Editorial

Liebe Leser und Leserinnen,

die neue Ausgabe ist da – in skurrilen Zeiten. Eine konservativ-liberale Bundesregierung beschließt eine Lohnuntergrenze für Friseurinnen. Der Lohn dieser Berufsgruppe war jahrelang Sinnbild für übelste Ausbeutung. Vor allen Dingen, weil das Handwerk nach wie vor ein fast gewerkschaftsfreier Raum ist. Nun mag es oberflächlich verwundern, dass hier ausgerechnet eine Regierung mit FDP-Beteiligung regulierend eingreift. Es scheint Strategie zu sein, mit der Schaffung einzelner Lohnuntergrenzen zu suggerieren, dass eine flächendeckende Lösung überflüssig ist.

Exemplarisch für viele Aktionen zum Konflikt mit der Heinrich-Böll-Stiftung – hier in Halle am 27. August

Nur in einigen Skandalbranchen Abhilfe zu schaffen, ist aber nun nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Auch in der Industrie werden Stundenlöhne unterhalb von acht Euro gezahlt und nicht nur bei den Friseurinnen. Die geschlechtsspezifische Schreibweise soll hier zeigen, wer schlecht für seine Arbeit bezahlt wird – zu etwa 90 Prozent Frauen. Ebenso ist im Artikel über die Trucker nur die männliche Form gewählt, da der Anteil von weiblichen LKW-Fahrenden im niedrigen einstelligen Bereich liegen dürfte.

Das Schwerpunktthema „Prekäre Arbeit“ der DA 219 ist kein wirklich neues Thema, aber es betrifft immer mehr Menschen. Machen wir uns nichts vor, wenn die FAU aktiv war und ist, dann nicht um die großen Kämpfe etwa für Arbeitszeitverkürzungen an vorderster Front zu führen, sondern um in „prekären“ Einzelfällen einige Krumen mehr vom Sauerteigbrot zu bekommen. Davon zeugt auch die Auseinandersetzung bei der Heinrich-Böll-Stiftung. Bündnis 90/Die Grünen als dieser nahestehende Partei fordert ja gerade, den Missbrauch von Leiharbeit bekämpfen. Mmh… ist nicht Leiharbeit schon an sich ein Missbrauch.

Hintergründiges zum Prekären erfahrt ihr im Hintergrund-Artikel. Die Problematik durchzieht , wie nicht anders zu erwarten, die gesamte Ausgabe. Viel Spaß beim Lesen wäre da ein etwas makabres Schlusswort, viel mehr wünscht euch die BuG-Redaktion einige inspirierende Momente. Im angelsächsischen Blätterwald wird schon mal eine Wahlempfehlung im Editorial abgedruckt. Das sparen wir uns an dieser Stelle, hat sonst immer die Financial Times Deutschland gemacht. Was war jetzt noch mal aus dem Bertelsmann-Blatt geworden?

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar