„Der Chefteddy“

kulturguerilla.jpgDa niemand mit ihm spielen wollte, brachte sich der Stopfteddy bei aus dem Gesicht zu furzen, nannte das Sprache und erhielt auf diese Weise etwas Aufmerksamkeit, aber keine Freunde. Um Freunde einzutreiben wollte er Gott werden, allerdings scheiterten Selbstversuche kläglich. In heftiger Liebe zu einem Tischbein entbrannt, endeten Kontaktbemühungen tragisch, denn das Tischbein beantwortete seine Hoffnungen nicht. Nun fantasierte er davon Tischbeine in Frühstückgrütze zu verwandeln. Das ging nicht gut, und ein Nachttisch brach unter seinem Ansturm zusammen. Und wie sie so darniederlagen, mochte er keine Tischbeine mehr, und er übte, eine Stuhlkante zu küssen, doch diese betrog ihn mit einer Fliege. Noch immer allein, gab er seinen Blähungen Namen und versammelte sie regelmäßig um sich, um ihnen die Welt zu erklären. Bei solchen Versammlungen schlief er regelmäßig ein, gleichwohl gewann er ein positives Verhältnis zu sich selbst.

In Ermangelung von Zuneigung verliebte er sich in sein Spiegelbild und kratzte sich versehentlich einige Erinnerungen auf, was ihn zwar kleiner, jedoch nicht bescheidener werden ließ. Prompt gründete er einen Club der Besserwisser, nur blieben Mitglieder aus, da er alles am besten zu wissen glaubte. Weil die Zeit reif war und die Pubertät neue Temperaturschwankungen anlieferte, befahl der Teddy eines Tages sämtlichen Bauklötzen sich zum Papsttum zu bekennen und ihm stets zu gehorchen. Damit er sich dem Himmel gegenüber (dessen Heiterkeit durchs Fenster fiel) als heilig erwies, versprach er, sich nicht mehr vor Tischbeinen auszuziehen, was sich rasch als Lüge entpuppte. Da er somit nicht zum Papst berufen war, begann die Militarisierung des Zimmers mit einem Rülpser an stillgestandene Bauklötze und dem Versuch Sitzkissen mit Flüchen zum Fliegen zu bringen. Aber die künftige Luftwaffe blieb am Boden, obwohl er mit der Bildung von Nebensätzen drohte.

Weil er von einer Welt ohne Widerworte träumte, wollte ihn die Pubertät nicht loslassen, darum nahm er sie mit bis ins späte Alter hinein. Am Ende des Flurs, der vom Kinderzimmer abstand und den er für eine göttliche Einladung hielt, erreichte er die Bekanntschaft einer Toilettenschüssel, erkannte die innere Verwandtschaft und legte ein Gewölle vor sie hin. Diese Leistung verringerte seine ausgestopfte Existenz, andererseits machte ihn jede Gedankenlosigkeit glücklich. Nachdem er das Klo zurecht gebrüllt hatte, stand einer Thronbesteigung nichts mehr im Wege, bei der er sich mit etwas aufgefundenem Stiefelfett zum beispiellosen Rotzlöffel salbte. Zum Beweis seiner Einzigartigkeit wies er Geräusche an, vor ihm niederzuknien und stieß fortan weitere Gewölle aus, die am Rand der Klosettschüssel abschwollen. Und mit jedem Ausstoß klein und kleiner werdend, rutschte er tiefer in den Lokus, was er als Schmeichelei empfand. Bis ein gnädiger Nachmittag die Spülung zog.

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