Ein Fundus für die Basis

CoverFür LeserInnen der DA sind die Illustrationen ihres Hauszeichners Findus längst liebgewonnenes Gimmick. Insbesondere Menschen, die ihre eigene, zuweilen recht spröde Geschichte und Philosophie mit Witz und einer gehörigen Portion Selbstironie betrachten, wissen seine Kunst zu schätzen. Denn allzu oft bediente Plattheiten und Lächerlichkeit sucht man darin vergebens.

Findus‘ Liebe zum Detail kommt auch in einem neuen Comicband zum Tragen, einer Co-Produktion mit der Journalistin Caterina Metje. Ihre gemeinsam im März im Unrast-Verlag veröffentlichte Kleine Geschichte der Genossenschaften gehört in jede Hand, hat es in sich. „Klein“ daran ist allenfalls der Titel; kompakt, inhaltlich fundiert und großartig ist sie dagegen in Aufmachung und Umfang.

Teppichgleich wird hier vor dem Hintergrund einer Münsteraner Kneipendiskussion die Theorie und Praxis von Selbstorganisation sowie Idee und Geschichte der Genossenschaftsbewegung ausgerollt. Das Ganze wird zum Parforceritt, lebendig, bunt, schillernd, nicht weniger als die Gestalten, die zu ihren Wegbereitern zählten. Und kommt ohne die sonst obligatorischen Scheuklappen aus; Liberale und sozialistische Denker geben sich hier einträchtig die Klinke in die Hand. Von den utopischen Sozialisten und Arbeiterkolonien wird der Faden durch die verschiedenen Formen des Genossenschaftswesens, Erscheinungen der Arbeiterselbstverwaltung, die Kollektivierungen in Geschichte und Gegenwart weitergesponnen. Im internationalen Maßstab. Vision und Praxis, Erfolge und Scheitern werden dabei genauestens unter die Lupe genommen.

Der schwarz-rote Leitfaden, der sich sehr gut in die bisherigen (Co-)Veröffentlichungen von Findus zu Arbeiterbewegung, Anarchismus und Zapatismus einreiht, ist nicht nur wärmstens zu empfehlender Einstieg. Er legt den Finger in die Wunde, lässt Schlüsse zu, liefert Anregungen. Kurzum: Er ist handlich, praktisch, schön. Einfach gut!

Findus & Caterina Metje: Kleine Geschichte der Genossenschaften: Beispiele aus der Kooperativbewegung, Unrast Verlag, ISBN 978-3-89771-529-5, 76 Seiten, broschiert, Preis: 8,90 Euro

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