließlich sind Richtlinien zu schaffen, wie die einzelnen Föderationen die Arbeitszeit in ihrer Industrie regeln können, wie die Abgabe der Fertigfabrikate an die Verbraucher erfolgen kann und wie die Rohmaterialbeschaffung im allgemeinen zu handhaben ist.
Für die einzelnen Spezialaufgaben wie: Vermittlung und Verteilung der Arbeitskräfte, Prüfung von Erfindungen und Verbesserungen, Verbindung mit den Vor« und Nebenindustrien usw. usw. sind statistische Büros von Seiten jeder Föderation zu planen.
Zum Schluß ist noch die schwierigste Frage zu ventilieren, wie das Verhältnis der gegenseitigen freien Vereinbarung zwischen den einzelnen Föderationen und Börsen gestaltet werden könnte. Dieses System der freien Verträge muß zunächst als Uebergang an die Stelle der heutigen Geldwirtschaft treten. Ganz ohne Regelung wird der Austausch nicht möglich sein, aus den Gründen, die unter E der Richtlinien angegeben sind. Es muß der Versuch gemacht werden, einen solchen Gesellschaftsvertrag aufzusetzen, den dann die einzelnen Föderationen für ihre besonderen Verhältnisse ausbauen müßten. Bei der Diskussion der Aufgaben dieser Kommission wird sich herausstellen, welche Punkte außer den vorgenannten vielleicht noch aufgestellt werden können. Es ist natürlich, wie bereits wiederholt gesagt, unmöglich, die Verhältnisse erschöpfend zu erfassen oder auch in jeder Beziehung das Rechte zu treffen. Alle Studien müssen sich nach und nach gegenseitig ergänzen. Wenn aber so allgemeine Leitsätze für den Beginn der Arbeiten der Föderationen gefunden sind, dann können diese mit Aussicht auf Erfolg ihrerseits Weiterarbeiten.
Wir kommen nunmehr zu den Studienkommissionen der Föderation selbst, und wollen dieselben der Reihe nach besprechen. Am schwersten wird das Arbeiten der Kommissionen für diejenigen Föderationen sein, die organisatorisch noch gar nicht existieren, die also von verwandten Föderationen gebildet werden müssen. Solche sind die Gruppen 1, 2, 3, 4, 8, 10 des Punktes 2 von Absatz H der Richtlinien. Auf der anderen Seite können aber die Studien gerade dieser Gruppen anregend zur Bildung solcher Föderation wirken und unter Umständen sogar darüber hinaus erst den Anstoß zur Bildung von syndikalistischen Berufsvereinigungen geben. Das könnte z. B. der Fall sein, wenn es gelänge, auf Grund der Studien von den Gruppen 1 und 2 zu dem Anfang eines syndikalistischen Agrarprogramms zu gelangen. Bekanntlich ist es bis heute den sozialdemokratischen Richtungen nicht einmal gelungen, ein „rein theoretisches Agrarprogramm aufzustellen, in der Phrasenform, wie ihre ganzen Programme sind. Es würde also eine Tat von großer Bedeutung sein, wenn es uns gelänge, sogar ein Programm in der uns eigentümlichen praktischen Form zu schaffen. Die Schwierigkeit liegt aber darin, daß diese Fragen zunächst von Personen geprüft werden müssen, die nicht in diesen Berufen tätig, also nicht fachmännisch sind. Dieser Uebelstand muß nach Möglichkeit dadurch gemildert werden, daß wenigstens nur solche Genossen zu diesen Kommissionen delegiert werden, die gewisse Beziehungen zum Lande haben, also von dort stammen, oder selbst Lauben- oder Parzellenkolonisten sind. Das ist hauptsächlich notwendig für die Kommission:
1. Land- und Forstwirtschaft
Hier scheint übrigens von Anfang an die Trennung in a) Landwirtschaft und b) Forstwirtschaft praktisch zu sein, weil zunächst diese Gebiete ganz verschiedene Bedeutung haben. Die Frage der Landwirtschaft ist die brennendste der ganzen sozialen Revolution, die Frage der Forstwirtschaft dagegen kann auf später verschoben werden. Soweit sie sofortige Bedeutung hat, geht sie die Gruppe 6, Holzindustrie, etwas an, weil die Forstwirtschaft das Rohmaterial für die Holzindustrie zu liefern hat. Die Frage der Forstwirtschaft ist also von der Föderation der Holzindustrie mit zu prüfen, soweit dies möglich ist. Somit bleiben für die Kommission 1 nur die Fragen der Landwirtschaft selbst übrig. Die Kommission ist zu bilden aus Laubenkolonisten, Anhängern der Siedlungsideen, Gärtnern, und, wenn möglich, wissenschaftlichen Beratern aus öffentlichen Studienanstalten, wie die Reichsversuchsanstalt beim Botanischen Garten in Berlin.
Zunächst sind die Punkte 3 und 4 von A, die Punkte 3 und 4 von B, die Punkte 1-3 von C, die ganzen Absätze E und F der Richtlinien neben den dann ebenfalls vorliegen Leitsätzen für alle Föderationen zu diskutieren. Aus dieser Generaldiskussion muß sich dann der systematische Aufbau des Programms ergeben.
In diesem Programm muß die Behandlung des Kleinbesitzes, Mittelbesitzes und Großgrundbesitzes besprochen und die zukünftige Gestaltung der landwirtschaftlichen Produktion auf genossenschaftlicher und EinzelsiedIungsgrundlage näher festgestellt werden. In knapper Form ist ein System der Selbstverwaltung durch freie Dorf-Räte zu schildern und eine Möglichkeit des Austausches mit den Industriestädten, vielleicht durch je einen Konsumverein, ins Auge zu fassen.
Die Hauptsache werden dann Fingerzeige sein, wie die landwirtschaftliche Produktion überhaupt zu heben ist und wie ferner nach Möglichkeit Gartenkultur statt Feldkultur durchgeführt werden kann. Hier muß ein ausführliches Studium von Kropotkins „Landwirtschaft, Industrie und Handwerk“ vorgenommen werden.
Eine Frage von Wichtigkeit wird auch sein, Vorschläge zu machen, wie die verfügbaren Vorräte an Feld- und Gartenfrüchten am vorteilhaftesten bis zum Verbrauch gelagert werden, ob dieselben auf dem Lande bleiben, oder in Vorratsspeicher in den Städten gebracht werden sollen. Das erstere erscheint besser, weil die Landbewohner die geeignetsten Fachleute für die Behandlung dieser Früchte sind. Dann müssen aber auf dem Lande geeignete Lagerräume geschaffen werden.
Im übrigen sind in den Richtlinien bereits so viele gute Anregungen enthalten, daß sich aus allem wahrscheinlich ein brauchbares Programm aufbauen lassen wird.
2. Lebens- und Genußmittel
Hierbei handelt es sich um alle Betriebe, die Nahrungsmittel verarbeiten, also Müllereien, Brennereien, Brauereien, Zucker-, Kartoffelmehl- und Stärke-, Schokoladen- und Zichorien-, Präserven- und Konserven-, Marmeladen-, Oel-, Magarine-, Fleischs- und Wurstfabriken u. a. m. Da wir eine Föderation dieser Industrien noch nicht haben, muß die Arbeiterbörse nach Möglichkeit Genossen aus diesen Betrieben heraussuchen.
Die Verwaltung dieser Betriebe ist natürlich in derselben Weise zu gestalten, wie diejenige der anderen Industrien, und ist besonders großer Wert auf die maschinellen Einrichtungen zu legen, um nach dem Muster von Großbetrieben, wie z. B. die Bäckerei der Konsumgenossenschaft Großberlin, mit größter Sauberkeit, Sparsamkeit und größtem Nutzeffekt zu produzieren. In der Beziehung rückständige Betriebe müssen bis zur Neueinrichtung stillgelegt werden. Der Föderation der Metallindustrie ist bekanntzugeben, welche Maschinen in größerer Anzahl benötigt werden, und welche Betriebe bisher solche Maschinen am besten produziert haben.
Eine besondere Bedeutung wird in dieser Kommission die Untersuchung haben, daß nur reine, gesunde Nahrungsmittel zusammengestellt oder konserviert werden. Alle Surrogate oder wertlose Fabrikate, die heute des Profits halber hergestellt, dürfen nicht mehr produziert werden. Ebenso ist die Frage der Herstellung von Genußmitteln wie Bier, Wein und Schnaps zu studieren. Leider ist über diese Frage noch keine Marschroute vorhanden. Es wird nicht möglich sein, die Herstellung dieser Getränke ganz einzustellen, weil wir sie teilweise zu medizinischen Zwecken brauchen. Die Bekämpfung des Mißbrauchs derselben muß durch geistige Aufklärung erfolgen.
Auf der anderen Seite müssen in erhöhtem Maße alle leicht verderblichen Früchte, Fleischsorten usw. rechtzeitig verarbeitet werden, um ihr Verderben zu verhüten. Zu diesen Arbeiten müssen sowohl warenkundige Kopfarbeiter als auch Chemiker und Nahrungsmitteltechniker zu Rate gezogen werden.
Schließlich ist die Frage der Heranziehung von solchen Pflanzen und Früchten zur menschlichen Ernährung zu prüfen, die heute noch nicht dazu benutzt werden.
4. Bekleidungs- und Textilindustrie
Da eine Föderation für diese Industrie noch nicht besteht, müssen zu dieser Kommission wieder Kollegen zusammengesucht werden, die wenigstens in einem der in Frage kommenden Berufe arbeiten, oder gearbeitet haben, also Weber, Seidenwirker, Textilarbeiter, Tuchmacher, Färber, Schneider und Konfektionsarbeiter oder dgl.
Es muß die Frage studiert werden, wie die vorhandenen Stoffe und Materialien erfaßt werden können, und wie schnellstens eine größere Produktion derselben zu erzielen ist. Da die meisten notwendigen Rohstoffe, wie Baumwolle, Wolle, Flachs, Hanf, Seide usw. im Inlande nicht in genügendem Maße oder gar nicht vorhanden sind, so muß die Umarbeitung des Altmaterials und die Heran« Ziehung von heimischen Ersatz-Rohstoffen geprüft werden. Letzten Endes wird hier schleunigst ein Austausch von Rohstoffen, wie Baumwolle usw., aus anderen Ländern gegen Naturprodukte des Inlandes, wie Kohle, Kali usw., anzustreben sein.
Eine weitere Frage wird die Art der Herstellung von allen Bekleidungsstücken aus den zur Verfügung stehenden Stoffen sein. Hier wird der Genossenschaftsbetrieb, aufgebaut auf den heutigen Großbetrieben des Textilgewerbes und der Konfektion, eine Rolle spielen. Daneben wird zu prüfen sein, ob es möglich ist, den Betrieb der Kleinschneider beizubehalten, oder ob dies zunächst aus Gründen der Kontrolle und der Rentabilität unmöglich ist, und erst wieder später in Zeiten des Ueberflusses durchgeführt werden kann. Selbstverständlich muß wegen dem Mangel an Material zu den einfachsten Bekleidungsmöglichkeiten gegriffen werden, was auch der Zeit ein gewisses Gepräge geben wird. Die Modetorheiten der kapitalistischen Scheinzivilisation sind über Bord zu werfen, und die naturgemäße Bekleidung ist zum Vorbild zu nehmen.
Schließlich ist ein Weg zur gerechten Verteilung aller Bekleidungs- und Gebrauchsgegenstände zu suchen. Hier empfiehlt es sich vielleicht, daß zunächst nur ein Umtausch von unbrauchbaren Sachen gegen neue stattfindet. Der Ueberfluß der Bourgeoisie wird ja durch den Wohnungstausch schon an sich gewonnen. Es könnte auf die Art nur derjenige neue Wäsche, Anzüge, Strümpfe oder dgl. bekommen, der seine alten abgetragen hat, und dann würde man das Altmaterial restlos erfassen, woraus sich bei der heutigen Technik wieder Neumaterial machen läßt.
Der Betrieb in den Werkstätten und Fabriken ist nach den allgemeinen Grundsätzen für alle Föderationen zu regeln. Der Landwirtschaft sind Anregungen zu geben, welche Pflanzen für Textilzwecke gebraucht werden können. Das ausschlaggebende Wort werden die Fachleute aus Großwebereien, Tuchfabriken, Spinnereien usw. haben müssen. Luxussachen dürfen wegen Materialmangel nicht hergestellt werden.
5. Schuh- und Lederindustrie
In dieser Industrie liegen die Verhältnisse etwas einfacher, weil Rohstoffe und Fertigfabrikate nicht so vielseitig sind und weil auch wahrscheinlich die aus dem normalen Fleischkonsum sich ergebenden Tierhäute bei sparsamer Wirtschaft und sachgemäßer Verarbeitung ausreichen dürften, um wenigstens zunächst den dringendsten Bedarf zu decken. Die große Not an Leder ist ja durch den ungeheuerlichen Kriegsverbrauch in allen Ländern entstanden.
Im allgemeinen ist nach ungefähr denselben Gesichtspunkten zu verfahren, wie unter Punkt 3 für die Bekleidungs- und Textilindustrie. Nur sind natürlich Luxusschuhe zu vermeiden, wie Lackstiefel usw., und auch ungesunde Modetorheiten, wie hohe Absätze, auszuschließen. Dagegen ist aus Gründen der Materialersparnis, und um die Entwicklung zur naturgemäßen Fußbekleidung zu fördern, nach Möglichkeit die ganze Bevölkerung mit Sandalen zu versehen.
Auch bei dieser Industrie wird die Einzelherstellung zu vermeiden und die industrielle Fabrikation anzustreben sein.
In dieser Kommission müssen noch die Geschirr-, Sattler- und Lederarbeiter für Portefeuille- und Bijouteriewaren beteiligt werden, eventuell auch Polstereiarbeiter. Von diesen Gruppen muß aber eine genaue Prüfung aller Artikel vorgenommen werden, um allen überflüssigen Tand und Luxus auszuscheiden. So brauchen Geldtaschen nicht mehr hergestellt werden, dagegen aber praktische Brieftaschen und Aktentaschen. Auch die Kofferfabrikation bildet einen Teil der Industrie.
Als Nebenzweige für diese Industrie kommen die Gerbereien und Häutebearbeitungsfabriken in Betracht. In sorgsamer Weise ist die bestmöglichste Verteilung der verschiedenen Lederarten zu erwägen.
Vielleicht ist es möglich, das Studium dieser Industrie solchen Arbeiterbörsen zu übertragen, wo bereits Lederarbeitergruppen bestehen, wie in Erfurt und Mülheim-Ruhr. Dazu müßte diesen Stellen alles Vorstudiumsmaterial von der Studienkommission für alle Föderationen übermittelt werden. Aus dem Altledermaterial könnten, wie das schon heute der Fall ist, Kunstledersohlen hergestellt werden. Auch diese Fabriken sind in diese Industrieföderation einzuschließen.
6. Baugewerbe und Steinindustrie
Nirgends drückt sich die kulturelle Unzulänglichkeit der heutigen Zeit so deutlich aus wie in der Wohnungsfrage. Während in normalen Zeiten der Arbeiter, wenn er das Glück hatte, nicht gerade arbeitslos zu sein, sich wenigstens sattessen und sich anständig kleiden konnte, war seine Wohnung zu allen Zeiten nicht bloß unzulänglich, sondern geradezu menschenunwürdig. Leider haben das bis auf den heutigen Tag nur ganz wenige stark genug empfunden. Man ist mit 1 oder 2 Zimmern zufrieden. Dieses Nichtempfinden ist ein starker Mangel an Bildung. Um halbwegs menschenwürdig hausen zu können, müßten auf den Kopf der Familie 1 Zimmer und zur gemeinsamen Benutzung wenigstens zwei Räume extra kommen. Erst unter solchen Verhältnissen würde ein Eigenleben und daneben ein kameradschaftliches Verhältnis aller Familienmitglieder sich entwickeln können. Die Folgen der heutigen unkulturellen Wohnverhältnisse sind Kneipenleben, daraus Alkoholentartung, ewige Reibungen und daraus Zank zwischen den Familienmitgliedern, geistige Stagnation. Unsere Wohnung soll nicht bloß Schutz gegen die Unbilden der Witterung gewähren, was der Zweck bei ihrer Entstehung war, in ihr spielt sich das ganze Familienleben ab, in ihr wollen wir Erholung und stärkenden Schlaf finden, zum Teil verrichten wir auch unsere Tätigkeit in ihr. Darum ist die Wohnung die Voraussetzung für ein gesundes Familienleben, eine geistige Höherentwicklung und eine erfolgreiche Jugenderziehung.
Der Krieg mit seinen Folgen hat nun die schon vorher menschenunwürdigen Verhältnisse noch tausendfach verschlechtert, so daß die Wohnungsfrage mit zum Brennpunkt der sozialen Verhältnisse überhaupt wird. Schon fehlten im Jahre 1921 für über zwei Millionen Familien in Deutschland überhaupt Wohnungen, und jedes Jahr kommen 200 000 hinzu. So zwingt die Wohnungsnot zu einer Aenderung der gesellschaftlichen Verhältnisse, weil mit kapitalistischen Mitteln keine Hilfe möglich ist. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Fünf-Stock-Haus würde ohne Staatszuschuß monatlich ungefähr 250 bis 300 Mk. Miete (Papiermark, bei einem Dollarstande von 80 berechnet; also längst überholt) kosten, Wohnungen besserer Bauart natürlich weit mehr. So stellt sich dieselbe Zwei-ZimmerWohnung in einem Zwei-Stock-Haus schon 50 Proz. höher. Ein Staatszuschuß müßte wieder von den Mietern aufgebracht werden, wird auch bei der sturmflutartig zunehmenden Verschuldung immer unmöglicher. Alle Versuche von Politikern, durch Staatszuschüsse, Siedlungen, Genossenschaften eine Besserung herbeizuführen, sind gescheitert.
An großzügige Reformen, wie es 1870/71 die Pariser Kommune durch vorübergehende Aufhebung des Mietzinses versuchte, wagten sich in der deutschen „Revolution“ die Parteipolitikanten nicht heran. Und doch hätte die Einführung des freien Wohnrechts der erste Schritt der Revolution sein müssen.
Der Kapitalismus an sich macht eine Besserung unmöglich, obgleich ein ungeheurer Drang der Großstädter aufs Land wegen der mangelhaften Arbeits- und Ernährungsverhältnisse vorhanden ist. Unter diesen Umständen sind wir Syndikalisten berufen, der notleidenden Arbeiterschaft einen Weg zur Beseitigung des Wohnungselends zu weisen. Das ist die große Aufgabe dieser Studienkommission.
Da selbstverständlich auch nicht in einer freien Gesellschaft sofort das Ziel der Befriedigung der Wohnbedürfnisse aller erreicht werden kann — das wird erst eine Folge der Entwicklung sein —, so muß das Hauptaugenmerk auf die schnellmöglichste Beseitigung der größten Not gerichtet werden. Nach zwei Richtungen hin werden sich die Pläne der Studienkommission für die Bau- und Steinindustrie daher zunächst zu erstrecken haben: Erstens, wie der Neubau und die Neueinrichtung der vorhandenen Häuser nach den Feststellungen der Kommissionen für das Wohn- und Bauwesen in den Börsen am zweckmäßigsten durchzuführen ist, zweitens, wie am schnellsten und praktischsten Neubauten an der Peripherie der Städte bis weit in das Land hinaus möglich sind, dies ebenfalls nach den Vorschlägen der Wohn- und Baukommissionen der Börsen, unter Berücksichtigung einer planmäßigen Besiedelung des Landes und einer Verbindung dieser Siedelungskolonie mit den Verkehrszentren durch die Verkehrsindustrie.
Die erste Voraussetzung für beide Aufgaben ist das Vorhandensein von Baumaterial. Darum müssen die Nebenindustrien von dieser Studienkommission mit geprüft werden: Zement-, Kalk-, Stein-, Bauholz- und Baueisenindustrien. Vielleicht wird es dazu nötig sein, daß sich zunächst ein Teil der Bauarbeiter eine gewisse Zeit, vielleicht ein halbes Jahr, in dese Nebenzweige begibt, um für die Herstellung des notwendigen Materials sorgen zu helfen und organisatorische Maßnahmen zu treffen, daß dann dauernd genügend Material hergestellt wird.
Die Umstellung der Wohngelegenheiten in den Städten wird sich nach den statistisch errechneten Möglichkeiten zu richten haben, also zunächst vielleicht Einrichtung von Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen aus den größeren Wohnungen und öffentlichen Gebäuden, daneben Heime für Einzelpersonen. Hierbei muß im Prinzip an der vorhandenen Bauart festgehalten werden, weil das nicht anders geht.
Bei dem Siedlungsbau müssen dagegen die zweckmäßigsten Bauarten herausgesucht und Pläne für ein- und zweistöckige Ein- und Zweifamilienhäuser geschaffen werden. Die Wahl wird man dann den Wohn-Interessenten selbst nach ihrem Bedürfnis überlassen müssen. Dabei wird aber immer die Frage der Zweckmäßigkeit für die Gemeinschaft zu berücksichtigen sein. Also zunächst sind Baustil und Häuserart zu studieren. Dann werden wegen des Materialmangels die örtlichen Verhältnisse zu berücksichtigen sein. So wird man in waldreichen Gegenden überwiegend Holzhäuser wählen können, in anderen Gegenden Lehmbau usw. Ferner wird die Industrie zur Herstellung von Baumaterial herangezogen werden müssen, statt Backsteinbau können große Tafelsteine, ähnlich dem Sandsteinbau, Verwendung finden, bis zur industriellen Herstellung von ganzen Wänden usw. Auch die Errichtung von Betonhäusern aus Formen wäre zu erwägen. Die Großindustrie könnte schnell und massenmäßig leicht zusammenstellbare Häuser herstellen. In Amerika ist man dazu übergegangen, fabrikmäßig Wohnzellen in Form von zusammenstellbaren Rundzimmern herzustellen, die jederzeit beliebig erweitert werden können und transportabel sind. Diese Wohnart wird in Amerika vornehmlich zur schnellen Errichtung von Sommerheimen angewandt. Als Provisorium in besonderen Fällen ist dieses System sicher praktisch. Bei dem Studium dieser Probleme wird die Mitwirkung von Bauarchitekten und -ingenieuren notwendig sein.
Dann wird es auch eine Aufgabe der Studienkommission der Bauföderationen sein, festzustellen, wieviel Bauarbeiter überhaupt vorhanden sind und wieviel Wohnungen durchschnittlich mit diesen Kräften hergestellt werden können. Eventuell wäre eine Hinzuziehung von Arbeitern aus anderen überflüssig gewordenen Berufen ins Auge zu fassen. Auf jeden Fall müssen mehr Wohngelegenheiten geschaffen werden, die der natürlichen Zunahme des Wohnbedürfnisses entspricht, also heute ungefähr 200 000 Wohnungen pro Jahr. Nachdem so möglichst schnell alle Fehlwohnungen geschaffen sind, kann später, in dem Maße der Mehrproduktion nach und nach eine Erhöhung der durchschnittlichen Wohngelegenheit durchgeführt werden. Selbstverständlich muß auch dafür gesorgt werden, daß die Innenausstattung der Wohnungen mit allen Erfordernissen eines bequemen Wohnens erfolgt, also Bewässerung, Abwässerung, Beheizung, große Befensterung, elektrisches Licht, Kochgas, Müllbeseitigung usw.
Ferner müssen die Nebengelasse, wie Kleinställe, Vorratsräume usw. und auch überall Gartenbewässerungen usw., wieder mit Hilfe der Verkehrsindustrie (Wasser-, Gas-, Lichtwerke usw.), von vornherein mit berücksichtigt werden. Siedlungsfreunde finden hier ein reiches Tätigkeitsfeld für ihre Ideen.
An alle diese Probleme müssen die Kommissionen ohne jede bürgerliche Voreingenommenheit herangehen. Die Richtlinien und die noch zu schaffenden Leitsätze für alle Föderationen sind im übrigen zur Richtschnur zu nehmen. Es können natürlich nicht Programme geschaffen werden, die dogmatisch gelten sollen, die bis aufs Tüpfelchen stimmen, sondern wiederum nur Richtlinien, nach welchen ein Weg zum Ziel erkennbar ist. Die Wirklichkeit muß sich natürlich später nach den örtlichen Bedürfnissen von Fall zu Fall entwickeln.
Gerade die Studien dieser Kommission müssen unsere Kulturforderungen mit dem praktischen Leben verbinden und so die Möglichkeit des gewerkschaftlichen Aufbaues beweisen.
Wie alle Föderationen, hat auch diese Baukommission die Fragen der Arbeitszeit, die Regelung der Arbeitsverhältnisse, die Organisierung des gruppenweisen Zusammenarbeitens der verschiedenen Berufe bis zur Fertigstellung der Wohnungen zu studieren und ein vertragliches Uebereinkommen mit den übrigen Föderationen und den Börsen zu versuchen. Für diese Zwecke sind statistische Abteilungen der Gesamtföderation vorzusehen, die planmäßig die Verteilung der Arbeitskräfte, Materialzuweisung, technische Vorarbeiten. Verbesserung der Arbeitsmethoden usw. zur Durchführung bringen. Diese Abteilungen sind nach dem freien Rätesystem von unten nach oben zu bilden. Ohne solche planmäßige Zusammenfassung würde ein sinnloses Durcheinander entstehen; sie bildet erst gewissermaßen den Sinn der Föderierung.
Zum Schluß werden nach Fertigstellung der Leitsätze dieser Kommission wahrscheinlich noch die einzelnen Fachberufe, wie Zimmerer, Maurer, Dachdecker, Bautischler, Bauschlosser, Maler, Tapezierer usw. (auch diese Berufe müssen in dieser Studienkommission vertreten sein) Ausführungsbestimmungen für ihre besonderen Arbeiten als Zusätze zu den allgemeinen Leitsätzen aufstellen müssen. Doch das ist eine Frage, die sich erst nach Beendigung der Studien und nachdem die Ergebnisse eine Zeitlang zur Diskussion gestanden haben, lösen lassen wird. Und dann wird sie nach allen Unterlagen verhältnismäßig leicht zu lösen sein.
7. Holzindustrie
Im allgemeinen ist zu sagen, daß die Aufstellung von Richtlinien zum Arbeiten im syndikalistischen Sinne für diese Industrie verhältnismäßig einfach erscheint, obgleich es sich um eine weitverzweigte, vielseitige Industrie handelt, weil in derselben eine Trennung in technisches Personal und Arbeiter nicht in dem Maße besteht, wie z. B. in der Metallindustrie, in der Textilindustrie, im Verkehrswesen usw. Der vollwertige Tischlergeselle, Zimmermann oder Holzbildhauer kennt seinen Beruf vollständig; er ist ohne weiteres in der Lage, vom Rohmaterial bis zum Fertigfabrikat seine Arbeit ohne Mithilfe von besonderen Kopfarbeitern zu vollenden. Darum gibt es in diesen Industrien keine Kopfarbeiterfrage, und es stehen genügend Fachleute direkt aus den Holzindustrien für die Studienberatungen zur Verfügung.
Wie schon in dem Absatz 1 „Land« und Forstwirtschaft“ erwähnt, wird das Studium der Frage der Forstwirtschaft mit in den Bereich dieser Industrie fallen müssen, weil nur hierdurch die Holzbeschaffung gelöst werden kann. Bekanntlich fallen die sonst noch vorhandenen öffentlichen Baumbestände, wie Chausseebepflanzungen usw., schon heute unter die Forstaufsichten. Diese selbst werden allerdings unnötig, wie aller Staatsbürokratismus, die Orts-, Kreis- und Provinzräte übernehmen die Verwaltung der Forst« und Baumpflege. Im Einvernehmen mit diesen Stellen hat die Föderation der Holzindustrie die Holzbeschaffung zu regeln. Die Gefahr, daß in gemeinschädlicher Weise Gehölze und Wälder ausgerodet werden, wie das heute in hohem Maße geschieht (so z. B. ist die Umgebung von Wien von Holz total ausgeraubt), wird dadurch von selbst behoben werden, daß an allen Orten wissenschaftlich gebildete Männer vorhanden sind, deren Urteil und Rat in dem Augenblick gehört werden wird, wenn das Profitinteresse ausgeschaltet und das Allgemeinwohl anerkannte Richtschnur ist. Da höchstwahrscheinlich auf längere Zeit eine Einfuhr von Edelhölzern aus den überseeischen Ländern unmöglich sein wird, muß die Studienkommission von Anfang an eine sparsame und rentable Verteilung der vorhandenen einheimischen Holzarten für die verschiedenen Verwendungszwecke in Aussicht nehmen. Der Verbrauch von Holz als Feuerungsmaterial muß möglichst eingeschränkt werden. Dies wird schon an sich eintreten, wenn überall mit Gas gekocht werden wird und alle Häuser bzw. Straßenzüge mit Zentralheizungen eingerichtet sind. (Eine Aufgabe der Bau-Föderation!) Gegenstände, die längere Zeitläufte zu überstehen haben, benötigen besseres Holz, und dies um so mehr, je mehr diese Dinge der dauernden Benutzung dienen müssen; für Gegenstände von nur vorübergehendem Gebrauch können minderwertige Hölzer verwendet werden.
Eine weitere Sorge dieser Studienkommission wird die sachgemäße Vorarbeitung des Holzes sein, also der Betrieb der Schneide- und Sägemühlen, der Hobeleien usw. Diese Betriebe müssen der Holzindustrie angegliedert werden. Es ist zu prüfen, wie, wann und wo, ob am Gewinnungsort oder an der Verwendungssteile diese Vorarbeit am praktischsten stattfinden muß, um unnötigen Transport zu vermeiden. Dann sind die besten Verfahren anzuwenden, daß das Holz nur ausgetrocknet zur Verarbeitung gelangt. Heute geschieht dies aus Profitinteresse nicht.
Dann ist gemäß Absatz C der Richtlinien und den inzwischen aufgestellten Leitsätzen für das Arbeiten der Föderationen eine genaue Klassifizierung aller Fabrikate der gesamten Holzindustrie vorzunehmen:
- in solche, welche in erster Linie zur schleunigen Hebung der Lebensmittel« Produktion, der Bekleidungsindustrien und des Wohnungsbaues mit erhöhter Energie herzustellen sind;
- in solche, deren Herstellung als Luxus- oder Schundware gänzlich einzustellen oder stark zu beschränken ist;
- in solche, welche schließlich in normaler Produktion angefertigt werden müssen.
Zu der ersten Gruppe gehören: die Holzteile für landwirtschaftliche Maschinen, technische und elektrische Apparate, für Maschinen der Textilindustrie, Waggonbau für das Verkehrsgewerbe, Bauholzindustrie, Wohnungsmöbelindustrie, die Modelltischlerei für alle Industrien.
Zu Gruppe 2: Luxusmöbel, Luxus-Musikinstrumente, Schund-Spielzeuge usw. Im übrigen wird die Studienkommission der Holzarbeiter selbst am besten diese Klassifizierung vornehmen können.
Zu Gruppe 3 gehören dann alle nicht zu Gruppe 1 oder 2 gehörenden Fabrikate, u. a. auch Sargfabrikation.
Eine weitere Aufgabe ist nachdem die Festsetzung von Grundsätzen für den Bau von bestimmten Gegenständen, z. B. Wohnungsmöbeln, Haustüren und Fenstern, Dielenbelag, Verkehrsmittel usw. Die Bautischlerei muß hierbei im Einvernehmen mit der Föderation der Bauindustrie, die Herstellung von Verkehrsmitteln mit der Föderation des Verkehrsgewerbes studiert werden. Besonders in bezug auf Wohnungsmöbel müssen neue Gedanken gesucht werden. Dem Geist der neuen Zeit muß in bezug auf freiheitliches Empfinden und Gemeinschaftshandeln Rechnung getragen werden. Hier bietet sich den zahlreich in der Holzindustrie vorhandenen künstlerisch empfindenden Kollegen Gelegenheit, Neues zu schaffen. Eine Reihe von Nebenberufen wird in der Beziehung mit der Holzindustrie vorhandenen künstlerisch empfindenden Kollegen Gelegenheit, Bilderrahmerei usw.
Bei der Fabrikation wird zu untersuchen sein, wo die Teilarbeit unvermeidlich ist und wo die Arbeitsvereinigung vorgenommen werden kann. Die notwendigen praktischen Arbeitsmaschinen sind bei der Föderation der Metallindustrie zu bestellen. Es ist selbstverständlich, daß sich der Aufbau der Föderation vom Betrieb zum Ort, vom Ort zum Kreis, vom Kreis zum Bezirk, vom Bezirk zum ganzen Reich aufbauen muß, wie dies in den Richtlinien D Punkt 3 zum Ausdruck gebracht ist.
In bezug auf die Verwaltung der Betriebe, die Verteilung der Arbeitskräfte, die Ablieferung der fertigen Fabrikate usw. ist nach den Leitsätzen für alle Föderationen (die zuerst geschaffen werden müssen) zu verfahren, unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse der Industrie. So müssen sich z. B. die Zimmerleute hierbei an die Bestimmungen der Bau-Föderation halten, weil dort dieselben Bedingungen vorliegen.
Für alle besonderen beruflichen Erfordernisse, wie Musterentwerfen, Verbesserung der Arbeitsmethoden, zweckmäßige Verteilung der Arbeitskräfte, Materialbestimmung usw. sind dauernde Kommissionen als Abteilungen der Föderation in Aussicht zu nehmen, in welche natürlich hierfür besonders befähigte Kollegen delegiert werden müßten.
Die Frage der freien Vereinbarung mit anderen Föderationen und den Börsen durch die Reichskonferenz ist gemäß E der Richtlinien in Aussicht zu nehmen.
Im übrigen trifft auch für die Föderation der Holzarbeiter vieles zu, was schon in den voraufgegangenen Artikeln zu den anderen Föderationen angeregt ist. Im Laufe der Diskussion wird ganz von selbst noch eine Reihe von Punkten auftauchen, die in Form gebracht werden müssen. Wesentlich ist es nur, daß die Richtlinien oder Leitsätze, wie man sie später nennen mag, systematisch ausgearbeitet werden, ähnlich wie die Richtlinien. Gut ist es aber, wenn für jede neuen Richtlinien ein anderer Titel gefunden wird, um bei den späteren Diskussionen Verwechslungen zu vermeiden.
8. Bergbau, Hütten, Salinen
Diese Industrien gehören heute zweifellos zu den wichtigsten, da von ihnen, besonders von der Kohle, alle anderen Industriezweige abhängig sind. So einfach an sich der gewöhnliche Bergbau ist, so kompliziert hat sich die Hüttenindustrie und besonders die Gewinnung der vielen überaus wichtigen Nebenprodukte gestaltet. Es erscheint aus diesen Gründen ausgeschlossen, daß diese Industrien im Zusammenhang allein von den Berg- und Hüttenarbeitern einschließlich der gewohnlichen Kopfarbeiter betrieben werden können, wenn nicht ein größerer Teil der technischen und chemischen Fachleute dafür gewonnen wird. Zur Aufrechthaltung des Betriebes sind dauernd schwierige Versuche in den Laboratorien notwendig, die wissenschaftliche Schulung erfordern. Diese Industrien werden daher ungeheure Schwierigkeiten bieten, langjährige Studien werden erst notwendig sein, um uns ein Bild über ihren Weiterbetrieb zu machen. Und doch darf der Betrieb der Bergwerke und Hütten nicht unterbrochen werden, wenn nicht die ganze Produktion auf allen Gebieten ins Stocken geraten und dadurch der Neuaufbau der Gesellschaft gefährdet werden soll.
Es können wegen der Schwierigkeit der Materie zunächst nur allgemeine Grundsätze aufgestellt werden, später muß dann den Problemen schrittweise für die einzelnen Industriegruppen nähergetreten werden .
In erster Linie müssen Mittel und Wege gesucht werden, den Betrieb der Bergwerke und Hütten gesundheitlich einwandfrei und für die Arbeiter ungefährlich zu gestalten. Da heute die Profitgier die Veranlassung für die meisten Mißstände ist, wird dies auch in weitgehendem Maße möglich sein. Der Betrieb muß nach Möglichkeit mechanisiert und die menschliche Arbeitskraft so weit wie angängig ausgeschaltet werden. Da der Wert oder Preis von Maschinen keine Rolle mehr spielt, können die neuesten und besten Maschinen und Arbeitsmethoden eingeführt werden. Die Arbeitszeit kann von den Föderationen erheblich kürzer angesetzt werden wie in anderen Industrien, weil sie größere Anstrengungen erfordert.
Die Verwaltung der Betriebe, die Einrichtung von statistischen Abteilungen für Arbeitsverteilung, technische und Betriebsverbesserungen u. dgl. kann nach den allgemeinen Grundsätzen für alle Föderationen geregelt werden.
Während die Kohlen- und Erzbergwerke eine besondere Industrie für sich bilden, greifen die Salinen, Kali- und Salzbergwerke usw. schon mehr oder weniger in die chemische Industrie hinüber, die Hütten haben Beziehungen zur Metallindustrie. Bei der späteren Unterteilung in diese Gruppen müßten also diese Föderationen zur Mitarbeit herangezogen werden.
Es ist ganz selbstverständlich, daß so schnell wie möglich an Stelle des mühe» vollen Transportes der Rohkohle in alle Landesteile die Gewinnung von elektrischer Energie aus derselben an Ort und Stelle und die arbeitslose Weiterleitung derselben durch dünne Leitungen in alle Gegenden angestrebt werden muß, wie das heute schon in kleinem Umfange bei den Ueberland-Zentralen und z. B. bei dem Braunkohlen-Kraftwerk Bitterfeld für Berlin der Fall ist.
Wenn die kapitalistischen Hindernisse überwunden sein werden, werden sowieso der Gesellschaft neue Kraftquellen durch Ausbeutung der natürlichen Wasserkräfte, der Sonnenwärme, des Windes usw. erschlossen werden.
9. Chemische Industrie.
In diese Industrie fallen die Fabriken für Herstellung von Drogen und Arzneimitteln, Soda, Seife, Farben, Oele, Fette, Zement, Sprengmittel für industrielle Zwecke und Düngemittel für Landwirtschaft und Gärtnerei. Auch in diesen Industrien ist die Mitarbeiterschaft von Chemikern, Physikern und Technikern notwendig, die Fabrikation muß fortgesetzt durch wissenschaftliche Analysen kontrolliert werden. Es ist aber allen Arbeitern, die dazu irgendwie befähigt sind, zu empfehlen, sich selbst einen möglichst hohen Grad von Wissen durch das Studium der heute schon vorhandenen Fachliteratur zu verschaffen.
Auch diese Industrien werden heute sehr gesundheitsschädlich betrieben. Es sind also Vorschläge auszuarbeiten, wie dies zu verbessern ist. Ebenso ist eine angemessene Arbeitszeit festzusetzen.
Es ist ein Verzeichnis aller derjenigen Fabrikate aufzustellen, deren Her» Stellung als gemeinschädlich oder unnütz einzustellen ist, also aller Luxusfabrikate, ferner Sprengstofffe oder Gase für militärische Zwecke, Feuerwerkskörper u. dgl. Das wichtigste ist, die Produktion von Düngemitteln gemäß C1 der Richtlinien zu heben.
Selbstverständlich müssen später Sonderstudien für die einzelnen Fachindustrien vorgenommen werden, auf allen Gebieten ist es aber notwendig, den Fortschritt durch geeignete Maßnahmen zu gewährleisten.
Betreffend die Organisierung der Fabrikbetriebe an sich ist schon an anderen Stellen alles auch für diese Industrien Zutreffende gesagt worden.
10. Metall- und elektrotechnische Industrie.
Die Grundlage des heutigen Kulturstandes bildet das Metall- und Maschinenwesen, alle Gewerbe und Industrien haben daher verwandschaftliche Beziehungen zu der Metallindustrie. Aus dem Grunde ist es notwendig, daß die Föderation der Metallindustrie Fachleute in die Kommissionen für alle anderen Industrien und auch in alle Unterkommissionen für die Arbeiterbörsen entsendet. Alle diese Fachleute haben bei ihren Ratschlägen nach den Richtlinien für die ganze Industrie zu verfahren.
Es handelt sich bei dieser Industrie um die weitverzweigteste, deren verschiedene Gruppen alle ineinander übergreifen, so daß sehr komplizierte Verhältnisse zu regeln sind. Es ist auch klar, daß in allen Fachgruppen Ingenieure und Techniker ausschlaggebend sind, wenngleich auch viele Arbeiter sich in diesen Industrien ein hohes Maß von technischem Können erworben haben, so daß dieselben bei der Organisation mitwirken können.
Auch für diese komplizierte Industrie müssen zunächst erst allgemeine Richtlinien geschaffen werden, nach welchen dann später die einzelnen Fachgruppen und noch später die einzelnen Betriebe ihre Studien anstellen können.
Ebenso wie für die Holzindustrie ist gemäß Absatz C der Richtlinien eine Einteilung aller Fabrikate in die Gruppen 1, 2 und 3 vorzunehmen. In Gruppe 1 sind aufzuführen:
a) landwirtschaftliche Maschinen und Geräte
b) Metallteile für Hausbau, Wohnungseinrichtungen und hauswirtschaftliche Geräte;
c) Maschinen und Apparate für Lebensmittel- und Bekleidungsindustrie;
d) Material für Verkehrsindustrie, Schienen, Schwellen, Lokomotiv- und Waggonbau, Beleuchtung, Beheizung, Gas und Wasser;
e) alle Maschinen und Werkzeuge für diese Industrien selbst;
f) alle Vor- und Nebenindustrien, wie Walz- und Stahlwerke, Röhren, Blech-, Draht- und Nägelindustrien.
Zu der Gruppe 2 gehören alle Luxusartikel, wie Privatautomobile, Luxusgeschirre, die Edelmetallindustrie, Spielwarenschund, die gesamte Waffen- und Kriegsschiffindustrie und viele andere Artikel.
Zu der dritten Gruppe gehören schließlich alle übrigbleibenden Fabrikate, die keinen Luxus darstellen.
Eine weitere Frage wird sein, wie im allgemeinen alle Metallartikel, Maschinen, Werkzeuge und Geräte zweckmäßig zu fabrizieren sind. Dabei werden, so weit wie möglich, auf allen Gebieten Normalien und Typen geschaffen werden müssen, um Einheitlichkeit in die ganze Industrie zu bringen. Die heutige Profitwirtschaft läßt eine solche Vereinheitlichung nicht zu, weil die gegenseitige Konkurrenz und sogenannte Betriebsgeheimnisse dies verhindern. In der Bedarfswirtschaft fallen diese Motive fort. Für alle Fabrikate können die bestbewährtesten Konstruktionen ausgewählt werden, da alle Patente aufgehoben sind und der freien Benutzung offen stehen. Für jede Fabrikation müssen aber dauernde Studienkommissionen aus praktischen Arbeitern und Ingenieuren, die ja dann ebenfalls alle praktisch tätig sind, soweit sie sich nicht lediglich als Konstrukteure, Zeichner o. dgl. beschäftigen, geplant werden, um das heutige Patentwesen zu ersetzen, also Verbesserungen herauszusuchen, Erfindungen zu prüfen und durchzuarbeiten usw.
Ebenso müssen Pläne entworfen werden, in welcher Weise die Materialverwendung am zweckmäßigsten geregelt werden kann. Knappes Material. Metalle, die aus anderen Ländern eingeführt werden müssen, sind für die wichtigsten Fabrikate vorzubehalten, während leichter herzustellendes Material für solche Produktionen Verwendung finden kann, wo nicht so hohe Anforderungen gestellt werden.
Ein weiterer Punkt der anzustellenden Studien wird die Ausarbeitung von Richtlinien für die Herstellung von Luxusgegenständen sein, wie Privatautomobilen usw. Diese Fabrikation wird wahrscheinlich zunächst nicht von den Föderationen geregelt werden können; sie haben nur darüber zu befinden, ob und wieviel Material für diese Zwecke freigestellt werden kann. Die betreffenden Interessenten müssen sich dann zu Gruppen zusammenschließen und im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten für sich ihre Wünsche befriedigen.
Aus allen Fachindustrien werden Befähigte in die Vor- und Nebenindustrien delegiert werden müssen, um eine möglichst zweckmäßige Vorbereitung des Materials herbeizuführen.
Dann wird die vorteilhafteste Verteilung der Arbeitskräfte geprüft werden müssen, ob die heutigen Methoden richtig und die besten, oder ob sie zu verbessern sind, wo z. B. gelernte und wo ungelernte Arbeiter beschäftigt werden können, und wie solche unterzubringen sind.
Für die dauernde Vermittlung und Verteilung von Spezialarbeitern ist eine besondere Kommission seitens der Föderation in Aussicht zu nehmen.
Schließlich wird für die Organisation der Betriebe selbst ein Plan aufgestellt werden müssen. Da dieselben nicht mehr kapitalistisch arbeiten sollen, muß die ganze Verwaltung von Grund auf reorganisiert werden. Das Meister- und Aufsehersystem fällt weg, dafür muß eine freiwillige Verteilung der Arbeitsplätze, eine dauernde Verteilung der Arbeitsmittel und des Materials, Abnahme und Probe der fertiggstellten Teile und Apparate durch Kommissionen oder Räte erfolgen.
Unter das Problem, wie weiter fabriziert werden soll, fällt auch die Festsetzung der Verteilung der Produktion bestimmter Gegenstände auf bestimmte Betriebe. Die heute übliche Zersplitterung ist möglichst zu beseitigen. Ferner muß untersucht werden, wo Teilarbeit und wo Arbeitsvereinigung nützlich ist. Auch die Gesamtverwaltung jedes Betriebes durch eine Kommission aus allen Hand- und Kopfarbeitern statt der heutigen durch, eine Direktion ist zu erwägen. Dabei ist ein dauernder Wechsel dieser Personen möglichst zu vermeiden, damit ein Fiasko wie in Rußland vermieden wird. Am besten wird immer nur ein Teil turnusmäßig ausscheiden, die besten Organisatoren müssen gehalten werden. Es muß verhütet werden, daß wegen jeder Kleinigkeit die Vertrauensleute zum Niederlegen ihrer Aemter genötigt werden.
Während alle diese Verhältnisse in Klein- und Mittelbetrieben leicht zu lösen sein werden, wird dies in den Großbetrieben schwieriger sein. Die Verteilung aller Arbeiten darf aber nicht wahllos erfolgen, sondern muß im höchsten Maße organisiert werden. Die Organisation muß eine ähnliche freiwillige sein, wie unser heutiges Gewerkschaftsleben.
Die Länge und Art der Arbeitszeit muß ebenfalls durch die Föderation erfolgen, dabei muß eine Differenzierung nach der Schwere der Arbeit vorgenommen werden. Arbeiter an Hochöfen und in Walzwerken können naturgemäß nicht eine ebenso lange Arbeitszeit leisten wie diejenigen bei der späteren Bearbeitung des Materials.
Für die dauernde Regelung aller solcher Fragen müssen eine Menge Unterabteilungen oder statistische Büros der Föderationen in Aussicht genommen werden.
Selbstverständlich muß auch in dieser Föderation ein Vertragsentwurf ausgearbeitet werden, wie sich auf dem Wege der freien Vereinbarung das Verhältnis zu den übrigen Föderationen und zu den Börsen gestalten kann, um ohne das Tauschmittel Geld auszukommen. Aus solchen Verträgen der einzelnen Föderationen muß dann durch gemeinsame Beratung von Vertretern aller Föderationen ein Gesellschaftsvertrag geboren werden, bis auch dieser später durch die Entwicklung überflüssig wird.
Wenn so allgemeine Richtlinien für die gesamte Metallindustrie aufgestellt sind, die schon an sich sehr umfangreich und schwierig sein werden, dann können die einzelnen Fachgruppen spezialisiert werden, die dann ihrerseits zu prüfen haben, was und wieviel zu fabrizieren ist, die die vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten zu kontrollieren und Verbesserungen der Fabrikation herauszusuchen haben werden.
Da die Verhältnisse so schwierig sind, kann kein Resultat auf einmal erreicht werden, die Untersuchungen müssen zunächst allen Berufskollegen zugänglich gemacht werden, um nach und nach in die lebendigen Verhältnisse einzudringen. Für diesen Ideenaustausch ist natürlich ein Föderationsorgan notwendig, ebenso wie für die Börsenangelegenheiten Mitteilungsblätter notwendig sind. .
Eine Untergruppe von besonderer Bedeutung bildet die elektrotechnische Industrie, die sich später wieder in eine Reihe von Spezialgruppen gliedern muß, z. B. Kabel- und Leitungsfabrikation, Dynamo- und Motorenbau, elektrotechnisches Kleinmaterial, Lampenherstellung, Telegraphie, Telephonie, elektrische Bahnen, Kraft- und Lichtwerke, Elektrochemie usw.
In dieser Industrie steht dem Fortschritt der weiteste Spielraum offen. Elektrisierung des ganzen Landes und des ganzen öffentlichen Lebens muß das Ziel der Entwicklung sein. Alle möglichen Naturkräfte, besonders die Wasserkräfte der Gebirgsflüsse, müssen der freien Gesellschaft dienstbar gemacht werden, um den Menschen das Leben zu erleichtern und zu verschönen.
11. Graphisches Gewerbe und Papierindustrie
Obwohl diese Industrie zum Teil in das Maschinengewerbe, zum Teil in die chemische Industrie übergreift, hat sie sich zu einer selbständigen Industriegruppe entwickelt, weil Handel und Verkehr, Politik, Wissenschaft und Literatur in der heutigen Zeit auf die gedruckte Verbreitung angewiesen sind. Speziell das Wesen der Tageszeitungen beeinflußt das gesamte öffentliche Leben in hohem
Maße, wenngleich nicht im schönen Sinne. Daneben spielen die verschiedenartigsten Fachzeitschriften, Berufsorgane und Vereinsschriften eine große Rolle.
In erster Linie handelt es sich um die Organisation der Papierfabriken, die in ähnlicher Weise wie die Produktionsstätten der Metallindustrie durchzuführen ist. Dieselbe dürfte besondere Schwierigkeiten kaum bieten, da das notwendige Rohmaterial im Lande vorhanden ist, besonders, wenn man berücksichtigt, daß ein großer Teil der in der kapitalistischen Gesellschaft notwendigen Druckerzeugnisse in der freien Gesellschaft nicht mehr gebraucht werden, so die politischen Kampfschriften rein agitatorischen Inhalts, die parlamentarischen Erzeugnisse, sämtliches Reklame-, Propaganda- und Offertenmaterial im Geschäftsleben, der größte Teil der gesetzgeberischen und verwaltungstechnischen Druckerzeugnisse, Papiergeld und Marken aller Art usw. Die Stelle der Tagespresse werden die Börsenorgane und die Stelle der Fachzeitschriften die Föderationsorgane einnehmen. Selbstverständlich muß die Presse- und Druckfreiheit allen Richtungen garantiert sein; es wird aber die große Mehrheit der Bevölkerung für solche Zeitungen wie die heutigen kein Interesse mehr haben, weil das pulsierende Leben alle Kräfte in Anspruch nehmen wird.
Die Fachgruppen der Setzer und Drucker werden nicht nur über den technischen Inhalt der von ihren Mitgliedern gedruckten Erzeugnisse bestimmen, sondern auch über den geistigen. Diejenigen Menschen, die dann gemeinschädliche Schriften veröffentlichen wollen, müssen wohl oder übel selbst den Satz und Druck besorgen. Hierüber, ebenso wie durch die Föderationen und die Kommissionen der Börsen, die Herausgeber der notwendigen Schulbücher, Bildungsliteratur und der gesellschaftlichen Verbindungsmittel durchgeführt werden kann, sind Pläne aufzustellen. Es ist zu untersuchen, welche Gruppen das Recht oder die Pflicht haben, für die schöne, wissenschaftliche und künstlerische Literatur zu sorgen. Hier werden wohl die Vereinigungen der Schriftsteller, Gelehrten und Künstler die geeigneten Instanzen sein, das durch Beratung und Beschluß festzustellen. Da diese Beschäftigungen nach und nach aufhören, besondere Berufe zu sein und alle produkiv Tätigen diesen Vereinigungen angehören können, erscheint ein schädigender Mißbrauch ausgeschlossen zu sein.
Die Druckereibetriebe selbst, die Buchbindereien usw. funktionieren dann in der gleichen Weise wie alle anderen gesellschaftlichen Betriebe. Leistungsfähige Maschinen sind schon heute in einem Umfange vorhanden, daß allen Anforderungen genügt werden kann.
12. Verkehr
Zweierlei kennzeichnet die großkapitalistische Epoche, in welcher wir leben: die industrielle Massenproduktion und das Verkehrswesen. Geregelter Verkehr ist eine Notwendigkeit, ja noch mehr, eine Voraussetzung für den Kapitalismus. Zuerst müssen Bahnen und Seewege geschaffen werden, bevor die kapitalistische Ausbeutung beginnen kann. Das Verkehrsgewerbe ist deswegen neben der Kohlenindustrie der ausschlaggebende Faktor im heutigen Staatsleben. Heute wird unter Verkehr gewöhnlich nur die Personen« und Güterbeförderung verstanden; dieser Begriff ist aber zu eng gefaßt. Zweifellos gehören Straßenbau und -beleuchtung, Instandhaltung von öffentlichen Plätzen, Bewässerung, Beheizung, Beleuchtung unserer Wohnungen, Abfuhr der Haushaltungsabfälle usw. ebenfalls zum öffentlichen Verkehr. Das Bestreben der Föderation der Verkehrsarbeiter muß es also sein, alle in diesen Zweigen tätigen Arbeiter auf föderativer Basis in Sektionen zusammenzufassen, um die Gemeininteressen einheitlich zu regeln. Die heutigen Tageskämpfe zwingen die Straßenbahner, Hochbahner, Elektrizitäts- und Wasserarbeiter schon häufig zum einheitlichen Handeln, bei dem Neuaufbau der Gesellschaft ist ein solches Zusammenarbeiten aber noch mehr von Notwendigkeit.
Obwohl die heutige Gesellschaft stets behauptet, durch den Zentralismus eine höhere Produktivität zu erzielen, beweist gerade das Verkehrsgewerbe, daß dieses System zur Zersplitterung führt und unrentabel wirtschaftet. Nutzlos und planlos werden auf der Eisenbahn Lebensmittel und Materialien hin und her transportiert, wie es der Spekulation gerade dienlich ist, und ebenso sinnlos werden an den einzelnen Orten alle Dinge von einem Ende an das entgegengesetzte geliefert. Beim Straßenbau arbeitet jede Gruppe für sich, oft müssen Neubauten dreimal oder öfter aufgerissen werden, um einmal die Wasserrohre, dann die Gasrohre und schließlich die Kabel zu verlegen. Alle diese Verschwendungen müssen in der sozialistischen Gemeinschaft beseitigt werden. Planmäßigkeit muß an die Stelle des zentralistischen Durcheinanders treten. Das ist nur bei einem föderativen Zusammenarbeiten aller Zweige des gesamten Verkehrswesens möglich.
Es liegt in der Natur der Sache, daß bei dem Stande der heutigen Technik das Verkehrsgewerbe, in diesem breiten Rahmen verstanden, gewissermaßen die höchst entwickeltste Arbeiterschaft umfassen muß, die den Schalthebel der heutigen Wirtschaft in der Hand halten. Es ist daher von besonderer Wichtigkeit, daß Studien für das zweckmäßige Verhalten aller Gruppen des Verkehrsgewerbes bei dem Niederringen des kapitalistischen Staates und für den Neuaufbau der freien sozialistischen Gesellschaft angestellt werden.
Bei dem letzteren wird es die Aufgabe der Verkehrsindustrien sein, die Siedlungen verkehrstechnisch zu verbinden, die Personenbeförderung und die Güter- und Produktenverteilung zu regeln, die gemeinnützigen Einrichtungen, wie Kochgas, elektrisches Licht, elektrische Kraft, Wasserleitung, Gartenberieselung, Staubsauger und Müllschlucker, usw usw., allen Menschen nutzbar zu machen. Der Verkehr ist auch ein Kulturhebel. Je mehr die Menschen und Völker in gegenseitige Verbindung gebracht werden, je höher wird die geistige Entwicklung sein. Es wird deswegen auch die Aufgabe des Verkehrs der Zukunft sein, allen Menschen die Schönheiten der Natur zugänglich zu machen, sie mit der Kultur aller Länder bekanntzumachen und so die internationale Befreundung und Verbrüderung herbeiführen zu helfen.
Alles überflüssige Güterverschieben von heute wird in der zukünftigen Bedarfswirtschaft aufhören, ebenso das unnötige Personenfahren zum Schaden der Allgemeinheit, wie das Reisen der Agenten, der Verwaltungsbeamten, der Transport von Soldaten, der Kleinhandel usw. Gut organisiert muß dagegen werden die Vermittlung der Post, die Verteilung der Lebensmittel und Güter von den Produktions- an die Verbrauchsstellen, der Besuchs- und Erholungsverkehr, der Verkehr des öffentlichen Lebens, zu den notwendigen Konferenzen usw. Ganz von selbst wird dadurch eine gewisse Entlastung des Verkehrs erfolgen, bis durch Neubauten bessere Verkehrsmöglichkeiten geschaffen sind.
Unter der Sozialisierung des Verkehrsgewerbes verstehen wir nicht eine Verstaatlichung oder Kommunalisierung, sondern die Enteignung und Entstaatlichung. Alle Einrichtungen werden frei für alle, wie heute die öffentlichen Wege, Straßen, Feld und Wald. Die Verwaltung der Betriebe erfolgt durch die Kopf- und Handarbeiter direkt ohne bürokratischen Ueberbau.
Diese Verwaltung ist verhältnismäßig einfach und leicht, es ist daher wohl anzunehmen, daß dieselbe durch die befähigsten Arbeiter, einem Teil der Angestellten und durch Hinzukommen von willigen proletarischen Intellektuellen ohne Schwierigkeiten durchzuführen sein wird, selbst wenn auch ein Teil der heutigen Hauptleiter, Direktoren u. dgl., infolge reaktionärer Gesinnung die Mitarbeit sabotieren sollten. Es kommen für jeden Betrieb hauptsächlich in Frage: Instandhaltung des Betriebskörpers und Materials, Beschaffung von Betriebsstoff, Fahrpläne, respektive Bedingungen für Abgabe von Licht und Kraft, Verteilung der Bedienung, Neuanschaffungen.
Bei allen diesen Aufgaben kommt keine Buchführung im heutigen Sinne, keine Rentabilitätsberechnungen, keine Preis- und Selbstkostenkalkulationen in Frage. Rein lebendig ist der Betrieb zu organisieren. Wenngleich diese Aufgaben auch nicht allein von den Arbeitern gelöst werden können, so ist doch jeder halbwegs fachgebildete Eisenbahntechniker, Licht-, Gas- und Wasseringenieur dazu in der Lage. Es ist angebracht, schon bei den Studienberatungen solche Personen zur Mitarbeit zu gewinnen.
Eine wichtige Untersuchung wird die Frage bilden, ob sofort alle Verkehrs- und Gebrauchsmittel völlig freigegeben werden können, oder ob bestimmte Einrichtungen, wie z. B. Autos und Droschken, nur für bestimmte Zwecke, wie Krankendienst, Milchversorgung oder dgl. reserviert bleiben müssen. Ferner müssen Vorschläge ausgearbeitet werden, wie der Verkehr zu bewältigen sein wird, ob dies ganz ohne Kontrolle möglich ist, oder ob vorerst eine Kontrolle durch Arbeitsscheine, Arbeitsbücher usw. zu bestimmten Zeiten, oder ähnliche Einrichtungen notwendig sind. Die Beantwortung dieser Fragen wird davon abhängen, ob die Reiselust und der Reisedrang in der ersten Zeit nicht zu groß sein wird, um allen Wünschen Rechnung tragen zu können. Wahrscheinlich wird dies der Fall sein, weil es sich um einen natürlichen Trieb handelt, dessen Entfaltung der arbeitenden Bevölkerung heute unterbunden ist, und der dann beim Freiwerden sich auszuleben trachtet. Durch dauernde Kommissionsberatungen werden die jeweiligen Möglichkeiten geprüft werden müssen. Unter Umständen muß dann das Reisen, außer dem zum Wirtschaftsleben notwendigen, vorübergehend auf die wichtigsten Anlässe, wie Familiensachen, Krankheit, Tod, begrenzt werden, später vielleicht als Prämie für gewisse Arbeitsleistungen gestattet sein.
Endlich werden Mittel und Wege zur Modernisierung des Verkehrs geprüft werden müssen. Die Wohnungsnot wird zu einem gewissen Siedlungszwang drängen; dann muß überall ein Schnellverkehr in alle neu erschlossenen Siedlungen eingerichtet werden, Zuerst käme hierfür Automobilomnibus- und Automobildroschkenverkehr in Frage, so schnell wie möglich dann elektrische und Untergrund-Bahnen.
Auch neue Bahnsysteme kämen in Betracht, wie Schwebebahnen, gleislose Bahnen und Einschienenbahnen. Für weite Strecken käme sogar Fliegerverkehr in Frage; über alle solche Möglichkeiten müßte sich die Studienkommission Vorträge von Fachleuten halten lassen.
Dann wäre es naturgemäß Sache der Föderation, die Länge und die Art der Arbeitszeit zu prüfen. Von vornherein werden feste Vorschläge zwar nicht möglich sein, es können aber Gesichtspunkte gesucht werden, nach welchen später diese Fragen entschieden werden können. Maßgebend muß hierbei immer sein, daß alle Gruppen für sich möglichst richtige Maßnahmen treffen.
Ebenso muß auch diese Studienkommission den Versuch machen, ein Vertragssystem der freien Vereinbarungen an Stelle der heutigen Geldentlohnung zu suchen.
Nach Festlegung aller dieser Punkte käme eine Unterteilung in Frage,
a) in Verkehr in dem Börsenbezirk,
b) Verkehr im ganzen Wirtschaftsbezirk.
Nach Gliederung in diese zwei Gruppen wäre wieder a) zu teilen in Stadtbahn, Hochbahn, Straßenbahn, Omnibus, Autoverkehr; b) in Eisenbahn, Flußschiffahrt, Seeschiffahrt.
Ganz von selbst ergeben sich hierdurch die besonderen Aufgaben der Eisenbahner, Binnenschiffer und des Schiffahrtsbundes. Kreisbahnen müßten durch die Kreisräte, die Eisenbahnen nach Landesbezirken bzw. durch die Reichsföderation verwaltet werden.
Die Wasser-, Licht- und Gaswerke und andere gemeinnützige Werke sind natürlich wie alle sonstigen Betriebe zu verwalten.
12. Freie Berufe
Diese Studienkommission ist selbstverständlich aus Angehörigen der sogenannten Kopfarbeiter zusammenzustellen. Die Frage der freien Berufe, also solcher geistigen Arbeiter, die keine produktive Tätigkeit im industriellen Sinne ausüben, ist von zwei Gesichtspunkten aus zu behandeln. Einmal sind die Aufgaben der heute unter diesen Begriff fallenden Angestellten, wie sie in den Richtlinien, Absatz E skizziert sind, und der Intellektuellen im allgemeinen, festzustellen, wobei diese Kreise besonders darauf aufmerksam gemacht werden müssen, daß ihre Tätigkeit in der neuen Gesellschaft eine produktive werden muß.
Es ist darzulegen, welche von den heutigen Berufstätigkeiten überflüssig und unmöglich sind, und wie sich die Angehörigen solcher Berufsgruppen am besten nützlich machen können unter Ausnutzung ihrer Fähigkeiten.
Andererseits sind die wirtschaftlichen Aufgaben für die übrigbleibenden freien Berufe zu prüfen, die auch in der freien Gesellschaft notwendigerweise vorhanden sein müssen. Es kommen hier Aerzte, Schullehrer, wissenschaftliche Lehrer und Wissenschaftler an gemeinnützigen Versuchsanstalten, also Chemiker. Physiker, Biologen, Astronomen, Geologen, ebenso Lehrer an Kunstschulen, wie Maler, Bildhauer, Musiker in Betracht. Juristen kommen nicht in Frage. Diesen Beruf gibt es in der neuen Gesellschaft in keiner Weise, da die Schiedsgerichte stets durch die engeren Volksgenossen geregelt werden müssen. Die heutigen Juristen können aber mitwirken bei der Ausarbeitung von Plänen für die Schlichtung von allen Streitigkeiten in den Gruppen der Gemeinschaft.
Auch alle diese Berufsgruppen müssen natürlich Interessengemeinschaften bilden und durch dieselben die respektiven Verhältnisse regeln, also Aerzte das Gesundheitswesen, Lehrer das Schulwesen, die Künstler Theater, Museen und Architektur, die Wissenschaftler die Akademien, wissenschaftlichen Versuchsanstalten usw.
Wenn auch im allgemeinen eine Ueberbrückung zwischen den Hand« und Kopfarbeitern stattfinden wird, und sich fast alle Menschen nach irgendeiner geistigen Richtung hin betätigen werden, in welchem Falle sich ebenfalls der betreffenden geistigen Interessengemeinschaft angehören können, wird doch ein kleiner Teil von besonderen Fachwissenschaftlern lediglich in demselben tätig sein müssen. Der Unterschied gegen heute wird nur sein, daß sie gleichwertige Genossen aller anderen Mitglieder der Gemeinschaft sind.
Besondere Mühe wird sich diese Studienkommission geben müssen, den Kopfarbeitern von heute klarzumachen, daß es in ihrem Interesse liegt, an dem sozialistischen Aufbau teilzunehmen, und welches ihre Aufgaben dabei sind.
13. Randbemerkung
Viele Vorschläge werden manchem utopistisch klingen, ja vielleicht lächerlich erscheinen, aber wenn man überhaupt einen Anfang mit Plänen für eine Rekonstruktion der Gesellschaft nach ganz neuen Prinzipien machen will, wird man nicht umhin können, mehr oder weniger ins Reich der Phantasie hinaufzusteigen. Und das ist auch gar nicht so ungeheuerlich, oder gar verwerflich. Wer kann bestreiten, daß vieles, was noch vor wenigen Jahren ganz allgemein als etwas Utopisches, Unmögliches galt, heute Wirklichkeit ist? Denken wir an Wagen, die ohne Pferde fahren, an das Sehen durch feste Körper, an das Fliegen usw. So gibt es auch für die Form der gesellschaftlichen Verhältnisse keine Grenzen, nichts Unmögliches. Aber ähnliches haben viele Großen vorausgeahnt in ihrer Phantasie, so neben Kropotkin, vor allem W. Morris in seinem empfehlenswerten Buche: „Kunde von Nirgendwo“.
Nur eins darf man beim Studieren aller Verhältnisse nicht vergessen, daß es Wünsche und Pläne sind, und daß man von denselben nicht mit Bestimmtheit behaupten kann, daß es gerade so und nicht anders kommen wird. Aber Eins wissen wir: Ebenso sicher, wie die Entwicklung im ganzen Kosmos aufwärts geht, ebenso sicher müssen sich auch die gesellschaftlichen Verhältnisse aufwärts zum Besseren und Vollkommeneren entwickeln. Unser Glück und unsere Befriedigung ist es, an dieser Entwicklung vorwärts und aufwärts aktiv teilzunehmen! Das ist Syndikalismus! (F. B.)

