Déjà-vu im Arbeitskampf

Lufthansa Streik 2010Multitasking – ein großes Schlagwort
der flexibilisierten Arbeitswelt. Die Bosse selbst scheinen dazu
nicht in der Lage. Sobald sie es mit mehr als einer Gewerkschaft zu
tun haben, rennen sie vor Gericht. Wie 2007 die Deutsche Bahn (im
Falle der GDL), so 2010 die Lufthansa. Am 22.2. traten 4.000 der
4.500 Hanse-Piloten in den Streik, v.a. um dem Lohndumping durch
Tochtergesellschaften zu begegnen. Besonders interessant und
ungewöhnlich: die Forderung, den deutschen Konzerntarif auch auf die
Lufthansa-Strukturen im Ausland auszuweiten, womit nationale
Tarifschranken durchbrochen würden.

Aufgerufen hatte die Pilotenvereinigung
Cockpit (VC), und die fand sich noch am selben Tag vor dem
Arbeitsgericht wieder. Lufthansa klagte auf „Unverhältnismäßigkeit“
des Streiks und zielte auf eine Einstweilige Verfügung. Dazu kam es
nicht. Beide Parteien einigten sich auf die Wiederaufnahme der
Verhandlungen, der Streik wurde vorzeitig abgebrochen. Anfang März
werden wir sehen wie es weitergeht. Pikant: mit den Flugbegleitern
(UFO) und dem Bodenpersonal (ver.di) drohen indessen zwei weitere
Gewerkschaften mit Streik.

Der Schein der Einigung sollte aber
nicht trügen: Die Zustimmung zum Vergleich seitens VC dürfte
erfolgt sein, weil die Richterin sicherlich klargestellt hat, zu
welchen Ungunsten ein Richterspruch ausschlagen würde. Und bei
festgestellter Unverhältnismäßigkeit droht der VC eine
Schadensersatzklage in Millionenhöhe. Einstweilige Verfügungen sind
offensichtlich ein effektives Mittel der Unternehmer. Babylon lässt
grüßen
. (HM)

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