Die Sabaté-Brüder

Nach dem Sieg der Faschisten im Spanischen Bürgerkrieg, flohen 1939 Hunderttausende ArbeiterInnen nach Frankreich. Nicht wenige dieser Flüchtlinge beteiligten sich während des Zweiten Weltkriegs am französischen Widerstand gegen die Nazis. Als die Nazi-Barbarei niedergerungen war, konzentrierte sich die libertäre Bewegung wieder auf den militanten Kampf gegen das Franco-Regime. Einen der für das Proletariat wohl klangvollsten Namen trugen dabei die Sabaté-Brüder.

Francisco Sabaté Llopart, allgemein nur El Quico genannt, wurde am 30. März 1915 in Hospitalet, einer südlich von Barcelona gelegenen Stadt, geboren. Im Alter von kaum 16 Jahren begann er eine Lehre als Klempner und trat der CNT1 bei, der er sein ganzes Leben lang verbunden blieb.

Bereits 1932 überfiel Francisco Sabaté mit einem anarchistischen Genossen erstmals einen Grundbesitzer, um während eines Bauernstreiks das erbeutete Geld dem Streikkomitee von Hospitalet zu übergeben. Daraufhin schloss sich Sabaté mit seinem älteren Bruder José einer Aktionsgruppe der FAI2 an, die sofort mit bewaffneten Aktionen in Erscheinung trat. Die bei den Überfällen enteigneten Geldmittel kamen Streikkomitees, Zeitungen und Unterstützungsgruppen für politische Gefangene zugute. Nach Ausbruch des Bürgerkriegs kämpften José und Francisco in einer CNT-Miliz an der Aragonfront. In Barcelona beteiligte sich El Quico 1937 an mehreren Gefangenenbefreiungen, bis er selbst von der republikanischen Geheimpolizei festgenommen wurde. Es gelang ihm jedoch mit drei Genossen aus dem Gefängnis auszubrechen und bis zur Niederlage der republikanischen Truppen 1939 in anarchistischen Einheiten an der Front weiterzukämpfen.

Wie alle anderen spanischen Flüchtlinge wurden auch die Sabaté-Brüder nach ihrer Flucht in einem Konzentrationslager in Südfrankreich interniert. Bei Beginn des deutschen Überfalls auf Frankreich aus dem Lager entlassen, zog Francisco mit seiner Frau und Tochter in die Nähe von Perpignan, um nach außen unverdächtig als Klempner zu arbeiten. 1945 schickte die Exil-CNT Sabaté immer wieder nach Katalonien, um Bedingungen für den Kampf gegen das Franco-Regime vorzubereiten und Kontakte zur Inlands-CNT zu halten. Dabei überfiel die Sabaté-Gruppe zunächst reiche Geschäftsleute, um an Geld- und Sachmittel für den Aufbau eines illegalen Propagandaapparats zu gelangen. Die Sabaté-Guerilla baute sowohl auf spanischer wie französischer Seite der Pyrenäen Verstecke und Waffenlager auf, die als Operationsbasen und Schmuggelwege dienten. Es gab noch weitere, von den Sabaté-Brüdern unabhängige libertäre Stadtguerillagruppen im franquistischen Spanien.

Manuel Sabaté - die letzte Aufnahme vor seiner Ermordung

1949 dezimierten eine Repressionswelle und mehrere Feuergefechte mit der Guardia Civil die Reihen der libertären Aktionsgruppen. Unter den getöteten Militanten befand sich auch José Sabaté. Die Repressionskräfte gingen nämlich bisweilen dazu über, die libertären KämpferInnen nicht mehr festzunehmen, sondern gleich auf offener Straße zu erschießen. Festgenommene anarchistische Guerillas, darunter Manuel, der jüngste der Sabaté-Brüder, wurden gefoltert und hingerichtet. Nach der harten Repressionswelle 1949/50 drifteten die verschiedenen Teile der Spanischen Befreiungsbewegung (MLE3-CNT) immer schneller auseinander. In Frankreich gründete Francisco Sabaté die Grupos Anarco-Syndicalistas, die den bewaffneten Kampf fortsetzten und von der Führung der Exil-CNT nicht anerkannt wurden. Die unvermindert nach Spanien einsickernden KämpferInnen standen jedoch mit lokalen Föderationen der Inlands-CNT in engem Kontakt. Mitte der 1950er Jahre war Sabaté in Spanien längst zur Legende geworden. Bei den illegalen Aufenthalten in Barcelona betrieb der Staatsfeind Nr. 1 ungebrochen verbotene Propaganda, indem er massenhaft Flugblätter verteilte oder auf öffentlichen Plätzen subversive Reden von Tonbändern abspielen ließ.

Doch immer nachdrücklicher sprach die Exil-CNT davon, dass die Sabaté-Gruppe außerhalb der Organisation stehen und gegen ihre Beschlüsse handeln würde. Nachdem sich auch die FAI im französischen Exil von den autonomen Aktionsgruppen distanziert hatte, lösten sich die Grupos Anarco-Syndicalistas wieder auf. Francisco Sabaté gehörte jedoch weiterhin zu denjenigen anarchistischen EmigrantInnen, die den Kampf gegen das Franco-Regime sehr aktiv und damit auch bewaffnet fortführen wollten. Das letzte Kommando – Sabaté und weitere vier Genossen – wurde schließlich am 4. und 5. Januar 1960 von der Guardia Civil in Katalonien gestellt und in zwei Feuergefechten vollständig ausgelöscht. Damit war die Sabaté-Guerilla Geschichte und erst die linksradikale MIL4 setzte den bewaffneten Kampf gegen das Franco-Regime Anfang der 1970er Jahre fort. Der Umgang mit dem Tod Sabatés durch die CNT-Presse war – gelinde gesagt – peinlich und unwürdig.

 

[1] Confederación Nacional del Trabajo – 1910 gegründete anarchosyndikalistische Gewerkschaft.

[2] Federación Anarquista Ibérica – 1927 gegründete anarchistische Föderation.

[3] Movimiento Liberación de España – Spanische Befreiungsbewegung im Exil, im wesentlichen von der Exil-CNT getragen.

[4] Movimiento Ibérico de Liberación – Iberische Befreiungsbewegung. Eine gemischt marxistisch-anarchistische Guerilla, die ihre Basen im südfranzösischen Toulouse sowie in Barcelona hatte.

Bilderquelle und Literatur zum weiterlesen: Sabaté – Stadtquerillia in Spanien nach dem Bürgerkrieg 1945-1960 – Trikont-Verlag 1974 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Ein Interview mit Lucio Urtubia über “El Chico” findet sich hier.

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