„Denen muss in den Arsch getreten werden!“

Podiumsdiskussion „Neue Formen von Arbeit und kollektiver Organisierung“ am 30. Januar in Berlin

„Hier ist etwas passiert, das eine
Gefahr bedeutet für die gesamte Vertretungsstruktur in Deutschland.
Und kleiner sollten wir es auch nicht halten,“ forderte die
Potsdamer Historikerin Renate Hürtgen die ZuhörerInnen in der
Volksbühne energisch auf. Zusammen mit Juristen, Gewerkschaftern,
BürgerrechtlerInnen und SozialwissenschaftlerInnen diskutierte die
FAU Berlin am 30. Januar auf einer Podiumsveranstaltung mit dem Titel
„Neue Formen von Arbeit und kollektiver Organisierung“.

Das vorangegangene
De-facto-Gewerkschaftsverbot gegen die FAU Berlin durch das Berliner
Landgericht gab dabei genügend Anlass zur Sorge. Die
PodiumsteilnehmerInnen stellten heraus, dass sich die Gewerkschaften
dem Wandel der Arbeitswelt anpassen müssten und daher zwangsläufig
mehr Basisorientierung brauchten. Dass genau diese Eigenschaft der
FAU Berlin nun zum Verhängnis wurde, bezeichnete der Politologe
Jochen Gester als „einen gerichtlichen Versuch, das Koalitionsrecht
nicht zu schützen, sondern es zu verhöhnen.“

Aber welche gemeinsamen Strategien
lassen sich entwickeln? Gibt es überhaupt ein gemeinsames Interesse
an der Verteidigung der Gewerkschaftsfreiheit? Oder wird diese in
Zeiten der Krise eher als Gefahr wahrgenommen? Am Ende der
Veranstaltung war jedenfalls klar, dass es den Wunsch nach einer
konkreten Zusammenarbeit gibt – das gemeinsame Interesse überwog
die Differenzen.

Gut zwei Wochen darauf gründete sich
das „Solidaritätskomitee für gewerkschaftliche Freiheit“. Das
Komitee verfasste einen Appell „Für die Verteidigung des
Koalitionsrechts – Aufhebung des Verbots gewerkschaftlicher
Betätigung für die FAU Berlin“, mit Erstunterzeichnungen von 45
aktiven GewerkschafterInnen und Betriebsräten, z.T. aus namhaften
deutschen Großbetrieben sowie von BürgerrechtlerInnen, u.a. aus der
ehemaligen DDR.

Innerhalb einer Woche unterschrieben
über 200 Einzelpersonen aus ganz Deutschland den Appell, darunter
auch die gekündigte Berliner Kassiererin Emmely und der emeritierte
Professor und Gewerkschaftsexperte Bodo Zeuner. Weitere Unterstützung
aus dem europäischen Ausland ist bereits angekündigt.

Die Unterzeichnenden setzen sich für
das Recht ein, sich in Gewerkschaften eigener Wahl zusammenschließen
und betätigen zu können. „Die aktuelle Arbeitsrechtsprechung
erweist sich immer mehr als Versuch, dieses grundlegende Recht
einzuschränken, seine Ausübung zu erschweren und letztlich zu
vereiteln“, heißt es in dem Appell.

 

Der Appell findet sich in voller Länge
auf: http://labournet.de/diskussion/gewerkschaft/real/fau.html

Kontakt zum Komitee:
koalitionsfreiheit(a)googlegroups.com

 

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