Editorial

Hosianna, die Despoten haben die Spendierhosen an! Der Scheich von Kuwait beschenkt jeden Staatsbürger mit 1.000 Dinar und Nahrungsmitteln, und der saudische Regent macht satte 35 Mrd. Dollar für Gehaltserhöhungen und die neue Arbeitslosenhilfe locker. Auch in Deutschland gibt sich der Neuadel mildtätig: Der Regelsatz für HartzIV-EmpfängerInnen wird endlich erhöht

Der rote Faden

1966: Ein Gruppe von Transfrauen, darunter einige SexarbeiterInnen, verursachen einen Aufruhr in einer Cafeteria in San Francisco, als ein Polizeibeamter eine von ihnen verhaften möchte. 1967: 42 Bunnies aus dem New Yorker Playboy Club lancieren den „Bunny Strike“, nachdem die Verhandlungen über einen Kollektivvertrag gescheitert sind. 1969: Eine Polizeirazzia in

Ohne Hüllen, ohne Boss

Das kalifornische San Francisco und seine Umgebung können auf eine reichhaltige Tradition selbstverwalteter Betriebe zurückblicken. Viele solcher Betriebe sind heute im Network of Bay Area Worker Cooperatives (NoBAWC) zusammengeschlossen, darunter auch der libertäre Verlag AK Press und die bekannte Umsonst-Klinik aus Berkeley. Das prominenteste Projekt im NoBAWC ist jedoch

Sex Works

Sex gehört mittlerweile zu jedem Roman oder Film, der für die große Kasse vorgesehen ist. Kaum eine Story, in die sich nicht eine Portion Wollust hineinmischen ließe. Eine dieser stofflichen Verbindungen erfreute sich in der Literaturwelt zuletzt einer gewissen Beliebtheit: Mit Titeln wie „Fucking Berlin – Studentin und Teilzeit-Hure“ oder

Marxistischer Dreisatz

Wenn ich alte marxistische Traktate über die Sowjetunion lese, überkommt mich meist ein mentaler Brechreiz. Das mag dem Privileg geschuldet sein, heute Geschichte aus einer anderen Warte beurteilen zu können. Schließlich hätte man ja selbst, wie ein Großteil der internationalen Arbeiterbewegung, dem Mythos vom „Heimatland aller Werktätigen“ auf den Leim

Die Faust in der Schlinge

Wer nicht streiken darf, steht fast schon auf der Stufe eines Landsknechtes. Wo es einem unter Strafandrohung untersagt ist, die Arbeit zu verweigern, bleibt einem nur die Kündigung oder soldatischer Gehorsam am Arbeitsplatz. Natürlich ist die Situation der „freien Lohnarbeiter“ in Deutschland nicht ganz so düster; die Möglichkeiten zu streiken

Union Dynamite

Viele BeobachterInnen der FAU scheinen zwischen den Stühlen zu sitzen. Dass eine gewisse Hemmschwelle existiert, sich mit der von einem faktischen Gewerkschaftsverbot betroffenen FAU Berlin zu solidarisieren, dürfte einigen nicht entgangen sein. Wird einerseits das konkrete Anliegen der FAU Berlin und ihrer Betriebsgruppe im Kino Babylon Mitte anerkannt, so wird

Wer hat uns verraten…

Vor 95 Jahren, an Weihnachten, brach die Westfront im Ersten Weltkrieg für kurze Zeit zusammen. Der Grund: Die Soldaten wollten nicht mehr kämpfen und verbrüderten sich. Dennoch dauerte es fast vier weitere Jahre, bis das industrielle Morden ein Ende hatte. Es ist ein weit verbreitetes Bild, dass die Arbeiterbewegungen insbes. In

Hintergrund-Buchschau

Pünktlich zum Jahresbeginn möchten wir an dieser Stelle einige neue Bücher vorstellen. Besonders hervorzuheben ist dabei das „Counter-Power“-Projekt von Lucien van der Walt und Michael Schmidt, das einen wichtigen Beitrag zur syndikalistischen Theoriebildung darstellt. Die zentrale Annahme des Buches – die die Autoren historisch zu belegen versuchen – ist,

Tödliche Arbeitsunfälle

Im ersten Halbjahr 2009 ist die Zahl der Arbeitsunfälle um 10% zurückgegangen. Grund: die Kurzarbeit. Wo weniger gearbeitet wird, werden weniger Menschen verstümmelt oder getötet. Dennoch bleiben Arbeitsunfälle epidemisch: im ersten Halbjahr gab es ihrer ca. 430.000. Tödliche sind allein in Berlin knapp 200 zu zählen. Gleichzeitig stiegen die