Arbeitskampf über den Wolken

Die finanzielle Situation von LOT ist seit Jahren schlecht. Nachdem das Unternehmen 2012 mit staatlichen Geldern vor der Pleite gerettet wurde, hat der Vorstand 2013 ohne Zustimmung der Gewerkschaften die Gehälter der Mitarbeiter*innen gekürzt. Seit 2014 stellt das Unternehmen keine Festangestellten mehr ein, sondern greift auf Leiharbeiter*innen zurück, wobei diese zu schlechteren Konditionen beschäftigt werden. Das ganze erregte natürlich den Unmut der Beschäftigten. So begann die Auseinandersetzung, die ihren Höhepunkt in den letzten 2 Wochen erreichte.

Disziplinarische Entlassungen per E-Mail

Der Protest der LOT-Angestellten läuft seit dem 18. Oktober. Schon zwei mal wollten die Beschäftigten 2018 streiken, was ihnen allerdings in letzter Minute gerichtlich untersagt wurde. Nachdem allerdings der Verhandlungsführerin der Flugbegleitergewerkschaft ZPPIL, Monika Żelazik, gekündigt wurde, traten ihre Kolleg*innen in den Streik und demonstrierten vor der Zentrale der Airline in Warschau. Daraufhin hat die Geschäftsführung am 22. Oktober rund 67 Streikende, die Mitglieder der Pilotengewerkschaft ZZP und Flugbegleitergewerkschaft ZPPIL sind, per E-Mail entlassen. Sie gehen gegen ihre Entlassung nicht nur gerichtlich vor, sondern fordern weiterhin auf der Straße die Rücknahme der Kündigungen sowie bessere Arbeitsbedingungen.

Streikposten vor der Firmenzentrale in Warschau

Rechnung an Piloten für den Streik?

Inzwischen nimmt die Anzahl der stornierten Flüge zu. Um nachfolgende Flüge nicht ausfallen zu lassen, mietet das Unternehmen Flugzeuge und Besatzungen von anderen Fluggesellschaften. Eine Betriebsstunde einer solchen Maschine beträgt 10.000 Dollar. Dies verschärft die Frustration der Demonstranten, die seit 2013 für Lohnsteigerungen kämpfen. Aber die Geschäftsführung ging noch weiter: Die Piloten, die sich geweigert haben zu arbeiten, erhielten Zahlungsaufrufe – manche sogar in Höhe von 600.000 Zloty (circa 150.000 Euro) – um das Unternehmen für annullierte Flüge zu entschädigen. Den Zahlungsaufruf erhielt auch ein Pilot, der sich nach diesen neuen Repressionen entschied dem Streik anzuschließen.

„Illegaler Streik”

Gleichzeitig wurde den Streikenden mitgeteilt, dass LOT die entlassenen Arbeiter*innen wiedereinstellen würde, wenn sie zugäben, dass sie einen Fehler bei der Durchführung des Streiks gemacht hätten und ihn nicht fortsetzen würden. Die Airline behauptet noch immer, dass der Streik „illegal” sei. Aus dem Büro des Premierministers Mateusz Morawiecki kam lediglich die Aussage, dass die Streikenden das Gesetz brechen und die Folgen tragen müssen. Der Premierminister selbst schweigt, obwohl er im Sommer die persönliche Aufsicht über das Unternehmen übernommen hat. Während die Streikenden von immer mehr Gewerkschaften unterstützt werden, meinte der Pressesprecher der Gewerkschaft Solidarność, Marek Lewandowski: „Solidarność ist nicht Teil dieser Auseinandersetzung und beteiligt sich nicht an diesem Streik.” Für die fehlende Solidarität mit den streikenden Arbeiter*innen wurde die Solidarność in der Öffentlichkeit kritisiert. Die Nähe der Solidarność zum Lager der „guten Veränderung” (die mit Mehrheit herrschende national-konservative Partei PiS) ist ihnen offenbar wichtiger als die Interessen der Arbeiter*innen.

Unterstützungskampagnen

Solidaritätskundgebung der IP auf dem Ławica-Flughafen in Posen

Immer mehr Gewerkschaften zeigen Solidarität mit den Streikenden, wie zum Beispiel die polnische Lehrer*innengewerkschaft ZNP, die Gewerkschaftsföderation der Eisenbahnarbeiter*innen FZZK und Arbeiter*innen der Warschauer Universität, die in der Inicjatywa Pracownicza (IP, zu deutsch Arbeiter*innen-Initiative) organisiert sind. Internationale Unterstützung bekommen die Arbeiter*innen von LOT unter anderem von Gewerkschaften aus Spanien und Italien.

„Unser Ziel ist es, Solidarität zwischen Arbeiter*innen der verschiedenen Branchen zu zeigen. Zu zeigen, dass die Probleme mit Schrottverträgen, Einschränkung des Streikrechts oder Repressionen gegen protestierende Arbeiter*innen in all diesen Branchen üblich sind.”, so Jakub Grzegorczyk von der IP, der polnischen Schwestergewerkschaft der FAU.

Die IP hat in den letzten Wochen unter anderem die Streikkundgebung der Streikenden vor dem Firmensitz in Warschau vor Ort unterstützt und die Solidaritätskundgebung mit den Streikenden an der Universität Warschau organisiert, an der die Hochschulgewerkschaften und Student*innenorganisationen, Student*innen und wissenschaftliche Arbeiter*innen beteiligt waren. Auch in anderen Städten wie Breslau oder Posen hat die IP Unterstützungsaktionen für die Streikenden durchgeführt. Am vergangenem Wochenende haben die IP-Mitglieder die Solidaritätskundgebung auf dem Ławica-Flughafen in Posen organisiert, in Breslau demonstrierten sie vor dem lokalen Standort von LOT.

Kundgebung in Breslau

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