Kollektiv gegen die Mafia

Blockadeaktion bei BernsDie
syndikalistische SAC in Schweden befindet sich in der wohl härtesten
Auseinandersetzung ihrer neueren Geschichte. Dieser Konflikt bei
Berns, einem großen und prestigeträchtigen Hotel-, Gastronomie und
Diskothekbetrieb in Stockholm, nahm seinen Anfang im Jahr 2007, als
zehn undokumentierte
ArbeiterInnen mit vorübergehender Aufenthaltserlaubnis die Hotel-
und Restaurantgewerkschaft der SAC kontaktierten. Die MigrantInnen
beklagten sich über furchtbare Arbeitsbedingungen bei Berns: keine
Arbeitsverträge, Schichten von bis zu 18 Stunden, manchmal sieben
Tage die Woche, untertarifliche Löhne, unbezahlte Nacharbeit, kein
bezahlter Urlaub usw. Im öffentlichen Fernsehen sollte später einer
von ihnen berichten, dass sie es oftmals nicht schafften, zwischen
den Schichten nach Hause zu kommen und so gezwungen waren, ein paar
wenige Stunden in den Toiletten oder auf dem Boden des luxuriösen
Saals zu schlafen, wo der Jet Set und Angehörige des schwedischen
Königshauses sich nachts zu amüsieren pflegen.

Berns
machte im Laufe der Zeit von drei Subunternehmen Gebrauch, über die
es die Reinigungskräfte billig bezog. Diese wurden speziell dafür
gegründet, um Steuern zu sparen und um von den billigen
Dienstleistungen Gebrauch machen zu können, ohne mit den damit
verbundenen unmenschlichen Arbeitsbedingungen in Berührung zu
kommen. Berns nutzte ausschließlich diese Subunternehmen, weshalb
die Aufträge auch nie öffentlich ausgeschrieben wurden. Die drei
Firmen hatten immer die gleichen Angestellten, den gleichen Kunden,
die gleiche Anschrift und den gleichen Besitzer. Wenn eine dieser
Firmen Insolvenz anmeldete, nahm die nächste ihre Arbeit auf. Die
ArbeiterInnen wurden so von einem Subunternehmen in das nächste
transferiert, ohne das selbst auch nur zu spüren.

Drei
Jahre Kampf

Im
selben Jahr, in dem Kontakt mit der Gewerkschaft aufgenommen wurde,
traten die ArbeiterInnen in den Streik, und ihre GenossInnen
blockierten die Eingänge. Berns senkte daraufhin die
Wochenarbeitszeit von 80 auf 35 Stunden und hob den Lohn von 1.400
Euro auf 2.000 Euro monatlich an, zahlte die seit einem Jahr
ausstehenden Löhne und informierte die Gewerkschaft, dass die
ArbeiterInnen sich als direkt bei Berns, ohne Subunternehmen,
angestellt sehen sollten. Währenddessen informierten die
ArbeiterInnen andere davon, was sie erreicht hatten. Gleichzeitig
überlegte Berns, unter Einbezug seiner politischen Kontakte, wie es
die GewerkschafterInnen, die immer mehr wurden, loswerden könne.

Es
folgte dann eine Phase, in der Berns den Migranten zu drohen begann
und letztlich sieben GewerkschafterInnen feuerte. An die Stelle der
bisherigen Subunternehmen von Berns trat nun ein neuer Partner, das
Subunternehmen NCA, das wieder den Reinigungsdienst übernahm. Gegen
Ende 2008 forderte der Rest der SAC-Betriebsgruppe bei Berns von NCA
die Einhaltung des Arbeitsschutzes und unbefristete Verträge. Nach
erneuten Blockaden konnte dies für die Betriebsgruppe erkämpft
werden. Die Betriebsgruppe wuchs erneut mit diesem Kampf, weshalb
Berns in der Folge beschloss, sich auch von NCA zu trennen, und
diesmal die Reinigungskräfte auch wirklich direkt anzustellen –
allerdings nicht die organisierten ArbeiterInnen.

Gegen
Ende Februar 2010 forderte dann die SAC von Berns, einen festen
Vertrag mit den gefeuerten GewerkschafterInnen zu unterschreiben und
die Lohnausfälle zu bezahlen. Um die Verhandlungen zu erleichtern,
bot die Gewerkschaft zwei weitere Alternativen an: Entweder solle
Berns mit einer revolutionären Kooperative der ArbeiterInnen einen
Vertrag abschließen oder den gefeuerten Mitgliedern eine Abfindung
von 100.000 Euro zahlen. Berns weigerte sich, weshalb die
Gewerkschaft mit neuen Aktionen begann, um die Wiedereinstellung, die
Zusicherung gewerkschaftlicher Rechte und die Zahlung der
ausstehenden Löhne durchzusetzen. Seitdem finden jedes Wochenende
Blockadeaktionen statt.

Wer
ist hier mafiös?

Lanciert
vom schwedischen Hotel- und Gastronomieverband, in dem Berns Mitglied
ist, begann in der Folge eine Pressekampagne, in der die Blockaden
der Gewerkschaft als „mafiöse Erpressermethoden“ bezeichnet
wurden. Zu ihrer Hundertjahrfeier im Sommer lud deshalb die SAC eine
italienische Gewerkschaftsaktivistin ein, die gegen die organisierte
Mafia kämpft. „Wer behauptet, die Syndikalisten seien mafiös“,
erklärte sie in ihrem Vortrag, „weiß nicht, was die Mafia ist,
denn die Mafia tötet Arbeiter“. Die Genossin schilderte auch, dass
die Mafia in Italien, so wie Berns in Schweden, ihre politischen
Kontakte nutze, um eine Kriminalisierung der Gewerkschaften zu
erreichen.

Immer
noch, mittlerweile im siebten Monat, finden Blockaden statt. Und
immer wieder greift die Polizei diese mit Pfefferspray an, verbreiten
berittene Polizisten Angst und werden Leute verhaftet, die später
berichten, geschlagen worden zu sein. Indessen haben die Anwälte von
Berns angekündigt, dass sie die ArbeiterInnen individuell wegen
Erpressung anzeigen werden – ein Präzedenzfall. Andere wurden
bereits abgeschoben.

Die
PolitikerInnen haben sich bis heute geweigert, über die
Regularisierung dieser
Mafia-Unternehmen zu diskutieren. Im Gegenteil: Der
sozialdemokratische Vizechef der städtischen Polizeibehörde, der
die Polizeieinsätze mit verantwortet, hat selbst lukrative Geschäfte
mit Berns am Laufen. Als Richter versucht er, die SyndikalistInnen
und ihre Kampagnen zu verurteilen. Italien lässt grüßen.

Die FAU Berlin wie auch
die IWW in Deutschland und England unterstützen die SAC in diesem
Konflikt. Weitere Infos auf www.fau.org und www.wobblies.de. Achtet
auf weitere Ankündigungen.

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